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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2025

Ohne Filter

Der Absturz
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"Der Absturz" von Édouard Louis ist wohl der Abschluss einer dreibändigen Reihe des Autors, über das Leben in der Kindheit und Jugend und hier über das Leben und den Tod seines Bruders.
Das Buch ist unabhängig ...

"Der Absturz" von Édouard Louis ist wohl der Abschluss einer dreibändigen Reihe des Autors, über das Leben in der Kindheit und Jugend und hier über das Leben und den Tod seines Bruders.
Das Buch ist unabhängig zu lesen, man braucht keinerlei Vorkenntnisse, mich hat diese Lektüre jetzt aber neugierig auf die anderen Bücher gemacht. Der Autor kann so gut schreiben, er findet so gute Worte und Sätze, die ich mehrmals lesen muss, so gut sind sie.
Als sein Bruder stirbt hatte er seit 10 Jahren schon keinen Kontakt mehr zu ihm, was er auch nicht bereut und ihn auch nicht betrauert. Diese Tatsache kommt ihm allerdings selber merkwürdig vor und so versucht er den Dingen auf den Grund zu gehen.
Wie ist sein Bruder so geworden? Wer hatte Schuld? Hätte er selber etwas tun können? Und ganz wichtig, wo war der Punkt, an dem alles kippte.
Schonungslos und offen geht es hier an die Familiengeschichte, Freunde und Freundinnen berichten, er selber erinnert sich an einzelne Szenen.
Er geht in die Vergangenheit und sammelt Stichpunkte, sammelt Fakten und versucht auch zu interpretieren.
Es gibt eine Abwärtsspirale der Enttäuschungen, der Sucht, des Alkoholismus, der Gewalt. Nichts wird hier beschönigt, niemand reingewaschen. Ein Leben, ein aussichtsreiches und junges Leben ist beendet und das tut schon beim Lesen weh. Der Autor wahrt eine gewisse Distanz, aber als Leser ist man hier ganz nah dran. Das Thema und der Schreibstil, das ist so gut aufgearbeitet, schmerzhaft, nachdenklich machend, aber wichtig.

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Veröffentlicht am 13.09.2025

Erwartungen zu hoch

Katabasis
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Auf "Katabasis" von R.F. Kuang habe ich mich so sehr gefreut, weil ich "Babel" von der Autorin so geliebt habe. Vielleicht waren meine Erwartungen dieses Mal einfach zu hoch, denn dieses Werk lässt mich ...

Auf "Katabasis" von R.F. Kuang habe ich mich so sehr gefreut, weil ich "Babel" von der Autorin so geliebt habe. Vielleicht waren meine Erwartungen dieses Mal einfach zu hoch, denn dieses Werk lässt mich leicht enttäuscht zurück.
Nein, es ist kein schlechtes Buch, es ist nur nicht das Buch, welches ich gerne gelesen hätte. Der Klappentext war so interessant zu lesen. Zwei Doktoranden in der Magie, in Cambridge, reisen gemeinsam in die Hölle, um Professor Jacob Grimes, der nach einem Unfall dort gelandet ist, zurückzuholen.
Die beiden, Alice Law und Peter Murdoch, sind nicht unbedingt di besten Freunde und man braucht eine ganze Weile, um ihre Beziehung untereinander zu verstehen.
Allerdings versteht man sehr schnell, warum Grimes in der Hölle gelandet ist und dort auch hingehört.
Der Aufbau der Hölle nach Dantes Modell mit den Kreisen ist gut vorstellbar, es gibt im Buch sogar Skizzen dazu. Ich hätte mir da wirklich spannende Abschnitte gewünscht, die allerdings sehr oft in philosophischen und mathematischen Abhandlungen fast untergehen.
Auch die Protagonistin, Alice, ist mir nicht sonderlich sympathisch, wobei das absolut in Ordnung ist, in vielen Rückblicken wird sie langsam etwas verständlicher und auch menschlicher für mich. Peter mochte ich auf Anhieb, aber auch über ihn erfahren wir erst nach und nach in Rückblicken mehr und verstehen seine Gründe.
Das Universitätsleben wird hier irgendwie auf beiden Seiten gezeigt, im Hier und im Jenseits, das hätte ich mir, gerade in der Hölle, anders gewünscht.
Im Buch werden viele echte und wichtige Themen angesprochen und verarbeitet, sei es der Feminismus oder der Machtmissbrauch, Manipulation von Abhängigkeiten.
Dem Buch fehlte die Spannung, dafür gab es viele interessante Denkansätze, wahrscheinlich werde ich es auch noch einmal lesen.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Gut aufgebaut

Der Trailer
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"Der Trailer" von Linus Geschke bildet den Auftakt einer geplanten Trilogie, der Donkerbloem-Reihe.
Donkerbloem ist ein Campingplatz in Belgien, auf dem der Wohnwagen steht. Von dort verschwand vor 15 ...

"Der Trailer" von Linus Geschke bildet den Auftakt einer geplanten Trilogie, der Donkerbloem-Reihe.
Donkerbloem ist ein Campingplatz in Belgien, auf dem der Wohnwagen steht. Von dort verschwand vor 15 Jahren eine Frau namens Lisa.
Durch einen Podcast und die suspendierte Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke, die Lisa persönlich kannte, kommen die Ermittlungen wieder in Gang.
Wout Meertens war ebenfalls auf dem Campingplatz, als Lisa verschwand, und auch für ihn wird durch den Podcast die Vergangenheit wieder lebendig. Er möchte die Wahrheit herausfinden, jedoch ohne Beteiligung der Polizei. Unterstützung erhält er von seinem Freund Tayfun und seiner Untermieterin Kathinka.
Die Protagonisten sind äußerst vielschichtig und es bereitet Freude, sie nach und nach kennenzulernen.
Das Buch ist von der ersten Seite an fesselnd, der Autor überzeugt mit präzisen Schilderungen. Die Geschichte wird aus multiplen Blickwinkeln erzählt.
Es ist nicht mein erstes Buch des Autors und meiner Meinung nach auch nicht sein bestes, dennoch ein durchweg spannender und stimmiger Thriller, der mich gut unterhielt.
Der Fall ist in sich abgeschlossen, die Fortsetzungen werde ich aufgrund der Charaktere dennoch lesen und ich blicke ihnen erwartungsvoll entgegen.

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Veröffentlicht am 31.08.2025

Schwer zu lesen

Lázár
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"Lázár" von Nelio Biedermann ist das Debüt des jungen Autors. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, es versprach vom Klappentext her eine großartige Familiensaga, verbunden mit dem Land, in der sie spielt ...

"Lázár" von Nelio Biedermann ist das Debüt des jungen Autors. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, es versprach vom Klappentext her eine großartige Familiensaga, verbunden mit dem Land, in der sie spielt und dem Leben einer adligen Familie.
Die Geschichte erstreckt sich auch über mehrere Generationen, es beginnt Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.
Das Buch erzählt auch jeweils von den Brüdern oder Schwestern, von Kindern und wie es zu den neuen Eheschließungen und Trennungen kam. Genauso wird der Tod gehandhabt, egal ob Suizid oder durch Krankheit, es fließt mit ein, in diesen Kreislauf des Lebens.
Es gibt hier Passagen, die ich sehr mag, poetisch und doch verständlich und dann driftet das Buch wieder ab, in für mich unverständliche oder sogar langweilige Teile.
Ich mag die Geschichte des Landes, die hier mit einfließt, aber auch hier, sobald es interessant wird, geht es anderswo weiter.
Es ist nicht mein Buch, es liest sich für mich nicht leicht und es bleibt mir auch nicht in den Gedanken. Mir fehlt hier ein Zusammenhang, ein roter Faden, der mich fesselt.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Leben in Chile

Mein Name ist Emilia del Valle
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"Mein Name ist Emilia del Valle" von Isabel Allende ist nicht mein erstes Buch dieser Autorin. Ich schätze sie als Erzählerin guter Geschichten sehr und das ist ihr auch hier wieder gut gelungen.
Man muss ...

"Mein Name ist Emilia del Valle" von Isabel Allende ist nicht mein erstes Buch dieser Autorin. Ich schätze sie als Erzählerin guter Geschichten sehr und das ist ihr auch hier wieder gut gelungen.
Man muss lang erzählte Geschichten lieben, die manchmal etwas Zeit brauchen, um sich zu entfalten. So war es auch hier und ab einem bestimmten Zeitpunkt konnte ich das Buch nicht mehr weglegen.
Emilia hat eine gute Kindheit, sie wird geleibt von Mutter und Stiefvater, sie wird zu einer mutigen und selbstbewussten Frau erzogen, was hauptsächlich ihrem Stiefvater zu verdanken ist.
Sie schreibt, eigentlich ein Männerberuf, zu dieser Zeit, aber sie nutzt ein Pseudonym. Später, als Journalistin, setzt sie ihren eigenen Namen unter ihren Werken durch.
Sehr schnell führt Emilias Beruf sie nach Chile, wo auch ihre Wurzeln liegen und gerade ein blutiger Bürgerkrieg tobt. Gerade in diesem Land und der Geschichte ist die Autorin daheim und in ihrem Element.
Es gibt sehr viele politisch interessante Aspekte, es gibt grausame und brutale Kriegsszenen und es gibt auch atemberaubende Naturbeschreibungen.
Land und Leute entstehen beim Lesen direkt vor meinen Augen, das ist so gut beschrieben.
Emilia bleibt sich in all dem Schrecken selber treu und geht ihren Weg, lässt sich nicht beschränken und aufhalten. Das Buch ist sehr eindringlich und Emilia eine sehr gut dargestellte Protagonistin.

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