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Veröffentlicht am 26.07.2025

Virus oder Macht

All Better Now
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"All Better Now" von Neal Shusterman ist spannend wie ein Thriller, es ist dystopisch und leider auch in großen Teilen vorstellbar.
Ein Virus hat die Welt im Griff, eine Pandemie, die beim lesen an Corona ...

"All Better Now" von Neal Shusterman ist spannend wie ein Thriller, es ist dystopisch und leider auch in großen Teilen vorstellbar.
Ein Virus hat die Welt im Griff, eine Pandemie, die beim lesen an Corona erinnert, es wird Crown Royal genannt. Die Menschen erkranken schwer, sie sterben oder genesen in total veränderter Form. Die Genesenen kennen keine negativen Gefühle mehr, sie sind auf einmal alle glücklich, hilfsbereit und zufrieden. Sie bilden sogar Gemeinschaften.
Natürlich ist das eine einschneidende Veränderung für die Wirtschaft und Politik, es wird nicht mehr sinnlos konsumiert, sondern Rücksicht genommen. So dauert es auch nicht lange, bis mit allen Mitteln gegen das Virus gekämpft wird.
Wir erleben hier den Kampf auf persönlicher Ebene und begleiten Protagonisten aus beiden Lagern bei ihrem Kampf. Es geht hier Reichtum gegen Glück, Macht gegen Zukunft, das ist spannend zu lesen.
Die Charaktere sind gut fassbar und glaubhaft, der Schreibstil flüssig und das Buch durchweg spannend. Einige der Personen fand ich in ihrem Handeln nicht ganz nachvollziehbar aber das geht mir im echten Leben auch manchmal so. Es ist eine Dystopie, enthält aber auch sehr viele wahre Erkenntnisse, so dass es sich teils sehr real anfühlt.
Es ist ein Jugendbuch und fühlt sich teilweise auch so an, aber es ist auch für Erwachsene gut lesbar.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Eindrucksvolle Lektüre

Zwischen zwei Leben
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"Zwischen zwei Leben" von Minna Rytisalo ist ein Roman, der mich noch eine ganze Weile beschäftigen wird.
Hauptpersonen sind hier Frauen. Es geht um Jenni Mäki, die zu Jenny Hill wird, als sie ihren Mann ...

"Zwischen zwei Leben" von Minna Rytisalo ist ein Roman, der mich noch eine ganze Weile beschäftigen wird.
Hauptpersonen sind hier Frauen. Es geht um Jenni Mäki, die zu Jenny Hill wird, als sie ihren Mann verlässt. Es geht um ihre Schwester und auch um ihre Tochter und die Frauen, die sie in ihrem Leben kennt.
Dazu kommen persönliche Briefe an Brigitte Macron. Gerade diese fiktiven Briefe an eine echte Person aus dem öffentlichen Leben haben es in sich. Sie sind ehrlich, schonungslos zu sich selbst und der anderen, sie bringen zum nachdenken und reflektieren.
Zu Wort kommen auch die Ajatarras, das sind weibliche Märchenfiguren wie Rapunzel, Dornröschen, Aschenputtel oder auch Gretel. Diese erzählen ihre Geschichte anders, als man sie kennt, sie wurden verändert, durch die Zeit, zum Nachteil der Frauen, der weiblichen Sicht.
Jenny beginnt zu hinterfragen, ich konnte hier sehr viel verstehen und nachverfolgen, mir haben einige der Gedankengänge wirklich sehr gut gefallen.
Die Themen hier sind vielfältig und interessant, sie werden gut aufgearbeitet, weise und leise, nur manchmal grob und laut. Es geht um Mutternschaft, Tochtersein, Klimakterium und Ehe, um Veränderungen und Beständigkeiten im Leben.
Ein Buch eher für Frauen, wobei ich dieses Buch allerdings genderunabhängig empfehlen würde.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Zwangsgeräumt

Botanik des Wahnsinns
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"Botanik des Wahnsinns" von Leon Engler war für mich eine absolute Überraschung. Dieses Buch hat mich mitgenommen und tief beeindruckt.
Erzählt wird hier eine Familiengeschichte mehrerer Generationen, ...

"Botanik des Wahnsinns" von Leon Engler war für mich eine absolute Überraschung. Dieses Buch hat mich mitgenommen und tief beeindruckt.
Erzählt wird hier eine Familiengeschichte mehrerer Generationen, aus der Sicht des Sohnes, Enkels und auch Urenkels. Es ist so eine schonungslos ehrliche Geschichte, dass es einem manchmal den Atem verschlägt.
Es geht um die Probleme in der Familie, die Probleme der Menschen, über die so oft und gerne geschwiegen wird. Es sind Depressionen, Alkoholismus, Suizidversuche, Lebensversagen und Klinikaufenthalte in der Psychiatrie.
Der Erzähler versucht diese Geschichte von seiner Sicht her zu verstehen und aufzurollen, dabei erzählt er auch über sein eigenes Jahr in der Psychiatrie, als Psychologe.
Das Buch ist so menschlich geschrieben, nie anklagend, immer helfen und verstehen wollend und doch so oft scheiternd. Aber ist das überhaupt ein scheitern? Hier werden sehr interessante Fragen gestellt, die es wirklich zu bedenken gilt. Wer ist schon normal und was ist normal?
Der Autor schreibt sehr interessant und verständlich, auch allen fachlichen Ausführungen kann man sehr gut folgen.
Für mich ist dieses Werk ein ganz überraschendes Lese-Highlight in diesem Jahr.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Nicht ganz schlüssig

Das Ministerium der Zeit
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„Das Ministerium der Zeit“ von Kaliane Bradley war ein Buch, dem ich mit großer Vorfreude entgegensah. Die Verbindung von Zeitreisen und Geschichte birgt enormes Potenzial.
Die Hauptfigur erhält einen ...

„Das Ministerium der Zeit“ von Kaliane Bradley war ein Buch, dem ich mit großer Vorfreude entgegensah. Die Verbindung von Zeitreisen und Geschichte birgt enormes Potenzial.
Die Hauptfigur erhält einen hochgeheimen Posten im Ministerium und ist selbst überrascht von ihrer Auswahl. Ihre Aufgabe als „Brücke“ besteht darin, Überlebende aus vergangenen Epochen zu betreuen.
Ihr zugeteilt wird Commander Graham Gore, ein Polarforscher der Franklin-Expedition mit den Schiffen Erebus und Terror. Da ich viel über diese Expedition gelesen habe, freute ich mich besonders auf seine Rolle. Gores Erinnerungen waren faszinierend und packend erzählt.
Er gewöhnt sich erstaunlich schnell an die moderne Zeit und hinterfragt mit spitzem Finger viele aktuelle Probleme, verwundert über deren Entstehung.
Die beiden Protagonisten mochte ich sehr, ebenso ihren teils trockenen Humor. Allerdings verlor die Handlung später für mich an Klarheit, nicht nur wegen der Zeitsprünge.
Die historischen Details und die Idee der „Heimischwerdenden“ gefielen mir, auch wenn das letzte Drittel für mich nicht ganz schlüssig war. Dennoch würde ich das Buch empfehlen – es hat mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Ganz besonders

How to know a person
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David Brooks‘ Buch „How to know a person“ hat mich tief beeindruckt und vieles gelehrt.
Es ist ein Sachbuch, das sich unterhaltsam liest, aber eher portionsweise genossen werden will.
Brooks verwebt ...

David Brooks‘ Buch „How to know a person“ hat mich tief beeindruckt und vieles gelehrt.
Es ist ein Sachbuch, das sich unterhaltsam liest, aber eher portionsweise genossen werden will.
Brooks verwebt persönliche Erfahrungen in den Text, was lebendig wirkt und durch Alltagsbeispiele klärt.
Themen wie Gespräche, Zuhören, Freundschaft und Respekt werden greifbar – oft habe ich dabei eigene Schwächen erkannt.
Die Mischung aus wissenschaftlicher Fundierung und menschlicher Offenheit macht es besonders.
Ein Buch, das nachwirkt und zum Wiederlesen einlädt – eine absolute Empfehlung!

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