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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.06.2026

Eine starke Frau geht ihren Weg

Gretas Männer
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Judith Reusch schenkt uns Lesern mit ‘Gretas Männer‘ einen ausdrucksstarken, kraftvollen Roman, der eine weit über achtzigjährige Frau und ihre Lebensgeschichte in den Mittelpunkt der Handlung stellt. ...

Judith Reusch schenkt uns Lesern mit ‘Gretas Männer‘ einen ausdrucksstarken, kraftvollen Roman, der eine weit über achtzigjährige Frau und ihre Lebensgeschichte in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Greta war Zeit ihres Lebens ein Mensch, der sich dem Notwendigen fügte, der sein Herz öffnete für Bedürftige, jedem seine Rolle im Leben gern überlies, sich nie in den Mittelpunkt drängte und stets pflichtbewusst handelte, ohne den Spaß am Leben zu vernachlässigen. Frühzeitig war sie mehr oder weniger auf sich allein gestellt, musste für ihren Lebensunterhalt stets arbeiten. Frei und unbeschwert fühlte sie sich, als sie ihren ersten Mann kennenlernte, der ihr schon bald wieder genommen wurde, wie die folgenden drei Ehemänner. Greta sorgte sich nicht um das Gerede der Leute, sondern verfolgte ihren Weg, auch wenn schmerzliche Momente sie plagten.
Als Greta in der Zeitung eine Geburtsanzeige ihrer Urenkelin liest, schreibt sie einen Brief an das Kind und Maja, die Mutter, sucht daraufhin den Kontakt zu ihrer Großmutter, die von der Familie wegen ihrer vielen Männer ausgegrenzt wird. Maja fragt nach bei Greta und so erfahren wir eine unglaublich berührende Lebensgeschichte.
Die Autorin vermag es, menschlichen Schicksalen durch authentische Charaktere das wahre Leben einzuhauchen und diesen Roman durch seinen fesselnden Schreibstil, der eine enorme Sogwirkung besitzt, zu einem einzigartigen Leseerlebnis zu gestalten. Der Wechsel zwischen den Zeitebenen treibt die Geschichte geschickt voran und sorgt gleichzeitig für spannende Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.06.2026

Kindheitserinnerungen

Tanzende Frau, blauer Hahn
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Dana Grigorcea lässt in ihrem Roman ‘Tanzende Frau, blauer Hahn‘ Kindheitserinnerungen ihrer Protagonistin aufleben. In den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts verbringt Roxana gemeinsam mit ...

Dana Grigorcea lässt in ihrem Roman ‘Tanzende Frau, blauer Hahn‘ Kindheitserinnerungen ihrer Protagonistin aufleben. In den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts verbringt Roxana gemeinsam mit ihrer Großmutter und deren Schwester jedes Jahr aufs Neue ihre Ferien in dem kleinen Dorf rumänischen Busteni. Dort lernt sie Camil kennen, mit dem sie viel Zeit verbringt. Was die beiden verbindet, wird angedeutet.
In kleinen ausgewählten Episoden lernt der Lesende den ein oder anderen Dorfbewohner und seine Gewohnheiten kennen. Die Lebensart wird vorgestellt und ein pittoreskes Landschaftsbild am Fuße der Karpaten gemalt. Die politischen Verhältnisse haben gerade gewechselt, der totalitäre Staat ist abgeschafft. Doch die alten Strukturen mit dem Gedankengut ist in den Köpfen noch verankert.
Die Geschichte wird einem Puzzle gleich erzählt, deren Einzelteile aneinandergereiht werden möchten. Das bindende Glied sucht man zwischen den Zeilen, so dass ein ganz persönliches Gesamtkonstrukt entsteht. Der Sprachstil ist anspruchsvoll und erfordert Konzentration.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Der Wahrheit auf der Spur

Feine Risse
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Nach ‘Dunkle Momente‘ präsentiert uns Elisa Hoven ‘Feine Risse‘, einen Roman, der sich mit Recht und Gerechtigkeit als auch der herausfordernden Suche nach der Wahrheit in acht ausgewählten Straffällen ...

Nach ‘Dunkle Momente‘ präsentiert uns Elisa Hoven ‘Feine Risse‘, einen Roman, der sich mit Recht und Gerechtigkeit als auch der herausfordernden Suche nach der Wahrheit in acht ausgewählten Straffällen auseinandersetzt, wobei der ein oder andere bereits in ähnlicher Form enormes öffentliches Interesse in der Vergangenheit weckte. Die Autorin selbst ist Proffesorin für Strafrecht und Richterin am sächsischen Verfassungsgerichthof, kennt sich also bestens aus in dem Metier, über welches sie fesselnd schreibt.
Immer wieder lässt sie ihre engagierte Protagonistin Eva Herbergen als Strafverteidigerin agieren, eine Frau, die sich stets selbst auf die Suche nach der Wahrheit begibt, mit ausgeprägter Menschenkenntnis ihre Gespräche führt und dennoch nicht von Selbstzweifeln und Niederlagen befreit ist. Die intensive Auseinandersetzung damit, welche Wahrnehmungen der Täter, Zeugen und ggf. auch Opfer dem eigentlichen Tathergang am nächsten kommen könnten, fordert ihren ganzen, im Laufe der vielen Berufsjahre angeeigneten Sachverstand. Die Beschäftigung mit ihren aktuellen Fällen zieht sich bis in ihre Privatsphäre. So sucht sie den Austausch mit ihrem Mann Peter, der kurz vor seiner Pensionierung steht und dessen Familiengeschichte droht, feine Risse zu bekommen.
Geschickt verwebt die Autorin das persönliche familiäre und freundschaftliche Umfeld ihrer Hauptperson mit spannenden kriminellen Handlungen, die immer wieder aufs Neue überraschende menschliche Abgründe zum Vorschein bringen. Der Roman überzeugt durch seine moderne, kluge Sprache und fordert zum Nachdenken auf.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Überfordert

Wir in zehn Jahren
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Jessica Stanley setzt sich in ihrem Roman ‘Wir in zehn Jahren‘, erschienen im DuMont Buchverlag, mit dem Leben einer modernen Patchworkfamilie auseinander, die in London lebt und zwischen 2013 bis 2023 ...

Jessica Stanley setzt sich in ihrem Roman ‘Wir in zehn Jahren‘, erschienen im DuMont Buchverlag, mit dem Leben einer modernen Patchworkfamilie auseinander, die in London lebt und zwischen 2013 bis 2023 die politischen Wirren in Großbritannien, ausgelöst durch den Brexit als auch die Corona-Pandemie hautnah spürt. Mit einer Brise Humor beginnt die Geschichte, die fortlaufend an Tiefe durch empathisch gezeichnete Charaktere gewinnt, die das moderne Leben in der westlichen Gesellschaft widerspiegeln, auf ihre täglichen Herausforderungen im Verlauf einer zehnjährigen Zeitspanne eingeht.
Coralie ist Australierin und arbeitet in London in einer PR-Agentur. Hier lernt sie den Poli-Journalisten Adam kennen, als sie Zora, seine vierjährige Tochter, aus einem Ententeich fischt und so vor nicht auszudenkenden Folgen rettet. Beide verlieben sich, ziehen zusammen, werden Eltern von zwei weiteren Kindern und sehen sich nun, genauso wie Millionen anderer Paare, mit einem kräftezehrenden und nervenaufreibenden Alltag der unzähligen kleinen und großen zu erledigenden Dinge konfrontiert. Coralie versucht neben dem Ausbau ihres gemeinsamen Traumhauses, Beruf, Mutterschaft und Haushalt in Einklang zu bringen, während Adam sich auffallend aus dem Familienleben zurückzieht. Ein Buchprojekt erfordert seine ganze Aufmerksamkeit. Die zunehmende Überforderung Coralies begleiten Schuldgefühle, die sie natürlich Stück für Stück zermürben.
Wer gern mehr über die Gedanken und Gefühle der sympathischen Protagonistin erfahren möchte, der wird in dieser Geschichte seinen Lesegenuss finden.

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Veröffentlicht am 04.06.2026

Lebensfreude durch Veränderung

Au revoir und tschüss
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Caro ist eine begehrenswerte Frau Mitte vierzig, die sich allein um Haus und Garten sorgt, den Haushalt führt. Sie hat zwei erwachsene Söhne, die sie sehr liebt, die allerdings das Hotel Mama für sich ...

Caro ist eine begehrenswerte Frau Mitte vierzig, die sich allein um Haus und Garten sorgt, den Haushalt führt. Sie hat zwei erwachsene Söhne, die sie sehr liebt, die allerdings das Hotel Mama für sich nutzen. Und da ist auch noch Holger, Ihr Ehemann, der nur sein berufliches Vorankommen im Sinn hat und seine Frau darüber vernachlässigt, schlimmer noch sie als Mädchen für alles schändlich ausnutzt. Als wieder einmal kurzfristig Besuch für den Abend von Holger angekündigt wird, fast Caro einen folgenschweren Entschluss. Sie erfüllt sich einen Traum und bucht einen vierwöchigen Sprachkurs im pittoresken Uzès, gelegen in Süden Frankreichs. Ihre Reise führt sie über Paris, wo sie einen kurzen Zwischenstopp einlegt, die Stadt genießt und einer Schrecksekunde glimpflich entkommen kann. Am Ziel ihrer Träume angekommen, taucht sie mehr und mehr in die Leichtigkeit der südländischen Lebensart ein, lernt Menschen kennen, die ihre Zweisamkeit genießen, findet Freunde, gerät in unvorhersehbare, brenzliche Situationen, stürzt sich in ein befreiendes Abenteuer. Ihr Herz blüht auf und endlich weiß sie auch, wie sie ihrem Leben einen neuen Sinn geben kann.
Gudrun Lochte lässt uns Leser in ihrem Roman ‘Au revoir und tschüss‘ den Duft von Lavendelfeldern einatmen, regt die Geschmacksnerven an mit frisch gebackenem Baguette, Oliven, Zitronen, Fisch, Käse, duftenden Kräutern und was diese Marktstände der ansässigen Bauern sonst noch anbieten. Ihre Charaktere sind lebendig, sehr menschlich. Sie schreibt warmherzig und ausdrucksstark, zeigt die Schönheit einer Altstadt und die lebenswerte Art von Menschen, die sich dem Genuss des Alltags, neben ihrer harten Arbeit hingeben können.
Wer den Sommer auf der Haut spüren möchte, der sollte in diesen wunderschön gestalteten Roman voller Lebensfreude eintauchen und einfach nur genießen.

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