Profilbild von MEERBLICK

MEERBLICK

Lesejury Star
offline

MEERBLICK ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MEERBLICK über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2025

Die große Liebe zu Büchern

Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry
0

Der Roman ‘Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry‘ von Gabrielle Zevin wird nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt, sondern mit Zeitsprüngen. In den von der Autorin gewählten Erzählstil muss man sich ...

Der Roman ‘Das erstaunliche Leben des A.J. Fikry‘ von Gabrielle Zevin wird nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt, sondern mit Zeitsprüngen. In den von der Autorin gewählten Erzählstil muss man sich einfinden. Doch sehr schnell erkennt man den Charme des Buches und taucht ein in eine herzerwärmende, humorvolle und etwas melancholische Geschichte. Die Charaktere sind ein wenig skizzenhaft gezeichnet. Leicht folgt man ihren Gedanken und Gefühlen, die mich doch sehr nachdenklich stimmen konnten.
A.J. Fikry ist ein grummeliger Griesgram, der seine Frau verloren hat und die Menschen um sich herum sehr distanziert, ja unfreundlich behandelt. Er besitzt einen kleine Buchlanden auf der pittoresken Insel Alice, der nicht besonders gut läuft. Doch seine Liebe zu den Büchern ist alles was ihm geblieben ist. Da ist es nur allzu verständlich, dass ihm der Verlust eines wertvollen Buches aus der Fassung bringt. Eines Tages jedoch tritt die kleine Maya in sein Leben und von nun an ändert sich nicht nur sein Alltag.
Der Roman erzählt vom Verlust und Neubeginn, stellt die großartige Wirkung von Geschichten in den Mittelpunkt. Die Wandlung von A.J. Fikry hat etwas berührendes. Warum er an Maya immer wieder Buchempfehlungen richtet, wird im Laufe der Erzählung geklärt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.11.2025

Toxische Arbeitsverhältnisse

Die Assistentin
0

Charlotte, die Protagonistin in Caroline Wahls neuen Roman ‘Die Assistentin‘, hat es geschafft. Sie ist die Assistentin des Verlegers in einem renommierten Münchner Verlagshaus. Da muss man schon mal die ...

Charlotte, die Protagonistin in Caroline Wahls neuen Roman ‘Die Assistentin‘, hat es geschafft. Sie ist die Assistentin des Verlegers in einem renommierten Münchner Verlagshaus. Da muss man schon mal die Zähne zusammenbeißen, sich durchkämpfen und darf nicht zimperlich sein. Das geben ihre Eltern Charlotte als gut gemeinten Ratschlag mit auf den Weg in ihr beginnendes Berufsleben. Eigentlich. hätte sie ja viel lieber Musik studiert. Aber als brave Tochter befolgt sie den Wunsch von Mutter und Vater. Nun erfüllt sie also die Wünsche ihres launischen Chefs, die nicht immer klar definiert und allzu oft auch privater Natur sind. Assistentinnen kommen und gehen, aber sie glaubt ein gutes Verhältnis zu diesem unberechenbaren Mann zu haben, redet sie sich jedenfalls immer wieder mantraartig ein.
Caroline Wahl hat das Hörbuch selbst eingesprochen und sich damit keinen Gefallen getan. Weder ihre Stimme noch ihr Dialekt als auch dieser monotone Redefluss tragen zu einem wirklichen Hörgenuss bei. Häufige Wiederholungen lassen das Interesse weggleiten. Mich hat insbesondere die wiederkehrende Fäkalsprache sehr gestört.
Das gewählte Thema ist aktuell und interessant zugleich. Doch die Umsetzung hat mich diesmal weniger begeistert als ihre beiden Vorgängerromane.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2025

Auszeit, um über das Leben nachzudenken

Der Flügelschlag des Paarfalters
0

Jonas ist erfolgreich in seinem Job. Er bereist die ganze Welt, lernt die kulinarischen Köstlichkeiten der Völker kennen, genießt diese. Doch ist das schon alles, was das Leben ihm zu bieten hat, was wirklich ...

Jonas ist erfolgreich in seinem Job. Er bereist die ganze Welt, lernt die kulinarischen Köstlichkeiten der Völker kennen, genießt diese. Doch ist das schon alles, was das Leben ihm zu bieten hat, was wirklich zählt, fragt er sich? Was nimmt er als wesentlich für sich als Persönlichkeit wahr?
Eine zunächst undefinierbare Unzufriedenheit macht sich breit und so verlässt Jonas kurzentschlossen den Flughafen in Schwechat, obwohl er bereits sein Gepäck aufgegeben hatte, besteigt die Bahn nach Wien, nutzt das wunderbare Sommerwetter und streift drei Tage durch seine Heimatstadt. Er sucht nach Antworten auf Fragen, die er bis zu diesem Zeitpunkt seines Aufbruchs nicht erahnte. Seine Zufallsbekanntschaften zeigen ihm wie vielfältig Glück oder Unglück im Leben sein kann, welche Wege es gibt voranzukommen, nicht stehen zu bleiben, nach vorn zu blicken, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Es kommt darauf an, bewusste Entscheidungen zu treffen, um Verantwortung für sich zu übernehmen.
Die Menschen, die er auf seinem Weg getroffen hat, standen für mich als Sinnbild für Leidenschaft, Wissensdurst, Fürsorge, Schuld und Wiedergutmachung, Hilfsbereitschaft, Verzweiflung, Einsamkeit. Durch den Verlust seiner Zahlungsmittel, befreite er sich im übertragenen Sinne von der Last ganz alltäglicher, weltlicher Sorgen und begab sich in einen Zustand der Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Seine Rastlosigkeit wiederum spiegelte die Suche nach dem sinnerfüllten Dasein wider.
Ich konnte leider nicht in jeder gewählten Metapher die Poesie des Seins erkennen, wurde sehr nachdenklich gestimmt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2025

Generationsübergreifende Konflikte

Großmutters Geheimnis
0

Benjamin Koppel präsentiert mit seinem Roman ‘Großmutters Geheimnis‘ eine Geschichte, die sich vielschichtig, konfliktreich und verstörend zugleich zeigt. Es ist die weiterführende Schilderung von Schicksalen ...

Benjamin Koppel präsentiert mit seinem Roman ‘Großmutters Geheimnis‘ eine Geschichte, die sich vielschichtig, konfliktreich und verstörend zugleich zeigt. Es ist die weiterführende Schilderung von Schicksalen einer jüdischen Familie, die in ‘Annas Lied‘ ihren Anfang fand. In der Musik, das alles Verbindende, finden die Protagonisten ihre Heimat. Sie fühlen jeden Ton, erleben diesen auf ihre ganz eigene Art im Innersten bewegend, intensiver als jedes Wort es auszudrücken vermag. Musik ist das verbindende Element zwischen Ruth, Lillian und Alexander, eine Sprache, die sie hervorragend verstehen und sprechen.
In den beiden Handlungssträngen des Romans kommt zum einen die sehr betagte, über neunzig jährige Ruth zu Wort, die ihre Lebensgeschichte auf Kassetten aufnimmt, in der Hoffnung, dass ihr Enkel sich diese eines Tages anhören wird. Es sind äußerst bewegende Worte, die ihr nicht leichtfallen, sie auszusprechen, die eine grausame menschenverachtende Zeit unter der Naziherrschaft im Ghetto Theresienstadt beschreiben. Sie schildert darüber hinaus, wie konfliktreich sich ihr weiteres Leben als Konsequenz dessen, was sie als sehr junge jüdische Frau erleiden musste, gestaltet hat. Äußerst berührend und mitfühlend zeichnet der Autor diesen Charakter.
Der andere Handlungsstrang führt nach Kopenhagen der Jahre 2015 und 2016. Alexander, ein talentierter, junger Musiker ist unzufrieden mit sich und dem was um ihn herum passiert. Die Ursachen dafür bleiben lange Zeit im Verborgenen. Nur seine äußerst egozentrische Mutter Lillian könnte ein Grund dafür sein oder ist es eher der übergroße Wunsch seiner langjährigen Freundin, die alles unternimmt, um endlich schwanger zu werden?
Im Roman werden schwerwiegende Themen wie Identitätskrisen, generationsübergreifende Konflikte mit ausgeprägten Angststörungen, Ablehnung und Suchtprobleme angesprochen, die nach Lösungen schreien. Wie diese umgesetzt wurden, ist sicherlich sehr individuell zu betrachten. Für mich kamen die Auflösungen der Konflikte überraschend schnell, ohne den von mir erwarteten Schlussakkord, der dieser spannenden, sich stets steigernden Geschichte letztendlich die ihr gewünschte Tiefe verleiht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.10.2025

Ein Fest für jeden Automobil-Liebhaber

Autos - mi amore!
0

In Luca de Meos Sachbuch ‘Autos – mi amore! Eine Reise durch die unglaubliche Welt des Automobils von A-Z‘ kann sich der begeisterte Autoliebhaber von seinen schönsten Träumen einfangen lassen und in ...

In Luca de Meos Sachbuch ‘Autos – mi amore! Eine Reise durch die unglaubliche Welt des Automobils von A-Z‘ kann sich der begeisterte Autoliebhaber von seinen schönsten Träumen einfangen lassen und in die ach so wunderbare, faszinierende Welt der Motorisierung eintauchen. Der Autor weiß nicht nur fundiert und interessant über die rassigen Kisten mit den charmanten PS-Zahlen unter der Haube zu berichten, nein auch die ein oder andere Geschichte rund um die Branche und ihren großen Managern vermittelt er mit großen Unterhaltungswert. Natürlich bekommt auch Michael Schumacher seinen Platz in einem besonderen Artikel. An welchen verstörenden, durchdringenden Blick die Frontpartie des Peugeot 504 erinnert, verrate ich jetzt nicht. Das zeigen aussagekräftige Zeichnungen, die das geschriebene Wort an der ein oder anderen Stelle im Buch wunderbar beleben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil