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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2026

Schmerzhafte Gefühle

Melken
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Ellen, die Protagonistin des Debütromans ‘melken‘ der schwedischen Schriftstellerin Sanna Samuelsson, hat Liebeskummer. Die Trennung von ihrer Freundin Diana macht ihr schwer zu schaffen. Eigentlich weiß ...

Ellen, die Protagonistin des Debütromans ‘melken‘ der schwedischen Schriftstellerin Sanna Samuelsson, hat Liebeskummer. Die Trennung von ihrer Freundin Diana macht ihr schwer zu schaffen. Eigentlich weiß sie gar nicht, ob es überhaupt einer Trennung ist und trotzdem sucht sie Trost in ihrem alten Zuhause fernab der Großstadt auf einem Bauernhof ohne Adresse, der längst kein Bauernhof mehr ist. Der Schlüssel zum Haus liegt noch immer da, wo er immer lag und so betritt Ellen das Elternhaus, das längst von einer anderen Familie bewohnt wird. Ihre Kindheitserinnerungen wirken heilend aber auch schmerzhaft zugleich. Sie stellt sich die Frage, ob die Veränderungen in ihrem Leben, die sie sich doch so sehnlichst gewünscht hatte, richtig waren.
Die Autorin setzt sich in ihrer Geschichte mit den Gefühlen einer jungen Frau auseinander, die die Bodenhaftung verloren hat, sich in einer Identitätskrise befindet und Trost in der Vergangenheit sucht. Dabei werden Bilder einer heilen Welt unbeschwerten Tage lebendig, die nicht wiederkehren werden. Die Schilderungen der Gegenwart sind lebendig und wirken dennoch im Verhalten der jungen Frau unwirklich, wirklichkeitsfremd.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Herausfordernde Jugendjahre

Das Ende vom Lied
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Michael Widenhain zeichnet in seinem Roman ‘Das Ende von Lied‘ das Bild einer Stadt, die es heute so nicht mehr gibt. Der zwölfjährige Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, berichtet darüber, ...

Michael Widenhain zeichnet in seinem Roman ‘Das Ende von Lied‘ das Bild einer Stadt, die es heute so nicht mehr gibt. Der zwölfjährige Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, berichtet darüber, welche Erfahrungen er Ende der neunzehnhundertsechziger Jahre in Berlin-Schöneberg gemacht hat. Wir begleiten ihn über nahezu zwei ereignisreiche und turbulente Jahre mannigfaltiger Herausforderungen.
Mit dem Umzug der Familie in die Belziger Straße macht der Protagonist die Bekanntschaft mit Mitgliedern von Straßenbanden, die alles andere als zimperlich untereinander umgehen. Er selbst begeistert sich für die schulischen Aufgaben, die er spielend meistert, liest viel, sieht jedoch die Bedrohung, die von seinem neuen Umfeld ausgeht und meldet sich in einem Boxclub an. Ausdauer und ein eiserner Wille verhelfen ihm, sich im Alltag den Anfeindungen zu stellen und sich eine gewisse Art von Respekt zu verschaffen.
In der Geschichte werden sehr viele Themen wie Kriegstraumata, familiäre Spannungen, außereheliche Verhältnisse, gesellschaftliche und politische Ereignisse, Gewalt, erste Liebe, um nur einige zu nennen, angesprochen aber nicht in jedem Fall abschließend ausgeführt. Die Handlung wird zum größten Teil durch die Betrachtungen des Jungen wiedergegeben. Die Beschreibungen des Settings sind bildhaft gehalten. Der temporäre Verlauf ist nicht linear. Zeitliche Sprünge erfordern ein äußerst konzentriertes Lesen, um im Geschehen zu bleiben und dem sprachlich anspruchsvollen Text in different gewählten Stilformen zu folgen. Schockierend und verwirrend sind die dargestellten derben Gewaltszenen unter den Jugendlichen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Gefährliche Nachkriegsjahre in Berlin

Im Schatten der Ruinen
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Einer äußerst entbehrungsreichen und noch immer ungeheuer gefährlichen Zeit des Nachkriegsjahres von 1948 müssen sich die Menschen in Berlin stellen. Die vier Besatzungsmächte haben die Stadt unter sich ...

Einer äußerst entbehrungsreichen und noch immer ungeheuer gefährlichen Zeit des Nachkriegsjahres von 1948 müssen sich die Menschen in Berlin stellen. Die vier Besatzungsmächte haben die Stadt unter sich aufgeteilt. Die Entnazifizierung läuft auf Hochtouren. Der Hunger ist allgegenwärtig, die Wohnungen größtenteils zerbombt. Die Schwarzmärkte haben Hochkonjunktur und sind in fester Hand von kriminellen Banden. Die ‘Brandenburger‘ spielen hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Captain Matthew Wallet degradiert und strafversetzt ist mit der Aufgabe betraut, für Ordnung und Sicherheit im amerikanischen Sektor zu sorgen und die bedrohlichen Schwarzmarkaktivitäten im Auge zu behalten. Doch er bekommt es mit einer weitaus größeren Herausforderung zu tun, einer straff organsierteren und skrupelloseren Vereinigung, die ihn arg in Bedrängnis bringt, es nicht nur auf sein Leben abgesehen hat. Lange bleibt unklar, wer die intriganten Fäden im Hintergrund zieht und welches Ziel damit verfolgt wird.
Peter Klisa legt mit ‘Im Schatten der Ruinen‘ einen fesselnden, turbulenten und aktionsgeladenen historischen Thriller vor, der in seiner unterhaltenden Art ganz nebenbei gut recherchierte historische Fakten in einer bis zum Schluss interessanten Fiktion verarbeitet. Das offensichtlich feindselige Verhältnis zwischen der östlichen und den westlichen Besatzungszonen bringt zusätzliches Konfliktpotenzial in die Geschichte, das zu eskalieren droht. Hervorragend ausgebaute menschliche Charaktere erzeugen ein intensives Spannungsfeld, welches das Geschehen vorantreibt und damit eine sogartige Wirkung erzeugt.
Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung der Verbrecherjagd, denn noch sind die Übertäter nicht gestellt.

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Veröffentlicht am 03.03.2026

Heilendes Vergessen

Ein weites Leben
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In ihrem großartigen Roman ‘Ein weites Leben‘ erzählt M.L. Stedman die Geschichte der Familie MacBrides, die seit Generationen auf ihrer Farm Meredith Downs im Westen Australiens erfolgreich die Schafzucht ...

In ihrem großartigen Roman ‘Ein weites Leben‘ erzählt M.L. Stedman die Geschichte der Familie MacBrides, die seit Generationen auf ihrer Farm Meredith Downs im Westen Australiens erfolgreich die Schafzucht betreibt. Es ist ein hartes, arbeitsreiches, einsames Leben, dass von der Liebe zu ihrem Land geprägt ist. Bei einem Autounfall kommen der Vater Phil und sein Sohn Warren ums Leben. Matthew, der jüngere Sohn, erleidet schwerste Verletzungen. Unter anderem verliert er sein Gedächtnis, was ihm besonders schwer belastet. Seine Mutter Lorna und seine Schwester Rose tun ihr Möglichstes, um Matthew wieder zurück in ein normal geführtes Leben zu holen. Sie leiden natürlich zutiefst unter dem Verlust der Familienmitglieder. Doch so schwer es auch fällt – das Leben muss weitergehen, die Farm bewirtschaftet werden. Pragmatische Gedanken sind der Schlüssel für ihr Überleben, trotz der seelischen Schmerzen. Doch ein weiterer Vorfall erschüttert das einst so harmonische Leben der MacBrides und immer wieder drängt sich die quälende Frage nach dem heilenden Vergessen nicht rückgängig zu machender Geschehnisse aus der Vergangenheit auf, die eine erdrückende Last in der Gegenwart darstellt. Ist das sich erinnern das Gegenteil des Vergessens und warum gibt es neben der Möglichkeit der Erinnerung nicht die Vergesserung im Wortschatz der Menschen?
Sehr fein und äußerst lebendig zeichnet die Autorin ihre Charaktere, die Tag für Tag mit ihrem quälenden Schmerz umgehen, zeigt wie schwer es ist, in persönlichen Krisensituationen Antworten zu finden auf zermürbende Fragen und welch ungeheuer große Verantwortung jeder in sich trägt, durch seine Worte und Taten den anderen unbelastet sein Leben zu gestalten.
Mich hat dieser Roman in seiner wunderschönen bildhaften Darstellung und seinem emotionalen Sprachgefühl überzeugt, in den Bann gezogen. Er ist ausdrucksstark und hat mich durch seine Lebendigkeit und erzählerische Dichte in eine Welt eintauchen lassen, die durch menschlichen Zusammenhalt scheinbar unüberwindbare Herausforderungen versucht bestmöglich zu meistern, in einem Teil unserer Erde, den ich bisher nicht bereist habe, der jedoch einen tiefen Eindruck von Land und Leuten bei mir hinterlassen hat.

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Veröffentlicht am 02.03.2026

Selbsterkenntnisse

Grüne Welle
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Esther Schüttpelz stellt sich in ihrem Roman ‘Grüne Welle‘ einer schriftstellerischen Herausforderung, dem Leser eine Geschichte zu präsentieren, die in einer ungewöhnlich distanzierten Schreibweise gehalten ...

Esther Schüttpelz stellt sich in ihrem Roman ‘Grüne Welle‘ einer schriftstellerischen Herausforderung, dem Leser eine Geschichte zu präsentieren, die in einer ungewöhnlich distanzierten Schreibweise gehalten ist. Es ist die Rede von einer namenlosen Frau, die sich auf dem Nachhauseweg vom allwöchentlichen gemeinsamen Kinobesuch mit ihrer Freundin befindet. Eine Umleitung zwingt sie dazu, einen Weg einzuschlagen, der sie zunächst weiter weg von ihrer Wohnung und ihrem Mann führt, der offensichtlich auf sie wartet. Im weiteren Verlauf bahnt sich schließlich eine Art von Flucht an, die sich nach und nach in den Gedanken und Gefühle deutlicher manifestiert. Dieser Monolog partieller Selbstanalyse der Fahrerin wirkt beunruhigend.
Die Anonymität der Personen, der Frau, des Mannes und der Freundin, zieht sich durch die gesamte Geschichte und so bleibt eine fortwährende Distanz bestehen, die allerdings gewollt erscheint. Die Komplexität der zu verarbeitenden Geschehnisse treibt die Entwicklung des Romans voran. Das offene Ende bietet Möglichkeiten, zwischen den Zeilen zu lesen und eigene weiterführende Überlegungen anzustellen.

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