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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.01.2026

Spannungsreich auf Paros

DER SCHWARZE OKTOPUS
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In dem zweiten Band um die Ermittlerin Christina Strátou ‘Der schwarze Oktopus‘ versprüht die Autorin Hanna von Feilitzsch wieder jede Menge griechisches Flair. Man taucht ein in die südländische Lebensart ...

In dem zweiten Band um die Ermittlerin Christina Strátou ‘Der schwarze Oktopus‘ versprüht die Autorin Hanna von Feilitzsch wieder jede Menge griechisches Flair. Man taucht ein in die südländische Lebensart der Insel Paros, wohin es die Protagonistin nach jahrelangem erfolglosem Kampf um eine Arbeitsstelle in der Hauptstadt Athen verschlagen hat. Wieder einmal müssen Mann und Tochter warten auf ein paar gemeinsame Stunden bis der Mordfall an dem Besitzer einer Apartmentanlage aufgeklärt ist. Der Tode hatte sich während seines Lebens nicht nur Freunde gemacht, die natürlich nun zum Kreis der Verdächtigen zählen. Bald schon gerät Christina durch ihre akribische Aufklärungsarbeit, die sie in Politikerkreise führt, in gefährliche Situationen. Es bleibt spannend bis zum aktionsreichen Abschluss.
Der Kriminalroman wird getragen von einem lebendigen Erzählstil mit authentischen Darstellern zum Anfassen, die ihre menschlichen Schwächen aber auch Stärken besitzen. Zahlreiche Wendungen gestalten die Handlung abwechslungsreich und sehr spannend. Immer wieder brillieren wunderschöne Inselbeschreibungen, die die Natur, die Bewohner und das typische mediterrane Essen in den Mittelpunkt stellen, damit insgeheim Gelüste auf den nächsten Urlaub wecken. Das beigefügte Personenregister am Ende des Buches erleichtert es, jederzeit den Überblick im Handlungsgeschehen zu behalten.
Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung der zu lösenden Kriminalfälle auf Paros.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Überleben

Wo das Schweigen wohnt
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Lea Söhner widmet sich in ihrem Roman ‘Wo das Schweigen wohnt‘ den Hungerkindern Ostpreußens, die auch Wolfskinder genannt werden, einer Nachkriegsgeneration, die schmerzhaft durch eigene Erfahrungen lernen ...

Lea Söhner widmet sich in ihrem Roman ‘Wo das Schweigen wohnt‘ den Hungerkindern Ostpreußens, die auch Wolfskinder genannt werden, einer Nachkriegsgeneration, die schmerzhaft durch eigene Erfahrungen lernen mussten, was es bedeutet gegen den Willen der Kriegsmächte zu überleben, allein zu flüchten durch völlig zerstörte Landschaften, abgewiesen zu werden von verängstigten Bewohnern dieser Landstriche, Hunger, körperliche und seelische Schmerzen zu ertragen, lautlos und unsichtbar zu werden, dabei mehr dem Instinkt zu folgen und zivilisierte Gewohnheiten auszuschalten. Sie setzt einer Generation hochgradig traumatisierter Menschen, die sich auf den Weg von Ostpreußen nach Deutschland machen mussten ein Denkmal gegen das Vergessen und zeigt gleichzeitig welche Last die Nachfahren tragen und wie unendlich schwer die Aufarbeitung der Geschehnisse ist, um eine generationsübergreifende Heilung zu ermöglichen.
Sie greift Sachverhalte wie Schrecken des Krieges, Tod, Verlust, Angst, Gräueltaten (Vorsicht: Trigger-Warnung) und das daraus resultierend familiäre Schweigen auf, die in einer äußerst lebendigen, bildhaften Sprache verarbeitet sind. Ihre Geschichte ist fiktiv erzählt, lehnt sich jedoch stark an historische Ereignisse an. In emotional ausgebauten Szenen verfolgen wir das Leben von Margret, die versucht ihrer Familie in niedergeschrieben Zeilen zu erklären, worüber sie nie in der Lage war, mündlich zu kommunizieren. Dabei brechen tiefsitzende Wunden bei den Kindern und Kindeskindern auf. Es gelingt ihr den Familienverband zu vereinen, man lernt sich kennen, indem die eigenen Geschichten erzählt werden. Viel Stoff auch für den demnächst erscheinenden Folgeroman.
Ein schweres Thema mit zum Teil sehr verstörenden Erlebnissen aus der Nachkriegszeit und der Darstellung einer mühsamen, behutsamen Aufarbeitung mit dem Ziel einer langfristigen mentale Gesundung nachfolgender Generationen.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Schrecklicher Femizid

Da, wo ich dich sehen kann
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Als Folge eines jahrelangen Femizids wird die junge, als lebensfroh beschriebene Frau von ihrem gewalttätigen Ehemann in ihrer häuslichen Umgebung ermordet. Ihre neunjährige Tochter Maja findet ihre Mutter ...

Als Folge eines jahrelangen Femizids wird die junge, als lebensfroh beschriebene Frau von ihrem gewalttätigen Ehemann in ihrer häuslichen Umgebung ermordet. Ihre neunjährige Tochter Maja findet ihre Mutter Emma und ruft um Hilfe bittend bei der Polizei an. Was sich aus dieser Tatsache im Weiteren entwickelt ist ein abgrundtiefer Alptraum natürlich für das Kind, welches sich zunächst völlig verschließt, für die Eltern Brigitte und Per und Emmas beste Freundin Liv. Gemeinsam versuchen Liv, Brigitte und Per der kleinen Emma Stabilität und Kontinuität im Leben zu geben, obwohl sie selbst schwer traumatisiert sind, psychiatrische Unterstützung brauchen.
Einfühlsam erzählt Jasmin Schreiber in ‘ Da, wo ich dich sehen kann‘ eine Geschichte, die eine ungeheure Tragik und Traurigkeit besitzt, in der die Hoffnung auf bessere Zeiten keine Chance zu besitzen scheint und doch ein immer weiter gehen im Leben verlangt. Herzzerreißend beschreibt sie die Gefühle, Gedanken und Tagesabläufe der Hinterbliebenen, die den größten Kampf mit sich selbst auszufechten haben. Sie geht kritisch mit den bürokratischen Verwaltungsvorgängen um und gibt berechtigter Weise dem Gewalttäter keinerlei Plattform.
Sicherlich werden sehr schwere Themen wie Schuldgefühle, Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit aber auch Angst in diesem Buch behandelt. Sie spiegeln einen Teil unserer Gesellschaft wider und rufen eindringlich zur Wachsamkeit gegenüber Femizid auf.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Ethische Zugehörigkeit

Real Americans
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Der Roman ‘Real Americans‘ von Rachel Khong hat mich fasziniert und in seiner Art menschliche Bedürfnisse nach Zugehörigkeit in einer fremden Gesellschaft darzustellen, tief berührt. Sie beschreibt einen ...

Der Roman ‘Real Americans‘ von Rachel Khong hat mich fasziniert und in seiner Art menschliche Bedürfnisse nach Zugehörigkeit in einer fremden Gesellschaft darzustellen, tief berührt. Sie beschreibt einen Kulturschock, den eine junge Chinesin erlebt, die aus den gesellschaftlichen und politischen Zwängen in Zeiten der Mao Herrschaft über Hongkong in die USA flieht. Mai ist eine hochintelligent junge Frau, die in der Provinz Chinas aufwächst und den Sprung in die Großstadt zum Studium schafft. Zum ersten Mal in ihrem Leben begegnet ihr Reichtum in Form von schöner Kleidung und Kosmetik, mit denen ihre Kommilitoninnen sich umgeben. Ihr ärmliches Erscheinungsbild belastet sie sehr, weil sie sich nicht dazugehörig fühlt und als Außenseiterin betrachtet. Die gesellschaftspolitischen Veränderungen im Land werden immer bedrohlicher für die intellektuelle Elite. Die Handlanger Maos setzen auf die Durchsetzung eines kommunistischen Systems und dulden keine Kompromisse in abweichenden Meinungsbekundungen. Sie beschließt dem zu entfliehen, ein gefährlicher Plan, der anders als erhofft umgesetzt wird.
In drei großen Kapiteln wird die Lebensgeschichte der nachfolgenden Generationen erzählt. Mit großer Leidenschaft und einem eisernen Willen wirbt Mai um Anerkennung und Zugehörigkeit in der neuen Heimat den USA. Dabei führt sie mit sich und ihrer Familie ein eisernes Regime, in dem sie ihre Herkunft versteckt. Das hat natürlich traumatische Auswirkungen auf ihre Nachfahren, die sich mit Bindungsängsten, Abschottung aber auch Verzeihen und der Suche nach Erklärungen beschäftigt.
Eine großartige Geschichte, die mich gefesselt durch ihren lebendigen Erzählstil hat, die äußerst brisante Themen wie die Einflüsse der Persönlichkeitsentwicklung in einer besonderen persönlichen Art behandelt, die zutiefst menschliche Verhaltensweisen in ihrer Ursächlichkeit beschreibt und das dadurch entstehende Konfliktpotenzial begreifbar macht.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Aufarbeitung von Schuldfragen

Eine vergessene Schuld
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Arne Jensen befasst sich in seinem Roman ‘Eine vergessene Schuld‘ mit der Aufarbeitung von familiären Kriegstraumata, die eine schwere psychologische Last für Betroffene darstellt, die eine intensive Auseinandersetzung ...

Arne Jensen befasst sich in seinem Roman ‘Eine vergessene Schuld‘ mit der Aufarbeitung von familiären Kriegstraumata, die eine schwere psychologische Last für Betroffene darstellt, die eine intensive Auseinandersetzung mit den Geschehnissen voraussetzt, um die Erkenntnis zu verinnerlichen, wer schuldhaft gehandelt hat oder welche Umstände zu einem Ereignis führten, für das sich Menschen schuldhaft verantwortlich fühlen. Der Autor kann hier aus den Erfahrungen seines beruflichen Alltags als Arzt in der Traumatherapie schöpfen und schafft Einblicke in den schmerzhaften Weg der Aufarbeitung von Schuldfragen, die über Generationen hinweg in der Familie weitergegeben werden, die psychische Belastungen auslösen mit ernstzunehmenden Konfliktpotenzial.
Der Erzählstil ist ruhig, sehr sachlich trotz einer vielschichtigen auch emotional geprägten Themenvielfalt. Es werden aktuelle Sachverhalte aus den Bereichen Radikalisierungen, Hass und Hetze in den sozialen Medien, Krieg, Bereitschaft zu Anschlägen und sozialpolitische Fragen der Ethik und Philosophie angesprochen. Ein zentraler Punkt ist die Auseinandersetzung mit dem Wehrrecht und der Desertion.
In der Geschichte, die sich historischer Fakten bedient und fiktional um die beiden Protagonisten Jasina Behrens, Psychologin beim BKA, und Dr. Rudolf Heppner, Verwaltungsrichter a. D. aufgebaut ist, werden die Konfliktquellen transgenrationaler Schuldgefühle aus dem familiären Umfeld als psychische Last von Nachfahren der Täter näher beleuchtet. Während sich Rudolf mit der NS-Vergangenheit seines Vaters, der verantwortlich zeichnet für einen Erschießungsbefehl von zwei Deserteuren eine Woche nach Kapitulation von Deutschland im Zweiten Weltkrieg, versucht Jasina die Geschehnisse um ihren Bruder, der bei der Flucht der Familie in Damaskus als Kind zurückgelassen wurde, zu verarbeiten. Eine fundierte Darstellung der deutschen Nachkriegsgesellschaft bereichert dieses Buch.
Der Roman verlangt nach einem konzentrierten Lesen, das Diskussionsbedarf auslöst und eine persönliche Übernahme von Verantwortung in der Auseinandersetzung zum aktuellen Zeitgeschehen anspricht.

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