Profilbild von Magnolia

Magnolia

Lesejury Star
online

Magnolia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Magnolia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.11.2020

Eine unterhaltsame Reise in die Welt der Royals

Teatime mit Lilibet
1

Marion Crawford liebt ihre Tätigkeit, sie möchte den Kindern in den Armenvierteln einen guten Start in deren ansonsten düstere Zukunft ermöglichen, plant, sie zu unterrichten. Das Schicksal will ...

Marion Crawford liebt ihre Tätigkeit, sie möchte den Kindern in den Armenvierteln einen guten Start in deren ansonsten düstere Zukunft ermöglichen, plant, sie zu unterrichten. Das Schicksal will es anders: Sie, von den Royals „Cawfie“ gerufen, verbringt die besten Jahre ihres Lebens an der Seite der kleinen Prinzessinnen Elisabeth und Margaret. Vor allem Lilibet, die spätere Königin, hat sie ins Herz geschlossen. Die Mädchen führt sie an das wahre Leben heran, zeigt ihnen ihre Stadt aus der Sicht der Normalos, macht sie ein wenig mehr lebenstüchtig.

Total entsetzt lese ich, wie weltfremd diese royale Welt doch war. Der Alltag im Königshaus hatte mit Realität so rein gar nichts zu tun. Wenn ich grad denke, wie mit Wallis Simpson umgesprungen wurde - ungeheuerlich. Eine starke Frau, die nichts als Lügen ertragen musste. Vom Könighaus genau so wie vom einfachen Volk. Wir alle wissen ja, wo das hinführte. Nach 325 Tagen dankte Edward VIII. ab, er und Wallis waren frei und Albert wurde König: George VI. Der stotternde König. Und somit war der Weg für Elisabeth vorgezeichnet.

Aus Marions Sicht erzählt dieses Buch von den Windsors. Sie wurde gebraucht als Gouvernante. Natürlich hatte sie auch einige Liebschaften, jedoch waren die Prinzessinnen immer an erster Stelle. Aber – mit den Jahren wird sie so nach und nach ihrer Aufgaben beraubt. Eine junge französische Aristokratin übernimmt den Französisch-Unterricht, der Zeichenunterricht wird auch in ganz junge, adelige Hände gegeben, die Verfassungsgeschichte lehrt ein anderer. Marion wird immer mehr vor vollendete Tatsachen gestellt, wird als Lehrerin immer weniger benötigt.

Erschüttert bleibt sie nach 17 Jahren zurück. Hat sie doch ihr Leben hintangestellt, war immer da für die Royals. Und dann diese Zurückweisung. Von allen. Gedankenlosigkeit? Für ihre Dienste wird ihr ein Cottage am See zur Verfügung gestellt, sie ist unglücklich verheiratet. Was hat sie erwartet? Sie war Gouvernante, nicht mehr. Die Zeit war danach, da hat keiner gefragt, was eine kleine Bedienstete vom Leben erwartet.

Fiktion und Wirklichkeit treffen hier aufeinander. Das Königshaus hat sich in der Zwischenzeit sehr geändert, vor allem Lady Dianas Tod hat ihnen – vielleicht – die Augen geöffnet. Heute sieht das Volk das Königshaus sehr viel kritischer. Dieses verstaubte Gehabe hatte noch viel mit Elisabeth II. zu tun.

Eine vergnügliche Teatime, kurzweilig, zuweilen amüsant und staunend ob dieser Steifheit, ja Hochnäsigkeit und Weltfremdheit, das war diese Reise in die Vergangenheit zu und mit den königlichen Hoheiten. Eine junge Marion, die voller Pläne war, alles richtig machen wollte und sich von Anfang an zurückgenommen hat. Ich habe sie gerne begleitet. Es ist die wirkliche Marion Crawford, die für ihre Zöglinge gelebt hat, die fiktive junge 22jährige, die so gedacht haben könnte.

Geschichten rund um das Königshaus, unterhaltsam geschrieben. Wer diese Mischung mag, dem sei dieses Buch empfohlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2020

Wo findet man wirkliches Glück?

Die Farbe von Glück
1

Ein Kinderwunsch, der für immer ein Wunsch bleiben wird? Jules und Louise bangen zum mittlerweile vierten Mal um ein Neugeborenes. Zwei Totgeburten, das dritte Baby durfte nur wenige Tage leben ...

Ein Kinderwunsch, der für immer ein Wunsch bleiben wird? Jules und Louise bangen zum mittlerweile vierten Mal um ein Neugeborenes. Zwei Totgeburten, das dritte Baby durfte nur wenige Tage leben und nun sieht er dieses kleine, durchscheinende, fast nicht lebensfähige Wesen und trifft eine folgenschwere Entscheidung.
Marlene geht einfach, schreibt ihrem sechsjährigen Sohn „Adieu“ auf die Stirn. Charlotte nimmt sich seiner an, hofft inständig, dass ihr Antoine nie weggenommen wird.
Nach einer schlaflosen Nacht zwingt Jules diese Krankenschwester, ein gesundes Kind gegen seines auszutauschen. Er will nur, dass Louise endlich glücklich ist und ihrer beider Leben wieder ein lebenswertes wird. Er - der Richter - droht, ihr Antoine wegzunehmen, in ein Heim einzuweisen, sollte sie sie seinem Wunsch nicht nachkommen.

Kann dieses Leben funktionieren? Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Allein den Gedanken an diese Tat mag ich nicht zulassen, habe mich aber trotzdem damit auseinandergesetzt. Kann man mit einer Lüge Glück herbeiführen? Es sind sehr versöhnliche Momente beschrieben. Wenn ich nur an Charlotte und Antoine denke, wie sehr sie einander schätzen. Sie flieht vor der Vergangenheit, kann den Tausch so gar nicht verarbeiten. Auch für Jules läuft alles anders als erhofft. Das eigene Glück auf dem Unglück anderer aufzubauen, hinterlässt seine dunklen Spuren.

Die Autorin vermittelt so manch weisen Gedanken, lässt viele Facetten des Lebens zu. Ein Buch, eine Geschichte, die Zeit braucht. Immer mal wieder habe ich es beiseite gelegt, um meinen Gedanken Raum zu geben. Das Gelesene auf mich wirken zu lassen, all dem nachzuspüren.

Charlotte und Antoine habe ich begleitet in ihr neues Leben fernab der Heimat, dabei die „andere Familie“ kennengelernt. Habe Jules und Louise mit ihrer Tochter beobachtet, ihre Unzufriedenheit gespürt. Wie kommt man zurecht angesichts eines solchen Eingriffs ins Leben zweier Familien? Werden sie, die das lange nicht wussten, jemals verzeihen können? Ein sehr emotionaler Roman, behutsam erzählt. Wenn da nicht diese allzu vielen Zufälle wären, die aus den Konflikten letztendlich ein fast zuckersüßes happy end machen würden.

Ich war sehr gerne dabei, habe so einige Lebensweisheiten mit Vergnügen gelesen, aber diese schwere Schuld löst sich beinahe in Wohlgefallen auf. Das und nur das hat mich gestört an dieser ansonsten feinsinnigen Erzählung.

Wie bewerte ich diese fast märchenhafte Geschichte? Viele weise Gedanken, eine Story, die so passieren könnte, bestimmt schon oft passiert ist, jedoch nie so versöhnlich, beinahe schon utopisch, alles verzeihend endet. Deshalb bleiben von meinen ursprünglich angedachten vier Sternen drei übrig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2020

Ein gut durchdachter Krimi

Die Tote in der Gracht
1

„Die Tote in der Gracht“ - Jan Jacobs zweiter Teil um die holländische Kommissarin Grit Gerritsen.

Der Elfstedentocht (Elfstädtelauf) soll wieder stattfinden, das Eis ist dick genug. Zuletzt war der ...

„Die Tote in der Gracht“ - Jan Jacobs zweiter Teil um die holländische Kommissarin Grit Gerritsen.

Der Elfstedentocht (Elfstädtelauf) soll wieder stattfinden, das Eis ist dick genug. Zuletzt war der Winter 1997 so kalt, um dieses über 200 km lange, auf Natureis stattfindende Schlittschuhrennen zu starten. Noch nicht begonnen, wird die junge Journalistin Jessica Jonker tot in einer Gracht gefunden. Zunächst sieht es nach einem Unglücksfall aus, jedoch stellt sich bald heraus, dass sie vergiftet wurde. Die Kommissare Griet Gerritsen und Pieter de Vries ermitteln in diesem Fall und finden bald heraus, dass Jessica um den Tocht 1997 recherchierte. So manchem gefällt dies gar nicht und bald stellt sich heraus, dass all die im Laufe der Ermittlungen verdächtigen Personen an diesem letzten Rennen teilgenommen haben.

Den ersten Band kenne ich (noch) nicht, trotzdem war ich gleich im Geschehen. So nach und nach erzählt Jan Jacobs die Vorgeschichte und bettet alles, was zum besseren Verständnis wichtig ist, in diese gut durchdachte, glaubwürdige Story ein. Mit Griet und Pieter, den beiden Ermittlern, war ich beim Lesen mittendrin, erfuhr auch einiges aus ihrem Privatleben – genau richtig dosiert. Eine Besonderheit sind die holländischen Begriffe, kursiv geschrieben und wenn nötig gleich danach erklärt. Das gibt dem Buch eine außergewöhnliche Note – sehr charmant und unverwechselbar.

Sehr gerne habe ich diesen spannenden und zugleich unterhaltsamen Holland-Krimi mit so einigen Überraschungsmomenten gelesen. Über den Elfstedentocht wusste ich bis jetzt nichts und finde es sehr bereichernd, neben dem Krimi auch lokale Besonderheiten zu entdecken. Die Karte am Anfang über den Streckenverlauf war sehr hilfreich, so konnte ich gut nachvollziehen, wo die Geschichte spielt. Und - natürlich suchte ich mir mehr Informationen über dieses legendäre Rennen. Hier wollte ich einfach mehr Hintergrundwissen, was sehr für die Story spricht. Harmonisch fügten sich dieses Lokalkolorit und die Krimielemente zusammen, integrierten sich bestens in die Handlung, ins Geschehen.

Die Krimi-Reihe um die Kommissarin Grit Gerritsen und ihr Team werde ich im Auge behalten, den ersten Band nachlesen und hoffe auf Folgebände. Bedankt, Jan Jacobs.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.11.2020

Eine absolut mitreißende Affäre

Trügerische Affäre
1

Jonte Sandvik, eine äußerst begabe Architektin, ist zusammen mit ihrem Ehemann Jonas das erfolgreiche Architektenduo JO. Die Öffentlichkeitsarbeit ist sein Revier, sie bleibt lieber im Dunkeln, sitzt tagsüber ...

Jonte Sandvik, eine äußerst begabe Architektin, ist zusammen mit ihrem Ehemann Jonas das erfolgreiche Architektenduo JO. Die Öffentlichkeitsarbeit ist sein Revier, sie bleibt lieber im Dunkeln, sitzt tagsüber an der Kinokasse und entwirft abends preisgekrönte Gebäude, welche in architektonischen Bildbänden sehr erfolgreich vermarktet werden. Eines Tages zieht Jonas einfach aus, eröffnet ihr eine neue Liebe und nichts ist mehr so, wie es war.

Ich lese, bin sogleich konzentriert im Buch und um mich herum geschehen Dinge, die nicht erklärbar sind. Nichts ist greifbar, trotzdem allgegenwärtig. Es schwebt was in der Luft. Eine Stimmung, die ahnen lässt, dass etwas im Hintergrund lauert, ständig beobachtet! Es ist, als ob sich eine imaginäre Wand zwischen Jonte und diesem fast schon surreal anmutenden Unfassbaren schiebt. Die Vergangenheit holt sie ein, Schuldgefühle gewinnen immer mehr die Oberhand. Alkoholprobleme bekommt sie nicht in den Griff, sie lässt sich manipulieren. Als Seelentröster ist es ja so einfach, sich der Sucht hinzugeben. Das Erwachen ist jedoch umso schlimmer.

Ab der ersten Seite war ich ganz tief drin in der Geschichte, litt mit Jonte und wollte ihr so viel sagen, Ratschläge erteilen. Ihre innere Stimme - BACK VOCAL – wusste immer genau, was sie tun oder besser gesagt lassen sollte. Aber wer hört schon auf das allzu Vernünftige!

Es passieren im Leben viele Dinge, die man nicht recht zuordnen kann. Auch wenn so einiges nicht passt, ist man zu bequem, etwas zu ändern oder man hat einen Weg gefunden, für kurze Zeit all dieses Unangenehme auszublenden.

Astrid Korten versteht es, mich in eine Welt voller rätselhafter, bizarrer Vorkommnisse zu verstricken. Der Einstieg ins Buch war schon mal fesselnd, aber es wurde immer besser. Nein, nicht besser - mysteriöser, nebulöser... Atemlos musste ich von Kapitel zu Kapitel weiter, es ging zuweilen ganz schön seltsam zu. Oftmals konnte ich mir kaum vorstellen, wie diese verfahrene Situation sich jemals auflösen wird. Nun ist das Buch fertig gelesen, die mitreißend erzählte Story lässt mich jedoch nicht so schnell los. Ich hinterfrage das gerade gelesene. Schlimm wird alles, wenn man von Falschheit umgeben ist, von Rachsucht, Manipulation und Lügen. Dies alles durch Alkohol, durch Drogen zu verdrängen sucht. Es lässt einen immer tiefer abgleiten. Ein wahrer Teufelskreis.

Eine Affäre, die trügerischer nicht sein könnte. Die mich nicht mehr losgelassen, bis zur letzten Seite mitgerissen hat. Ein Psychothriller vom Feinsten. Von mir eine klare Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.11.2020

Gemächlicher Regional-Krimi

Lügenpfad
4

Mit „Lügenpfad“ legt Brigitte Pons den bereits fünften Fall um den Polizisten Frank Liebkecht vor.

Los geht es gleich mal ganz gemächlich. Ein Dorfpolizist in der tiefsten Provinz zieht mit seiner Katze ...

Mit „Lügenpfad“ legt Brigitte Pons den bereits fünften Fall um den Polizisten Frank Liebkecht vor.

Los geht es gleich mal ganz gemächlich. Ein Dorfpolizist in der tiefsten Provinz zieht mit seiner Katze Trinity um. Auf seinem Ein-Mann-Außenposten richtet er sich ganz gut ein, genießt sein beschauliches Dasein und findet sich irgendwann im Horror wieder, ist doch sein bester Freund spurlos verschwunden. Gleichzeitig wird er in einen alten Fall hineingezogen, dessen Anfang in den 80er Jahren war. Damals verschwand eine junge Frau, die aktiv bei den Friedensdemonstrationen mitmischte. Sein Freund ist nicht auffindbar, Frank Liebknecht sucht auf eigene Faust, beileibe nicht immer nach Dienstvorschrift, gerät auf Abwege. Diese verschwundene Frau und ihr damaliges Umfeld geraten immer wieder in den Focus, es hat den Anschein, dass diese als RAF-nahe Zelle inmitten des Odenwaldes agierte.

Es zieht sich eine ganze Weile so dahin, kommt nicht recht weiter: Privates, das beschauliche Dorfleben - es sollte ein Provinz-Krimi sein, ich hatte daher nicht unbedingt Action erwartet, dieses zähe nicht-vorwärts-kommen hat mich allerdings irgendwann veranlasst, das Buch zur Seite zu legen. Es passierte einfach nichts. Dann wollte ich aber doch wissen, wie sich diese Story weiter entwickelt.

Die Vorgängerbände kenne ich nicht, bin aber trotz der zuvor beschriebenen Längen dann doch in die Geschichte hineingekommen. Allen voran war Frank Liebknecht mir durchaus sympathisch, auch seine Art konnte mich für ihn einnehmen. Nichts desto trotz fand ich die Passagen um das Geschehen von 1983 und vor allem das, was aus denen von damals geworden ist, nicht so ganz schlüssig. Das passte für mich einfach nicht so recht zusammen, war nicht stimmig.

Was mir gut gefallen hat, war die sehr temporeiche Suche nach dem verschwundenen Marcel. Da funktionierte die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten einwandfrei, das menschliche konnte die Autorin auch sehr gut vermitteln. Da war ich so richtig dabei.

Ein Krimi mit Höhen und Tiefen, mit privaten Einblicken und einer Portion Lokalkolorit. Geschichte kann er nicht vermitteln, da greift man besser zu Anderem.

All jene, die es nicht so blutrünstig und brutal wollen, werden hier ganz gut unterhalten. Die Frank Liebknecht-Fans sowieso.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Cover
  • Spannung