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Veröffentlicht am 26.10.2025

Und Action...

Kälter
1

Als Provinzpolizistin auf Amrum lerne ich Lucy Morgenroth kennen. Sie scheint eine ruhige Kugel zu schieben, was sich aber spätestens dann ins Gegenteil verkehrt, als einer von der Insel von einem Schiff ...

Als Provinzpolizistin auf Amrum lerne ich Lucy Morgenroth kennen. Sie scheint eine ruhige Kugel zu schieben, was sich aber spätestens dann ins Gegenteil verkehrt, als einer von der Insel von einem Schiff verschwindet und zeitgleich fünf Fremde auftauchen, die sich als sehr gefährlich herausstellen. Sie suchen hier jemanden…

…und Lucy ist in ihrem Element. Sie ist Personenschützerin beim BKA, es ist die Zeit des Mauerfalls. Andreas Pflüger führt seine Leser mitten hinein in die Welt der internationalen Geheimdienste. Lucy gehört zum Kommando des Wirtschaftsministers. Bald ist sie Kommandoführerin, ein Kommando besteht aus je 20 Sherpas, immer sechs davon sind am Mann, wenn es sich um die Bewachungsstufe eins handelt. Sie sind die Besten und wenn es denn sein muss, sind sie Killermaschinen.

Der ganz eigene Schreibstil mutet zunächst befremdlich an, wird dann aber zunehmend gut, sofern man ganz in der Story bleibt. Der Autor bietet actionreiche Szenen, garniert mit dazu passenden Textschnipseln bekannter Songs, er lockert diese mit durchaus witzigen Wortspielen auf.

Ihr Weg führt sie nach Tel Aviv, dort wird „Lucy in the sky“ mit fünf von ihr ausgewählten Sherpas aufs Härteste gedrillt. Der spektakuläre Agententhriller führt nach Berlin, nach Moskau und Wien, nach Israel und Südfrankreich, immer dabei sind die Geheimdienste und deren Agenten. Hört sich ziemlich spektakulär an, was es letztendlich auch ist. Wer ihnen im Weg steht, für den kommt es knüppelhart. „Kälter“ ist unbarmherzig, nichts für schwache Nerven. „Was meinen Sie. Sind sie kälter als ich?“ Es gilt, ihren ärgsten Feind Babel auszuschalten.

Wenn möglich, hat Pflüger sich an Fakten gehalten, lässt er in seinen letzten Bemerkungen zum Buch wissen. Es ist ein zeitgeschichtliches Dokument vor dem Hintergrund der weltgeschichtlichen Wirklichkeiten - die Zeit der RAF, dem Berliner Mauerfall, dem immer wieder aufflammenden Nahostkonflikt. Im Sommer 2023 bereiste er Israel, nur Monate vor dem Terrorangriff der Hamas.

Wie gesagt – das Buch verlangt konzentriertes Lesen. Dann aber wird man direkt hineingesaugt in eine Welt, die kälter nicht sein könnte. Mir war es dann doch ein Zuviel der Ballerei, der ernste Hintergrund überwiegt dann aber doch in dieser aktionsgeladenen Story.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Die Geschichte der Angelika Moser, garniert mit Wiener Schmäh

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
1

Der Prolog verrät gleich mal, was Angelika Moser sich hat zuschulden kommen lassen. Sie ist im Grand Hotel Frohner Buchhalterin und wie es der Zufall so will, rettet sie den Hoteldirektor aus einer für ...

Der Prolog verrät gleich mal, was Angelika Moser sich hat zuschulden kommen lassen. Sie ist im Grand Hotel Frohner Buchhalterin und wie es der Zufall so will, rettet sie den Hoteldirektor aus einer für ihn ziemlich misslichen Lage. Ob er sie deswegen um einen Gefallen bittet, der für sie weitreichende Folgen haben wird? Wir wissen es nicht. Fest steht jedoch, dass sie bald eine wertvolle Mitarbeiterin ist, die sich um alles kümmert, die über alles Bescheid weiß.

Zunächst erleben wir sie mit ihrer besten Freundin Ingi, wie sie die Nacht zum Tage machen. Wir sind im Wien der 1980er Jahre, die beiden jungen Frauen lassen es ganz schön krachen, auch sind sie den männlichen Wesen nicht abgeneigt und als dann Angelika im Frohner den Praktikanten Eugen zugewiesen bekommt, sind sie sich bald sehr vertraut. Er zieht weiter gen New York, sie bleibt.

Es ist mein erstes Buch von Vea Kaiser, deren Hauptakteurin sich nimmt, was ihr vermeintlich zusteht. Das ist die eine Seite der Angelika Moser, die vaterlos in einem Wiener Gemeindebau aufgewachsen ist, deren Mutter seit jeher Hausbesorgerin war und die nun zunehmend Aussetzer hat. Sie ist andererseits immer diejenige, an die sich alle hängen, die fordern, sogar wildfremde Leute wollen sich in ihr Leben schleichen und in das ihres Sohnes, den sie nach ihrem Gusto formen wollen. Hier erlebe ich eine sehr erwachsene, verantwortungsvolle starke Frau und Mutter, die sich nicht kaufen lässt.

Das Buch präsentiert ihre Heldin in Akt I bis III. Angelika etwa als Partymaus, garniert mit Ingis Drogenexzessen und selbstredend sind es auch die Männer, die ihr Leben versüßen – aber beileibe nicht immer. Eher ist sie es, die diese schon auch schrägen Typen umsorgt. Der Berti wäre einer gewesen, aber der war dann doch zu bieder, da schon lieber Freddy. Der hat´s so richtig drauf - als Musiker und auch sonst, wobei er sein Talent regelrecht verschleudert und sich an Angelika dranhängt - was das monetäre mit einschließt, da kennt der Freddy nix. Dazwischen gab es noch so einige Mängelexemplare und als dann Angelika Mutter wird, erkennt der Erzeuger die Vaterschaft an. Mehr noch, er freut sich, letztendlich aber hat Angelika nun zwei Kinder, die sie zu versorgen hat.

„Fabula Rasa“ kommt rasant daher, garniert mit Witz und Wiener Schmäh, der von so manch Filou erzählt, das sehr kleine Wienerisch-Wörterbuch am Ende des Buches erklärt die Begriffe, was bisweilen hilfreich ist. Zwischendurch sind es die Unterhaltungen in der Josefstadt, die den Besuch in der Justizvollzugsanstalt in Etappen wiedergeben. Vea Kaiser nimmt ihre Leser mit ins Wien der einfachen Leute, in die Beisl und Würstlstände, in die Kaffeehäuser und auch in die Wiener Staatsoper zum Wiener Opernball. All das wird mit einer Leichtigkeit erzählt, wobei die Themen Betrug, Demenz, Drogenmissbrauch und all die zwischenmenschlichen Unzulänglichkeiten es beileibe nicht sind.

Angelika Mosers Geschichte ist die einer starken Frau, aber auch die einer Betrügerin. Eine unterhaltsame Geschichte, die ich gerne gelesen habe, dessen Ausgang mir besonders gut gefällt.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Behutsam erzählt

Dius
1

„Ich möchte Ihr Freund sein, platzte es aus ihm heraus. Er wurde knallrot und verstummte.“ Das Bild, das ich nach diesem ersten Satz von Dius habe, wird dem, was kommt, wie sich die Freundschaft zwischen ...

„Ich möchte Ihr Freund sein, platzte es aus ihm heraus. Er wurde knallrot und verstummte.“ Das Bild, das ich nach diesem ersten Satz von Dius habe, wird dem, was kommt, wie sich die Freundschaft zwischen ihm und Anton entwickelt, nicht gerecht. Egidius De Blaeser, wie er mit vollem Namen heißt, ist ein begabter Kunststudent, der alle Konventionen über Bord wirft, als er bei Anton klingelt.

Die Freundschaft, die bald entsteht, ändert sich in Abhängigkeit. Der ältere der beiden fährt zunächst ungern in das Dorfhaus seines jungen Freundes, bald aber weiß er die Ruhe zu schätzen, die ihm dieses Gemäuer bietet. Noch ist Anton verheiratet mit Nouka, sie leben in ihrer Stadtwohnung, an den Wochenenden packt er immer öfter seine Bücher, seine Hefte und Notizen ein, es zieht ihn hinaus aufs Land, er schätzt die stillen Nachmittage und die langen Spaziergänge. Ihr bisheriges Leben, das von Dius und Anton, ändert sich komplett, sie verlieren sich irgendwann aus den Augen, bis sie sich sehr viel später wieder begegnen.

Es ist ein leiser Roman, untermalt von klassischer Musik. Der Autor verrät zu guter Letzt, in welch außergewöhnlicher Umgebung DIUS entstanden ist und wie diese ihre Spuren hinterlassen hat. Er erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft, von ihrer tiefen Verbundenheit und von den Jahren danach, von ihren Liebschaften, von schönen und von schmerzhaften Zeiten. Viele Gefühle sind im Spiel, dem Unverständnis folgen Wut und Entrüstung über die sich einschleichenden Lügen, gefolgt von Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit, nach der verlorenen Zeit.

Mich hat diese Geschichte nicht mehr losgelassen, habe dem soeben Gelesenen noch lange nachgespürt - dieser so ungewöhnlichen Freundschaft, die zwischendrin so einiges offenbart. „Vieles von dem, was wir in anderen Menschen zu erkennen glauben, ist nur der Widerschein unserer Vorurteile.“ DIUS ist ein Roman, der noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Top!

Lügennebel
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Die beiden Freundinnen Hanna und Fanny sind spät dran. Kaum sitzen sie im Zug, fährt er schon los. Neun Stunden Fahrt liegen vor ihnen, ihr Ziel ist das schwedische Bergdorf Åre, sie freuen sich auf ihre ...

Die beiden Freundinnen Hanna und Fanny sind spät dran. Kaum sitzen sie im Zug, fährt er schon los. Neun Stunden Fahrt liegen vor ihnen, ihr Ziel ist das schwedische Bergdorf Åre, sie freuen sich auf ihre Skiferien, wohnen werden sie in der Luxushütte von Willes Eltern. Außer ihm sind noch seine Kumpel Amir, Pontus und Emil mit dabei.

It´s Partytime! Nicht nur der Alkohol fließt in Strömen, auch Drogen gehören dazu. Bald jedoch endet ihre Feierlaune, denn eines Morgens liegt eine junge Frau tot im Schnee. Ein Fall für die Ermittler Hanna Ahlander und Daniel Lindskog.

Viveca Sten entwirft ein Szenario, das frostiger nicht sein kann. Zunächst gewährt sie einen tiefen Blick in Hannas Privatleben und auch bei Daniel ist ne Menge los. Unterstützt werden die beiden von ihrem Kollegen Anton und auch über ihn gibt es so einiges zu berichten. In erster Line aber gilt es, den Tod der jungen Frau aufzuklären.

Es herrschen permanent um die Minus zwanzig Grad. Schon allein dieser Umstand zeugt von frostigen Temperaturen, die nun auch im übertragenen Sinne im gut geheizten Ferienhaus herrschen. Jeder macht sich verdächtig, auch untereinander beäugen sie sich zunehmend kritisch. Eine Nachbarsfamilie wird befragt, so auch der für die Hütte zuständige Hausmeister. So lange die Ermittlungen andauern, können sie nicht abreisen, der Ton wird aggressiver, das Vertrauen schwindet.

Dieser Lügennebel lässt mich nicht los, schon die ersten Seiten ziehen mich unweigerlich ins Buch, fesseln mich regelrecht ins Geschehen, das durchgehend dramatisch und düster ist. Dieser eine Todesfall, der sich als nicht natürlich herausstellt, ist beileibe nicht der einzige Vorfall, es wird zunehmend unheimlich. Den Charakteren kann ich nichts abgewinnen, allesamt sind sie mir suspekt. Wobei ich eine Person davon ausnehmen möchte, aber wer weiß…

Viveca Sten versteht es, ein Szenario zu erschaffen, das voller Misstrauen ist, Fährten zu setzen, die ins Nichts führen. Man will in diesem Haus nicht sein. Und auch nicht draußen. Nicht alleine und in dieser Gruppe schon gar nicht, man möchte nur weg. Selbst die Auflösung ist nochmals voller Dramatik, es bleibt nervenaufreibend bis zum Schluss. Und erst dann kann man das Buch zuklappen und das soeben Gelesene Revue passieren lassen.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Eine Frau im Zentrum der Macht

Die Frau der Stunde
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„Die Frau der Stunde“ ist so viel mehr als die Politikerin, die eine Führungsposition inne hat. Sie lebt in einer offenen Beziehung, ohne Ehemann, ohne Kind - und sie hat auch nicht die Absicht, dies zu ...

„Die Frau der Stunde“ ist so viel mehr als die Politikerin, die eine Führungsposition inne hat. Sie lebt in einer offenen Beziehung, ohne Ehemann, ohne Kind - und sie hat auch nicht die Absicht, dies zu ändern. Ein nicht alltägliches Szenario schon eingedenk der Tatsache, dass diese Frau, Catharina Cornelius, im Jahre 1978 die erste liberale Außenministerin und Vizekanzlerin ist.

Heike Specht hat schon vor diesem Buch über die ersten Frauen in politischen Spitzenpositionen recherchiert, über „Die ersten ihrer Art“ geschrieben und nun darüber spekuliert, wie es wäre, wenn eine Frau das Außenministerium führt, mit welch Hindernissen sie konfrontiert wird und auch, ob es als Frau gelingt, ein gut funktionierendes Netzwerk um sich aufzubauen. Eine spannende Ausgangssituation mit ganz und gar unterschiedlichen Charakteren, die dennoch zusammen gut funktionieren.

Wir sind im Bonn der späten 1970er Jahre, als der liberale Außenminister Helmut Busch über eine Affäre stolpert und er sich auch noch so einiges anderes hat zuschulden kommen lassen, er ist als Minister nicht mehr zu halten. Wer steht als liberaler Lückenfüller bereit? Buschs Parteifreundin Catharina Cornelius ist bereit für diese Aufgabe, sehr wohl wissend, dass sie sich in der politischen Männerriege sowohl in den eigenen als auch in den oppositionellen Reihen zu behaupten hat. Catharina weiß nur zu genau, wie Politik funktioniert. Sie ist intelligent, ehrgeizig, zäh und zielorientiert, sie durchschaut auch mithilfe ihres engen Umfeldes so manch Intrige. Als Politikerin ist sie immer im Dienst und doch gibt es auch ihre sehr privaten Momente.

Die hier agierenden Figuren sind fiktiv, allerdings erkennt man bei so manchem das reale Vorbild. Vordergründig jedoch stellt die Autorin die Spitzenpolitikerin in den Fokus, wohl wissend, dass es noch dauern wird, bis die Zeit dafür reif ist. Auch spinnt sie den Faden weiter, lässt das Geschehen um den Sturz des Schahs und die Wiedererstarkung des Islamischen Staates aufleben. Hier sind es Catharinas iranische Freundin Azadeh, die den Umsturz hautnah erlebt und die Journalistin Suzanne, die darüber vor Ort berichten will. Und sie bietet noch sehr viel mehr an Zeitgeschichtlichem, immer im Kontext der Frau in ihrem politischen Amt.

Es ist ein beeindruckender Roman aus Sicht einer Frau in Führungsposition, die sich ins politische Haifischbecken begibt, um darin zu bestehen. Garniert mit den unvermeidlichen Drinks in verqualmten Räumen, in denen so manch Intrige geschmiedet wird. Mit einem Ende, das besser nicht sein könnte.

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