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Veröffentlicht am 02.09.2025

Die Masche der Loverboys

Loverboy – Niemand liebt dich so wie ich
1

Zwischendurch darf es auch mal ein Romance-Thriller sein, also habe ich mir „Loverboy“ näher angeschaut – ein Thema unserer Zeit. Leider fallen sie ihnen immer wieder auf ihre Liebesschwüre herein, auch ...

Zwischendurch darf es auch mal ein Romance-Thriller sein, also habe ich mir „Loverboy“ näher angeschaut – ein Thema unserer Zeit. Leider fallen sie ihnen immer wieder auf ihre Liebesschwüre herein, auch Vivian ist ganz hin und weg von Pascal. Sie, die eher am Rande steht, wird von „Mr. Ich-bin-zu-schön“ umgarnt, er scheint nur Augen für sie zu haben.

Vivian und Lola haben sich in ihrer WG gut eingerichtet. Sie kennen sich, sie unterstützen sich, sie mögen sich. Bis jetzt, denn Vivian verändert sich, seitdem sie Pascal begegnet ist. Sie leiht sich Geld von Lola, erzählt nichts mehr und dann verschwindet sie. Lola weiß nicht, wo sie ist. Sie geht zur Polizei, die jedoch nichts unternehmen kann. Irgendwann taucht Vivians Bruder Elias bei Lola auf und beide beschließen, sie zu suchen.

Loverboys gaukeln ihren Opfern die große Liebe vor und kaum haben sie Vertrauen gefasst, zwingen die Männer sie in eine ganz andere Richtung. Die Masche dürfte jedem und jeder bekannt sein und doch glauben die jungen Frauen an ihre Liebesschwüre.

„Loverboy – Niemand liebt dich so wie ich“ ist auch als Hörbuch erhältlich, das über 12 Stunden und 43 Minuten diese Thematik aufgreift. Schon der Buchtitel macht klar, dass es sich hier um keine Liebesgeschichte handelt, es ist schlechthin Ausbeutung, die diese Loverboys betreiben. Eine Triggerwarnung gibt es zuvor und auch danach.

Die Sprecher greifen die Stimmungen gut auf, auf weiten Strecken sind es Lola und Elias, die sich zuvor nicht gekannt haben und nun gemeinsam nach Vivian suchen. Irgendwann sind sie auf der richtigen Spur, die ganze Angst um sie und die Dramatik dahinter ist spürbar, ich bin nah bei ihnen. Auch Vivian höre ich, sie ist Pascal verfallen, glaubt ihm jede Lüge, die sie als wahr wahrnimmt. Es knistert direkt vor Spannung, alle Sprecher transportieren die aufwühlenden Gefühle perfekt wider.

Antonia Wesseling zeigt anhand dieser Story deutlich die ganze Dramatik hinter den Loverboys auf. So manch Liebesszene hätte ich nicht unbedingt in ihrer Gänze gebraucht, aber gut – ein wenig Romance darf in diesem Genre schon auch sein. Gut und spannend geschrieben und als Hörbuch perfekt in Szene gesetzt.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Spannende Lesestunden garantiert

Über die Toten nur Gutes
1

Alles beginnt im Beerdigungsinstitut Amelung im Osten Flensburgs und dort endet es auch. Naja, fast – der Glücksburger Friedhof ist es zum Schluss, in dem sich eine kleine Trauergemeinde einfindet. Was ...

Alles beginnt im Beerdigungsinstitut Amelung im Osten Flensburgs und dort endet es auch. Naja, fast – der Glücksburger Friedhof ist es zum Schluss, in dem sich eine kleine Trauergemeinde einfindet. Was dazwischen alles geschieht, davon berichtet Andreas Izquierdo in diversen Tonarten - je nachdem, wie die Dinge stehen.

Diesen festen Termin, den Mads Madsen als Trauerredner hat, verschläft er fast. Jetzt aber schnell, die Trauergäste warten, der Verblichene sowieso. Gerade mal so hat er es doch noch geschafft, er steht vor dem offenen Sarg des Mannes, dem heute seine Rede gilt. Nur nicht verhaspeln, nur keine Daten durcheinanderbringen – Mads redet frei, das ist er seinen Toten schuldig.

Schon die ersten Seiten ziehen mich ins Buch, denn was ich hier erlebe, ist so einzigartig, so abgefahren, gespannt lese ich weiter, folge Mads, der bald darauf schlaftrunken einen Anruf entgegennimmt. „Patrick ist tot.“ Es wird gewünscht, dass Mads die Trauerrede hält. Er braucht einiges an Infos von ihm, dem Freund aus Kindertagen. Lange hat er nichts mehr von ihm gehört, also macht er sich dran, seinem Leben nachzuspüren. Der Unfall, dem Patrick das Leben gekostet hat, müsste logischerweise auch die Polizei interessieren. Hier tritt die Hauptkommissarin Luisa Mills, kurz Mills genannt, auf den Plan. Ihr gefällt es so gar nicht, dass Mads in dieser Sache ermittelt, ihm bleibt allerdings nichts anderes übrig, denn in seinen Augen interessiert Mills sich nicht die Bohne für den Hergang des Unfalls.

An den Büchern von Andreas Izquierdo komme ich nicht vorbei, sein einnehmender Schreibstil und seine Themenauswahl sind neben den lebendigen Charakteren Garant für eine gute Story. Die witzig-spritzigen Dialoge, die mir so manches Schmunzeln entlocken, haben es mir besonders angetan. Neben den launigen Szenen geht es bedrohlich und mitunter tödlich zur Sache, der Krimi hat auch seine durchaus ernsten Seiten, die sehr nachdenklich stimmen.

Mit Mads, dem Trauerredner, der als Detektiv fungiert, hat er einen einzigartigen, liebenswerten und zielstrebigen Hauptakteur erschaffen, der mit seinen 28 Jahren unter einem Dach mit seinem Vater, dem etwas schrulligen, aber durchaus pfiffigen Fridtjof, lebt. Als Hobby-Detektiv lebt es sich mitunter gefährlich, mit so manch finsterer Gestalt muss Mads sich auseinandersetzen. Nur gut, dass sein Schwager Robert Anwalt ist, denn zuweilen kann so einer sehr nützlich sein. Ein ganz besonderer Charakter ist der Thanatopraktiker Herr Barnardy, der in aller Stille für den perfekten Abschluss sorgt. Mehr sei nicht verraten.

„Über die Toten nur Gutes“ ist ein kurzweiliges, vergnügliches Lesevergnügen, das viel mehr als „nur“ eine Trauerrede zu bieten hat. Ein zweiter Band wird im Herbst 2026 erscheinen, dann heißt es „Niemals geht man so ganz“ – ich freu mich drauf.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Sehr lesenswert

Die Dolmetscherin
1

Titus Müller legt in seinem exakt recherchierten, sehr empfehlenswerten Buch „Die Dolmetscherin“ den Focus auf den ersten Nürnberger Prozess, in dem sich die 24 Hauptangeklagten der Planung, der Vorbereitung, ...

Titus Müller legt in seinem exakt recherchierten, sehr empfehlenswerten Buch „Die Dolmetscherin“ den Focus auf den ersten Nürnberger Prozess, in dem sich die 24 Hauptangeklagten der Planung, der Vorbereitung, der Einleitung und Durchführung eines Angriffskrieges, Verbrechen an der Zivilbevölkerung und Kriegsgefangenen sowie Massenmord in den Vernichtungslagern zu verantworten hatten.

Im Badeort Mondorf-les-Bains, im Großherzogtum Luxemburg, internierte die US-Armee führende Nazi-Größen. Mit Görings Anreise werfen wir einen ersten Blick in das Palace-Hotel, in dem die ersten Verhöre stattfanden. Es war im Mai 1945, kurz nach Deutschlands Kapitulation. Görings Größenwahn kommt durch, er gibt sich auch später, als er nach Nürnberg übergeführt wird, von sich überzeugt, verhöhnt und verachtet die Justiz, führt diese bei jeder sich bietenden Gelegenheit nur zu gerne vor. Er liebt dramatische Auftritte, wähnt sich noch immer – trotz seiner Degradierung - als Hitlers Nachfolger.

Die fiktive Figur Asta ist es, die als Dolmetscherin fungiert. Die gebürtige Deutsche ist in jungen Jahren in die USA ausgewandert, sie beherrscht beide Sprachen perfekt in Wort und Schrift und überzeugt mit ihrem Gespür für sprachliche Feinheiten. Zunächst wird sie in Luxemburg und dann in Nürnberg als Simultandolmetscherin eingesetzt. Ihrer Figur haftet etwas Düsteres an, auch für Geheimdienste ist sie interessant, sie lebt äußerst gefährlich.

Zwischendurch dann ist es Leo, den sie schon in Luxemburg als normalen Kriegshäftling kennenlernt. Ihre Wege kreuzen sich immer wieder, auch er kehrt zurück nach Nürnberg, zu seiner kleinen Familie. Und auch er hat noch eine Rechnung offen, die ihn in riskante Bahnen lenkt.

Titus Müller führt seine Leser von den ersten Verhören in Luxemburg hin zu der Anklage der vier alliierten Mächte, Robert H. Jackson (USA) ist einer der vier Hauptankläger. Die 24 Angeklagten sind hinlänglich bekannt, ich muss sie hier nicht näher bezeichnen. Im Roman allerdings werden uns neben Göring noch etliche der hohen Nazi-Funktionäre in ihren Eitelkeiten und ihrer menschenverachtenden Gesinnung und ihren Taten, die sie vehement leugnen, nähergebracht. Es ist schwer auszuhalten, was diese Massenmörder von sich geben, wie sie sich in ihrer Überheblichkeit auch im Angesicht der drohenden Verurteilung geben.

Und - wir sind im zerbombten Nachkriegsdeutschland. Da ist Leo, der seine Familie in einem Kellerloch wiederfindet. Der Krieg hat nicht nur Städte zerstört, jeder einzelne kämpft ums Überleben. Anhand seines Sohnes und seiner Frau wird die Tragik der Überlebenden offenbart. Und auch Asta hat ein Privatleben, das durch fremde Kräfte in eine äußerst gefährliche Richtung gelenkt wird.

Zunächst haben mich die Hintergründe der Nürnberger Prozesse interessiert. Gelegentlich musste ich innehalten und tief durchatmen, so manch Detail zeigt die inhumane Vorgehensweise der Nazis schonungslos auf. Dennoch will ich es wissen, wie zynisch sie waren, wie barbarisch sie agierten. „Die Dolmetscherin“ ist ein spannender, ein lebendig erzählter historischer Roman, der unsere Geschichte gut lesbar wiedergibt, der gelesen werden sollte.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Wenn das Zuhause zum Albtraum wird

Welcome Home – Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?
1

Ines und Marco Winkler haben sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllt. Sie ziehen mit ihrer vierjährigen Tochter Emilia in ein Neubaugebiet, das sich „Auf Mons“ nennt. Kaum angekommen, stellt sich ihre Nachbarin ...

Ines und Marco Winkler haben sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllt. Sie ziehen mit ihrer vierjährigen Tochter Emilia in ein Neubaugebiet, das sich „Auf Mons“ nennt. Kaum angekommen, stellt sich ihre Nachbarin Johanna vor, die sie zu einem geselligen Abend einlädt, bei dem sie noch andere Nachbarn kennenlernen. Alle sind sie nett, alle sind sie hilfsbereit.

Schon in der ersten Nacht geschieht Seltsames. Marco wird von einem Geräusch im Erdgeschoss wach, ihr Labradoodle James knurrt bedrohlich, das Licht fällt aus. In der Nacht darauf ist es Ines, die einen Schatten vor ihrem Bett sieht, sie weckt Marco und - wieder bleibt es dunkel. Und wieder ist die Hauptsicherung herausgesprungen. Als dann Ines von ihrem Fenster aus im noch unbewohnten Nachbarhaus Merkwürdiges beobachtet, ruft Marco die Polizei. Diese beruhigt sie. Am nächsten Tag stürmt James los, kaum dass er aus dem Haus ist. Marco ihm nach. Und was er in diesem leerstehenden Haus findet, lässt ihn zusammensacken. Er findet eine Leiche, grausamst zugerichtet.

Arno Strobel versteht es, jeden, wirklich jeden verdächtig erscheinen zu lassen. Ich hatte bald meine Verdächtige(n), ließ mich dann doch eines Besseren belehren, denn es wäre zu voreilig, die Täterperson sofort zu präsentieren. Die Frage, wie sich dieser Unbekannte seine Opfer holt, obwohl sämtliche Türen und Zugänge und auch die Fenster gut gesichert sind, gibt Rätsel auf. Zumal es auch keinerlei Einbruchspuren gibt. Und doch scheint sich jemand in die Häuser zu schleichen, sie zu beobachten und blitzschnell zuzuschlagen. Denn es bleibt nicht bei diesem einen Opfer. Die Polizei scheint eher untätig zu sein, also nehmen die Siedlungsbewohner die Bewachung selber in die Hand, können allerdings nichts verhindern.

Die ganze Dramatik, die sich immer weiter aufbaut, sehe ich durch Marcos Augen. Nicht nur er will, dass dieser Albtraum aufhört, auch ich möchte es. Aber es kommt noch schlimmer, nach etwa der Hälfte des Buches bin ich zutiefst geschockt, ich fasse es schlichtweg nicht. Es ist wie ein böser Traum, der leider keiner ist, denn all diese Vorkommnisse sind nur zu real.

„Du liebst dein neues Zuhause. Hier bist du sicher. Oder?“ Das Gegenteil ist hier der Fall, nichts ist sicher, niemand darf sich in Sicherheit wiegen. Arno Strobel hat es wiederum geschafft, mir den Albtraum schlechthin zu präsentieren. Die ganze Zeit über kriechen meine Gedanken durch sämtliche Gehirnwindungen, schaffen es aber nicht ans Ziel. „Welcome Home“ – ein spannender Psycho-Thriller, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Liberantas - das faszinierende Finale

Liberantas - Im Licht der Vergebung
1

Nachdem ich die ersten beiden Bücher verschlungen habe, war ich natürlich gespannt auf das finale dritte Buch. Was wird aus Elainy und Awan? Werden sie sich lieben dürfen, werden sie sich verlieren oder ...

Nachdem ich die ersten beiden Bücher verschlungen habe, war ich natürlich gespannt auf das finale dritte Buch. Was wird aus Elainy und Awan? Werden sie sich lieben dürfen, werden sie sich verlieren oder werden sie gar getötet, befohlen von Odium, dem Herrscher von Liberantas?

„Im Licht der Vergebung“ beginnt traurig, Elainy wird von allen Geschöpfen umschwirrt. Wut, Einsamkeit, Trauer, Angst und Verzweiflung werden von ihren Emotionen angezogen, auch ein Confido, ein Geschöpf, das den Weg weist, ist da. Wohin führt ihr weiterer Weg? So viel sei verraten, sie ist stark. „Du musst mir versprechen, dass du jedes Hindernis nimmst, Elainy. Denn die Alternative wäre, davor stehen zu bleiben und zu verlieren.“ Diesen so wahren, sehr weisen Satz hat einst ihre Mutter ihr mitgegeben, sie erinnert sich daran.

Elainy weiß, dass es in Liberantas keine Zukunft gibt. Nicht für sie, nicht für Awan und auch für die anderen nicht, denn Liberantas darf nicht weiterbestehen.

Sie lernt, zu kämpfen. Nicht nur in Awan hat sie einen Mitstreiter, auch auf Milo ist Verlass. Kian, der sie einst hierher gebracht hat, offenbart seine wahre Seite und auch von Marty, ihrem so lange vermissten Bruder, hört sie. Wohin dies alles führt, was der Kampf bringen wird, sei nicht verraten, nur so viel - es ist ein spannendes und nervenaufreibendes und sehr gefährliches Auf und Ab.

Schon das erste Buch „Im Schatten der Erinnerung“ hat mich fasziniert, ich hätte das nie gedacht. Und natürlich haben mich die Folgebände „Im Nebel der Furcht“ und dieses hier „Im Licht der Vergebung“ unbändig gelockt. Ich war in einer fremden Welt fernab der Erde, in der Liebe verboten ist, die aber mit einem Schlaraffenland aufwartet, von dem man nur träumen kann.

Spicy New Adult Romantasy ist nicht unbedingt das Buchgenre, das ich bevorzuge, aber „Liberantas“ in seiner Gänze möchte ich nicht missen. Was ich noch kurz erwähnen möchte, sind die tiefgründigen Gedanken, die den Kapiteln vorangestellt sind. Am liebsten würde ich sie hier alle zitieren, was den Rahmen sprengen würde. Und natürlich klärt das Glossar über all die Wesen und Geschöpfe auf, die in Liberantas leben.

Es war eine kurzweile, eine wunderschöne, aber auch eine mitunter gefährliche Reise, die nun zu Ende geht. Ich danke Larissa Braun für unterhaltsame Lesestunden, ich habe jedes einzelne Buch sehr genossen.

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