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Veröffentlicht am 09.08.2025

Vergiftete Beziehungsverhältnisse

Bittersüß
1

Die junge Charlie arbeitet in der Presseabteilung eines Londoner Verlages, in dem auch der erfolgreiche Autor Richard Aveling unter Vertrag ist. Als sie sich zufällig begegnen, ist sie von seiner Ausstrahlung ...

Die junge Charlie arbeitet in der Presseabteilung eines Londoner Verlages, in dem auch der erfolgreiche Autor Richard Aveling unter Vertrag ist. Als sie sich zufällig begegnen, ist sie von seiner Ausstrahlung beeindruckt und kann es gar nicht glauben, dass er sie als Person wahrnimmt. Es kommt, wie es kommen muss, sie beginnen eine Affäre, die sich für sie bald als äußerst toxisch erweist. Ab sofort wartet sie immer nur darauf, dass er sie in seine Londoner Wohnung zitiert. Dann ist sie happy, dann lässt sie alles und alle stehen, um ihm seine Wünsche zu erfüllen. Natürlich muss dies im Geheimen stattfinden, denn Richard ist verheiratet. Und – selbstredend besteht seine Ehe nur mehr auf dem Papier, was denn sonst.

Hattie Williams hat einen durchaus unterhaltsamen Roman über Abhängigkeiten und toxische Machtverhältnisse geschrieben. Der charismatische, allerdings sehr egoistische Richard weiß um seine Wirkung auf Frauen, was er für sich zu nutzen weiß. Da kommt ihm die unerfahrene, naive Charlie gerade recht. Er fordert permanent alles für sich ein, sie ist von ihm emotional total abhängig, vernachlässigt ihre Freunde und ist für ihn immer auf Abruf bereit. So oder so ähnlich sind diese äußerst toxischen Abhängigkeiten schon zigmal geschrieben und verfilmt worden. Dieses Auf und Ab der Gefühle nimmt viel Raum ein, erst später dann wendet sich für Charlie das Blatt auf nochmal sehr bittere Art.

Die Story ist voller Klischees, sie ist vorhersehbar – älterer Mann macht junge Frau von sich abhängig, der Alkohol fließt zu jeder Tages- und Nachtzeit in Strömen, dazu gesellt sich Tablettenmissbrauch. Die toxische Beziehung immer im Vordergrund ist „Bittersüß“ eine leichte Sommerlektüre, die schnell weggelesen ist.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Von drei starken Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Die Hummerfrauen
1

Männer sind es für gewöhnlich, die zum Fischen rausfahren. Zumindest assoziiere ich diesen doch schweren, sehr anstrengenden Beruf eher mit einem starken Mann denn einer zarten Frau. Soweit mein Vorurteil, ...

Männer sind es für gewöhnlich, die zum Fischen rausfahren. Zumindest assoziiere ich diesen doch schweren, sehr anstrengenden Beruf eher mit einem starken Mann denn einer zarten Frau. Soweit mein Vorurteil, das so nicht ganz stimmt, wenngleich Hummerfischerinnen, von denen ich lese, eher selten sind. Aber doch gibt es sie.

„Die Hummerfrauen“ faszinieren mich jede für sich. Ann ist mit ihren 72 Jahren die älteste der drei Hummerfischerinnen. Sie lebt schon lange alleine. Fast alleine, denn Mr. Darcy, der blaue Hummer, hat sein Aquarium in ihrem Haus. Die Frage, ob er denn freiwillig hier wäre, kann sie mit JA beantworten, denn sie hat ihn schon mehrfach am Strand ausgesetzt, ihn ins Meer getrieben. Er aber ist immer wieder zu ihr zurückgekrabbelt.

Auch die 54jährige Julie hat ihre ganz eigene Geschichte. Schon vor ihrem schweren Unfall hatte sie einen mitunter scharfen Ton drauf, sie eckt gern mal an, wer sie aber besser kennt, weiß um ihre Hilfsbereitschaft. Sie lernt das Hummerfischen als Achtermann bei Nat und ist nun mit ihrem eigenen Boot draußen, hat ihre Kapitänslizenz und auch Fangrechte. Einst hat sie Nat das Schwimmen gelernt, was unter Fischern nicht üblich ist. Warum sie nicht schwimmen können? Da hab ich erst mal schlucken müssen…

„Du wirst es nicht glauben, ich habe eine Meerjungfrau im Haus.“ Was für ein Kraut sie denn geraucht hätte, wird Ann gefragt. Nun, Ann hat Mina (28) aufgenommen, sie wurde am Strand aufgelesen und zu ihr gebracht - vorerst bleibt sie bei ihr. Schon früher war die kleine Mina mit ihren Eltern und ihrem großen Bruder in Maine. Als Kind trifft sie auf den Fischerjungen Sam, dem sie nun, als erwachsene Frau, wiederbegegnet.

Beatrix Gerstberger hat sich viel mit Hummerfischerinnen unterhalten, wie sie verrät. Sie war für ein halbes Jahr direkt in einem Hummerfischerdorf. Sie schreibt vom Leben und von der Liebe, von Verlust, den jeden treffen kann und von der Trauer und deren Bewältigung. Jeder geht anders mit Schicksalsschlägen um und so manch raue Schale, die nach außen hin gezeigt wird, hat einen weichen Kern. Der generationenübergreifenden Zusammenhalt der Dorfbewohner schwingt mit, ebenso ein Gespür für den Kummer und Schmerz der anderen. Nicht jeder kann die Schatten der Vergangenheit hinter sich lassen, Mina etwa geht ganz anders damit um wie Sam.

Zwei Zeitebenen wechseln sich ab, wobei der Sommer 1982 viel von der Familie Gray aus Philadelphia erzählt. Richard und Judith Gray verbringen mit ihren Kindern Christopher und Mina ihre Ferien. Wir bekommen einen tiefen Einblick in das Familienleben, die so unterschiedlichen Figuren sind fein gezeichnet, nicht jeder ist sympathisch. So auch im Jahr 2000, in dem so manche Beziehung auf dem Prüfstand steht. Sie leben im Einklang mit der Natur, sie wissen um die Vergänglichkeit jeglichen Lebens.

Es wird zunehmend intensiver. Je mehr ich von ihnen allen weiß, desto klarer wird mein Bild, auch das des Hummerortes und dessen Bewohnern, die alle von Hummerfang abhängig sind. Das Hineinfinden ins Buch verlangt schon Aufmerksamkeit, sobald ich aber die einzelnen Charaktere verinnerlicht, je mehr ich gelesen habe, desto weniger mochte ich das Buch zur Seite legen.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Eine kluge Frau inmitten des chilenischen Bürgerkrieges 1891

Mein Name ist Emilia del Valle
1

Molly Walsh besteht darauf, dass ihre Tochter eine del Valle ist. Ihr Name ist: Emilia del Valle. 1866 wird sie in San Francisco geboren, ihr Papo ist ihr ein liebevoller Vater, wenngleich er nicht ihr ...

Molly Walsh besteht darauf, dass ihre Tochter eine del Valle ist. Ihr Name ist: Emilia del Valle. 1866 wird sie in San Francisco geboren, ihr Papo ist ihr ein liebevoller Vater, wenngleich er nicht ihr Erzeuger ist. Dieser ist ein Spross der einflussreichen chilenischen Familie del Valle, er hat sich Molly, die auf dem besten Wege zur Nonne war, einst mit Gewalt genommen. „Molly Walsh wurde nie zur Nonne, und jede Hoffnung auf Heiligkeit, die sie in ihrer frühen Jugend genährt haben mochte, wurde binnen Tagen zunichte gemacht von einem chilenischen Herrensöhnchen mit erheblichem Vermögen, einnehmendem Äußeren und wenigen Skrupeln. Sein Name war Gonzaló Andrés del Valle.“ Er war ihr Vater.

Ihr Papo aber, ihr Stiefvater, war es, der ihr von klein auf Selbstbewusstsein vermittelt hat. „Du bist klüger als die anderen, vergiss das nicht“ hat er oft zu ihr gesagt.

Das Schreiben war von jeher Emilias Passion, sie schreibt und veröffentlich unter dem Pseudonym Brandon J. Price sehr erfolgreich Groschenromane, was ihr jedoch nicht mehr genügt. Sie bewirbt sich bei einer Zeitung. „Bei uns gibt es keine Journalistinnen“, wird ihr bei ihrer Bewerbung gesagt. Sie aber lässt sich nicht abwimmeln. „Deshalb bin ich hier. Ihre Zeitung braucht mich“ meint sie lapidar. Und sie beweist, was sie kann. Sie wird eingestellt, sie wird unter ihrem richtigen Namen schreiben.

Der Ich-Erzählerin Emilia folge ich zunächst nach New York. Ihre beruflichen und auch ihre amourösen Momente zeigen eine selbständige, eine neugierige, eine freiheitsliebenden Frau. Dieser erste Eindruck verfestigt sich dann später, als sie mit ihrem Kollegen Eric nach Chile geht, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten. Und sie ist nicht nur dabei, sie ist mittendrin. Daneben sucht sie ihren leiblichen Vater und gleich mal muss sie damit aufräumen, am Erbe interessiert zu sein.

Zu Isabel Allendes Büchern greife ich, seit ich vor langer Zeit „Das Geisterhaus“ gelesen habe. Mit Chile verbindet sie, die Weltbürgerin, ihr ganzes Leben. „Mein Name ist Emilia del Valle“ legt den Focus auf die chilenische Revolution von 1891, bei der Schlacht von Carcón war ich gefühlt an vorderster Front. Als Kriegsreporterin durchlebt Emilia die Schrecken des Krieges, Eric und sie berichten von unterschiedlichen Stellen und irgendwann trifft Emilia dann eine für sie richtige Entscheidung. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Nur so viel:

Es lohnt sich, Isabel Allendes neuestes Buch zu lesen. Man wird direkt hineinkatapultiert in eine längst vergangene Zeit, in ein uns fremdes Land. Und doch lernt man eine emanzipierte, eine sehr kluge Frau kennen und schätzen, die ihren eigenen Weg geht.

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Von Duftwicken in all ihrer Vielfalt, von Liebe und mehr…

Duftwickensommer
1

„Das ist eine historische viktorianische Duftwicke, Lathyrus odoratus.“ Oje, ein Fachidiot, denkt sie noch, als er sich als Biologe vorstellt, der für den Nationalpark Wattenmeer tätig ist, der den aktuellen ...

„Das ist eine historische viktorianische Duftwicke, Lathyrus odoratus.“ Oje, ein Fachidiot, denkt sie noch, als er sich als Biologe vorstellt, der für den Nationalpark Wattenmeer tätig ist, der den aktuellen Bestand seltener Wildpflanzen erforscht. Die erste Begegnung zwischen Marieke und Tibo ist eher nüchtern, sie werden sich von nun an noch öfter über den Weg laufen.

Marieke hat sich in die Villa Cupani verliebt. Es ist ein kleines Häuschen auf Borkum, das nach ihrer Scheidung der perfekte Rückzugsort ist. Sie freundet sich mit Alwine, ihrer schon älteren Nachbarin, an, die ihr von Anni erzählt, einer Frau, die einst hier gelebt hat.

Sylvia Lott lädt mich ein, ein Stück weit mit Marieke zu gehen und auch mit Anni, der ich im Jahr 1911 begegne. Diese beiden Zeitebenen wechseln sich ab. Marieke im Hier und Jetzt ist eher antriebslos, Alwine dagegen steckt voller Tatendrang. Bei Tee und gebuttertem Stutenbrot tauchen sie ein in Annis Geschichte, die auf Willow Hill als Vorleserin für Katherine Moss, der Gattin eines Teegroßhändlers, ihren Unterhalt verdient. Als eines Tages ein Wettbewerb für den schönsten Strauß aus selbstgezogenen Wicken von der Daily Mail ausgelobt wird, ist Anni sofort Feuer und Flamme. Und nicht nur sie, auch ihre Freundinnen Millie und Meg könnten das Preisgeld gut gebrauchen.

Den Wickenwettbewerb hat es tatsächlich gegeben, auch kämpften zu dieser Zeit Frauen um ihr Wahlrecht, allen voran die historischen Persönlichkeiten Emmeline Pankhurst und Ethel Smyth, die in die Geschichte geschickt integriert sind wie auch Lord Northcliffe, der Begründer der Daily Mail. Anderes ist fiktiv, das Gesamtpaket an sich kann sich sehen lassen.

Beide Erzählstränge haben ihren Reiz, auch kommt die Liebe nicht zu kurz, wobei mir das Geschehen um Anni noch etwas mehr zugesagt hat. Ihre Freundinnen Meg und Millie sind wie sie bei hohen Herrschaften in Stellung und natürlich erfahren wir so einiges Pikantes. Auch der (Geld)Adel ist nicht frei von so manch üblen Machenschaften, von Intrigen und Anspruchsdenken, das Sittenbild dieser Jahre und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten sind gut eingefangen. Mit den Protagonisten habe ich mitgefiebert, die meisten davon waren mir durchaus sympathisch, zu allen hatte ich ein authentisches Bild vor Augen. In der Jetztzeit gefällt mir die charismatische, zupackende Alwine trotz aller Schicksalsschläge ausgesprochen gut. Marieke, die dabei ist, Altes loszulassen, um Neues in ihr Leben zu lassen, wirkt dagegen etwas blass.

"Duftwickensommer" ist ein zauberhafter, kurzweiliger Roman - perfekt zum Wegträumen. Und über allem erfüllen der betörende Duft und die Blütenvielfalt der Wicken die Luft.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Was geschah in Camp Donkerbloem?

Der Trailer
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„Willkommen im Camp Donkerbloem.“ Lisa kann zunächst für eine Nacht hier bleiben. Der Angestellte der Campinganlage muss erst mit seinem Chef reden, denn soviel er weiß, ist der Platz für dieses Wochenende ...

„Willkommen im Camp Donkerbloem.“ Lisa kann zunächst für eine Nacht hier bleiben. Der Angestellte der Campinganlage muss erst mit seinem Chef reden, denn soviel er weiß, ist der Platz für dieses Wochenende ausgebucht. Sie bekommt den Wohnwagen mit der Standnummer W3 zugewiesen, der sich am Ende der Anlage, dicht am See, befindet. Dies war vor fünfzehn Jahren, seither fehlt von Lisa jede Spur.

Und nun, in der Gegenwart, spricht die Hauptkommissarin Frieda Stahnke in einem Podcast über diesen Vermisstenfall. Noch ahnt sie nicht, was sie damit lostritt und auch sie selber lässt dieser Fall nicht mehr los. Sie trifft auf den halbseidenen Wount Meertens und seinen Angestellten Tayfun, auch mischt Wounts Mieterin Kathinka mit. Wount war damals, als Lisa verschwand, in Camp Donkerbloem, was ihn per se verdächtig macht.

Das erste Buch der Donkerbloem-Trilogie war in Rekordgeschwindigkeit ausgelesen, Linus Geschke hat mich wiederum vollkommen überzeugt und natürlich fiebere ich den beiden Nachfolgebänden gespannt entgegen, auch wenn es noch gefühlt ewig dauern wird, bis ich „Das Camp“ (02.26) und „Die Schlucht“ (07.26) in Händen halte.

Die Story lebt von den wechselnden Schauplätze und den Figuren, die - jede für sich - gut ausgearbeitet sind. Da ist (neben so einigen anderen Gestalten) Frieda, die wegen einer anderen Geschichte suspendiert ist, die aber hier nicht locker lässt, auch wenn sie momentan eher in einer Grauzone unterwegs ist. Auch Wount, dieser Unterwelttyp, der nichts anbrennen lässt, ist ein vielschichtiger Charakter mit Ecken und Kanten nicht zu knapp und so zart Kathinka auch ist, lässt sie sich nicht so einfach wegschieben. Sie alle sind nicht unbedingt nett, aber tough und unerschrocken sind sie allemal.

Gleich mal erleben wir Lisa, die durch die Nacht rennt, sie versucht dem Grauen zu entkommen. Was genau sich hier abspielt, sickert schon durch und doch weiß man nichts, auch wenn die Gedanken beim Lesen permanent rattern. Der Podcast schreckt so einige Typen auf, die damals auf dem Campingplatz waren. Bei anderen wiederum ist nicht klar, warum sie dermaßen alarmiert agieren. Wer ist Opfer, wer ist Täter? Es geht um Missbrauch, um Gewalt und Wut, die oftmals einen klaren Blick verhindert und wie Linus Gescheke so treffen schreibt, ist Wut auch die Beschützerin der Trauer.

„Der Trailer“ ist absolut fesselnd, die Handlung ist durchdacht - ein Thriller-Schmankerl vom Feinsten.

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