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Veröffentlicht am 25.02.2026

Eine gekonnt inszenierte Charakterstudie

Grüne Welle
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Zunächst hatte ich das Gefühl, dass sie ein wenig verpeilt wäre. Die Frau, deren Namen man nicht kennt. Nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin fährt sie los, verpasst eine Abzweigung, auch auf der Autobahn ...

Zunächst hatte ich das Gefühl, dass sie ein wenig verpeilt wäre. Die Frau, deren Namen man nicht kennt. Nach einem Kinobesuch mit ihrer Freundin fährt sie los, verpasst eine Abzweigung, auch auf der Autobahn lenkt sie ihren Golf geradeaus, versäumt Ausfahrt um Ausfahrt.

Irgendwann dann sind da zwei junge Frauen, eine Große und eine Kleine, die sie an einer Tankstelle trifft. Auch sie werden nicht weiter benannt. Die Frau wundert sich, dass es auch heute noch Anhalterinnen gibt, denn die Zeit dafür ist schon aufgrund der damaligen Vorkommnisse lange vorbei. Der Kofferraum ist schon besetzt, ihre Rucksäcke nehmen die Große und die Kleine auf ihren Schoss.

Wie entrückt kommt mir diese Geschichte vor, als ob einer einen nüchternen Blick auf die Frau und das Geschehen wirft. Eigentlich passiert nichts oder nicht viel und doch möchte man wissen, was es mit dieser Frau auf sich hat. Der Mann daheim wartet auf sie, das schimmert durch. Auch sieht die Große, die auf der Rückbank sitzt, die Frau ganz genau an. Sie spricht sie darauf an, Antwort erhält sie keine.

Das eigene Ich wahrnehmen, die Selbstreflektion einer Frau, die ihre Wirklichkeit ganz genau kennt und diese gedanklich auf dieser Fahrt durchspielt – so kommen bei mir diese Stunden im Golf der Frau an. Aus der Perspektive ihrer Gedanken, die als externer Beobachter fungieren, wird ihre Lebenswirklichkeit seziert. Es liegt an ihr, das für sie einzig Richtige aus ihrem Dasein zu machen. Nur zu oft knicken wir dabei ein, denn die eingefahrenen Bahnen zu durchbrechen – dazu braucht es Stärke und Mut.

Eine Charakterstudie, die sachlich und nüchtern das durchleuchtet, wohin das Leben uns geführt hat und was davon übrig ist. Gekonnt in Szene gesetzt, vorurteilsfrei und doch auf den Punkt gebracht. Nach den ersten Seiten, nachdem ich mich mit diesem doch ungewohnten Schreibstil angefreundet habe, mochte ich das Buch nicht mehr weglegen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Von Caruso, dem surfenden Privatdetektiv

Heaven's Gate
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„Sie stellt sich als Ángel vor, Ángel Guzmán Gaviria, und sie vermisst ihren Sohn Juan. Alle nennen ihn nur John John.“ Bei der Polizei war sie nicht, denn „Choco Mucho ist ein feiner Kerl, aber ein lausiger ...

„Sie stellt sich als Ángel vor, Ángel Guzmán Gaviria, und sie vermisst ihren Sohn Juan. Alle nennen ihn nur John John.“ Bei der Polizei war sie nicht, denn „Choco Mucho ist ein feiner Kerl, aber ein lausiger Bulle.“ Nun, ich erfahre noch so einiges mehr von ihm und von der Arbeitsweise der Polizei hier, auf der philippinischen Insel Surogao. Chocos Faulheit heißt für Caruso, dass er so dann und wann einen Auftrag erhält, wenngleich dieser nicht viel einbringt, ihn aber so einigermaßen am Leben erhält, er krebst sozusagen permanent am finanziellen Limit. Die Miete, die Drinks und noch so einiges kosten – da kommt ihm diese Suche nach dem verschollenen Sohn gerade recht, zumal Ángels Vorschuss sich sehen lassen kann.

Caruso ist ein ehemaliger Profisurfer, der hier als Privatdetektiv unterwegs ist - sofern er einen Auftrag hat. Ich würd ihn eher als verkrachte Existenz beschreiben, der dem süßen Nichtstun frönt. Dramatisch geht´s los, als er einige Surfer dabei beobachtet, wie sie diese Welle unterschätzen und er selbstlos eingreift. Es sind Russen. Und sie sehen dies komplett anders. Eine gebrochene Nase spricht Bände, Caruso muss dafür bestraft werden. Schon allein das Cover spricht für sich, die Riesenwelle macht Laune und erweckt schon Betrachten eine unbändige Lust (nach Meer) nach mehr.

In erster Linie aber heißt es, John John aufzuspüren. Dabei nimmt Caruso die Hilfe von Yahoo an, einem Filipino und begnadeten Hacker, auch andere mischen kräftig mit. Was allerdings Diego in Hannover mit dem Ganzen zu tun hat, wird später klar, momentan aber scheint seine Geschichte eine ganz eigene zu sein.

Die wendungsreiche Story gewährt neben der Detektivarbeit einen tiefen Einblick ins Surferparadies, das für die Einheimischen gar nicht so paradiesisch daherkommt. Man spürt ihr karges Dasein, ihren täglichen Existenzkampf. Über Drogen und Alkohol, Gewalt und Korruption, Polizeiwillkür bis hin zu Mord ist alles dabei. Ganz anders das Ministerium für Tourismus, das die Inselkampagne mit dem Slogan „Welcome to Paradise. Welcome to Surogao“ startet.

Um zu Caruso zurückzukommen – er ist nicht gerade ein Sympathieträger, auch ist er keiner dieser herkömmlichen Detektive, eher schon ein abgehalfteter ehemaliger Profisurfer, der dennoch einen gewissen Charme besitzt und diesen bei Bedarf auch einzusetzen weiß.

„Heaven’s Gate“ ist ein gut geschriebener, ein kurzweiliger und spannender Krimi mit einem Anti-Helden, von dem es vielleicht noch mehr zu berichten gibt. Ich wär dabei.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Schönheit ist vielschichtig, sie liegt immer im Auge des Betrachters

Das schönste aller Leben
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„Dreihundert Jahre ist es her, dass ich eure Mutter wurde. Ihr kamt aus vielen Teilen Deutschlands zu mir, aber ihr wurdet alle Schwaben genannt…“ Das Banat ist eine Region im Südosten Europas, der größte ...

„Dreihundert Jahre ist es her, dass ich eure Mutter wurde. Ihr kamt aus vielen Teilen Deutschlands zu mir, aber ihr wurdet alle Schwaben genannt…“ Das Banat ist eine Region im Südosten Europas, der größte Teil liegt im heutigen Rumänien, zudem in Serbien und Ungarn. Betty Boras erzählt von Vio, die mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat flieht. In ihrer Erinnerung hatten sie ein gutes Leben dort, der Sturz Ceaușescus veranlasste ihre Eltern, nach Deutschland zu gehen.

Die Erzählperspektiven wechseln von Vio, dem Kind und ihrem erwachsenen Ich, zudem hat Theresia eine Stimme, der ich anfangs in ihrem schweren Arbeitsalltag begegne, die dann zu ihrem jüngeren Ich führt. Zunächst war ich über ihre Geschichte irritiert, bekam aber immer mehr Zugang zu ihr, die im 18. Jahrhundert lebte. Theresias Leben war geprägt von den Zwängen und den aus heutiger Sicht einseitigen Moralvorstellungen jener Zeit, die mit Fingern ausschließlich auf die Frau und deren angeblichen Verfehlungen zeigt. Ihre Geschichte ist (nach meinen anfänglichen Schwierigkeiten) in sich stimmig, auch kommt mir die Person Theresia nahe…

… im Gegensatz zu der erwachsenen Vio, die von Schuld und Selbstvorwürfen geprägt ist und aus diesem engen Korsett nicht herauszufinden scheint. Durch einen Unfall trägt ihre Tochter einen Makel davon, über den Vio als Mutter nicht hinwegsehen kann. Auch lese ich im Wechsel von der jungen Vio, die eines körperlichen Mangels wegen einer sichtbaren Stütze bedarf, um befreit davon in einigen Jahren ihr Dasein unbeschwert genießen zu können. Die junge Vio kommt damit sehr viel besser zurecht als jene ältere Vio, die sich die Schuld an den Narben ihrer Tochter gibt und daran zu zerbrechen droht.

Gerne hätte ich sehr viel mehr von Theresia und ihrem Schicksal gelesen, Vios Part dagegen kam mir eher wie entrückt vor, auch wenn ich ihre düsteren Gedanken nach dem Unfall ihrer Tochter durchaus nachvollziehen kann.

„Das schönste aller Leben“ – Betty Boras Debüt nimmt sich der Schönheit an sich an der damit einhergehenden Schönheitsideale, denen sich Frau schwer entziehen kann. Vio und Theresia verbindet dabei ihre Herkunft, das Banat. Und somit schließt sich der Kreis um die beiden so unterschiedlichen Frauen, die in unterschiedlichen Jahrhunderten leben und lebten.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Absolut spannend

Wellengrab (Ein Fabian-Risk-Krimi 7)
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Der siebte Fall für Fabian Risk ist mein erster, mein letzter wird er bestimmt nicht sein, denn ich bin total abgetaucht in finstere Machenschaften, die mir total suspekt sind und die Ängste in mir hervorrufen. ...

Der siebte Fall für Fabian Risk ist mein erster, mein letzter wird er bestimmt nicht sein, denn ich bin total abgetaucht in finstere Machenschaften, die mir total suspekt sind und die Ängste in mir hervorrufen.

Alles beginnt mit einem Stromausfall, der die gesamte Küste Schwedens betrifft. Zu dieser Zeit befinden sich Fabian Risk und seine Tochter Matilda auf ihrem Segelboot.

Zurück in Helsingborg haben Fabian Risk und seine Kollegen rätselhafte Fälle auf den Tisch bekommen. Die Frage drängt sich auf, ob diese in Zusammenhang mit dem großflächigen Blackout stehen wie etwa ein Banküberfall, auch scheinen Kinder zu verschwinden, was dann doch wieder dementiert wird. Als dann Fabians Tochter verschwindet, spitzt sich die Lage zu.

„Wellengrab“ - das über 16 Stunden und 51 Minuten dauernde Hörbuch wird von David Nathan gesprochen. Seine dunkle, warme Stimmlage passt sich perfekt dem Geschehen an. Er gibt jeder einzelnen Person seine charakteristischen Merkmale, was das Hören trotz der düsteren, sehr beklemmenden Story sehr angenehm macht.

Der Autor versteht es, seine Leser und/oder auch seine Hörer bis zum Schluss in Atem zu halten. Die vielschichtige Story ist fesselnd, zudem äußerst mysteriös. Ein Mädchen verschwindet, die Eltern schweigen, ich verdächtige aber den Vater und frage mich schon, wie die Mutter tickt, warum sie sich so seltsam verhält. Das ist nur einer der Fälle, die durchweg Fragen aufwerfen, die erst dem Ende zu Sinn ergeben. Auch Fabians Kollegin ist privat involviert. Wie genau, bleibt lange im Ungewissen. Spuren führen in ein feudales Anwesen, in eine Schule, es geht um Datendiebstahl, um Cyberangriffe und um noch sehr viel mehr.

Einmal drin in der Story gibt es kein Halten mehr. Was verbindet diese Einzelschicksale miteinander? Egal, wohin man sieht, überall lauern Gefahren, selbst ein Schlaganfall sorgt für Verdachtsmomente. Die vielen losen Fäden fügen sich zusammen, ja. Auch wenn es lange dauern mag und man starke Nerven braucht - selbst dem Ende zu geht es brutal zur Sache – so hat man zum Schluss den Überblick. „Wellengrab“ ist ein hochspannender Thriller, der nach mehr verlangt.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Spannend, nervenaufreibend, absolut lesenswert

Das Camp
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Natürlich habe ich „Der Trailer“ gelesen, Linus Geschkes erstes Buch der Donkerbloem-Trilogie, das ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. So auch „Das Camp“, das Teil eins in nichts nachsteht, ...

Natürlich habe ich „Der Trailer“ gelesen, Linus Geschkes erstes Buch der Donkerbloem-Trilogie, das ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. So auch „Das Camp“, das Teil eins in nichts nachsteht, nichts anderes habe ich erwartet.

Die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke hat das Gefühl, verfolgt zu werden. Das Camp Donkerbloem scheint ihr ein Ort der Sicherheit zu sein, zumal Tayfun, dem sie voll vertraut, das Camp leitet. Nach den schrecklichen Ereignissen stand es zum Verkauf, Wout hat es günstig erworben. Er jedoch betreibt weiterhin in Köln seine Bar „Golden Diamond“, die ganz gut läuft. Wäre noch Kathinka, die bei Wout in der Einliegerwohnung zur Miete lebt. Sie ist ein IT-Ass, allerdings sind auch ihr Grenzen gesetzt, ein guter Freund von ihr jedoch dringt tief ein in die dunkle Welt des Internets und fördert so einiges zutage. Nicht ganz legal, eh klar.

Die ersten Seiten blicken zurück auf das, was in Band eins geschah mitsamt den Personen, die mir sogleich wieder im Gedächtnis sind und für diejenigen, die den Trailer nicht kennen, ist dies eine gute Einführung, alles Wichtige ist gut eingebunden.

Gleich mal geht es richtig zur Sache. Ein Stromstoß, ein Elektroschocker, der Kofferraum… wir blicken nicht nur da in menschliche Abgründe. Es geht um Macht und Machterhalt und wenn eine(r) im Wege steht, hat sein letztes Stündlein geschlagen. Eine Mordserie, manipulierte Beweise, ein krimineller Clan und Korruption – es ist niemandem zu trauen. Die Perspektiven wechseln, die jeweiligen Figuren treiben ihr hinterhältiges, bitterböses Spiel, jedem ist alles zuzutrauen.

Linus Geschke versteht es, die Spannung permanent hochzuhalten. Die Story lebt von wechselnden Schauplätzen, mehrere Erzählstränge treiben aufeinander zu, auch wenn es zunächst so aussieht, als ob sie nichts miteinander zu tun hätten. Auch die Figuren sind durchtrieben und hochgradig intrigant, keiner scheint eine weiße Weste zu haben. Die beklemmende Atmosphäre kehrt geballt zurück ins Camp Donkerbloem und was dann geschieht, raubt mir den Atem.

Nun heißt es wieder warten bis Herbst 2026, ich fiebere diesem Datum jetzt schon entgegen, auch wenn ich mich nie freiwillig ins Camp geschweige denn in einen Trailer begeben würde.

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