Profilbild von Magnolia

Magnolia

Lesejury Star
online

Magnolia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Magnolia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.05.2026

Düsterer, spannend, voller Action

Eisfeld - Fleisch und Blut
0

Mara Eisfeld ermittelt ermittelt in „Fleisch und Blut“ zum dritten Mal. Als düsterer Berlin-Krimi wird er beschrieben. Düster, ja - kann ich voll und ganz bestätigen.

Es geht gleich richtig zur Sache. ...

Mara Eisfeld ermittelt ermittelt in „Fleisch und Blut“ zum dritten Mal. Als düsterer Berlin-Krimi wird er beschrieben. Düster, ja - kann ich voll und ganz bestätigen.

Es geht gleich richtig zur Sache. Eine Frau mit Amnesie erwacht in einem ihr fremden Zimmer. Isabel Albrecht sei ihr Name, verheiratet mit Elias. Ob das stimmt? Einen Unfall hatten sie, die Eheleute. Zumindest teilt Elias, der nur leicht verletzt ist, ihr dies mit. Isabel mag dies nicht so recht glauben, sie hat eher Angst vor ihm.

Schon die ersten Seiten ziehen mich ins Buch, auch ich bin skeptisch, möchte wissen, was an der Geschichte um den Unfall dran ist. Noch kann ich mir nicht vorstellen, was dies mit dem Toten, der bald darauf gefunden wird, zu tun hat.

Ausgerechnet an Weihnachten, kurz vor der Bescherung, muss Mara los. Eine Leiche wurde in Friedrichshain gefunden - Verdacht auf Fremdverschulden. Magnus Haub, der Sohn der einflussreichen Fleisch-Dynastie Haub, liegt tot in seinem Badezimmer. Eisfeld und ihr Kollege Blessing durchleuchten die einzelnen Familienmitglieder, keiner von ihnen ist auskunftsfreudig. Zudem werden die Ermittlungen von ganz oben ausgebremst, was Mara jedoch daran hindert, unangenehme Fragen zu stellen und immer weiter nachzubohren. Und - es gibt noch so einiges mehr, deren Spuren sie nachgehen müssen.

LenaByte nennt sich eine Tierschutzaktivistin, die sich in den Schlachthof der Familie Haub eingeschleust hat – sie ist nicht auffindbar. Hat sie mit Magnus Tod zu tun? Auch fällt der Verdacht auf ehemalige Arbeiter, die nach einem schon länger zurückliegenden tödlichen Unfall den Haubs mit „abschlachten“ gedroht haben. Außerdem geht es um eine sehr große Summe, die Rätsel aufgibt, ein schwarzes Auto taucht immer wieder auf – bedrohliche Situationen und auch Verdächtige gibt es zuhauf.

Die Methoden der Fleischindustrie und deren von ihnen propagierten vorschriftsmäßigen Arbeitsweise sind Thema, als Gegenpol ist es die schon genannte Tierschutzbewegung sowie die Familienmitglieder und deren Begehrlichkeiten - menschliche Abgründe werden aufzeigt.

Steffen Weinert versteht es bestens, ab sofort Spannung zu erzeugen und diese bis zuletzt nicht abklingen zu lassen. Seine Charaktere sind – jeder für sich – absolut authentisch und erst spät durchschaubar, die wendungsreiche Story ist durchdacht, die wenigen privaten Momente lockern die doch beklemmende Stimmung zwischendurch auf, der Focus liegt aber schon bei der Aufklärung, was ich gut finde. Absolut empfehlenswert, dieser dritte Krimi um die Berliner Ermittlerin Mara Eisfeld.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2026

Art Mayer in Bedrängnis

Im Morgengrauen (Art Mayer-Serie 4)
0

Natürlich habe ich sie alle gelesen, alle Art Mayer-Thriller. Der Morgen. Die Dämmerung. Die Nacht. Nun endlich bin ich ihm wieder begegnet. Diesmal Im Morgengrauen. Der mittlerweile vierte ist Art Mayers ...

Natürlich habe ich sie alle gelesen, alle Art Mayer-Thriller. Der Morgen. Die Dämmerung. Die Nacht. Nun endlich bin ich ihm wieder begegnet. Diesmal Im Morgengrauen. Der mittlerweile vierte ist Art Mayers persönlichster Fall.

Bundeskanzler Henrik Westphal ist verschwunden. Videos von einer jungen Frau, die über ihn Schreckliches ausplaudert, gehen viral. Auf den U-Bahn-Gleisen wird eine enthauptete Frau gefunden. Und als ob dies nicht reichen würde, gerät Art in arge Bedrängnis. Nicht jeder ist auf seiner Seite, auf Nele Tschaikowski jedoch kann Art sich verlassen, auch wenn sie selber ziemlich angeschlagen ist, was nicht zuletzt privater Natur ist.

Es ist eine gewisse Kessy, Kessy X, die diesmal eine durchgehende Rolle einnimmt. Und es sind so einige Erzählstränge, die im schnellen Wechsel die einzelnen Taten durchleuchten. Der Bundeskanzler – ist er entführt worden, ist er tot? Auch wenn sich die Ermittlungen in eine bestimmte Richtung bewegen, ist diese Frage nicht geklärt. Wer steckt wirklich hinter den Video-Clips, was hat Art Mayer damit zu tun, wer ist auf welcher Seite? Und was hat diese tote Frau auf den Gleisen mit all dem zu tun?

Gerade habe ich das Buch zugeklappt und bin wieder mal hin und weg. Was allerdings anfangs gar nicht danach ausgesehen hat, denn die Story beginnt so absurd, so unwirklich, so gar nicht glaubhaft. Gut, ein Thriller darf überzeichnen, aber dieses unwirkliche Szenario um den Bundeskanzler und seine Aktionen muten dann doch komplett drüber an. Dieser Strang um Westphal zieht sich über ein Drittel des Buches, ich hätte ihn mir – wenn dies denn unbedingt sein muss – wesentlich kürzer, um einiges komprimierter, gewünscht. Gefallen hätte mir dies trotzdem nicht. Nur gut, dass hier noch mehr geschieht. Denn dann…

…hat mich Marc Raabe eingefangen, da war er wieder, sein einnehmender Schreibstil, der mich komplett ans Buch fesselt. Er versteht es, jede Figur greifbar zu machen, viele lose Fäden zu spinnen, sie miteinander zu verweben und doch nie den einzelnen Faden zu verlieren. Um dann letztendlich eine Auflösung zu präsentieren, die so nicht vorhersehbar ist.

Wenn es denn sein muss, kann Im Morgengrauen ohne Vorkenntnisse gelesen werden, ratsam wäre es allerdings, die oben erwähnten Vorgängerbände zu lesen. Schon allein deshalb, um zu wissen, was es mit der Freundschaft zwischen Art und Henrik und Juli, die schon seit Jugendzeiten besteht, auf sich hat. Gerade hier, im vierten Buch, spielt ihre Beziehung, ihre lange Verbundenheit, mit hinein.

Um Art Mayer habe ich gebangt, habe mich über jede Hilfe gefreut, habe andere verdammt und hoffe nun, dass ich ihm Im Morgengrauen nicht zum letzten Mal begegnet bin. Sein vierter, sehr persönlicher Fall, hat mich nach einigem Zaudern komplett in seinen Bann gezogen. Ein Thriller, der gelesen werden will. Unbedingt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2026

Der tote Pastor

Akte Nordsee - Die letzte Predigt
6

Band vier um die Rechtsanwältin Fentje Jacobsen und Niklas John, den Journalisten, beginnt nach dem ziemlich heftigen Prolog damit, dass Niklas sie zu Alexander, seinem Vater, mitnimmt. Alexanders abfälliges ...

Band vier um die Rechtsanwältin Fentje Jacobsen und Niklas John, den Journalisten, beginnt nach dem ziemlich heftigen Prolog damit, dass Niklas sie zu Alexander, seinem Vater, mitnimmt. Alexanders abfälliges Verhalten lässt Fentje dann fluchtartig das Haus verlassen. Blöd nur, dass Niklas einer momentan obdachlosen alten Freundin sein Gästezimmer anbietet. Die Verwicklungen sind vorprogrammiert, aus Fentje und Niklas Zweisamkeit wird wohl nichts.

Die Pfarrgemeinde indes bereitet sich auf die Feierlichkeiten zur silbernen Konfirmation vor, dabei begegnen sich alte, zum Teil längst vergessene Schulfreunde wieder. Sie blicken zurück, stellen fest, dass damals auch der jetzige Pastor Tammo Gerdes schon damals, in einem Ferienlager, dabei war. Und nun wird er tot aufgefunden. Ertrunken soll er sein. Seine schon vorbereitete Predigt hat er nach einem ziemlich aufschlussreichen Gespräch kurzentschlossen umformuliert – hat dies zu seinem Tod beigetragen? War es doch kein Unfall? Die Polizei ermittelt. Als dann eine weitere Leiche gefunden wird, gerät Niklas in Verdacht.

Fentje und Niklas, die beiden Hauptakteure der Akte Nordsee-Reihe, sind mir aus den Vorgängerbänden wohlbekannt. Beide Charaktere sind treffend skizziert, auch zu den anderen Personen habe ich eine konkrete Vorstellung.

Der Focus liegt schon im Hier und Jetzt, daneben aber blicken wir zurück, erfahren von längst vergangenen Aktionen. Ob diese Nebenhandlungen für die Aufklärung der Todesumstände von Gerdes und der weiteren Toten wichtig sind? Viele Ungereimtheiten lassen in eine bestimmte Richtung denken und doch frage ich mich, ob – und wann ja – wie diese eingeflochtenen Geschichten dazu beitragen, Licht ins Dunkle zu bringen. Für meine Begriffe waren es zu viele irritierende Erzählstränge, die ich mit der eigentlichen Story nicht so recht in Einklang bringen kann.

Was es mit dieser letzten Predigt auf sich hat, wird letztendlich klar. Auch andere beim Lesen aufkeimende Fragen sind geklärt, die actionreiche Auflösung ist spannend, auch wenn sich die Story zuvor schon etwas zieht und so manch Aktion sehr konstruiert wirkt.

Kurz: Diesen vierten Band empfinde ich schwächer als die Vorgängerbände, es sind ganz einfach zu viele Geschichten dazwischen, die schon in die Irre führen, was wahrscheinlich so geplant ist, die aber dennoch eher als Fremdkörper fungieren. Davon abgesehen ist der Krimi gut zu lesen, wenngleich so manch Aktion dilettantisch anmutet.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 24.05.2026

Lichtdurchflutet

The Artist
0

1957. Eine Frau steht in der National Gallery in London vor einem Gemälde, vor einer großformatigen Leinwand, gefasst in einen verzierten goldenen Rahmen. Das Täfelchen an der Wand nennt Maler, Titel und ...

1957. Eine Frau steht in der National Gallery in London vor einem Gemälde, vor einer großformatigen Leinwand, gefasst in einen verzierten goldenen Rahmen. Das Täfelchen an der Wand nennt Maler, Titel und Maltechnik. Sein unverwechselbarer Pinselstrich hat ihm den Beinamen „Meister des Lichts“ eingebracht. Édouard Tartuffe.

„The Artist“ ist Lucy Steeds fulminantes Debüt, das bildgewaltig von Édouard Tartuffe erzählt, einem exzentrischen Künstler, der in der Provence in einem Bauernhaus lebt und wirkt. Seine Nichte Ettie kümmert sich um ihn, um seine Malutensilien, besorgt und arrangiert Mahlzeiten, wie der Meister sie braucht, um sie zu malen, erledigt seine Post. Sie ist da, wenn er sie braucht und unsichtbar, sobald er es wünscht.

Als eines Tages die Anfrage des Journalisten Joseph Adelaide ins Haus flattert mit dem Ansinnen, Tartuffe zu interviewen, bekommt er tatsächlich eine Zusage. Doch Tata, wie er genannt wird, hat anderes mit Joseph vor. Er soll ihm für sein neuestes Werk Modell sitzen, dafür kann er schreiben, was immer er will.

Der Roman, der um 1920 angesiedelt ist, dringt tief ein in die Psyche der drei Hauptakteure. Tata, das Genie, ist der typische Künstler, der alle überstrahlt, der keinen neben sich duldet. Genie und Wahnsinn fällt mir bei so manch Szene ein. Ettis Herkunft wird hinterfragt, ihre eigentliche Leidenschaft sichtbar, auch lernen wir Joseph näher kennen. Es ist ein spannendes Porträt um einen Maler, der seiner Nichte verbietet, es ihm gleichzutun. Was Unterdrückung und Abhängigkeit zur Folge hat. Tata, Ettie und Joseph – sie sind mir nahe gekommen, jeder auf seine ureigene Art. Ettie vor allem hat es mir angetan, sie ist der eigentliche Star dieser Geschichte – zumindest für mich.

Auch werden Bezüge zur Kunstwelt der 1920er Jahre sichtbar, Cézanne etwa oder auch Peggy Guggenheim spielen am Rande mit. Und dann ist es die große Erzählkraft, die jedes Stillleben leuchten und die Pfirsiche duften lässt, die mit jedem Sonnenstrahl Wärme vermittelt. So manch Gemälde wird so eindringlich beschrieben, sodass ein faszinierendes Bild vor Augen entsteht.

„Sie malt ins Licht, auch wenn das bedeutet, ihre Welt in Flammen zu setzen.“ Ein beeindruckender Roman um „Die Farben des Lichts“, der mich bis zum Schluss nicht losgelassen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2026

Actionreich, brutal, nichts für Zartbesaitete

Die Toten von morgen
0

Kim Koplin hat mit DIE TOTEN VON MORGEN Buch Nummer zwei aus der Berliner Schattenwelt vorgelegt, es folgt ihrem ersten Berlin-Thriller DIE GUTEN UND DIE TOTEN.

Ein junger Mann wird in der Grünanlage ...

Kim Koplin hat mit DIE TOTEN VON MORGEN Buch Nummer zwei aus der Berliner Schattenwelt vorgelegt, es folgt ihrem ersten Berlin-Thriller DIE GUTEN UND DIE TOTEN.

Ein junger Mann wird in der Grünanlage zwischen Sömmeringhalle und Caprivibrücke, im sogenannten Österreichpark, tot aufgefunden. Kopfschuss, mittig in die Stirn – eine Hinrichtung. Er hatte weder Papiere noch Schlüssel oder Handy bei sich, der Todeszeitpunkt dürfte zwischen ein und drei Uhr nachts liegen. Seine Kleidung lässt einen gehobenen Lebensstil erkennen, mehr gibt die erste Inaugenscheinnahme nicht her.

Nihal Khigarian ist die ermittelnde Kommissarin. Schnell wird klar, dass es sich hier um einen Bandenkrieg handelt, in dem neben der Berliner Unterwelt auch französische Drogenkartelle involviert sind. Und nicht nur das, auch scheint es in Polizeikreisen ein Leck zu geben.

Nihal hat nicht nur diesen brisanten Fall am Hals, auch privat läuft es alles andere als rund bei ihr. Sie hat dazu beigetragen, dass ihr Bruder im Gefängnis sitzt, was ihre Eltern ihr persönlich ankreiden, selbst ihr im Sterben liegender Vater scheint unversöhnlich zu sein und als ob dies nicht reichen würde, taucht Saad mit seiner 5jährigen Tochter Leila wieder auf. Auch er hat eine unrühmliche Vergangenheit und umgibt sich nach wie vor mit zwielichtigen Gestalten. Die Ausgangslage für Nihal könnte schlechter nicht sein.

Das erste Buch habe ich nicht gelesen, was mir das Hineinfinden ziemlich erschwert hat. Nun, nach etwa einem Drittel war ich dann voll dabei, vorher allerdings musste ich immer mal wieder zurückblättern, um die Zusammenhänge richtig einzuordnen. Auch der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, da werden ohne Übergänge die Fronten und die Akteure gewechselt, man muss schon sehr aufmerksam sein. Spätestens dann, als ich alles und alle einordnen konnte, hat mich dieser rasante Thriller mitgerissen. Er ist brutal, er ist bedrückend, es geht gewalttätig zu und es geht gnadenlos zur Sache in diesem Machtkampf der Drogenkartelle. Ein spannendes Unterfangen, das ein dickes Fell, ein äußerst robustes Nervenkostüm verlangt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere