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Veröffentlicht am 04.08.2025

Eine kluge Frau inmitten des chilenischen Bürgerkrieges 1891

Mein Name ist Emilia del Valle
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Molly Walsh besteht darauf, dass ihre Tochter eine del Valle ist. Ihr Name ist: Emilia del Valle. 1866 wird sie in San Francisco geboren, ihr Papo ist ihr ein liebevoller Vater, wenngleich er nicht ihr ...

Molly Walsh besteht darauf, dass ihre Tochter eine del Valle ist. Ihr Name ist: Emilia del Valle. 1866 wird sie in San Francisco geboren, ihr Papo ist ihr ein liebevoller Vater, wenngleich er nicht ihr Erzeuger ist. Dieser ist ein Spross der einflussreichen chilenischen Familie del Valle, er hat sich Molly, die auf dem besten Wege zur Nonne war, einst mit Gewalt genommen. „Molly Walsh wurde nie zur Nonne, und jede Hoffnung auf Heiligkeit, die sie in ihrer frühen Jugend genährt haben mochte, wurde binnen Tagen zunichte gemacht von einem chilenischen Herrensöhnchen mit erheblichem Vermögen, einnehmendem Äußeren und wenigen Skrupeln. Sein Name war Gonzaló Andrés del Valle.“ Er war ihr Vater.

Ihr Papo aber, ihr Stiefvater, war es, der ihr von klein auf Selbstbewusstsein vermittelt hat. „Du bist klüger als die anderen, vergiss das nicht“ hat er oft zu ihr gesagt.

Das Schreiben war von jeher Emilias Passion, sie schreibt und veröffentlich unter dem Pseudonym Brandon J. Price sehr erfolgreich Groschenromane, was ihr jedoch nicht mehr genügt. Sie bewirbt sich bei einer Zeitung. „Bei uns gibt es keine Journalistinnen“, wird ihr bei ihrer Bewerbung gesagt. Sie aber lässt sich nicht abwimmeln. „Deshalb bin ich hier. Ihre Zeitung braucht mich“ meint sie lapidar. Und sie beweist, was sie kann. Sie wird eingestellt, sie wird unter ihrem richtigen Namen schreiben.

Der Ich-Erzählerin Emilia folge ich zunächst nach New York. Ihre beruflichen und auch ihre amourösen Momente zeigen eine selbständige, eine neugierige, eine freiheitsliebenden Frau. Dieser erste Eindruck verfestigt sich dann später, als sie mit ihrem Kollegen Eric nach Chile geht, um über den dortigen Bürgerkrieg zu berichten. Und sie ist nicht nur dabei, sie ist mittendrin. Daneben sucht sie ihren leiblichen Vater und gleich mal muss sie damit aufräumen, am Erbe interessiert zu sein.

Zu Isabel Allendes Büchern greife ich, seit ich vor langer Zeit „Das Geisterhaus“ gelesen habe. Mit Chile verbindet sie, die Weltbürgerin, ihr ganzes Leben. „Mein Name ist Emilia del Valle“ legt den Focus auf die chilenische Revolution von 1891, bei der Schlacht von Carcón war ich gefühlt an vorderster Front. Als Kriegsreporterin durchlebt Emilia die Schrecken des Krieges, Eric und sie berichten von unterschiedlichen Stellen und irgendwann trifft Emilia dann eine für sie richtige Entscheidung. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Nur so viel:

Es lohnt sich, Isabel Allendes neuestes Buch zu lesen. Man wird direkt hineinkatapultiert in eine längst vergangene Zeit, in ein uns fremdes Land. Und doch lernt man eine emanzipierte, eine sehr kluge Frau kennen und schätzen, die ihren eigenen Weg geht.

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Veröffentlicht am 01.08.2025

Von Duftwicken in all ihrer Vielfalt, von Liebe und mehr…

Duftwickensommer
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„Das ist eine historische viktorianische Duftwicke, Lathyrus odoratus.“ Oje, ein Fachidiot, denkt sie noch, als er sich als Biologe vorstellt, der für den Nationalpark Wattenmeer tätig ist, der den aktuellen ...

„Das ist eine historische viktorianische Duftwicke, Lathyrus odoratus.“ Oje, ein Fachidiot, denkt sie noch, als er sich als Biologe vorstellt, der für den Nationalpark Wattenmeer tätig ist, der den aktuellen Bestand seltener Wildpflanzen erforscht. Die erste Begegnung zwischen Marieke und Tibo ist eher nüchtern, sie werden sich von nun an noch öfter über den Weg laufen.

Marieke hat sich in die Villa Cupani verliebt. Es ist ein kleines Häuschen auf Borkum, das nach ihrer Scheidung der perfekte Rückzugsort ist. Sie freundet sich mit Alwine, ihrer schon älteren Nachbarin, an, die ihr von Anni erzählt, einer Frau, die einst hier gelebt hat.

Sylvia Lott lädt mich ein, ein Stück weit mit Marieke zu gehen und auch mit Anni, der ich im Jahr 1911 begegne. Diese beiden Zeitebenen wechseln sich ab. Marieke im Hier und Jetzt ist eher antriebslos, Alwine dagegen steckt voller Tatendrang. Bei Tee und gebuttertem Stutenbrot tauchen sie ein in Annis Geschichte, die auf Willow Hill als Vorleserin für Katherine Moss, der Gattin eines Teegroßhändlers, ihren Unterhalt verdient. Als eines Tages ein Wettbewerb für den schönsten Strauß aus selbstgezogenen Wicken von der Daily Mail ausgelobt wird, ist Anni sofort Feuer und Flamme. Und nicht nur sie, auch ihre Freundinnen Millie und Meg könnten das Preisgeld gut gebrauchen.

Den Wickenwettbewerb hat es tatsächlich gegeben, auch kämpften zu dieser Zeit Frauen um ihr Wahlrecht, allen voran die historischen Persönlichkeiten Emmeline Pankhurst und Ethel Smyth, die in die Geschichte geschickt integriert sind wie auch Lord Northcliffe, der Begründer der Daily Mail. Anderes ist fiktiv, das Gesamtpaket an sich kann sich sehen lassen.

Beide Erzählstränge haben ihren Reiz, auch kommt die Liebe nicht zu kurz, wobei mir das Geschehen um Anni noch etwas mehr zugesagt hat. Ihre Freundinnen Meg und Millie sind wie sie bei hohen Herrschaften in Stellung und natürlich erfahren wir so einiges Pikantes. Auch der (Geld)Adel ist nicht frei von so manch üblen Machenschaften, von Intrigen und Anspruchsdenken, das Sittenbild dieser Jahre und die gesellschaftlichen Gepflogenheiten sind gut eingefangen. Mit den Protagonisten habe ich mitgefiebert, die meisten davon waren mir durchaus sympathisch, zu allen hatte ich ein authentisches Bild vor Augen. In der Jetztzeit gefällt mir die charismatische, zupackende Alwine trotz aller Schicksalsschläge ausgesprochen gut. Marieke, die dabei ist, Altes loszulassen, um Neues in ihr Leben zu lassen, wirkt dagegen etwas blass.

"Duftwickensommer" ist ein zauberhafter, kurzweiliger Roman - perfekt zum Wegträumen. Und über allem erfüllen der betörende Duft und die Blütenvielfalt der Wicken die Luft.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Was geschah in Camp Donkerbloem?

Der Trailer
1

„Willkommen im Camp Donkerbloem.“ Lisa kann zunächst für eine Nacht hier bleiben. Der Angestellte der Campinganlage muss erst mit seinem Chef reden, denn soviel er weiß, ist der Platz für dieses Wochenende ...

„Willkommen im Camp Donkerbloem.“ Lisa kann zunächst für eine Nacht hier bleiben. Der Angestellte der Campinganlage muss erst mit seinem Chef reden, denn soviel er weiß, ist der Platz für dieses Wochenende ausgebucht. Sie bekommt den Wohnwagen mit der Standnummer W3 zugewiesen, der sich am Ende der Anlage, dicht am See, befindet. Dies war vor fünfzehn Jahren, seither fehlt von Lisa jede Spur.

Und nun, in der Gegenwart, spricht die Hauptkommissarin Frieda Stahnke in einem Podcast über diesen Vermisstenfall. Noch ahnt sie nicht, was sie damit lostritt und auch sie selber lässt dieser Fall nicht mehr los. Sie trifft auf den halbseidenen Wount Meertens und seinen Angestellten Tayfun, auch mischt Wounts Mieterin Kathinka mit. Wount war damals, als Lisa verschwand, in Camp Donkerbloem, was ihn per se verdächtig macht.

Das erste Buch der Donkerbloem-Trilogie war in Rekordgeschwindigkeit ausgelesen, Linus Geschke hat mich wiederum vollkommen überzeugt und natürlich fiebere ich den beiden Nachfolgebänden gespannt entgegen, auch wenn es noch gefühlt ewig dauern wird, bis ich „Das Camp“ (02.26) und „Die Schlucht“ (07.26) in Händen halte.

Die Story lebt von den wechselnden Schauplätze und den Figuren, die - jede für sich - gut ausgearbeitet sind. Da ist (neben so einigen anderen Gestalten) Frieda, die wegen einer anderen Geschichte suspendiert ist, die aber hier nicht locker lässt, auch wenn sie momentan eher in einer Grauzone unterwegs ist. Auch Wount, dieser Unterwelttyp, der nichts anbrennen lässt, ist ein vielschichtiger Charakter mit Ecken und Kanten nicht zu knapp und so zart Kathinka auch ist, lässt sie sich nicht so einfach wegschieben. Sie alle sind nicht unbedingt nett, aber tough und unerschrocken sind sie allemal.

Gleich mal erleben wir Lisa, die durch die Nacht rennt, sie versucht dem Grauen zu entkommen. Was genau sich hier abspielt, sickert schon durch und doch weiß man nichts, auch wenn die Gedanken beim Lesen permanent rattern. Der Podcast schreckt so einige Typen auf, die damals auf dem Campingplatz waren. Bei anderen wiederum ist nicht klar, warum sie dermaßen alarmiert agieren. Wer ist Opfer, wer ist Täter? Es geht um Missbrauch, um Gewalt und Wut, die oftmals einen klaren Blick verhindert und wie Linus Gescheke so treffen schreibt, ist Wut auch die Beschützerin der Trauer.

„Der Trailer“ ist absolut fesselnd, die Handlung ist durchdacht - ein Thriller-Schmankerl vom Feinsten.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Abgründe tun sich auf in North Falls

Dunkle Sühne
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Die 15jährige Madison steht ein wenig abseits, während sie die Leute von North Falls beobachtet. Alle warten gespannt auf das große Feuerwerk anlässlich des Unabhängigkeitstages. Madison ist mit ihrer ...

Die 15jährige Madison steht ein wenig abseits, während sie die Leute von North Falls beobachtet. Alle warten gespannt auf das große Feuerwerk anlässlich des Unabhängigkeitstages. Madison ist mit ihrer Freundin Cheyenne verabredet, aber sie verspätet sich wieder mal.

Deputy Emmy Clifton hat an diesem 4. Juli Dienst wie viele ihrer Kollegen. Sie spricht kurz mit Madison, der Tochter ihrer besten Freundin Hannah, die sie von klein auf kennt. Später dann erinnert sich Emmy, dass das Mädchen ihr noch etwas sagen wollte, widrige Umstände haben dies jedoch verhindert. Und nun macht sie sich Vorwürfe, denn beide Mädchen sind verschwunden, lediglich ihre Fahrräder werden gefunden. Darüber zerbricht die Freundschaft zu Hannah.

Neben Emmy, der wir hier hauptsächlich folgen, ist es auch ihr Vater, Sheriff Gerald Clifton, der alle Hebel in Bewegung setzt, um die beiden Mädchen zu finden. Sie stellen gefühlt halb North Falls auf den Kopf, die gründliche Suche in den Zimmern der Mädchen fördert so einiges zutage, vor allem Cheyenne scheint nicht das brave Kind gewesen zu sein, für das ihre Eltern sie halten. Auch führen Spuren zu etlichen zwielichtigen Typen und nicht nur Drogen sind im Spiel, auch gerät einer ins Visier der Ermittler, der als der Perverse bekannt ist. Emmy geht immer und immer wieder mögliche Szenarien durch, es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn stündlich sinken erfahrungsgemäß die Überlebenschancen der entführten Mädchen.

Neben der nervenaufreibenden Ermittlungsarbeit sind es auch die Cliftons, die hier leben und die in aller Ausführlichkeit umschrieben sind. Gut, es ist eine große Familie, aber nicht jedes Mitglied muss ich explizit einordnen können. Bei so einigen hätte es eine kurze Erwähnung auch getan, denn dem Thriller wird dadurch so einiges an Tempo genommen. Das war es dann schon mit meiner Kritik, denn die Handlung ist komplex und ziemlich kompliziert. Akribische Kleinarbeit ist gefordert. Dabei lässt die Spannung nie nach, ich lebe und leide mit den einen und hoffe, dass andere, mir sehr verdächtige Gestalten, ihre gerechte Strafe erhalten. Was aber beileibe nicht so einfach ist, denn Jahre später geht es wieder los. Wieder verschwindet ein Mädchen, wieder fordert sie der Fall und als ob es nicht genug wäre, schwingt eine private Sache bedrohlich mit.

Karin Slaughter bürgt für spannende Lesestunden. Ihre Charaktere sind keine Superhelden, sie wirken authentisch, sind nahbar, zweifeln auch mal und müssen so manch Rückschläge hinnehmen. Sie geben nicht auf, letztendlich werden die Fälle nach so etlichen überraschenden Wendungen dann aufgeklärt. Ein lange gehütetes Geheimnis innerhalb der Kernfamilie jedoch bleibt offen, ich bin gespannt auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Sieben letzte Tage, die gut genutzt werden wollen

Not Quite Dead Yet
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„Not Quite Dead Yet“ ist mein erster Thriller von Holly Jackson. Das sehr einladende Cover zieht mich formlich zum Buch, auch die erste Beschreibung klingt vielversprechend.

Jet Mason kommt nach der ausgelassenen ...

„Not Quite Dead Yet“ ist mein erster Thriller von Holly Jackson. Das sehr einladende Cover zieht mich formlich zum Buch, auch die erste Beschreibung klingt vielversprechend.

Jet Mason kommt nach der ausgelassenen Halloween-Feier nach Hause, dort wartet eine für sie beinahe tödliche Überraschung. Sie wird von hinten angegriffen, die Schläge auf den Kopf lassen sie zu Boden gehen. Ihr Jugendfreund Billy findet sie, er ruft sofort die Rettung. Im Krankenhaus dann der Befund: Ein durch die Schläge verursachtes Aneurysma wird sie in spätestens sieben Tagen umbringen. Als Alternative käme eine risikoreiche OP infrage, allerdings wäre die Überlebenschance mit zehn Prozent äußerst gering. Jet entscheidet sich gegen diese OP.

Ab jetzt beginnt das Staunen. Jet verlässt das Krankenhaus, sie will ihren eigenen Mord aufklären - ein absolut cooles Szenario, sie läuft zur Hochform auf. Noch habe ich die leise Hoffnung, dass sie doch überleben wird.

Zunächst ermittelt sie akribisch die genaue Tatzeit, keiner der herbeigerufenen Polizisten ist dazu in der Lage. Sie rekonstruiert den Verlauf des Halloween-Abends, macht sich mit einem Vorschlaghammer an einem Fundament zu schaffen, das sie einen Meter in die Tiefe wie nix zerschlägt und die Brocken beiseite schmeißt – selbst Billy, der immer an ihrer Seite steht, kommt da nicht mit. Es geht noch weiter, ich hab hier nur ein Detail herausgegriffen, um zu verdeutlichen, wie unwirklich, ja unmöglich dies alles anmutet. Wie nebenbei entdeckt sie auch noch so manch kriminalistische Ader im familiären Umfeld, auch rettet sie ihren Ex-Freund vor dem Gefängnis. Auch hier hat sie den siebten Sinn, auch hier versagt die Polizei kläglich.

Gut, die Story hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun, was bei Thrillern des Öfteren vorkommen soll. Was mich daran stört, ist diese geballte Kraft, die trotz schwerer Kopfverletzungen nie nachlässt. Ich hätte mir etwas mehr Realität gewünscht, ein wenig mehr Glaubhaftigkeit. Trotz allem habe ich das Buch gerne gelesen, der rasante, kurzweilige Schreibstil hat so einiges gut gemacht, kann aber meinen Gesamteindruck nicht so ganz abfedern. Wer die Logik über Bord wirft, ist hier gut bedient, spannend ist und bleibt das Buch bis zuletzt.

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