Ein wundervolles Buch, eine warmherzige Geschichte
MirabellentageMartina Bogdahns „Mirabellentage“ sind wie schon ihr erster Roman „Mühlensommer“ in und um Blumfeld angesiedelt, einem fiktiven Ort im Fränkischen.
Anna ist die Haushälterin des Pfarrers, den mit gerade ...
Martina Bogdahns „Mirabellentage“ sind wie schon ihr erster Roman „Mühlensommer“ in und um Blumfeld angesiedelt, einem fiktiven Ort im Fränkischen.
Anna ist die Haushälterin des Pfarrers, den mit gerade mal 57 Jahren das Zeitliche segnet. Die beiden kannten sich seit Kindertagen wie auch Robert und Josef – der Mesner und der gerade Verstorbene. Zwei richtige Lausbuben waren sie, die sich für so manch Bubenstreich schon mal ne Ohrfeige eingehandelt haben.
Der Roman beginnt mit dem Tod von Josef, der sich seine letzte Reise anders wünscht, als man es von einem Pfarrer erwartet. Ans Meer will er, dort soll seine Asche verstreut werden. Anna weiß dies und auch der Bestatter ist eingeweiht, also muss der leere Sarg für alle gut sichtbar ins Grab. Aber - bis alles geregelt ist, gibt es noch so manch Hindernis zu bewältigen. Anna hat zwar einen Führerschein, ihre Fahrpraxis lässt aber sehr zu wünschen übrig. Wie soll sie ans Meer kommen? Zunächst aber muss die Beerdigung organisiert werden, der neue Pfarrer ist schon unterwegs und was soll Anna nun machen, mit ihren 54 Jahren? Noch hat sie alle Hände voll zu tun, auch denkt sie an so manch Anekdote, die schon lange zurückliegt.
Es ist ein warmherziges Buch, das mit einem ernsten Thema beginnt. Es ist traurig und es ist auf wundervolle Weise schön. Es ist witzig und charmant, zuweilen skurril, mit gar herrlicher Situationskomik ausgestattet – so wie das Leben eben ist. Und dann träumt sie - träumt sie wirklich? Von dem blauen Mofa und der riesigen Gans und den goldenen Ohrringen und von einer Allee voller Mirabellenbäumen und… von noch so vielem mehr.
Die beiden Zeitebenen – das Gestern und das Heute – verschmelzen ineinander. Aus der momentanen Situation heraus ergibt sich so manch mehr oder weniger kuriose Begebenheit. Der neue, noch ziemlich junge Pfarrer Frijdthof, stammt aus dem hohen Norden, er spricht platt und – keiner versteht ihn. Was macht Anna? Das sei nicht verraten, nur so viel: Ich hab mich köstlich amüsiert. Ja, köstlich, im wahrsten Sinne des Wortes.
Martina Bogdahn hat mich mit ihren Mirabellentagen sofort in Annas Geschichte gezogen. Einer Pfarrhaushälterin, die für alle und für jeden da ist, die aus jeder Situation das Beste zu machen imstande ist. Sie und all die Menschen um sie herum sind gut getroffen, garniert mit durchaus nachvollziehbaren Erlebnissen – zum Schmunzeln schön. Es sind auch die leisen Töne, die nicht zu kurz kommen, die diesen klugen Roman abrunden.
In Annas Leben wird sich viel verändern, was auch bedeutet, dass sie gewohnte, eingefahrene Pfade verlassen wird. Es wird nicht leicht sein, aber nur wer Neues ausprobiert und dies auch zulässt, kann viel dazugewinnen. Um es mit den Worten der Autorin zu sagen: „Nur wer von zuhause weggeht, kann heimkommen.“