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Veröffentlicht am 16.04.2026

Ein wundervolles Buch, eine warmherzige Geschichte

Mirabellentage
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Martina Bogdahns „Mirabellentage“ sind wie schon ihr erster Roman „Mühlensommer“ in und um Blumfeld angesiedelt, einem fiktiven Ort im Fränkischen.

Anna ist die Haushälterin des Pfarrers, den mit gerade ...

Martina Bogdahns „Mirabellentage“ sind wie schon ihr erster Roman „Mühlensommer“ in und um Blumfeld angesiedelt, einem fiktiven Ort im Fränkischen.

Anna ist die Haushälterin des Pfarrers, den mit gerade mal 57 Jahren das Zeitliche segnet. Die beiden kannten sich seit Kindertagen wie auch Robert und Josef – der Mesner und der gerade Verstorbene. Zwei richtige Lausbuben waren sie, die sich für so manch Bubenstreich schon mal ne Ohrfeige eingehandelt haben.

Der Roman beginnt mit dem Tod von Josef, der sich seine letzte Reise anders wünscht, als man es von einem Pfarrer erwartet. Ans Meer will er, dort soll seine Asche verstreut werden. Anna weiß dies und auch der Bestatter ist eingeweiht, also muss der leere Sarg für alle gut sichtbar ins Grab. Aber - bis alles geregelt ist, gibt es noch so manch Hindernis zu bewältigen. Anna hat zwar einen Führerschein, ihre Fahrpraxis lässt aber sehr zu wünschen übrig. Wie soll sie ans Meer kommen? Zunächst aber muss die Beerdigung organisiert werden, der neue Pfarrer ist schon unterwegs und was soll Anna nun machen, mit ihren 54 Jahren? Noch hat sie alle Hände voll zu tun, auch denkt sie an so manch Anekdote, die schon lange zurückliegt.

Es ist ein warmherziges Buch, das mit einem ernsten Thema beginnt. Es ist traurig und es ist auf wundervolle Weise schön. Es ist witzig und charmant, zuweilen skurril, mit gar herrlicher Situationskomik ausgestattet – so wie das Leben eben ist. Und dann träumt sie - träumt sie wirklich? Von dem blauen Mofa und der riesigen Gans und den goldenen Ohrringen und von einer Allee voller Mirabellenbäumen und… von noch so vielem mehr.

Die beiden Zeitebenen – das Gestern und das Heute – verschmelzen ineinander. Aus der momentanen Situation heraus ergibt sich so manch mehr oder weniger kuriose Begebenheit. Der neue, noch ziemlich junge Pfarrer Frijdthof, stammt aus dem hohen Norden, er spricht platt und – keiner versteht ihn. Was macht Anna? Das sei nicht verraten, nur so viel: Ich hab mich köstlich amüsiert. Ja, köstlich, im wahrsten Sinne des Wortes.

Martina Bogdahn hat mich mit ihren Mirabellentagen sofort in Annas Geschichte gezogen. Einer Pfarrhaushälterin, die für alle und für jeden da ist, die aus jeder Situation das Beste zu machen imstande ist. Sie und all die Menschen um sie herum sind gut getroffen, garniert mit durchaus nachvollziehbaren Erlebnissen – zum Schmunzeln schön. Es sind auch die leisen Töne, die nicht zu kurz kommen, die diesen klugen Roman abrunden.

In Annas Leben wird sich viel verändern, was auch bedeutet, dass sie gewohnte, eingefahrene Pfade verlassen wird. Es wird nicht leicht sein, aber nur wer Neues ausprobiert und dies auch zulässt, kann viel dazugewinnen. Um es mit den Worten der Autorin zu sagen: „Nur wer von zuhause weggeht, kann heimkommen.“

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Trau keinem!

Die Psychopathin - Wer manipuliert dich wirklich?
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Rose Klay hat mit DIE PSYCHOPATHIN den nunmehr vierten Band ihrer Thriller-Reihe „Wem vertraust du?“ vorgelegt. Ein Buch, das mich bis ziemlich dem Ende zu hat rätseln lassen, wer denn nun für all diese ...

Rose Klay hat mit DIE PSYCHOPATHIN den nunmehr vierten Band ihrer Thriller-Reihe „Wem vertraust du?“ vorgelegt. Ein Buch, das mich bis ziemlich dem Ende zu hat rätseln lassen, wer denn nun für all diese Schreckensszenarien verantwortlich ist und auch warum diese Person sich so manipulativ verhält…

…und auch, wenn der Prolog einiges vorwegzunehmen scheint, so ist der Schluss dann doch anders, als zunächst vermutet.

Drei Monate zuvor sind die ersten Anzeichen einer sich in Karolins Leben drängenden Person sichtbar. Mehr noch – da will jemand Zeichen setzen. Mit einem Kaninchen, das wortwörtlich gegen die Terrassentür fliegt, um dann tot liegenzubleiben, ihre Reifen werden mehrmals manipuliert, auch ansonsten ist ihr Auto Angriffsziel, sie bekommt Droh-Mails – die Liste solch furchteinflößender Vorkommnisse wird länger. Ist da ein Konkurrent am Werk? Die Frage drängt sich unweigerlich auf, da Karolin beste Chancen hat, die Leitung der Firma, in der sie seit zwanzig Jahren gute Arbeit leistet, zu übernehmen.

„Du glaubst, du merkst, wenn dich jemand manipuliert? - Denk noch einmal nach.“ Dem kann ich zustimmen, denn trotzdem der Prolog in eine bestimmte Richtung weist, hilft dies dennoch nicht weiter, auch wenn sich spätestens ab der Hälfte des Buches eine Person herauskristallisiert und auch, wenn ich immer wieder über sie stolpere, so machen sich gefühlt alle hier Agierenden in Abstufungen verdächtig. Dieses Hin- und Her an Verdächtigen ist gut gemacht und zieht sich durch bis zum (bitteren?) Ende.

Was mir so gar nicht zusagt, sind diese unausgegorenen, nicht sehr realistischen Alleingänge der Hauptfigur, auch ist so manch Szene sehr weit hergeholt und auch die Charaktere, allen voran Karolin, sind mir suspekt. Da ist etwa ihre Schwester Jette, die in ihrer eigenen, in ihrer esoterischen Welt lebt, die ihre Tochter, die 13jährige Ronja, gerne bei Karolin ablädt. Diese Familienkonstellation ist für mich so gar nicht stimmig. Nicht etwa deswegen, weil für Ronja weder ihre Mutter noch ihre Tante Zeit haben, nein. Sollte hier eine zweite Nebenhandlung hineingepresst werden? Mit den mysteriösen Vorfällen bringe ich sie nicht in Einklang, auch Karolins sonstiges Umfeld und ihr Umgang mit ihrem von seiner Frau getrennt lebenden Freund mutet eher unbedarft an.

Das Buch liest sich flüssig, das schon. Auch und vor allem drängt es mich dazu, dem Prolog nachzuspüren, denn hier scheint sich ein Unheil anzubahnen, das allem Anschein nach tödlich enden wird. Die Story dazwischen jedoch hat mir so manch Kopfschütteln abverlangt. Die paradoxen Handlungsweisen sind für meine Begriffe zu konstruiert. Kurzum - DIE PSYCHOPATHIN hat mich ganz gut unterhalten und mich dank des Prologs sofort ins Buch gezogen, wenngleich sie viele Unstimmigkeiten aufweist.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Spannender Auftaktband

Meine tote Schwester: Psychothriller
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Von Catherine Shepherd kenne und schätze ich ihre Zons-Thriller, auch ihre Laura Kern- und Julia Schwarz-Thriller und nun geht sie mit ihrem neuesten Buch „Meine tote Schwester“ den Schritt Richtung Psychothriller. ...

Von Catherine Shepherd kenne und schätze ich ihre Zons-Thriller, auch ihre Laura Kern- und Julia Schwarz-Thriller und nun geht sie mit ihrem neuesten Buch „Meine tote Schwester“ den Schritt Richtung Psychothriller. Und auch davon bin ich sehr angetan, ich werde die neue Reihe weiter verfolgen – eh klar.

Zunächst stehe ich mit Mia am Fenster. Sie beobachtet die Villa gegenüber, die schon seit vielen Jahren leer steht. Ihre Mutter hat ihr strikt verboten, auch nur einen Fuß in dieses Haus zu setzen. Nicht ohne Grund, denn vor elf Jahren ist ihre damals 16jährige Schwester darin ums Leben gekommen.

Nora will weg aus Hamburg – Lukas wegen. Er wird gemobbt, seit sich das Gerücht hält, er hätte seine Freundin auf dem Gewissen. Sie macht genau diese Villa ausfindig, die sie ziemlich günstig erwerben kann, allerdings weiß Lukas nichts von dem Kauf, er ist dementsprechend sauer. Hilft aber nix, die Hamburger Wohnung ist verkauft, er muss mit. Bei ihrer Ankunft sind die Handwerker noch zugange, die ersten Zimmer erstrahlen aber schon in neuem Glanz.

In der Schule lernt Lukas Mia und ihre Freundinnen Charlotte und Lisa kennen, sie werden Freunde. Lost Places sind Charlottes begehrte Objekte, vor Lukas und Noras Einzug war es die Villa, auch der umschwärmte Maurice und Anne sind auf der Jagd nach diesen morbiden Objekten, ihre Klicks beweisen, dass die beiden damit sehr viel mehr Erfolg haben als Charlotte. Als dann eines Tages eine Mitschülerin unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, fällt der Verdacht auf Lukas.

Was für ein Szenario! Catherine Shepherd versteht es, die Spannung hoch zu halten. Neben Lukas gibt es so einige Verdächtige, ich würde sogar sagen, dass die sich sehr verdächtig machen. Ich hab da einen ganz speziellen Typen in Verdacht, dann wieder schwenke ich wieder um, ich bin mir absolut nicht sicher. Genau so bin ich es gewohnt von der Autorin, sie beherrscht das Katz- und Mausspiel mit ihren Lesern. Die wendungsreiche Story ist ab sofort fesselnd, auch weiß ich lange nichts über die näheren Umstände zu Jasmins lange zurückliegendem Tod. Bei Lukas geht es mir ähnlich, auch zu ihm gibt es so einiges, das bis ziemlich zum Schluss unbekannt bleibt. Irgendwann dann kristallisiert sich einer heraus, es ist nur ein kleines Detail und doch bleibe ich daran hängen. Wars das? Nein, ich verrate nichts. Dieser Psychothriller ist es allemal wert, gelesen zu werden. Spannend bis zum Schluss, man kann das Buch erst dann weglegen, wenn man die letzte Zeile gelesen hat.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Ein tiefer Blick hinein den innersten Kreis der Mächtigen

Die Stockholm-Protokolle
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„Gefährliche Beziehungen“ ist der Auftaktband der „Stockholm Protokolle“ von einem Autorenduo, das mit geballtem Insiderwissen punktet: Joakim Zander und Moa Berglöf. Zander ist EU-Experte und Moa Berglöf ...

„Gefährliche Beziehungen“ ist der Auftaktband der „Stockholm Protokolle“ von einem Autorenduo, das mit geballtem Insiderwissen punktet: Joakim Zander und Moa Berglöf. Zander ist EU-Experte und Moa Berglöf war jahrelang Redenschreiberin des schwedischen Ministerpräsidenten.

Julia und Alfred leben mit ihren beiden Kindern in Stockholm. Der Politikjournalismus ist Julias Metier und als solche geht sie einer heißen Spur nach, die direkt zu Christian Bratt, dem Ministerpräsidenten Schwedens, führt. Ihr Chefredakteur zieht sie von der Sache ab, zeitgleich wird ihr Lebensgefährte Alfred ins Kanzleramt gebeten, um ihn als Bratts Pressesprecher zu gewinnen. Die Zeit drängt, er sagt zu und erst danach erfährt Julia davon. Für die Personalie Alfred Swärd war vordergründig sein souveräner Auftritt im TV maßgeblich, jedoch ist er in diesem politischen Haifischbecken total unerfahren, Julia dagegen hat den absoluten Überblick. Sie ist zwar kaltgestellt, was sie jedoch nicht daran hindert, still und heimlich weiter zu recherchieren. Alfred dagegen merkt bald, dass er sich Respekt verschaffen muss. Infos werden bewusst manipuliert oder ganz „vergessen“, er wird vielfach ausgebootet.

Es geht um Macht und Machtmissbrauch und um persönliche Verstrickungen, es geht aber sehr viel tiefer. Die dunkelsten Seiten der Politelite werden aufgezeigt. Es sind gefährliche Beziehungen, ganz klar, auch ist die Kungelei mit den Rechtsaußen-Parteien Thema.

Was genau unsere beiden Protagonisten Julia und Alfred lostreten, in welch Wespennest sie stochern, wird erschreckend deutlich. Gut, eigentlich ist es Julia, die nicht locker lässt. Sie gräbt immer tiefer, ihr Weg führt sie auch in ein Internat, schon damals kannten sich die Mächtigen von heute. Mehr möchte ich dazu nicht verraten, kann aber jedem politisch Interessierten zu diesem Buch raten und auch jene, die einen spannenden Thriller suchen, werden nicht enttäuscht sein.

Trotzdem wir mittendrin im Machtgefüge der Politik sind, ist die Story auch für Nicht-Politiker verständlich geschrieben. Ein Personenverzeichnis wäre optimal gewesen, zumal es viele Personen sind, die in Rosenbad, dem Sitz der schwedischen Regierung, arbeiten und so etliche davon gleich anfangs auftreten. Hier kommt man mit den vielen schwedischen Namen und den Posten, welche die einzelnen Personen bekleiden, ganz schön ins Schleudern und so war es für mich unabdingbar, mir dieses Verzeichnis selber zu erstellen. Ansonsten gibt es über diesen sehr lesenswerten Thriller nichts zu beanstanden.

„Macht, Intrigen und Verrat“ gibt es nicht nur in der Politik, wir wissen es.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Eine Spurensuche

Ich möchte zurückgehen in der Zeit
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Auf die Frage, was den Anlass gab, dieses Buch zu schreiben, war Judith Hermanns Antwort, dass sie sich mit der SS-Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen wolle. Viel weiß sie nicht, da in der ...

Auf die Frage, was den Anlass gab, dieses Buch zu schreiben, war Judith Hermanns Antwort, dass sie sich mit der SS-Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen wolle. Viel weiß sie nicht, da in der Familie über ihn und sein Leben eher geschwiegen denn gesprochen wurde. Dass er Mitglied der Gestapo und während des Zweiten Weltkriegs im polnischen Radom stationiert war, ist ihr bekannt, also begibt sie sich auf dessen Spuren, fährt in diese polnische Stadt, quartiert sich dort ein.

„In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf.“

Aber - wie sollte das gelingen? Ein schier unmögliches Unterfangen, über einen zu schreiben, dem man selber nie begegnet ist. Von der verräterischen Tätowierung auf seinem linken Arm etwa weiß ihre Mutter zu berichten. Es sind spärliche Infos, die lediglich erkennen lassen, dass er Mitglied der Waffen-SS war. Judith aber will mehr, in Radom liest sie Mitscherlich, liest von der wechselvollen Geschichte dieser Stadt und ja, sie findet ein Foto ihres Großvaters, der auf einem Motorrad der SS sitzt. Und sie lässt wissen, dass sie ihn in keinster Weise lieb hat, ihn eher feindselig bei sich trägt.

Irgendwann dann reist sie weiter über Krakau und Wien zu ihrer Schwester nach Napoli. Diese Tage muten direkt sonnendurchflutet an, fern der Schwere Radoms.

Es ist ein leises Buch, eine Geschichte über das Schweigen einer Familie. Eine Familie, wie es sie unendlich viele gibt. Sollte man dem Vergangenen nachspüren? Um damit abschließen zu können? Dabei sollte man bedenken, dass Leerstellen bleiben, anderes wäre gar nicht möglich.

Es ist Judith Hermanns Buch, sehr persönlich, vielleicht zu persönlich. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen – aber was hab ich mitgenommen? Diese Frage drängt sich mir unweigerlich auf, zumal ich über den Zweiten Weltkrieg, über die Nationalsozialisten, über die Täter und auch über die Mitläufer und über sie alle, die irgendwie dazwischen waren, viel gelesen habe und noch immer sehr viel darüber wissen möchte. Es ist ein nicht alltäglicher Blickwinkel auf eine Zeit, die nie vergessen werden darf, eine fast private Spurensuche.

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