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Veröffentlicht am 25.05.2025

Neuanfang im Paradies?

The Island - Auf der Flucht
1

„Keeper Island war ein Smaragd, der aus dieser Entfernung so klein war, dass er in meine Hand zu passen schien. In der Mitte der Insel ragte ein grün bewaldeter Gipfel auf. Beim Näherkommen erblickte ich ...

„Keeper Island war ein Smaragd, der aus dieser Entfernung so klein war, dass er in meine Hand zu passen schien. In der Mitte der Insel ragte ein grün bewaldeter Gipfel auf. Beim Näherkommen erblickte ich einen Sandstrand, Palmen winkten mir zu. Dies würde mein sicherer Hafen sein. Mein Zufluchtsort.“

Lola scheint hier endlich angekommen zu sein. Illustre Gäste finden in diesem Luxusresort die Erholung, die sich suchen. Jeder nur erdenkliche Wunsch ist dem Team Befehl, nichts ist unmöglich. Gleich nach Lolas Ankunft steigt eine Party, bald darauf gibt das Meer Moxhams Leiche frei. Er war hier Resortchef und er war es auch, der Lola diesen Traumjob besorgt hat. Denn schon in Hongkong waren sie Kollegen und nachdem sie von dort dringend weg musste, möglichst ohne Spuren zu hinterlassen, kam die Möglichkeit, hier zu arbeiten, mehr als gelegen.

Ein Unfall soll es gewesen sein, der Moxham das Leben gekostet hat. Lola glaubt nicht so recht an diese These – sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei vertraut sie zunächst einer Kollegin, auch ein Gast scheint ganz auf ihrer Linie zu sein. Dabei kommt es immer wieder mal zu bedrohlichen Szenarien, ein weiterer Todesfall wird als Unfall deklariert, zudem legt ein gewaltiger Sturm das Leben draußen weitgehend lahm.

Von Lola erfahre ich in Rückblicken mehr, auch weiß ich um ihre Schwester und deren Tochter, ein Typ aus vergangenen Zeiten will sie nicht loslassen, alles scheint ziemlich düster.

„Von außen betrachtet hatte ich hier einen Traumjob ergattert. Solange alles, was in Hongkong geschehen war, in der Vergangenheit blieb, war ich hier sicher.“

Es beginnt gemächlich, das erste Drittel scheint nicht allzu viel an Dramatik zu enthalten. Dass dies ein Trugschluss ist, stellt sich so nach und nach heraus, auch wird es zunehmend heftig und bedrohlich. Lola lässt nicht locker, gefühlt jeder scheint Geheimnisse zu haben. Wem ist hier noch zu trauen? Was mir so gar nicht gefällt ist, dass hier jeder nicht nur trinkt, nein. Es sind regelrechte Alkoholexzesse – egal ob Gast oder Angestellter - die an der Tagesordnung sind. Auch wenn es bei dem einen Toten nicht bleibt, ist es doch eher ein Psychothriller, der den Blick immer wieder auf die Vergangenheit lenkt. Die Charaktere – einschließlich Lola – waren mir durchweg unsympathisch, ihr Agieren war des Öfteren eher realitätsfern. Spannend war es trotzdem – ein durch und durch gefährliches, ein falsches Spiel vor herrlicher Kulisse.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Mode, Mord und mehr…

Provenzalisches Licht
1

Ein Südfrankreich-Krimi voller Spannung ist ausgelesen, es ist der mittlerweile elfte Fall für Pierre Durand, den ehemaligen Pariser Kommissar, der sich schon vor geraumer Zeit nach Sainte-Valérie hat ...

Ein Südfrankreich-Krimi voller Spannung ist ausgelesen, es ist der mittlerweile elfte Fall für Pierre Durand, den ehemaligen Pariser Kommissar, der sich schon vor geraumer Zeit nach Sainte-Valérie hat versetzen lassen. Eigentlich wäre er noch in den Flitterwochen, doch die Pflicht ruft.

Sophie Bonnet entführt mich nicht zum ersten Mal in die Provence, immer auf des Kommissars Spuren und auch in diesem „Provenzalischen Licht“ ist Pierre mit einer Morddrohung gegen einen Designer konfrontiert, deren Ursprung lange zurückzureichen scheint.

Der exzentrische Modedesigner Cyril Fontanel will für seine Modenschau eine attraktive Kulisse, die er nun endlich hier gefunden hat. Der ganze Ort sollte als Laufsteg dienen, seine Models sieht er schon durch ganz Sainte-Valérie laufen. Schon allein dieses Vorhaben kommt bei so etlichen Dorfbewohnern nicht gut an, andere dagegen freuen sich auf diese ganz besondere Darbietung. Als nun der zweite Drohbrief auftaucht, ist diese Idee vom Tisch, die Show muss abgesagt werden oder aber eine Ausweich-Location muss her. Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit und nicht nur ein Blogger mischt kräftig mit. Pierre und seine Kollegen sind so richtig gefordert – bis zum bitteren Ende, das für mich so gar nicht vorhersehbar war. Denn bis zuletzt hatte ich so einige Typen im Visier, es gab etliche Fährten, letztendlich jedoch überschlagen sich die Ereignisse nochmal.

Der Krimi vor herrlicher Kulisse ist spannend und bis zuletzt undurchschaubar, der Blick hinter die Kulissen der nach außen hin so glamourösen Modewelt mitsamt der Geschichte um die Stoffdruckkunst, die hier angesiedelt ist, ist interessant und sehr aufschlussreich.

Und natürlich sind es Charlottes Leckereien, die Lust auf ihre kulinarischen Kreationen machen. Ihre „Charlotte des fruits“ zergehen regelrecht auf der Zunge, schon beim Lesen hätte ich am liebsten eines davon (besser gleich mehrere) gekostet. Das Rezept dazu findet sich neben zwei anderen Köstlichkeiten am Ende des Buches.

Auch dieser elfte Fall für Pierre Durand hat mir spannende Lesestunden beschert, dieser Provence-Krimi war fesselnd und wendungsreich, er hat mich bestens unterhalten und nun wünsche ich Pierre endlich mehr Zeit für seine frisch angetraute Charlotte hat, ich gönne ihnen gerne eine Auszeit.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

Der erste Fall für die quirlige Isabel Flores, eine ehemalige Kriminalkommissarin

Das Teufelshorn
1

Während die kleine Miranda am Strand spielt, geht ihre Mutter derweil ins Lokal, um die Rechnung zu begleichen. Es dauert nicht lange, aber doch war dieser kurze Moment zu lange, denn Miranda ist verschwunden. ...

Während die kleine Miranda am Strand spielt, geht ihre Mutter derweil ins Lokal, um die Rechnung zu begleichen. Es dauert nicht lange, aber doch war dieser kurze Moment zu lange, denn Miranda ist verschwunden. Trotzdem dieser Strandabschnitt sehr belebt ist, hat keiner etwas bemerkt. Also wird die Polizei eingeschaltet. Der örtliche Polizeichef Tolo Cabot bittet so dann und wann seine ehemalige Kollegin Isabel um Hilfe, so auch jetzt.

Die ehemalige Kriminalkommissarin Isabel Flores war gut in ihrem Job und doch hat sie ihn gegen die schlecht laufende Ferienhausvermietung ihrer Mutter eingetauscht. Zwei Jahre ist das nun her. Home Sweet Home, wie ihre Agentur nun heißt, vermietet Luxusimmobilien im weiten Umkreis – ein Erfolgsmodell, das ihr erlaubt, einen Mitarbeiter einzustellen, den sie in dem jungen Pep, der zwischendurch gerne seine Musik bis zum Anschlag hochdreht, gefunden hat. Ach ja – Furó, das Frettchen, ist Isabels ständiger Begleiter, es gehört selbstverständlich auch zum Team.

„Das Teufelshorn“ ist ein Mallorca-Krimi, der erste Fall für Isabel Flores. Wie der Name schon sagt, hat dieses Teufelshorn eine besondere Bewandtnis, denn neben der Suche nach Miranda passiert noch so einiges. Eine Spur im Drogenmilieu führt in diese Unterwasserhöhle, auch haben sie es mit einem Mord zu tun und spätestens da kann auf Isabels scharfen Verstand und ihren legendären Spürsinn nicht mehr verzichtet werden. Und Isabel scheint magische Kräfte zu besitzen, in ihrer Nähe zwitschern die Vögelchen (sprich die Bösen) mit einer beinahe unheimlichen Wonne.

Der Krimi kommt daher wie eine leichte Sommerbrise, trotzdem es Tote gibt, und das nicht zu knapp. Und gelogen wird auch, was das Zeug hält. Isabel fährt nicht nur privat einen uralten gelben Fiat, sie leiht sich aber ganz gerne Peps Motorrad, denn das ist schnell und wendig. Die beiden verstehen sich auf kollegialer Ebene super, überhaupt fließt viel Zwischenmenschliches in die komplexe Ermittlungsarbeit mit hinein. Isabels Mutter bittet so dann und wann zu Tisch, die Landschaftsbeschreibungen sind direkt zum Wegträumen, die Dorfbewohner von Sant Martí sind vollauf mit den Vorbereitungen ihres jährlichen Festes beschäftigt, Isabel kann sich da nicht einfach davonmogeln. Und doch steht die Polizeiarbeit im Mittelpunkt, auch sind Drogen im Spiel, Isabel ist so richtig gefordert.

Was mir einen Ticken zu viel war, ist dieser fast schon überirdische Spürsinn. Ohne Isabel geht gar nichts, die Polizeistation ist permanent unterbesetzt und sie schafft gefühlt alles im Alleingang, trotzdem sie auch mit ihrer Agentur genug zu tun hätte. Das Buch liest sich trotz dieser Überzeichnungen dank des flotten Schreibstils und der kurzweiligen Story dann doch ganz gut, sodass ich meine 3 ½ Sternebewertung aufrunde.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Schicksalhafte Kriegs- und Nachkriegsjahre

Maikäferjahre
1

Annis Maikäfer, wie sie Tristan liebevoll seit Kindertagen nennt, fliegt. Später dann nicht mehr. Er wird mit seiner Junkers JU 188 abgeschossen und gerät in Kriegsgefangenschaft. Vorher jedoch ist er ...

Annis Maikäfer, wie sie Tristan liebevoll seit Kindertagen nennt, fliegt. Später dann nicht mehr. Er wird mit seiner Junkers JU 188 abgeschossen und gerät in Kriegsgefangenschaft. Vorher jedoch ist er im Lazarett, er wird schwer verletzt geborgen und ist nun in der Obhut von O’Malley, der nicht zwischen Freund und Feind unterscheidet - ein Arzt aus Leidenschaft, der schon auch kritisch beäugt wird. Und da ist die junge, britische Krankenschwester Rosalie, die für Tristans Pflege zuständig ist. Es funkt sofort zwischen den beiden, aus Zuneigung wird Liebe, eine verbotenen Liebe zu dem Feind.

Gerade hat Anni noch den Feldpostbrief ihres Zwillingsbruders Tristan gelesen, als ihre kleine Clara auf die Welt drängt. Nach der Geburt leben Mutter und Tochter wieder bei Annis Eltern in Dresden. Die Baumgartners sind eine sehr musikalische Familie. Anni spielt Geige, ihr Vater Gottfried ist Violinist an der Semperoper wie auch der Halbjude Adam Loewe, der als Jahrhundertgeiger gilt. Nachdem Adam, der Jude, zu einem auswärtigen Arbeitseinsatz verpflichtet wird und nicht erscheint, stellt die Gestapo die Staatsoper auf den Kopf und auch bei der Familie Baumgartner erfolgt eine Durchsuchung, denn Gottlieb wird beschuldigt, ihn zu verstecken. Er wird verhaftet und später wieder freigelassen und doch ist er ein gebrochener Mann. Bald darauf wird Dresen bombardiert. Anni flieht mit ihrer kleinen Tochter, dabei trifft sie auf Adam. Gemeinsam versuchen sie, dem Inferno zu entkommen.

In den zwei Handlungssträngen, die wechselseitig aus Annis und aus Tristans Sicht erzählt werden, stellt Sarah Höflich vier junge Leute in den Mittelpunkt – Anni und Adam, Tristan und Rosalie. Es sind die letzten Kriegsmonate und die Jahre danach, in den Köpfen der Menschen ist der Judenhass und die nationalsozialistische Ideologie noch fest verhaftet, Fremdenfeindlichkeit und die Feindseligkeit zwischen den Völkern ist allgegenwärtig. Es sind Schicksale, die so oder so ähnlich viele Familien durchleiden mussten. Und doch gab es auch die anderen, die selbstlos helfen, ohne nach der Nationalität zu fragen.

Der Roman erzählt von Schuld und Verzweiflung, von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, von Liebe und Zuversicht und auch von der Zeit, die so manche Wunde heilt. Und trotz aller Gefahren und Unzulänglichkeiten ist es auch die Musik, die mit Vaters wertvoller Geige, einer Guarneri del Gesu, immer dabei ist. „Maikäferjahre“ ist ein wundervolles Buch, das mich tief berührt hat, das ich gerne gelesen habe und das ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Nichts ist so, wie es den Anschein hat

Locked in
1

Das Locked-in-Syndrom ist eine fast vollständige Lähmung, jedoch sind das Bewusstsein und auch die geistige Funktion nicht beeinträchtigt. Man könnte also mit einem dieser Patienten durchaus kommunizieren, ...

Das Locked-in-Syndrom ist eine fast vollständige Lähmung, jedoch sind das Bewusstsein und auch die geistige Funktion nicht beeinträchtigt. Man könnte also mit einem dieser Patienten durchaus kommunizieren, könnte er sich verständlich machen.

Der Neurologe Dr. Theo Linde hat eine revolutionäre Methode entwickelt, um die Gedanken von Komapatienten lesen zu können. Ein privater Schicksalsschlag hat ihn dazu verstärkt forschen lassen und nun ist es die Heidelberger Polizei, die seine Dienste in Anspruch nimmt. Sie fahndet mit Hochdruck nach einem Entführer, der mittlerweile drei Opfer in seiner Gewalt hat. Ein Erfolg zeichnet sich ab, Kommissar Paul Maertens ist ihm auf den Fersen, es kommt zu einer Festnahme und kurz danach zu einem folgenschweren Unfall, bei dem der Täter schwer verletzt wird und ins Wachkoma fällt. Dr. Theo Linde wird gebeten, seine erprobte Methode auch bei diesem Patienten anzuwenden. Denn die Zeit drängt, da sie keinen Anhaltspunkt über das Versteck eines Entführungsopfers haben.

Es sind viele lose Fäden, die hier in einem rasanten Tempo erzählt werden. Schon der Prolog ist so furchteinflößend wie rätselhaft. Meine Vermutung, mit wem ich es hier zu tun habe, stellt sich lange danach als vollkommen falsch heraus. Henri Faber versteht es, Verwirrung zu stiften, seine Protagonisten sind schwer zu durchschauen. Mehr noch - sie sind allesamt nicht greifbar. Der Kommissar ist ein Eigenbrötler, er tritt nicht nur einmal ziemlich rüpelhaft auf. Ich mag ihn – nicht wirklich. Auch um die anderen Typen würde ich eher einen weiten Bogen machen, jeder einzelne hat jedoch seine ganz individuelle Ausstrahlung.

Ich bin ganz nah dabei, bin mit Linde bei seinem privaten Patienten, bin auch im Verlies und durchlebe eine schreckliche, eine verstörende Phase, dann wieder sind es Maertens Ermittlungen und seine Gedanken, in die er zuweilen abdriftet und mich komplett irritieren. Die kurzen Kapitel wechseln sich ab, führen zu den einzelnen Protagonisten und zu diversen Schauplätzen. Es geht rund. Und das nicht zu knapp.

Was passiert da? Was ist real, was Wahn? Wenn man meint, einige lose Fäden entwirren zu können, so kommt eine nicht vorhersehbare Wendung und alles wird neu gewürfelt - Henri Faber hält mich bis zum Ende in Atem. Schade nur, dass „Locked in“ das Ende einer Reise ist, die letzte Station als Henri Faber, wie der Autor zum Schluss wissen lässt. Aber wer weiß...

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