Spannend, unterhaltsam, lesenswert
Moment des Aufbruchs„Momente des Aufbruchs“ ist das sechste Buch der Kinder der Hansens-Reihe. Nachdem mich schon die Hansen-Saga begeistert hat, ist auch die neue Generation mit viel Herzblut dabei, die Familie Hansen in ...
„Momente des Aufbruchs“ ist das sechste Buch der Kinder der Hansens-Reihe. Nachdem mich schon die Hansen-Saga begeistert hat, ist auch die neue Generation mit viel Herzblut dabei, die Familie Hansen in die Zukunft zu führen.
Amala, Auguste und Eduard haben große Pläne. Das alte, nicht mehr genutzte Kontor wollen sie zu neuem Leben erwecken, in dessen Gemäuer nicht nur Restaurants ihren Platz finden werden, auch Theater und Kino soll es beherbergen. Das Hansens nimmt Gestalt an, es gibt auch hier genug Hindernisse, die das Projekt gefährden könnten. Aber „Menschen mit so viel Leidenschaft und Mut können gar nicht scheitern“ ist sich Georg sicher, der sich zurückgezogen hat, der jungen Generation aber dennoch zur Seite steht. Vor dem politischen Hintergrund jener Zeit lesen wir von Liebe und so mancher Eifersüchtelei, von Trennung und Versöhnung, von krummen Geschäften, aber auch von Freundschaft und Zusammenhalt.
Wir sind in Hamburg im Jahre 1927, der erste Tonfilm „The Jazz Singers“ revolutioniert die Kinowelt, bei der Eröffnung des Hansens wird ein anderer Film gezeigt, es ist „Das Geheimnis der der Abbé X“. Im Nachwort weiß die Autorin mehr darüber zu berichten.
Neben Hamburg sind es auch München und Wien, die wir gedanklich ansteuern, auch werfen wir einen Blick über den großen Teich zu Amalas Bruder Robert, der den Ku-Klux-Klan kritisch beleuchtet. In München bangt Thereses Tochter Helene um ihren Lebensgefährten Bernhard, dem die Todesstrafe droht. Sein Anwalt ist von seiner Unschuld überzeugt, er setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihn doch noch zu retten. Auch hier möchte ich das Nachwort nochmal erwähnen, denn diesem Erzählstrang liegen echte Fälle zugrunde.
In Wien treffen wir auf Thereses Sohn Franz mitsamt Familie, der eines Tages in die Fußstapfen von Florentinus Loising, Thereses Bruder, treten soll. Auch Florentinus kämpft für Bernhards Freilassung und fährt dafür nach München, derweilen kümmert sich Franz um Florentinus Firma.
Es ist die Zeit, in der die Nationalsozialisten immer mehr Zulauf bekamen, die Ausländerfeindlichkeit und der Rassenhass wurden von oben herab geschürt. Auch Amalas Verlobter gerät in diesen Strudel des Hasses, ihm wird als Arzt eine Trennung von Amala nahegelegt, deren Äußeres den strammen NSDAP-Anhängern so gar nicht passt.
Ellin Carsta versteht es, die historischen Fakten mit den Geschichten um die Familie Hansen geschickt zu verknüpfen und damit ihre Leser bestens zu unterhalten. So ab und an wirft sie einen Blick zurück, sodass das Vergangene ganz schnell wieder präsent ist. Ihre Charaktere haben für mich schon lange ein Gesicht, sie sind mir sehr sympathisch, wenngleich es einige wenige gibt, deren Art mir nicht ganz so angenehm ist. Bei den Hansens geht es eben zu wie im richtigen Leben, die Familie stützt sich gegenseitig, auch wenn so mancher quertreibt. Leider ist die Zeit mit ihnen wieder mal zu schnell vergangen und nun heißt es warten auf Band sieben, ich freu mich drauf.