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Veröffentlicht am 09.01.2026

Über das Loslassen

Der Fluss der Zeit
1

Pascal Mercier ist mir vor allem vom NACHTZUG NACH LISSABON bekannt. Fünf Erzählungen aus dem Nachlass von ihm sind es, die den FLUSS DER ZEIT thematisieren, ein schmaler Erzählband über das Loslassen ...

Pascal Mercier ist mir vor allem vom NACHTZUG NACH LISSABON bekannt. Fünf Erzählungen aus dem Nachlass von ihm sind es, die den FLUSS DER ZEIT thematisieren, ein schmaler Erzählband über das Loslassen oder davon, dass dies nicht jedem gut gelingen mag.

Wie etwa Karl Prager, dessen Familie 99 Jahre in dem Haus gelebt hat, das er nun an ein junges Paar verkauft hat. Die Übergabe berichtet davon. Er hat alles akribisch vorbereitet, ist stolz auf seinen Besitz, seinen ehemaligen Besitz, denn das Notarielle ist schon erledigt. Man spürt seine innere Zerrissenheit, sein ganzes Leben steckt in diesem Haus, seine Vergangenheit, all die schönen Momente und die Erinnerungen daran. Und dann kommt dieser schmerzliche Moment, in dem es kein Zurück mehr gibt.

Jede Geschichte ist besonders, jede behandelt ein anderes Thema. Und doch geht es um das Leben, zuweilen um das Überleben müssen und darum, ob dies für den Einzelnen möglich ist. Es geht um die Stille, die ein Mann sucht, die er in seinem lauten Umfeld unbedingt braucht, ein anderer wartet auf einen Befund, der ungeahnte Ängste auslöst, der Nächste sieht sich durch einen Schicksalsschlag ohne jegliche Perspektive da stehen und wieder ein anderer kehrt nach vierzig Jahren zu dem Ort seiner Studienzeit zurück, schwelgt in Erinnerungen, verklärt das Vergangene.

Es sind kurze Episoden, die vom Sinn des Lebens berichten. Vom FLUSS DER ZEIT, der sich durch das Leben schlängelt. Es sind ganz und gar unterschiedliche Charaktere, denen ich begegne, alle kommen sie mir nahe. Es sind meist ältere Menschen, deren Geschichten mich nachhaltig beeindrucken, denen ich ein Weilchen zusehe, wie sie mit den Unzulänglichkeiten des Lebens fertig werden müssen. Oder auch nicht. Mercier, der Philosophie-Professor war, bringt diese Kurzgeschichten auf den Punkt. Jede einzelne dieser fünf Geschichten lässt mich nachdenklich zurück, jede ist in sich stimmig.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Sie will Rache! Wird sie sie bekommen?

Der Boss – Ist er ein Monster oder ein Genie?
1

„Es liegt genau genommen keine Straftat vor. Es gibt keinerlei Beweise, die auf den Mann im Club hindeuten“ nimmt ihr die Beamtin jede Hoffnung, nach diesem gut aussehenden Kerl zu suchen, mit dem Cara ...

„Es liegt genau genommen keine Straftat vor. Es gibt keinerlei Beweise, die auf den Mann im Club hindeuten“ nimmt ihr die Beamtin jede Hoffnung, nach diesem gut aussehenden Kerl zu suchen, mit dem Cara in der Bar verschwunden ist. Jedoch sind sie aus einem anderen Grund interessiert, der Sache nachzugehen, denn es liegt eine weitere junge Frau in ähnlichem Zustand in diesem Krankenhaus, sie hatte die gleichen Substanzen wie Caro im Körper, allerdings zeigt diese keine Hirnaktivität mehr. Natalie hört alle Alarmglocken schrillen, zumal sie noch die Info bekommt, dass es vor Kurzem zwei ähnliche Fälle gegeben hat.

Natalie Olsen und Caro sind die allerbesten Freundinnen, sie leben in einer WG und nun sitzt Natalie da, alleine mit ihrer Ratte Trixy. In ihr reift ein Plan – sie will Rache. Wie es der Zufall will, begegnet sie auf den Straßen New Yorks den verpeilten, aber durchaus charmanten Nick. Gut, eher hält sie ihn davon ab, direkt vor ein Auto zu laufen. Sie trinken einen Kaffee miteinander, kurz darauf verfängt sich ihr Blick in der Titelseite einer Zeitschrift, das Foto kommt ihr bekannt vor. Es ist der Typ aus dem Club – Geoffrey Rosenberg. Dieser Nick scheint ein Glückstreffer zu sein, denn er arbeitet für Rosenberg und mehr noch, er verschafft ihr einen Job in der Villa.

Der Einstieg in die Story hält schon mal einige Zufälle parat, die man geflissentlich ausblenden sollte, so man weiterlesen will. Was sich allemal lohnt, da Iliana Xanders Schreibstil überzeugt, anders als diese schon etwas hanebüchene Einführung in die Handlung. Natalie ist drin in der Villa, ihre Kollegen sind davon nicht gerade begeistert. Auch bekommt sie Anweisungen, wie sie sich dem Boss gegenüber zu verhalten hat. Nämlich so, dass sie unsichtbar bleibt. Was ihr jedoch so gar nicht in den Kram passt, sie ist schließlich in ihrer ureigenen geheimen Mission unterwegs.

Zwischendurch meldet sich Unbekannt. An wen sind diese Botschaften gerichtet? Sind es Drohungen? Amüsiert sich Unbekannt über so manch Aktion? Einige Zeit tappe ich im Dunkeln, bis eine anvisierte Person mit Namen angesprochen wird, Zweifel jedoch bleiben.

Die Atmosphäre in der Villa ist beängstigend, auch alle Angestellten sind nicht recht greifbar, der Boss inklusive. Und doch kommt die Story nicht recht vorwärts, was sich dann doch irgendwann ändert. Der bis dahin 08/15-Thriller läuft zur Hochform auf, nicht vorhersehbare Wendungen fesseln mich, die Charaktere sind bis auf wenige Ausnahmen gut und geheimnisumwittert gezeichnet, wobei die Hauptfigur Dinge treibt, die völlig abstrus sind.

Und DER BOSS? Ist er ein Monster oder ein Genie? Ja, diese Frage wird letztendlich geklärt. Mich hat dieser Typ zwar nicht durchweg, aber doch gut unterhalten, auch wenn die Story mitsamt den handelnden Personen arg überzogen, ja über weite Strecken geradezu absonderlich daherkam.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Spannend, aber um einiges schwächer als Band eins der Hüter-Reihe

Im Labyrinth der Furcht
6

Nachdem ich den Auftaktband der Hüter-Reihe IM LABYRINTH DER RACHE regelrecht verschlungen habe, bin ich nun IM LABYRINTH DER FURCHT angelangt.

Der Hüter der Kuriositäten hält Francis Ackerman jr gefangen. ...

Nachdem ich den Auftaktband der Hüter-Reihe IM LABYRINTH DER RACHE regelrecht verschlungen habe, bin ich nun IM LABYRINTH DER FURCHT angelangt.

Der Hüter der Kuriositäten hält Francis Ackerman jr gefangen. Und nicht nur ihn, seine ganze Familie hält er sicher verwahrt an einem unwirtlichen Ort, denn er hat Großes vor mit den Geschwistern Francis, Marcus und Annabelle. Derweilen macht sich Nadia auf, Francis zu finden. Aber nicht genug damit, Nadia Shirazi, FBI Special Agent, hat noch mehr zu tun. Sie muss eine unheimliche Verbrecherserie stoppen, von dessen Vollstrecker bekannt ist, dass er sich im Netz Preservationist nennt. Und noch immer schwebt diese mysteriöse Liste im Raum, für dessen Entschlüsselung es zwei Personen braucht.

Wie ich es von einer Serie erwarte, werde ich auch hier kurz zurückerinnert, denn die Frage, was der Hüter vor hat, drängt sich nach dem Ende des ersten Buches auf. Es ist noch angeklungen, das er Ackerman sen, der sich Thomas White nennt, aus dem Gefängnis befreien will, was Francis so gar nicht behagt. Er findet sich in einem riesigen gläsernen Cubus wieder, dessen Räume gespickt sind voller ausgeklügelter Folterinstrumente – hier ist Ethan Cross wie gewohnt sehr einfallsreich. Und selbstredend steht der Hüter seinem Erschöpfer in nichts nach. Um des Hüters absolute Überlegenheit zu demonstrieren, wird Francis gleich mal in ein perfides Spiel involviert, bei dem er – egal, wie er sich entscheidet – nur verlieren kann. Diese heimtückischen Machtdemonstrationen treibt er immer weiter voran, da bin ich, trotzdem ich um Ackermans Fähigkeiten weiß, nicht nur um ihn besorgt, auch Marcus steht direkt am Abgrund.

Im zweiten Handlungsstrang ist es Nadia, die alle Hände voll zu tun hat. Einmal ist es ihre Suche nach Francis und da sind noch zwei Ganoven, die mir ziemlich unbedarft vorkommen. Allerdings möchte ich denen nicht zu nahe kommen, denn sie fackeln nicht lange. Man könnte sie eher als unerbittlich, ja barbarisch und gnadenlos beschreiben.

Nadia ist überhaupt der heimliche Star dieses zweiten Bandes, sie ist wieder voll drin, nachdem sie lange eher ein Nischendasein geführt hat. Sie weiß um ihre Feinde, ist hochkonzentriert und scheut sich auch nicht, mit der ihr verhassten Ruth Giordano zusammenzuarbeiten. Francis dagegen ist eher handlungsunfähig, wenngleich ich seinen Gedanken viel abgewinnen kann. Ich vermisse so manch actionreiche Szene à la Ackerman jr, die hier eher in seinem Kopf stattfinden. Gut, er ist gefangen – aber hat ihn das je gestört?

Der zweite Band der Hüter-Reihe ist um einiges schwächer als gewohnt, nichtsdestotrotz werde ich Francis Ackerman jr treu bleiben und bin gespannt, wie es denn weitergehen mag. Denn noch ist der in den Fängen des Hüters.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Total abgefahren

Feuchte Beute
1

Alles beginnt mit Theodore, einer jungen Frau, die anno 1575, als Hexe denunziert, Waldemar verflucht. Und es endet mit Pia, die… nun ja, wer sie ist und wie sie in diese abgefahrene Geschichte passt, ...

Alles beginnt mit Theodore, einer jungen Frau, die anno 1575, als Hexe denunziert, Waldemar verflucht. Und es endet mit Pia, die… nun ja, wer sie ist und wie sie in diese abgefahrene Geschichte passt, das verrate ich hier nicht. Irgendwie jedoch scheint sie sich durchs Buch zu ziehen, um es mal sehr dezent auszudrücken. Dazwischen begegnen wir allen möglichen und unmöglichen Gestalten und – die Werwölfe sind los.

So meine Kurzbeschreibung von FEUCHTE BEUTE aus der schwungvollen Feder von Frank J. Freibrodt vs Matthias Krause. Unbedingt beachtet werden sollte, dass die Leserschaft 18+ sein muss, sich also unter den Erwachsenen tummelt. Dann aber steht dieser knallharten Horror-Satire nichts mehr im Wege.

Eine absolut schräge Story mit dem etwas anderen Humor, von Horror bis zu ziemlich schrägen Nummern, zu zweit oder im Rudel genossen, von brutal bis pervers. Und wenn ich mir grad mal den sehr speziellen Pizza-Belag vorstelle, möchte ich ihn dann ganz schnell wieder zu vergessen. Man sollte diesen tiefen, dunklen Wald möglichst meiden, ansonsten kommt man den Werwölfen zu nahe und diese kennen kein Erbarmen, schließlich sind sie voller Testosteron und zudem ist ihr Hunger unstillbar. Dem Rudel entkommt man nicht!

Es geht in jeglicher Hinsicht hart zur Sache, mach braucht schon eine gehörige Portion Abgeklärtheit und darf nicht zu den zartbesaiteten Seelen zählen. Ein Buch, das in kein gängiges Genre passt, aber diesen Anspruch erhebt es auch nicht. Im Gegenteil – es steht für sich alleine. Gänsehaut pur, mindestens.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Trügerische Familienidylle

Eisnebel
1

Direkt idyllisch liegt es da, das Chalet in den Bergen. Der erste Eindruck könnte bezaubernder nicht sein. Doch dieser Blick trügt, die Wahrnehmung wird sich deutlich verschieben.

„Halt dich von Connor ...

Direkt idyllisch liegt es da, das Chalet in den Bergen. Der erste Eindruck könnte bezaubernder nicht sein. Doch dieser Blick trügt, die Wahrnehmung wird sich deutlich verschieben.

„Halt dich von Connor Dalton fern.“ Theo ignoriert diese und ähnliche Nachrichten auf ihrem Handy. Sie und ihr Verlobter sind unterwegs zum abgelegenen Winterdomizil der Daltons. Seine Familie soll sie kennenlernen, doch bald merkt sie, dass sie auf Idlewood nicht willkommen ist. Mehr noch, sie fühlt sich zunehmend bedroht, außerdem meint sie, hier schon einmal gewesen zu sein.

Heike Warmuth hat mir über 10 Stunden und 9 Minuten dieses beklemmende Gefühl vermittelt, das Theo seit ihrer Ankunft verspürt. Und nicht nur Theo, auch die anderen Figuren in all ihren Facetten bringt sie perfekt auf den Punkt. Dabei weiß man stets, wen sie gerade spricht, ihre wandlungsfähige und sehr einfühlsame Stimme höre ich immer wieder gerne.

Die Idylle bröckelt. Und das ziemlich bald. Neben der sie ablehnenden Familie Dalton ist es auch ihre Vergangenheit, die sie einholt. Die zauberhafte Landschaft, die schneebedeckten Berge und die dunklen Wälder sind nicht minder bedrohlich, alles zusammen wird zunehmend beklemmend und düster, dazu sind es Theos Albträume, die sie nicht zu fassen bekommt. Keinem ist zu trauen, weder der Familie noch den Angestellten, jeder – einschließlich Theo - scheint dunkle Geheimnisse zu haben.

Dieser EISNEBEL ist von Anfang an bedrückend mit immer wieder neuen Wendungen und durchgehend frostig bis zum Ende, das mich dann nochmal überrascht hat. Dabei enorm fesselnd, sodass ich mich der Story nicht entziehen konnte. Ein richtig guter Thriller, brillant vorgetragen, sehr empfehlenswert.

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