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Veröffentlicht am 24.11.2023

Eiskalte Spannung garantiert

Im Herzen so kalt (Ein Fall für Maya Topelius 1)
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Die kleine Frida ist auf dem Heimweg, sie wohnt mit ihrer Mutter etwas abgelegen und muss ein Stück durch den Wald laufen. Sie kennt sich hier gut aus und so beschließt sie, eine Abkürzung durch den dichten ...

Die kleine Frida ist auf dem Heimweg, sie wohnt mit ihrer Mutter etwas abgelegen und muss ein Stück durch den Wald laufen. Sie kennt sich hier gut aus und so beschließt sie, eine Abkürzung durch den dichten Tannenwald zu nehmen. Aber da – keine zwei Meter von ihr entfernt liegt etwas. Kein Tier, wie sie zunächst meint. Da liegt ein Mensch, seine Winterjacke ist blutdurchtränkt.

Kaum habe ich die ersten Seiten gelesen, bin ich in den tief verschneiten Wäldern Nordschwedens angekommen und sorge mich um Frida. Wie sich schnell herausstellt, ist der Tote ein bekannter Umweltaktivist. Die Stockholmer Ermittler Maya und Pär werden angefordert, was bei den hiesigen Kollegen Hilding und Sanna gar nicht gut ankommt. Die beiden sind eher wortkarg, ein kurzes „jo“ reicht allemal als Standardantwort für die Hauptstädter. Und auch wenn man es nicht für möglich hält, so nähern sich die Brummbären und die umtriebigen Stockholmer doch an. Schnell verabschieden sie sich von der These eines Jagdunfalls.

Dieser Mord an den bekannten Umweltschützer Mats Anderberg bleibt nicht der einzige. Auch ist ein Brand aufzuklären, daneben geht es um die Wilderei und illegale Abholzung. Die „Gründenker mit ihren verschrobenen Ideen“ sind so manchem ein Dorn im Auge und wie sich herausstellt, hat sich der charismatische Mats nicht nur Freunde gemacht. Eine Mauer des Schweigens gilt es zu durchbrechen, denn keiner sagt die Wahrheit.

Daneben holt Mayas Freundin Sanna ihre Vergangenheit ein, sie flüchtet regelrecht vor einem Typen, den sie in schlimmer Erinnerung hat.

Die Story und die einzelnen Handlungsstränge sind durchgehend spannend. Maya und Pär sind ein erfrischendes Ermittlerduo, auch ihre beiden Kollegen haben durchaus Biss, obschon sie erst auftauen müssen. Ihre Bärbeißigkeit hat mir so manches Schmunzeln entlockt, auch mag ich den auflockernden Wortwitz. Ob Pär, der Schwede, „seine Schuhe essen“ oder Maya mit ihrem deutschen Vater „einen Besen fressen will“, kommt aufs Gleiche raus. Diese kleinen, feinen Zwischenbemerkungen sind wie das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Mayas Alleingänge lassen die toughe Ermittlerin erkennen, wenngleich so manch gefährliche Situation etwas überspitzt rüberkommt. Die Figuren, nicht nur die Kommissare, haben Ecken und Kanten, sie sind allesamt in ihren Eigenheiten glaubwürdig angelegt. Zuweilen geht es rasant zur Sache. Schockmomente wechseln sich ab mit Verfolgungsjagden, jedoch steht die einfühlsame Ermittlungsarbeit im Vordergrund, das Umweltproblem und der Kahlschlag der Wälder sind gut in die Story integriert.

„Im Herzen so kalt“ aus der Feder von Sandra Åslund, der erste Fall um Maya Topelius und ihren Partner Pär Stenqvist, hat mich absolut abgeholt und auch wenn es noch dauern wird, so werde ich bei Mayas nächstem Fall unbedingt wieder dabei sein. Ein Schweden-Krimi vom Feinsten.

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Veröffentlicht am 21.11.2023

Schuldig!

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Der elfte Taunuskrimi hat es wieder in sich. Mit Pia Sander und Oliver von Bodenstein und ihrem Team fiebere ich der Auflösung des vielschichtig angelegten Falls entgegen. Denn es ist nicht nur der Mord ...

Der elfte Taunuskrimi hat es wieder in sich. Mit Pia Sander und Oliver von Bodenstein und ihrem Team fiebere ich der Auflösung des vielschichtig angelegten Falls entgegen. Denn es ist nicht nur der Mord an der 16jährigen Lizzy aufzuklären, deren Auffindeort von einem Hundebesitzer telefonisch gemeldet wird, im Laufe der Ermittlungen tauchen noch einige andere ungeklärte Todes- und Vermisstenfälle auf.

Wie es den Anschein hat, wurde Lizzy mit ihrem eigenen Schal erdrosselt und hinter einem Marienstockbild sorgfältig abgelegt, zugedeckt mit ihrer Jacke. Ihr Umfeld wird durchleuchtet - ihre beste Freundin, ihre Schulfreunde, ihre Familie und ihre sonstigen Kontakte.

Bald darauf werden Pia und Oliver zu einem Autounfall gerufen. Der fürchterlich zugerichtete Mann hat am ganzen Körper Bisswunden, er war bei Minustemperaturen barfuß unterwegs und ist direkt ins Auto gelaufen.

Und nicht nur das, es gibt noch mehr Rätselhaftes und auch wenn sich jeder einzelne Fall von den anderen abgrenzt, so sind Parallelen zu erahnen. Ungeklärte Todes- und Vermisstenfälle durchziehen ihre Ermittlungen, es geht um Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass, um Schuldzuweisungen und Anschuldigungen, zusätzlich bereitet das weltweite Netz dem Hass eine willkommene Bühne.

Nele Neuhaus unterbreitet ihren Lesern ein vielschichtiges Szenario. Sie versteht es aufs Beste, die Spannung stets hoch zu halten. Ihre komplexe Story handelt von Schuld und Sühne, der Fanatismus zieht weite Kreise, gleichzeitig wird das Wertesystem hinterfragt.

Gut finde ich, dass dem Kriminalroman ein Personenregister vorangestellt ist, was gerade in diesem Genre nicht selbstverständlich ist. Und auch wenn die Aufklärung im Mittelpunkt steht, so hat doch jeder ein Privatleben, das zwischendurch schon auch hervorblitzt. Nicht viel, aber viel genug, um Pia, Oliver und die anderen gut einschätzen zu können. Das K11 in Hofheim ist diesmal ganz besonders gefordert, auch mag ich diese halb-privaten Momente zwischen Pia und Henning. Und nicht nur die beiden, auch allen hier Agierenden nehme ich ihre Handlungsweise ab.

Das titelgebende „Monster“ ist enttarnt, der mittlerweile elfte Taunuskrimi ist vielschichtig, die verzweigte Story teils grausam und äußerst facettenreich, die Täter schwer fassbar. Die einzelnen Handlungsstränge fügen sich letztendlich gut zusammen – es war ein kurzweiliges Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 19.11.2023

Rasanter Thriller

Im Sturm der Macht
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Helsinki im Jahre 2028: Nachdem sich die politische Lage dramatisch zugespitzt hat, beschließt die finnische Regierung, Flüchtlinge auf einer stillgelegten Kreuzfahrtfähre unterzubringen. Derweilen wird ...

Helsinki im Jahre 2028: Nachdem sich die politische Lage dramatisch zugespitzt hat, beschließt die finnische Regierung, Flüchtlinge auf einer stillgelegten Kreuzfahrtfähre unterzubringen. Derweilen wird Leo Koski, der ehemalige Ministerpräsident, mit unlauteren Mitteln zurück ins Land gelockt. Kurz nach seiner Ankunft wird die Ministerpräsidentin erschossen. Viel zu spät erkennt Leo, dass er in eine Falle gelockt wurde.

Tuomas Oskari nimmt sich eines nicht nur in Finnland aktuellen Themas an. Das Flüchtlingsproblem ist so einigen ein gewaltiger Dorn im Auge. Die sogenannte Heimatschutzgarde setzt alles dran, das Land von diesen unerwünschten Individuen zu befreien. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht – Intrigen, Morde, hinterhältige Fallen, auch mithilfe von KI und Fake-Bildern und –Nachrichten machen es ihnen einfach, alle Blicke in die für sie richtige Richtung zu lenken.

Den Vorgänger „Tage voller Zorn“, Okaris Thriller-Debüt, habe ich nicht gelesen, werde dies aber schnellstens nachholen. Als Politik- und Wirtschaftsjournalist weiß er, wovon er schreibt. Das in der nahen Zukunft angesiedelte Szenario beschreibt den Rechtsextremismus und den allgegenwärtigen Fremdenhass treffend. Um das Politische mit all seinen Auswüchsen rankt sich der rasante Thriller, der erschreckend realistisch daherkommt. Die Leser bekommen durch die wechselnden Perspektiven einen detaillierten Blick auf das Geschehen und auf die hier Agierenden. Diese vielschichtig angelegten Charaktere sind durchweg gut gezeichnet, wenngleich so einige hart an der Grenze des Glaubhaften sind. Wahrscheinlich steht mir da mein naiver Glaube an die Menschheit im Wege.

„Im Sturm der Macht“ ist ein dynamischer Thriller mit erschreckend realistischen Bezügen und viel Action - spannend in Szene gesetzt.

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Veröffentlicht am 17.11.2023

Witzig-spritzig gute Unterhaltung

Die mörderischen Cunninghams (Die Cunninghams 1)
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Gleich mal werde ich in die Geheimnisse der Zunft der Krimischreiber eingewiesen – was gehört in einen guten Kriminalroman und was eben nicht und auch zwischendurch höre ich dieses Rüstzeug für einen Schreiberling. ...

Gleich mal werde ich in die Geheimnisse der Zunft der Krimischreiber eingewiesen – was gehört in einen guten Kriminalroman und was eben nicht und auch zwischendurch höre ich dieses Rüstzeug für einen Schreiberling. Ja, ich höre es, denn Simon Jäger hat die Hörbuchversion eingesprochen. Er leiht Ernie Cunningham seine Stimme – und das macht er gut. Gleich zu Anfang wird deutlich, dass es sich hierbei um einen Krimi mit Schmunzelfaktor handelt. Also, richte ich meine Antennen ganz danach aus und freue mich auf durchaus vergnügliche zehneinhalb Stunden.

Eine Leiche lässt nicht lange auf sich warten, sie ist fürchterlich zugerichtet, die Schilderung dessen lässt mich schaudern. Aber was ist das denn? Lebt diese angebliche Leiche vielleicht doch noch? Für alles Weitere verweise ich auf das Hörbuch oder auch auf das Buch, das Hören bzw. Lesen gestaltet sich trotz des mörderischen Hintergrundes als sehr genussvoll.

Als „rasante Hommage an den klassischen Detektivroman“ wird dieser kriminalistische Leckerbissen beschrieben. Die einzelnen Familienmitglieder werden nach und nach vorgestellt und mit eingebunden. Es geht nicht nur um diese eine Leiche, es geht auch um den nicht mehr unter den Lebenden weilenden Vater, um einen Serienmörder geht es auch.

So manche Passagen waren mir dann doch zu langatmig. Da ging es eher gemächlich vorwärts, zu viele Details mussten unbedingt erzählt und in die Story integriert werden. Was an und für sich nicht schlecht ist, nur wollte ich vorwärts. Waren die zehn Gebote des Detektivromans anfangs noch witzig, fand ich die wiederholten Anmerkungen dann doch etwas nervig. Wenngleich ich dieser ganz spezielle Art des Erzählens schon mochte, was beileibe kein Widerspruch an sich ist. Mein Fazit zum Schluss: Man sollte sich diese Cunninghams nicht entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 17.11.2023

Swinging Berlin

Lindy Girls
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Ganz Berlin swingt, die Tanzpaläste bieten in den Goldenen Zwanzigern dem staunenden Publikum stets Aufregendes. Auch die Tanzlehrerin und Choreographin Wally hat einen großen Traum – sie will den Berlinern ...

Ganz Berlin swingt, die Tanzpaläste bieten in den Goldenen Zwanzigern dem staunenden Publikum stets Aufregendes. Auch die Tanzlehrerin und Choreographin Wally hat einen großen Traum – sie will den Berlinern die Musik und die neuen Tänze aus Amerika auf ihre Bühnen bringen. Ihre Tanzgruppe sucht sie direkt auf der Straße, sie schaltet Anzeigen, sie holt aus den tanzbegeisterten jungen Frauen alles heraus. Der Zugang zu den großen Bühnen bleibt ihnen zunächst verwehrt und doch geben sie nicht auf. Tagsüber kämpfen sie ums Überleben und die halbe Nacht üben sie für ihre Auftritte. Auch mischt Wallys on/off-Freund Toni kräftig mit. Neben den Schwierigkeiten rund die Bühnen, die ihre Sehnsuchtswelt bedeuten, spielt auch die Liebe mit hinein.

Anne Stern entführt ihre Leser in eine pulsierende Zeit. Die 1920er Jahre waren geprägt von Fülle und Vergnügungen auf der einen Seite und andererseits von Entbehrungen, von Hunger und schon bei geringsten Verfehlungen vom Verlust des Arbeitsplatzes. Daneben machen die Braunhemden die Straßen unsicher. Es ist eine Zeit der Extreme, dominiert von der allmächtigen Männerwelt.

Anne Stern bürgt für eine gut durchdachte Story und für gute Unterhaltung. Ihre „Lindy Girls“ haben mich schon alleine wegen des Tanzens sehr angesprochen, auch lese ich viel über die damalige Zeit der gesellschaftlichen Widersprüche. Größte Not und ein Leben im Überfluss bilden das ungerechte Nebeneinander, die Herkunft der Girls und die damit einhergehende Erwartungshaltung werden anschaulich beschrieben. Sie bieten einen aufschlussreichen Einblick in die Glitzerwelt dieser Jahre und auch wenn der schöne Schein durchaus viele Risse erkennen lässt, so wird das gesellschaftliche Gesamtbild deutlich sichtbar.

Vor dem politischen und gesellschaftlichen Hintergrund nimmt die Story rund um das Tanzen, um die Musik und all das Zwischenmenschliche viel Raum ein. Und ja – zwischendurch erklingen die Songs von damals, „…all we scream for ice cream…“ den Ohrwurm bring ich so schnell nicht mehr los. Und nicht nur dieser und etliche andere heute noch bekannte Songs hallen nach. Die „Lindy Girls“ haben mich gut unterhalten und mich in eine gar nicht so goldene Zeit zurückgeführt, die trotz Entbehrungen voller Hoffnungen und Leben war.

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