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Veröffentlicht am 08.05.2023

Die stillen Helden von Dieulefit

Die Kinder von Beauvallon - Der Spiegel-Bestseller nach wahren Begebenheiten
2

Ein ganzes Dorf im Widerstand – wie war das möglich? In den 1940er Jahren, als die Juden aller Rechte beraubt und in den Vernichtungslagern ein schreckliches Ende fanden, gab es auch Menschen, die selbstlos ...

Ein ganzes Dorf im Widerstand – wie war das möglich? In den 1940er Jahren, als die Juden aller Rechte beraubt und in den Vernichtungslagern ein schreckliches Ende fanden, gab es auch Menschen, die selbstlos waren. Bettina Storks erzählt in ihrem historischen Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht, die Geschichte der „Kinder von Beauvallon“ und ihren Rettern.

Im Oktober 1940 haben Lily Blum und ihre Eltern gerade mal zwei Stunden Zeit, um einen Koffer zu packen, mehr ist nicht erlaubt. Schweren Herzens muss Agnes ihre Freundin Lily ziehen lassen, beide sind sie neun Jahre alt. Im letzten Augenblick zerreißt Lily ein Bild von ihnen beiden, jede bekommt die Hälfte und sie geben sich das Versprechen, eines Tages das Foto wieder zusammenzukleben.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1965, Agnes ist die weibliche Stimme des Südwestfunks Freiburg. Fortschrittliche Themen sind tabu, die Prüderie dieser Zeit ist deutlich spürbar. Wolfgang Schober, ihr Förderer im Funk, erzählt ihr von einem kleinen Dorf in Frankreich, von Dieulefit, einem Zufluchtsort für die Verfolgten während des Zweiten Weltkrieges und deren Helfer. Agnes Interesse ist geweckt, auch weil sie hofft, hier eine Spur ihrer Freundin Lily zu finden.

Lilys Weg verfolge ich ab dem Zeitpunkt, als sie 1940 abgeholt wird. Sie wird mit ihren Eltern in das Internierungslager Gurs verfrachtet. Julie, eine Fluchthelferin, holt sie hier heraus und bringt sie nach Dieulefit. Aber bis sie und die anderen Kinder in Sicherheit sind, müssen sie immer bangen, entdeckt zu werden.

Diese beiden Erzählstränge lese ich im Wechsel und bald bin ich mittendrin in der ausgezeichnet recherchierten Geschichte, die von der Résistance, dem Kinderhilfswerk OSE, von den mutigen Fluchthelfern, aber auch von den Grausamkeiten der Nationalsozialisten oder der Vichy-Anhängern erzählt, um nur einiges zu nennen.

Immer wieder greife ich zu Büchern, in denen die stillen Helden und ihr selbstloses Handeln eine herausragende Rolle spielen und doch weiß ich wenig, zu wenig. Dies wird mir umso klarer, je mehr ich davon lese. Auch Dieulefit und die Schule Beauvallon waren mir kein Begriff. Ich bin der Autorin dankbar, dass sie mir einen Einblick in diese für viele so lebensgefährliche Zeit gewährt hat. Ja, Lily und Agnes sind fiktiv, sie stehen stellvertretend für die Kinder von damals und deren Schicksal. Und es gab sie, die stillen Helden und auch die Gründerinnen der Schule, die Guten Feen von Beauvallon und viele, die im Geheimen geholfen haben. Ein ist eindringlicher Roman, der es wert ist, gelesen zu werden, der innerlich aufwühlt und doch aufzeigt, dass es sowas wie Menschlichkeit, ein Füreinander-da-sein immer gegeben hat, immer geben wird.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Zwischen hoffen und bangen

Die Kinder der Luftbrücke
2

„Eine junge Mutter und ein amerikanischer Pilot zwischen Liebe, Schuld und Hoffnung.“ Diese Info lese ich vorab, die Routen der Berliner Luftbrücke in den Jahren 1948/49 zu den einzelnen westlichen Stützpunkten ...

„Eine junge Mutter und ein amerikanischer Pilot zwischen Liebe, Schuld und Hoffnung.“ Diese Info lese ich vorab, die Routen der Berliner Luftbrücke in den Jahren 1948/49 zu den einzelnen westlichen Stützpunkten sind am hinteren Klappeninneren anschaulich dargestellt und auch das Cover veranschaulicht die Zeit der Rosinenbomber, die ihre von den Kindern sehnlichst erwarteten Schätze abwerfen.

Nora lebt mit ihren zwei Kindern im Westsektor Berlins zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, auch ist deren Lebensgefährte die meiste Zeit bei ihnen. Die Wohnverhältnisse sind beengt, die Lebensmittel immer zu wenig, der tägliche Kampf ums Überleben gestaltet sich zunehmend schwierig. Sie schöpfen neue Hoffnung, als Nora als Übersetzerin bei den US-Alliierten am Flughafen Tempelhof arbeiten kann.

Der Alltag der Familie wird anschaulich geschildert. Durch ihre Arbeit bekommt Nora exklusive Einblicke in die Versorgungslage Berlins und als die Sowjets Berlin abriegeln, fehlt es an allem. Erst die von den Amerikanern organisierte Luftbrücke ermöglicht halbwegs ihr Überleben.

Die Piloten fliegen nonstop ihre Routen, bei den Pausen zwischendurch begegnet einer davon - Matthew - Nora. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, was auch Noras Kolleginnen, allen voran eine neidische Intrigantin, nicht verborgen bleibt. Noch dazu ist Nora verheiratet, ihr Ehemann gilt seit Jahren als vermisst und doch will sie Matthew ihrer Familie näherbringen. Ihr kleiner Sohn ist gleich hin und weg von dem Piloten, die neunjährige Tochter dagegen lehnt in durchweg ab.

Neben den privaten Schicksalen erfahre ich so einiges über die Arbeit der Alliierten. Diese Infos sind gut verpackt in das tägliche Allerlei, geprägt von Momenten des Glücks, aber auch von Hoffnung und gleichzeitiger Hoffnungslosigkeit, von Schuldgefühlen und Pflichtbewusstsein. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle und irgendwann trifft Nora eine weitreichende Entscheidung.

Die Charaktere sind eindrucksvoll geschildert, jeder einzelne ist lebensnah und glaubhaft dargestellt. Die damalige Situation kann ich aus heutiger Sicht dank der eindringlichen Beschreibung zwar nachvollziehen, hoffe aber gleichzeitig, dass dies endgültig der Vergangenheit angehört. Der einnehmende Schreibstil hat mich schnell in die Geschichte eintauchen lassen, ich habe mit Nora und den ihren gebangt, habe gehofft, dass sich trotz der widrigen Umstände doch noch alles zum Guten wenden möge. Auch wenn es vordergründig um eine Liebe geht, die auf dem Prüfstand steht, so sind die historischen Fakten mit eingeflossen, sie sind stets präsent, bilden das Gerüst, um das sich der Roman rankt. Eine fiktive Geschichte vor gut recherchiertem, geschichtlichem Hintergrund, den ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Genussvoller Périgord-Krimi

Lorbeerglanz
5

Noch immer bin ich gedanklich in Saint-André-du-Périgord, der Wahl-Heimat der deutsch-französischen Kommissarin Marie Mercier. Julie Dubois, die Autorin von „Lorbeerglanz“, hat mich auch mit ihrem dritten ...

Noch immer bin ich gedanklich in Saint-André-du-Périgord, der Wahl-Heimat der deutsch-französischen Kommissarin Marie Mercier. Julie Dubois, die Autorin von „Lorbeerglanz“, hat mich auch mit ihrem dritten Périgord-Krimi nicht nur gut unterhalten, sie hat mich auch tief eintauchen lassen in die idyllische Landschaft, hat mir Maries Kölner Familie näher gebracht und ihre Großtante Léonie hat mir mit so manch Köstlichkeiten Appetit auf mehr gemacht.

Eigentlich will Marie die Tage mit ihrer Familie genießen aber wie so oft kommt ihr auch diesmal ein Mord dazwischen. Der Tote ist kein geringerer als der Besitzer eines gut gehenden Sternerestaurants, er wurde mit einem prähistorischen Dolch ermordet. Schon mysteriös, dass er als leidenschaftlicher Sammler dieser kostbaren Raritäten ausgerechnet mit einem Stück antiker Kunst getötet wurde. Der sehr fein gearbeitete Dolch aus Stein, einem Lorbeerblatt nachempfunden, wurde ihm in die Brust gerammt. Marie fährt zu Edith Boisset, der Witwe des Ermordeten. Diese führt sie in das private Museum ihres Ehemannes, in dem er all die erworbenen Artefakte gehütet hat wie einen Schatz. Da Pierre durch den Stich einer Lorbeerspitze ums Leben kam liegt es nahe, dass ihm seine Sammelleidenschaft zum Verhängnis wurde.

Die Ermittlungsarbeiten gestalten sich schwierig, zumal ein zweiter, ähnlich gelagerter Mord, für zusätzliche Verwirrung sorgt. Verdächtige gibt es mehrere, eigentlich ist mir keiner so ganz geheuer, jedem würde ich alles zutrauen. Auch meine ich, das Mordmotiv zu erahnen und doch lässt sich der Kreis der möglichen Täter lange nicht eingrenzen. Und da taucht immer wieder ein geheimnisvoller Begriff auf, mit dem niemand was anfangen kann. Geschickt spielt die Autorin mit ihren Lesern, legt Fährten aus, die letztendlich ins Nichts führen. Die Aufklärung lässt lange auf sich warten und sie verblüfft – das Ende ist dann doch gut nachvollziehbar.

Maries engster Mitarbeiter Richard Martin, auf den sie sich blind verlassen kann, ist ihr auch hier eine große Hilfe, auch wenn ihn privat etwas zu bedrücken scheint. Und die Meinungsverschiedenheiten mit Michel, ihrem Liebsten, stören die ansonsten so perfekte Idylle zwischen den beiden. Neben der Ermittlungsarbeit sind die kleinen Nebenstorys, auch all die Köstlichkeiten, die Léonie Tag für Tag auftischt, das Salz in der Suppe, um im kulinarischen Jargon zu bleiben.

Da ich vor einiger Zeit „Kalte Blüten“, den Vorgängerband, gelesen habe, fühlt es sich an wie heimkommen nach einer längeren Reise. Marie und die ihren waren mir nach den ersten Seiten wieder vertraut, auch Léonie wird sich ähnlich gefühlt haben, als sie von ihrer Kreuzfahrt von Georges und den beiden Hängebauchschweinen Augustine und Joseph, beide geschniegelt und gestriegelt, begrüßt wurde – ein Empfangskomitee vom Liebenswertesten.

„Lorbeerglanz“ ist ein Krimi mit viel Lokalkolorit und einer sympathischen Protagonistin. Ja, auch hier wird gemordet und die Einzelheiten detailreich geschildert, genussreich aufgelockert durch all die kulinarischen Köstlichkeiten und die idyllischen Landschaftsbeschreibungen. Gerne bin ich wieder dabei, wenn Marie Mercier zu ihrem nächsten Fall gerufen wird.

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Veröffentlicht am 03.05.2023

Die tollkühne Kiki will es wissen

Mutterliebe
2

Eine Mutter soll ihr Kind in den Wald gelockt und es dann erstickt haben. War das wirklich so? Was ist „Mutterliebe“ wert? Kiki Holland verfolgt als Gerichtsreporterin die Verhandlung, sie glaubt nicht ...

Eine Mutter soll ihr Kind in den Wald gelockt und es dann erstickt haben. War das wirklich so? Was ist „Mutterliebe“ wert? Kiki Holland verfolgt als Gerichtsreporterin die Verhandlung, sie glaubt nicht daran, dass die angeklagte Mutter ihr eigenes Kind auf dem Gewissen hat. Es muss sehr viel mehr dahinter stecken.

Nach den ersten Seiten im Gerichtssaal geht es beklemmend weiter. Ich lese Schreckliches und doch zweifle ich, ob es sich denn wirklich so zugetragen hat. Es ist eine beinahe surreale Stimmung, als Sylvia mit ihren beiden Kindern bis an den Waldesrand fährt, um dann mit ihnen zu einem Waldspaziergang aufzubrechen. „Ich zeige euch einen besonderen Platz“ lockt sie die beiden immer tiefer hinein…

Von Sylvia lese ich zwischendurch immer mal wieder. Von ihrem Handeln, von ihren Gedanken, ihren Problemen und auch von ihrer Ehe. Finanziell ist sie gut gestellt, emotional sieht es allerdings ganz anders aus.

Die Hauptakteurin hier ist allerdings Kiki, die tollkühne Reporterin. Sie glaubt nicht an Sylvias Schuld und ermittelt auf eigene Faust. Sie schnüffelt herum was das Zeug hält, überschreitet Grenzen und das nicht nur einmal, es wiederholt sich ständig. Und keiner hält sie auf, sie gefällt sich in dieser Rolle, geriert sich als unverwundbar. Und genau dieses Zuviel schadet der eigentlich gut lesbaren Story. Daneben und dazwischen ist auch die Liebe in Form eines Maulwurfs dabei.

Es sind die Dialoge, die für Auflockerung sorgen. Diese haben mir mehr als einmal ein Schmunzeln abgerungen, die Stimmung an und für sich ist ein auf und ab der Gefühle. Als Justiz-Krimi im herkömmlichen Sinne sehe ich diese „Mutterliebe“ nicht unbedingt, auch wenn die Gerichtsverhandlung voranschreitet. Der Handlung kann ich durchweg gut folgen, das Autorenduo, das sich Kim Selvig nennt, punktet durch Wortwitz in einer lockeren, unterhaltsamen Sprache. Wäre da nicht dem Ende zu ein extremer Patzer passiert, der auch dem etwas zerstreuten Leser sofort unangenehm auffällt.

Es war ein kurzweiliges, vergnügliches Lesen. Kikis „Investigativer Journalismus“ war überzeichnet. Auch wenn ihr Charakter viel Potenzial aufweist, so sollte man nicht ständig in die Vollen gehen. Weniger wäre auch hier sehr viel mehr, die Figur Kiki um einiges glaubhafter gewesen. Gute Unterhaltung war es allemal.

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Veröffentlicht am 03.05.2023

Der (nicht) alltägliche Wahnsinn

Die unglaubliche Grace Adams
2

Im Mittelpunkt steht, wie es der Titel schon preisgibt, „Die unglaubliche Grace Adams“. Ihre Geschichte wird in verschiedenen Zeitabschnitten erzählt.

Lotte hat heute Geburtstag, sie ist die gemeinsame ...

Im Mittelpunkt steht, wie es der Titel schon preisgibt, „Die unglaubliche Grace Adams“. Ihre Geschichte wird in verschiedenen Zeitabschnitten erzählt.

Lotte hat heute Geburtstag, sie ist die gemeinsame Tochter von Ben und Grace. Aber gemeinsam feiern ist nicht, Lotte ist mit ihrem Vater ausgezogen. Und Grace? Will ihr zu ihrem 16. Geburtstag unbedingt eine Torte schenken, eine ganz besondere Torte soll es sein. Und so hechelt sie durch gefühlt halb London mit diesem Backwerk in der Hand und versteht so gar nicht, dass weder Lotte noch Ben etwas von ihr wissen wollen. Warum das denn?

In Rückblenden erfahre ich von Grace und Ben, wie es mit ihnen begann und von Lotte, die sich bald zu ihnen gesellt hat. Und dann erfahre ich von der achtjährigen Lotte, von dem Band, das Mutter und Tochter verband. Grace habe ich nie als mainstream empfunden, sie hatte schon immer ihren eigenen Kopf und das war nicht immer zielführend. Im Laufe der Zeit waren so etliche Probleme zu bewältigen und die Schilderung dessen war ein kurzweiliges Hörvergnügen, denn ich habe mir Grace Geschichte von Tanja Fornaro vorlesen lassen.

Es ist besagter Geburtstag von Lotte, an dem die unglaubliche Geschichte spielt. So einiges geht schief und Grace lässt Stationen ihres Lebens Revue passieren. Sie ist eine Powerfrau, emotional, zuweilen eigensinnig, spürt ihrem bisherigen Dasein mit allen erdenklichen Höhen und Tiefen nach. Sie hat genug Probleme – aber unterkriegen ist für sie keine Option.

„Wunderbar wahnsinnig“ trifft es auf den Punkt. Ihr Trip durch London ist zuweilen herrlich schräg, es waren entspannte Hörstunden und nicht nur die Autorin hat einen guten Job gemacht, auch Tanja Fornaro hat mich mit ihrer einfühlsamen Erzählweise tief in Grace Geschichte eintauchen lassen.

„Grace kann alles. Außer ruhig bleiben.“ Ja, diese Aussage kann ich nach dem Hören nur bestätigen. Ein wenig verrückt, ein wenig eigensinnig – der (nicht) alltägliche Wahnsinn.

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