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Veröffentlicht am 22.08.2022

So rasant wie undurchsichtig

Fake – Wer soll dir jetzt noch glauben?
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Den Albtraum schlechthin durchlebt gerade Patrick Dostert. Sein bis vor kurzem geordnetes Leben gleicht immer mehr einem nie geahnten Chaos. Fassungslos muss er mit ansehen, wie ein anderer über ihn ...

Den Albtraum schlechthin durchlebt gerade Patrick Dostert. Sein bis vor kurzem geordnetes Leben gleicht immer mehr einem nie geahnten Chaos. Fassungslos muss er mit ansehen, wie ein anderer über ihn bestimmt. Eine Frau ist verschwunden, er soll sie misshandelt haben. Bald taucht ein Video auf, er ist für jeden erkennbar in einer für ihn entlarvender Situation zu sehen. Keiner glaubt ihm. Was wird ihm hier untergeschoben?

Der neue Arno Strobel – endlich ist FAKE da. Schon das zweideutige Cover lässt meinen Blutdruck in die Höhe schnellen. FAKT oder FAKE? Sofort bin ich ins Buch vertieft, leide mit Patrick und habe bald im Hinterkopf, wer es denn auf ihn abgesehen haben könnte - während des Lesens schleicht sich immer wieder dieser eine Gedanke ein. Ich bin aber auf Patricks Seite. Natürlich!

Jeder kennt sie, diese vermeintlichen „Nachrichten“, diese Fakes. Sie sind allgegenwärtig, man braucht nur einen Blick ins weltweite Netz zu werfen. Es wird manipuliert, was das Zeug hält und nicht immer hat man den Durchblick, die Grenze zwischen Fakten und Fake-News verschwimmt zusehends. Wir alle kennen zig Beispiele, sind anfällig dafür oder auch nicht. Strobel hat diese Thematik in diesem rasant wie undurchsichtigen Psychothriller verarbeitet, er lässt seinen Lesern keine Minute des Aufatmens. Denn nichts ist so, wie es den Anschein hat.

Eine ganz besondere Form des Erzählens hat der Autor gewählt. Er lässt Patrick seine Geschichte niederschreiben, von diesem für ihn unsäglichen Geschehen in der dritten Person berichten. Es wird ein Roman, ein Psychothriller, in das er ohne sein Zutun hineingeraten ist. Alles beginnt am Donnerstag, den 13. Mai…

Zwischendurch lese ich vom Ist-Zustand, von Patricks Gedanken und Gefühlen. Es sind immer nur ein paar Seiten, das Schriftbild ändert sich hier.

Patrick und sein Umfeld kenne ich mittlerweile sehr gut, er berichtet chronologisch. Alles spricht gegen ihn und doch agiert er zuweilen naiv, tappt blauäugig trotz seiner ausweglosen Situation in jede Falle. Warum? Ist er wirklich so töricht oder sollte sein Verhalten von etwas ablenken? Der Autor versteht es, Zweifel zu streuen. Wer ihn kennt, seine Bücher gelesen hat, weiß um den Sog, den er in jedem seiner Thriller erzeugt und das ist auch hier nicht anders – ich konnte FAKE nicht weglegen, musste unbedingt weiterlesen. Es geschehen unbegreifliche Dinge.

„Fakt (und nicht Fake) ist mittlerweile: Alles kann gefälscht werden.“ Im Nachwort spricht Strobel Deepfakes an, diese manipulierten Bilder, Audio- oder auch Videoaufnahmen, die mit Hilfe von KI erzeugt werden können. Ein brandaktuelles Thema, perfekt aufbereitet, spannend und mitreißend erzählt. Ein Horrorszenario, das unbedingt gelesen werden muss! An FAKE kommt kein Thrillerfan vorbei.

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Veröffentlicht am 20.08.2022

Politthriller

Die Cellistin
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Gabriel Allon, der 21. Für mich jedoch ist es der erste Band der Reihe um diese Figur.

Eine rasante Jagd durch Europa geht weiter, für mich hat sie gerade erst begonnen. Ein Agententhriller, so wie man ...

Gabriel Allon, der 21. Für mich jedoch ist es der erste Band der Reihe um diese Figur.

Eine rasante Jagd durch Europa geht weiter, für mich hat sie gerade erst begonnen. Ein Agententhriller, so wie man es sich ihn vorstellt. Und immer wieder holt die Wirklichkeit, das aktuelle Zeitgeschehen mit all ihren bekannten Aggressoren, die fiktive Geschichte ein. Ich hatte beim Lesen so manches Déjá vu. Rasant geht es zu, die „Cellistin“ ist ein sehr politisches Buch, die so blitzgescheite wie musikbegabte Bankerin ist allgegenwärtig, die neutrale Schweiz ist ein Eldorado für Geldwäscher. Auch der israelische Geheimdienst mischt mit, der britische ebenso, das Nervengas Nowitschok wird nicht nur hier gebraucht, es ist ein aus den Medien allseits bekanntes Mittel, unliebsame Gestalten auszuschalten.

Ja, es war eine spannende Jagd mit allem, was dazugehört. Die zu allem bereiten, machtbesessenen Männer sind gut gezeichnet, sie haben einen hohen Wiedererkennungswert. Zwischendurch hatte ich aber schon das Bedürfnis, das Buch zur Seite zu legen und durchzuatmen. Der Geschichte konnte ich problemlos folgen, auch und gerade durch die Aktualität und doch war es ein sich in weiten Teilen wiederholender Thriller, der voll auf Action setzt.

Ein sehr gut nachgezeichneter, erschreckend aktueller Politthriller, dessen Figuren allesamt erkennbar sind. Etwas zu actionreich in Szene gesetzt.

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Veröffentlicht am 20.08.2022

Fesselndes Thrillerdebüt

Das siebte Mädchen
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Chloe Davis hat ihre eigene Praxis, sie ist Psychologin und beileibe nicht frei von Zwängen. Nach außen hin führt sie das perfekte Leben, die Hochzeit mit Daniel steht an. Daniel - ihr Bruder warnt sie… ...

Chloe Davis hat ihre eigene Praxis, sie ist Psychologin und beileibe nicht frei von Zwängen. Nach außen hin führt sie das perfekte Leben, die Hochzeit mit Daniel steht an. Daniel - ihr Bruder warnt sie… „er kennt dich nicht, Chloe. Und du kennst ihn nicht.“ Das Band zwischen den Geschwistern ist stark, eine Tragödie hat sie zusammengeschweißt. Ihr Vater sitzt im Gefängnis, er wurde als sechsfacher Mörder verurteilt.

Stacy Willinghams Thrillerdebüt fesselt, die Charaktere sind lebensnah dargestellt, die Leser sind ganz nah an Chloe. Ihre Sicht auf ihr heutiges Dasein, auf ihre Patienten, auf ihren Verlobten ist in großen Teilen nachvollziehbar, auch wenn ihre Ängste und Zwänge etwas abgehoben scheinen. Sie driftet immer wieder in die Vergangenheit ab, es ist ein gekonntes Wechselspiel zwischen dem traumatischen Gestern und dem Heute, 20 Jahre später. Die damals verschwundenen Mädchen, von denen immer noch jede Spur fehlt, hat Chloe gekannt. Und jetzt geht es wieder los, zwei weitere Mädchen sind weg, gefundene Schmuckstücke ein Indiz dafür, dass es sich um einen Nachahmungstäter handeln muss.

Ihren Alltag, ihre Erinnerungen, die ganze Dramatik von damals gilt es aufzudröseln. War es wirklich so oder hatte gar sie selbst mehr damit zu tun? Wie sieht es mit ihrer näheren Umgebung aus? Ihre innere Zerrissenheit ist spürbar und je weiter ich lese, desto skeptischer betrachte ich auch sie. Mein Misstrauen ist beinahe grenzenlos, jeder der hier agierenden könnte die Mädchen auf dem Gewissen haben. Die Autorin macht das sehr geschickt, die streut Zweifel, zerstreut sie wieder.

Ein gut gemachter Thriller mit klar gezeichneten Figuren, dessen Auflösung man schon erahnen kann. So einiges deutet darauf hin und doch bleibt es bis zum Ende spannend.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Gelungener Auftakt

Bruch
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Felix Bruch, der titelgebende Held dieser Kriminalgeschichte, ist ein eigenbrötlerischer, bärbeißiger, sehr wortkarger Typ, der sehr an den Nerven seiner aus Hamburg hier nach Dresden versetzten Kollegin ...

Felix Bruch, der titelgebende Held dieser Kriminalgeschichte, ist ein eigenbrötlerischer, bärbeißiger, sehr wortkarger Typ, der sehr an den Nerven seiner aus Hamburg hier nach Dresden versetzten Kollegin Nicole Schauer zerrt.

Ein 12jähriges Mädchen ist verschwunden, es gibt keine Spur von ihr. Schon einmal ist hier ein Mädchen verschwunden, nach zwei Wochen ist sie zwar wieder aufgetaucht, aber sie schweigt bis heute.

Bruch und Schauer sind ein ungewöhnliches Ermittlerduo. Wobei sie sich schon bemüht, den verschlossenen Bruch zu knacken, aber sie hat keine Chance. Er ist und bleibt ein Einzelgänger, hat so seine eigenen Methoden. Denkt gar nicht daran, ihr seine Gedanken mitzuteilen. Die Ermittlungen verlaufen schleppend, keiner will etwas wissen. Ein verfallener Dreiseithof wird näher durchleuchtet – haben sie was übersehen? Der Fall an und für sich ist mysteriös, er scheint auf weite Strecken unlösbar und doch müssen sie alles dran setzen, das Mädchen zu finden. Können sie darauf hoffen, dass auch sie wieder auftaucht wie das andere Mädchen Jahre zuvor? Ein komplexer Fall mit eigenwilligen Charakteren, denen man ihr Verhalten abnimmt, je mehr man von ihnen und von ihrer Vorgeschichte weiß.

Das Hörbuch vom Argon Verlag habe ich mir von Stefan Kaminski vorlesen lassen. Er hat eine hervorragende Arbeit geleistet, seine Figuren waren allesamt gut auseinanderzuhalten. Man merkt, dass er viel Erfahrung als Schauspieler, Synchron- und Hörbuchsprecher hat, er wurde u. a. mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Nur die Dresdner Mundart, den Obersächsischen Dialekt, der vermehrt hier einfließt, mag ich nicht so gerne hören, er klingt in meinen Ohren nicht so gut. Und doch habe ich ihn über weite Strecken gehört, wenn auch nicht unbedingt genossen. Entschädigt wurde ich mit Kaminskis so einnehmendem Vortrag, sowohl Bruch als auch Schauer waren als Personen sehr lebendig, ihre Schrulligkeit, ihre Eigenheiten direkt greifbar.

Bruch ist so ganz anders als viele seiner kriminalistischen Ermittlerkollegen, auch Schauer ist nicht ohne. Ganz nebenbei: Ihre Vornamen habe ich sowieso vergessen, was dem Fall aber keinen Abbruch tut. Sie sind Typen – beide. Und ich gehe davon aus, dass ich sie wieder treffen werde. Weil – ich mag diese etwas verschrobenen Charaktere. Die beiden werden sich zusammenraufen, auch wenn es dauern mag, dessen bin ich mir ganz sicher.

„Bruch: Ein dunkler Ort“ ist gelungen. Ich warte gespannt auf den nächsten Fall.

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Veröffentlicht am 15.08.2022

Bittersüß

Drei Tage im August
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Sawade wurde 1880 gegründet und ist Berlins älteste Pralinenmanufaktur. Das Traditionsunternehmen verdankt seinen Namen einer Liebe, im (Hör)Buch erfahren wir mehr.

Bald zwanzig Jahre arbeitet Elfie ...

Sawade wurde 1880 gegründet und ist Berlins älteste Pralinenmanufaktur. Das Traditionsunternehmen verdankt seinen Namen einer Liebe, im (Hör)Buch erfahren wir mehr.

Bald zwanzig Jahre arbeitet Elfie Wagner in Berlins Prachtstraße Unter den Linden, in Haus Nummer 19. In dieser doch sehr langen Zeit hat sie sich von einer Verkaufsassistentin zur leitenden Verkäuferin hin zur Vorsteherin, zur Prokuristin hochgearbeitet, kümmert sich um die Belange der Chocolaterie Sawade. „Im Nichtstun laueren die Gedanken…“ aber soweit lässt sie es erst gar nicht kommen. Sawade ist ihr Leben, das Pralinengeschäft führt sie, als ob es ihr eigenes wäre.

Dem ungekürzten Hörbuch von Aufbau Audio habe ich gelauscht, Vera Teltz hat es mich mit allen Sinnen genießen lassen. Es sind die „kleinen Leute“ und ihr Alltag, den mir die versierte Sprecherin näher bringt. Vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele 1936 und den immer mehr an Einfluss gewinnenden Nationalsozialisten sind es die Kleinigkeiten, das tägliche Miteinander, die lebendigen Dialoge, die diese drei Tage ausmachen. Unter den Linden wandeln Berliner Originale wie ein Leierkastenmann oder ein Blumenmädchen, auch Käthe Kollwitz, Max Liebermann und noch so etliche andere. Sie alle werden gut eingebunden in diese kleine, große Geschichte. Süß und verführerisch wie eine zart schmelzende Praline, bittersüß ob einer verbotenen Liebe.

„Drei Tage im August“ ist eine leise, hörens- bzw. lesenswerte, sehr einfühlsam erzählte Geschichte inmitten unruhigen Zeiten mit liebenswerten Figuren.

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