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Veröffentlicht am 23.10.2021

Ein Dorf begehrt auf

Wie schön wir waren
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Die Guten gegen die Bösen oder wie wird ein Land systematisch ausgebeutet – der zweite Roman der preisgekrönten Schriftstellerin Imbolo Mbue „Wie schön wir waren“ zeichnet ein erschreckendes Bild all jener, ...

Die Guten gegen die Bösen oder wie wird ein Land systematisch ausgebeutet – der zweite Roman der preisgekrönten Schriftstellerin Imbolo Mbue „Wie schön wir waren“ zeichnet ein erschreckendes Bild all jener, denen es um Wohlstand geht zulasten der Alteingesessenen.

Ein amerikanischer Ölkonzern, von der korrupten Regierung eines afrikanischen Landes unterstützt, fördert sein „schwarzes Gold“ genau hier in Kosawa, ihrem Heimatdorf. Dass dabei ihr Trinkwasser ungenießbar und die fruchtbaren Böden vergiftet werden, stört diesen Konzern – Pexton – nicht im Geringsten. Lange lassen es sich die Einwohner gefallen bis es ihnen zuviel wird. Die Kinder sind die Schwächsten, immer mehr sterben. Die Leute von Pexton interessiert dies nicht, die Regierung ebensowenig.

Ihr Kampf gegen die Ungerechtigkeit zeigt das Kräfteverhältnis David gegen Goliath nur zu deutlich auf. Imbolo Mbue lässt sie erzählen, ihre Sicht auf die Dinge. Die Kinder dieses Dorfes in ihrer Verbundenheit und die Familie um Thula, die es weit gebracht hat, fortgegangen ist nach Amerika und doch nie ihre Heimat vergessen konnte. Der Leser taucht tief ein in ihre Traditionen, ihre Denkweise, die dem westlichen Betrachter doch sehr fremd anmutet. Immer jedoch ist er aufseiten derer, die sich nicht wehren können.

Genug ist genug! Sie müssen aufbegehren, wollen sie überleben. Mit welchen Mitteln sie dies tun, darüber haben sie lange beraten und nicht alle finden das gut.

Das Thema ist aktueller denn je. Überall auf der Welt gibt es sie, die Mächtigen. Wären sie nicht hier, um den Profit über alles zu stellen, könnten diejenigen, deren Vorfahren schon da waren und das Land ihren Nachkommen im Glauben auf deren Auskommen weitergeben, in Frieden leben. In diesem eindringlichen Roman stehen sich Tradition und Moderne gegenüber, das erbitterte Gegeneinander führt zu immer mehr Unfrieden.

Eingebettet in das Dorf Kosawa und deren Bewohner erzählt die Autorin von der Gier der Großen, der ohnmächtigen Wut derer, die unter der Ausbeutung ihrer Ressourcen über Generationen leiden. „Der Tag wird kommen, an dem kein Öl mehr übrig ist unter der Erde.“ Eine nicht endend wollende Problematik, bis dieser Tag da sein wird. Ein großartiges Buch, sehr behutsam erzählt, das gelesen werden will!

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Veröffentlicht am 22.10.2021

Die Leidenschaft für Düfte – ein Hörerlebnis

Das Haus der Düfte
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Zwei außergewöhnliche Frauen und ihre besondere Gabe, exklusive Düfte zu kreieren – eine Reise in die Provence, in „Das Haus der Düfte“ – hierhin entführt die Autorin Pauline Lambert ihre Leser. Ich hatte ...

Zwei außergewöhnliche Frauen und ihre besondere Gabe, exklusive Düfte zu kreieren – eine Reise in die Provence, in „Das Haus der Düfte“ – hierhin entführt die Autorin Pauline Lambert ihre Leser. Ich hatte das Vergnügen, dem Hörbuch zu lauschen, gesprochen von Dagmar Bittner.

Erzählt wird zum einen Anouks Wunsch, in diese Welt der Düfte einzutauchen. Schon als 14jährige weiß sie, dass die Apotheke ihrer Mutter Isabelle nichts für sie ist. All die Blüten und Kräuter zu einem einzigartigen Wohlgeruch vereinen – das ist ihr großer Traum. Isabell ist da anderer Ansicht: „Was für ein Hirngespinst, Düfte sind ein flüchtiges Geschäft. Nichts, was auf soliden Füßen stehen kann.“ Bald lernt Anouk Stephane Girard kennen – eine schicksalhafte Begegnung, gehört er doch der einflussreichen Parfümdynastie Girard in Grasse an. Von ihrem Talent, ihrer feinen Nase überzeugt, nimmt er sie mit in eine faszinierende Welt, in der sie bald Jean-Paul kennenlernt und mit ihm geht der Blick ein halbes Jahrhundert zurück zu Florance.

Die beiden Frauen eint ihre Begabung, einzigartige Parfüms zu erschaffen. Eine Familiengeschichte, die in der Parfümstadt Grasse ihr Bouquet verbreitet. Hörend waren all die Aromen in meiner Nase. Sehr gut riechend, nicht aufdringlich, zum Charakter passend – wie eine leichte Sommerbrise, dann wieder eher erdverbunden oder blumig. Dagmar Bittner mir ihrer wandelbaren Stimme hat all diese Eindrücke mit Leichtigkeit vermittelt, jeder einzelnen Figur seine Eigenart gelassen und deren Gefühle gut nachgezeichnet. Lavendelfelder, soweit das Auge reicht – diese Bilder hatte ich dabei sofort parat. Nur zu gerne mochte ich mich darauf einlassen, alles um mich herum vergessen, den Tönen lauschen und all die beschriebenen Düfte tief einatmen.

Die zwei Zeitebenen – Anouk 1946 bis 1952 und Florance und deren Familie 1890 bis 1917 – vermengen sich wie die Rohstoffe um einen einzigartigen Duft. Zur südfranzösischen Parfümstadt Grasse wollte ich am liebsten sofort aufbrechen, deren Leben nachspüren. Der unbedingte Wille, seinen Traum zu verwirklichen, so steinig der Weg auch sein mag, seiner Berufung zu folgen, nie aufzugeben, hat die Autorin sehr anschaulich beschrieben. Die vielschichtigen Charaktere geben Einblick in ihr Leben und hier, in Grasse, hier geht es – wie könnte es anders sein - um die Parfümherstellung.

Zwei Familien, ein lange gehütetes Familiengeheimnis, große Erfolge und herbe Niederlagen, Rivalitäten und natürlich die Liebe – all das und noch viel mehr geben diesem Roman seine ganz besondere Note, seinen ganz besonderen Duft. Gerne empfehle ich diese Erzählung weiter, lege ganz besonders das ungekürzte Hörbuch von USM Audio jedem ans Herz, der genießerisch in vergangene Welten und deren unwiderstehlichen Düften nachspüren möchte. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Die Blumeninsel - eine ganz andere Welt

Vertraute Welt
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Seoul – die Megacity produziert Unmengen von Müll. Eine der reichsten Städte karrte seinen Unrat in den 1980er Jahren auf die riesige Deponie, an dessen Rand diejenigen ihr Dasein fristeten, die in all ...

Seoul – die Megacity produziert Unmengen von Müll. Eine der reichsten Städte karrte seinen Unrat in den 1980er Jahren auf die riesige Deponie, an dessen Rand diejenigen ihr Dasein fristeten, die in all dem Weggeworfenen nach erneut Verwertbarem suchten.

Auf mehr Einkommen hoffend, zieht es Glupschaug und seine Mutter mitten hinein in die „Blumeninsel“. Blumig ist weder ihr neues Zuhause noch sind es die Gerüche, die ihnen anhaften. Ihre ärmlichen Hütten bilden eine eigene Stadt neben einem riesigen Müllhaufen vor der großen, pulsierenden Großstadt. Sie sind unter sich - Menschen am Rande der Gesellschaft.

Die Überflussgesellschaft wirft weg, kauft neu, entsorgt wieder. Die Müllberge werden immer mehr und hier entstanden Arbeitsplätze für diejenigen, die all den Überfluss wieder und immer wieder umschichteten, sich das Wiederverwertbare herausfischten und so ihr Auskommen einigermaßen sichern konnten.

Es geht strukturiert zu, jeder hat seinen Platz. Der Müll wird an vorderster Reihe systematisch durchforstet und erst wenn es diese Vorhut dahin drängt, wo der nächste LKW seine Ladung abkippt, dürfen die nächsten ran. Neben dem ständigen Versprühen von Insektiziden lauern hier noch viele andere Gefahren, aber da müssen sie alle durch, hier haben sie ihre Lebensgrundlage.

Hwang Sok-Yong erzählt von Glupschaug und Glatzfleck und ihrem Umfeld, von zwei Jungen, die auch mit anpacken und doch auch Kind sein wollen, sich ihre Zufluchtsorte schaffen. Bruderherz, so nennt Glatzfleck seinen Freund und Kameraden. Ihr Leben auf der Deponie ist hart und entbehrungsreich, sie holen ihr Essen aus dem Müll. Genug wird weggeworfen, trotzdem möchte man bei so mancher kulinarischen Beschreibung nicht unbedingt Gast sein.

Neben dem doch oftmals desillusionierenden Alltag blitzt immer wieder ein blaues Licht auf. Meister Kim und seine Familie nimmt sie mit in eine Traumwelt. Es sind die früheren Bewohner als durchscheinende Gestalten, als Geister, die sich ihnen zeigen, um dann im Nebel zu entschwinden. Dieses mystische Bild, die heile Welt, weit entfernt vom Ist-Zustand, hat was Tröstliches. Ein Wunschland gar nicht weit weg und doch unerreichbar. Da ist einerseits das nicht Greifbare, Nebulöse und andererseits der nüchterne Alltag. Dieses immer wieder aufflackernde wunderschöne Gemälde vermittelt Geborgenheit.

Der Autor nimmt seine Leser mit in eine Welt, von der wir alle wissen, dass sie existiert. Beschreibt das Leben derer, die hier leben, sehr einfühlsam. Sie arbeiten, leben und lieben, lachen und sind traurig wie jeder von uns. Deren „Vertraute Welt“ hat nichts anrüchiges, seine Sprache ist leicht verständlich.

Südkoreas bekanntester Schriftsteller Hwang Sok-Yong bringt seinen Lesern sowohl das Mystische seiner Heimat als auch den Konsumirrsinn mit seinen nur zu bekannten Auswüchsen näher. Nicht anklagend, aber doch sehr eindringlich. Auf der Sonnenseite sind diejenigen, die bald achtlos all diese Dinge entsorgen, die den anderen ein bescheidenes Auskommen sichern. So schließt sich der Kreis des Konsums, des Wegwerfen und Wiederverwertens. Ein Buch, das alle möglichen Gefühle freisetzt. Es ist traurig und doch schimmert immer wieder ein Hoffnungsstrahl durch, es ist entmutigend und dann wieder so voller Leben.

Seoul hat sie nicht mehr, die unendlich weiten Mülldeponien. Sie sind den modernen Projekten zur Müllbeseitigung gewichen, wir waren in der Vergangenheit. Glupschaug und die seinen haben einen Einblick in ihre „Vertraute Welt“ gewährt. Gerne habe ich hineingeblickt, bin ein Stück ihres Weges mitgegangen.

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Unglaublich und doch wahr

Nowhere Girl
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Bhajan weiß bald, wie man Dokumente fälscht, sich bei möglichen Verhören richtig verhält – sprich, die für genau diesen Ort ausgedachte Story glaubhaft darlegt. Wie man untertaucht oder in großen Kaufhäusern ...

Bhajan weiß bald, wie man Dokumente fälscht, sich bei möglichen Verhören richtig verhält – sprich, die für genau diesen Ort ausgedachte Story glaubhaft darlegt. Wie man untertaucht oder in großen Kaufhäusern ganz einfach nicht bezahlt ist ihr auch wohl bekannt, sozusagen in Fleisch und Blut übergegangen. Ihr Vater war ihr Lehrmeister, sie sind ständig auf der Flucht. In mehr als einem Dutzend Länder waren sie unterwegs mit sechs verschiedenen Identitäten. Sie – das sind ihre Eltern, ihr Bruder Frank, ihre Schwester Chiara und die Nachzüglerin Bhajan.

Wenn ich nicht wüsste, dass dies hier eine wahre Geschichte ist, würde ich sagen: Viel zu dick aufgetragen. Um eine glaubhafte Story niederzuschreiben, sollte man immer schön nahe der Wirklichkeit bleiben. Aber genau das hier, was ich in diesem so aufwühlenden Buch lese, ist die Wahrheit. Je weiter ich vordringe, je mehr ich vom Verhalten des Vaters weiß, desto eher sehe ich die „gestohlene Kindheit“. Wie kann er nur? Solange alle seinen Anweisungen folgen, ist er der charismatische, liebenswerte Mensch. Ein selbstständiges Leben gestattet er nicht mal den zwei mittlerweile erwachsenen Kindern, er ist ein Tyrann durch und durch.

Bhajan, wie ich sie der Einfachheit nenne, auch wenn sie sich an immer wieder andere Namen schnellstens gewöhnen muss, wächst auf in einer Welt ohne Gesetze, ohne Grenzen. Ausschließlich die Regeln des Vaters haben Bestand und damit fühlt sie sich sicher. Doch je älter sie wird, desto mehr sieht sie die Schattenseiten dieses Lebens. Warum sind sie auf der Flucht? Lange weiß sie es nicht.

Eine fast unglaubliche Geschichte – verstörend und faszinierend zugleich - und doch ist diese wahr. Cheryl Diamond gibt viel von sich und ihrer Familie preis, sie erzählt die ungeschönte Odyssee von Gesetzlosen, jahrelang auf der Flucht. Zutiefst beeindruckt und gleichzeitig entrüstet über all diese Unverfrorenheiten, diese Zumutungen, die er seiner Familie aufgezwungen hat, beende ich dieses aufwühlende Buch. Was für eine Geschichte!

Und sehr nachdenklich lässt mich das eben Gelesene zurück - ein Schicksal, irritierend und bedrückend. Cheryl Diamond hat sich geöffnet, in ihr Innerstes schauen lassen. Ehrlich, ungeschönt, herzzerreißend ist ihre Geschichte, die unbedingt gelesen werden sollte.

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Mit allen Sinnen genießen trotz Glutenunverträglichkeit

Meine glutenfreien Kuchen und Torten
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Zöliakie verleidet jeden Genuss, glutenfreie Ernährung ist der einzige Weg, beschwerdefrei zu leben.

„Meine glutenfreien Kuchen und Torten“ der Foodbloggerin Tanja Gruber bietet neben jeder Menge Infos ...

Zöliakie verleidet jeden Genuss, glutenfreie Ernährung ist der einzige Weg, beschwerdefrei zu leben.

„Meine glutenfreien Kuchen und Torten“ der Foodbloggerin Tanja Gruber bietet neben jeder Menge Infos Rezepte von einfach bis raffiniert, von schnell gebackenen Kuchen bis außergewöhnlichen Festtagstorten, gegliedert nach Torten für besondere Anlässe oder backen mit jahrzeitlich bedingten frischen Zutaten. Alle Rezepte, die ich bis jetzt ausprobiert habe, sind problemlos nachzubacken.

Ich bin sehr angenehm überrascht zum einen ob der Aufmachung aber auch der tollen Rezepte und dem informellen Teil. Ein so schön gestaltetes Backbuch, da macht das Blättern schon Spaß. Es sind zunächst die Grundrezepte und ganz einfache, hilfreiche Tipps wie z B. das Teilen eines Biskuits oder das Herstellen eines Sahnestandmittels. Jeder Kuchen, jede Torte wird auf zwei Seiten präsentiert, wobei die sehr ansprechenden Fotos von Frauke Antholz schon immense Lust auf die Leckereien machen. Da kann und sollte man nicht lange widerstehen müssen. Mittlerweile sind schon etliche Kuchen gebacken und so einige Tortenrezepte markiert, die sehnlichst von den Schleckermäulern erwartet werden.

Was bisher kein Problem war, stellt sich nun als solches heraus – einem Familienmitglied wurde nach schmerzhaften Monaten erläutert, dass es von nun an glutenfrei essen sollte. Da kam mir dieses Buch gerade recht - ein Backbuch, zugleich Ratgeber, gut gegliedert, übersichtlich und mit brauchbaren Infos, aus dem ich schon einiges nachgebacken habe und das mich begleiten wird.

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