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Veröffentlicht am 17.05.2026

Eine ungelebte Liebe

Fast ein Leben
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„Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein leiser und eindringlicher Roman, der die Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten, erzählt.

Inhalt:
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne ...

„Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein leiser und eindringlicher Roman, der die Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten, erzählt.

Inhalt:
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris – selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Cœur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung. Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben.

Im Jahr 1978 lernen sich Erica und Laure in Paris kennen und eine Sommerliebe zwischen den beiden beginnt, die Spuren hinterlässt. Erica geht wieder zurück nach England und heiratet. Ich hatte den Eindruck, dass sie mit Ant eine glückliche Ehe führt aber Erica kann ihre Liebe in Paris einfach nicht vergessen. Es gibt zwar immer wieder prickelnde Begegnungen zwischen Erica und Laure aber letztendlich bleibt sie doch bei ihrem Ehemann. Obwohl Erica mittlerweile zwei Töchter hat, bleibt sie trotzdem zwiegespalten, denn die Liebe zu Laure kann sie nie ganz loslassen.

Erzählt wird die Geschichte, die sich über vier Jahrzehnte hinweg zieht, aus Sicht der beiden Frauen und aus deren Perspektive. Das Ende dieser Liebesgeschichte fand ich jedoch schon ziemlich ernüchternd und traurig zugleich.

Die Handlung ist nicht nur von Liebeskummer, Eifersucht unter Lesben und Verlustängsten sondern auch von Alkoholmissbrauch, homosexuellen Männern und das Thema ADS, geprägt.

Fazit:
Den Schreibstil fand ich fließend und passend zu den Charakteren, doch wer hier einen klassischen Liebesroman sucht, ist hier fehl am Platz. Aufgrund des Covers hatte ich einen eher leichten und heiteren Roman erwartet doch wer sich gerne mit dem Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe auseinandersetzen möchte, dem kann ich das Buch sehr gerne empfehlen!

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Sichtbarkeit zurückgewinnen

Mit anderen Augen
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Im Mittelpunkt der Geschichte „Mit anderen Augen“ von Jane Tara steht Tilda Finch, die eine erfolgreiche Geschäftsfrau, geschieden und Mutter zweier erwachsener Töchter ist.

Tilda lebt in einem schönen ...

Im Mittelpunkt der Geschichte „Mit anderen Augen“ von Jane Tara steht Tilda Finch, die eine erfolgreiche Geschäftsfrau, geschieden und Mutter zweier erwachsener Töchter ist.

Tilda lebt in einem schönen Haus mit Hund und Katze und hat die beiden besten Freundinnen der Welt, die ihr immer zur Seite stehen. Als sie eines morgens bemerkt, dass ihr kleiner Finger verschwunden ist, glaubt sie erst an eine Sinnestäuschung, denn sie kann ihn fühlen, aber nicht mehr sehen. Kurze Zeit später ist ein Ohr nicht mehr zu sehen, danach ihre Nase. Sie geht zu ihrer Ärztin und bekommt die Diagnose Unsichtbarkeit, eine unheilbare Krankheit, die bei Frauen jenseits der 50 weit verbreitet ist und sogar bis zum völligen Verschwinden führen kann. Tilda fühlt sich verloren!

Auf drängen ihrer Ärztin, geht Tilda zu einer Selbsthilfegruppe, die ihr aber nicht wirklich hilft, außer dass sie zwei neue Freundinnen findet. Erst bei der Therapeutin Selma findet sie Hilfe, die ihr wertvolle Ratschläge erteilt wie: in sich hineinhören, sich selbst wahrnehmen und Zeit mit meditieren zu verbringen.

Während ihr Umfeld zunächst ratlos reagiert, beginnt sie selbst, ihr Leben, ihren Körper und ihre Rolle in der Gesellschaft zu hinterfragen. Sie entscheidet sich jedoch dagegen, sich dieser Entwicklung einfach zu ergeben, und versucht, ihre „Sichtbarkeit“ zurückzugewinnen und begibt sich auf eine Reise zu sich selbst.

Ein Ende welches ein bisschen vorhersehbar war, denn Tilda wird zur Heldin, die im Gegensatz zu den anderen Frauen und Therapeuthinnen, den „Schlüssel zur Erkenntnis“ findet.

Fazit:
Die Autorin erzählt Tildas Geschichte flüssig und mit leisem Humor aber mit wenig Tiefe während die therapeutischen Züge sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung, ziehen. „Mit anderen Augen“ ist trotz einiger Schwächen durchaus unterhaltsam zu lesen.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Ein Stück Zeitgeschichte zwischen Münster und Istanbul

Ein Ort, der bleibt
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Im Mittelpunkt der Geschichte „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes steht der erste botanische Garten in Istanbul und die Menschen, die ihn gegründet, entwickelt und erhalten haben.

Magdas Leben verändert ...

Im Mittelpunkt der Geschichte „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes steht der erste botanische Garten in Istanbul und die Menschen, die ihn gegründet, entwickelt und erhalten haben.

Magdas Leben verändert sich mit einem Schlag: Ihr Mann Alfred, Botaniker in Münster, verliert 1933 seine Professorenstelle, weil er Jude ist. Als sich die Situation in Deutschland zuspitzt, packt die Familie Heilbronn ihre Koffer, denn im fernen Istanbul lockt ein überraschendes Angebot: Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein prächtiger Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Also verstaut Magda im Gepäck auch Samen aus der westfälischen Heimat.
Das die Türkei für viele Menschen damals zum Exil wurde, war mir bisher total unbekannt, doch der Autorin ist die Schilderung der Auswanderung und der einhergehenden Probleme, wie Heimatverlust und das Zurechtfinden in einem fremden Land, authentisch und nachvollziehbar, gelungen.

Die talentierte Botanikerin Mehpare wird Alfreds engste Assistentin und kümmert sich um Beete und Gewächshäuser. Für Gefühle bleibt ihr keine Zeit bis sich der neue Garteninspektor Mete in ihr Leben drängt. Doch lange währt ihr Glück nicht, denn bald verliert sie nach einem tragischen Unglück den Boden unter den Füßen.

Jahrzehnte später verschlägt es die fiktive junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen – und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden. Imkes Handlungsstrang entspringt reiner Fiktion, die diese Handlung nicht unbedingt gebraucht hätte.

Beinahe chronistisch und detailiiert erzählt die Autorin nach sorgfältiger Recherche über die historischen Personen: Alfred, Magda, Mehpare und Mete, während Imkes Geschichte nur eine reine Fiktion ist.

Fazit:
Mit ihren Protagonisten und aus deren Persepktiven, schildert die Autorin eine atmosphärisch dichte Zeitreise zwischen Istanbul 1926 – Münster 1978, die ich sehr gerne gelesen habe.
Der Anhang mit dem persönlichen Nachwort der Autorin und der ausführlichen Beschreibung der historischen Personen, runden diesen Generationenroman, für mich hervorragend ab.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Bos letzter Sommer

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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Bo ist 89 und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein ...

Bo ist 89 und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein Kontakt beschränkt sich auf seinen Hund Sixten und die täglichen Besuche vom Pflegedienst. Hans, sein Sohn, kommt dagegen nur selten vorbei und traut ihm vor allem gar nichts mehr zu. Jetzt will er ihm auch noch den Hund wegnehmen. Dabei braucht Bo seinen geliebten Vierbeiner so dringend wie noch nie. Warum versteht das niemand?

Der drohende Verlust seines Hundes zwingt Bo, innezuhalten. Erinnerungen steigen auf. Alte Verletzungen und unausgesprochene Erwartungen drängen an die Oberfläche. Es geht um Stolz und um Liebe, um Schuld und um Versöhnung. Vor allem aber geht es um die Würde eines Menschen, der trotz seines Alters noch immer selbst über sein Leben bestimmen möchte.

In ihrem Debüt „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ erzählt die Autorin Lisa Ridzén, geschickt über Bos Leben in der Gegenwart und seinen immer wieder abschweifenden Rückblicke in seine Kindheit, in die Zeit als er seine Frau Fredrika kennenlernte und heiratete sowie seinen besten Freund Tures. Ausgerechnet Fredrika, die jetzt in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, hält ihn heute für einen Fremden und das erschüttert ihn.

Das wechselnde Pflegepersonal und sein Sohn Hans führen vom Donnerstag, 18. Mai bis Freitag, 13. Oktober kurze Aufzeichnungen, wann sie da waren, über die tägliche Pflege, was Bo zu Essen bekommt und über seinen Gemütszustand. Bald wird aber klar, dass Bo immer schwächer wird …

Erst zum Ende des Buches findet der Titel seine Bedeutung.

Fazit:
"Wenn die Kraniche nach Süden ziehen" ist eine berührende und ehrliche Erzählung über einen Mann, der auf seine Vergangenheit besonders den Kindheitserinnerungen mit seinem Vater, Erfahrungen und Entscheidungen in seinem Leben, zurückblickt.
Mit dem flüssigen und leisen Schreibstil der Autorin, hatte ich viele schöne Lesestunden und empfehle diesen Debütroman, sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Eine berührende Geschichte über Zusammenhalt

Pina fällt aus
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In ihrem neuen Roman „Pina fällt aus“ erzählt die Autorin Vera Zischke, eine berührende Geschichte über eine pflegende Mutter und ihren autistischen Sohn.

Seit 20 Jahren kümmert sich Pina, allein um ihren ...

In ihrem neuen Roman „Pina fällt aus“ erzählt die Autorin Vera Zischke, eine berührende Geschichte über eine pflegende Mutter und ihren autistischen Sohn.

Seit 20 Jahren kümmert sich Pina, allein um ihren Sohn und die besonderen Herausforderungen, die das Leben mit ihm bedeuten, denn er lebt in seiner eigenen Welt. Sie sorgt dafür, dass genau die richtigen Frühstücksflocken vorrätig sind, genug Zeit für seinen Aufbruch ist, damit er die Treppe in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück hinunterhüpfen kann und er es schafft, rechtzeitig in den Bus zu steigen, der ihn zu der Behindertenwerkstatt bringt, in der Leo tagsüber arbeitet.

Seit Monaten ignoriert Pina ihre Magenschmerzen und statt zum Arzt zu gehen, nimmt sie starke Schmerzmittel. Auf dem Weg nach Hause, mitten auf einer Straßenkreuzung passiert das Unglück, Pina bricht zusammen und fällt ins Koma.

Zur gleichen Zeit ist Leo bei der 86 jährigen Inge, die im Haus wohnt und regelmäßig auf ihn aufpasst, er bei ihr "Bares für Rares" gucken darf, bis seine Mutter normalerweise wiederkommt. Aber jetzt kommt sie nicht! Leo tobt und schreit, weil er nicht versteht, warum seine Mutsch nicht da ist.

Die Nachbarn sind alarmiert, doch sie verstehen den merkwürdigen Jungen nicht, da sie schon mit sich selbst genug zu tun haben.

Die 86 jährige Nachbarin Inge Russek, verlässt seit Jahren ihre Wohnung nicht mehr, fühlt sich vollkommen überfordert mit der Situation und da erscheint an ihrer Wohnungstür die 16 jährige Zola, die gerade die Schule abgebrochen hat, wütend auf ihren Vater und die ganze Welt ist, als reiner Glücksfall. Dann hat Inge die rettende Idee, Wojtek, Sohn von Einwanderern aus Polen, der im Home-Office arbeitet, mit ins Boot zu ziehen.

Die drei Nachbarn müssen handeln. Keiner will Verantwortung. Doch Leo braucht sie, bis Pina wiederkommt. Und während sie über ihren eigenen Schatten springen, um Leos Alltag zu meistern und seine Routine wieder herstellen, geschieht Unerwartetes, denn dieser besondere junge Mann verändert auch ihr Leben.

Fazit:
Mit „Pina fällt aus“ ist der Autorin eine bewegende Geschichte, mit einer emotionalen Tiefe und bewegender Atmosphäre gelungen, die mich berühren aber auch mit seinem feinen Humor zum Schmunzeln bringen konnte.
Besonders gut gefallen hat mir die schräge Art der drei Nachbarn, wie sie sich gemeinsam um Leo gekümmert und dabei zu einer verantwortungsvollen Hausgemeinschaft Stück für Stück, entwickelt haben.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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