Das Schweigen aus der Vergangenheit
Großmutters GeheimnisDer Autor Benjamin Koppel, ist ein international bekannter dänischer Jazzmusiker und Komponist. Er stammt aus einer Musikerfamilie, in der das Geschichtenerzählen beim Abendessen schon immer eine große ...
Der Autor Benjamin Koppel, ist ein international bekannter dänischer Jazzmusiker und Komponist. Er stammt aus einer Musikerfamilie, in der das Geschichtenerzählen beim Abendessen schon immer eine große Rolle gespielt hat.
In seinem neuen Roman „Großmutters Geheimnis“ erzählt der Autor von der Opernsängerin Ruth während der NS-Zeit und ihrem Enkel Alexander, der auf der Suche nach seiner Familiengeschichte, die Kassetten seiner Großmutter, findet.
Im Wechsel von zwei Zeitebenen schildert der Autor über das bewegende Schicksal der Opernsängerin Ruth und über die Bewältigung des Traumatas ihres Enkelsohns, Alexander.
Dänemark, 2015: Alexander kämpft mit seiner Gesangskarriere und dem Druck seiner Frau Gry, endlich mehr für ihren Kinderwunsch, zu unternehmen. Mit halbwegs guter Miene geht er mit ihr zu allen möglichen Untersuchungen, doch nichts scheint zu helfen. Ein ewiger Kreislauf um das Thema Kinderzeugung, zieht sich durch die Geschichte und dann mischt sich seine Mutter noch ständig ein und rät zur Adoption. Alexander ist von allem genervt, kann sich aber dem Einmischen seiner Mutter kaum entziehen. Nur wenn er sie auf ihre eigene Herkunft anspricht, bleibt sie still. Er soll seiner Mutter beim Ausräumen auf dem Dachboden helfen und findet zwei kleine Kassetten, die für ihn bestimmt sind. Es dauert lange, bis er sie abspielt und dann knistert ihm eine Stimme aus der Vergangenheit entgegen ...
Seine Großmutter Ruth vertraut nach einem halben Jahrhundert einem schnarrenden Kassettenrekorder in einem New Yorker Altersheim ihre Geschichte an, die sie vorher nie erzählen konnte. Ruth ist wohlbehütet im Kreis ihrer großen jüdischen Familie aufgewachsen und machte ihren Lebenstraum, zur Sängerin wahr, bis sie und ihr Vaterr im 2. Weltkrieg nach Theresienstadt deportiert wurden. Sie erzählt ihrem Enkel von ihrem harten Kampf ums Überleben und ihre Lebensgeschichte.
Zum Ende gibt es einige Ereignisse und Wendungen, die mich durchaus überraschen konnten.
Fazit:
Benjamin Koppel vermischt Fakten und Fiktion, gibt Einblicke in das Zeitgeschehen und in das Leben seiner eigenen jüdischen Familiengeschichte. Der Erzählstil ist geprägt durch den Wechsel zwischen schlichten und sachlichen Passagen. Der Geschichte hätte insgesamt mehr Tiefe, sehr gutgetan. Vielleicht liegt es aber auch an der Übersetzung. Ein durchaus lesenswerter Roman.
Von mir 3 von 5 Sternen!