Ich bin glaube ich mit zu hohen Erwartungen in das Buch hinein gegangen, sodass ich am Ende dann doch eher enttäuscht war. Ich habe von so vielen Seiten gehört, dass Aurora Rising/Aurora erwacht richtig gut sein soll, und mit den Klappentexten (sowohl englisch als auch deutsch) habe ich coole Found Family-vibes in einem Sci-Fi-Setting erwartet, ähnlich wie Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten oder so, aber irgendwie war es dann doch eher ... mäßig. Ich hatte nicht zwingend ein Problem damit, dass die Geschichte vielen anderen so ähnelt (viele davon kenne ich aber auch nicht, insofern habe ich nur Guardians of the Galaxy und Star Trek wirklich erkannt) und sie entsprechend im Worldbuilding eher auf dem aufbaut, was andere Werke schon vorher geschaffen haben, statt etwas neues zu kreieren (ich besuche gerne auch ähnliche Welten, wenn mir mal eine gefällt, insofern fand ich das okay), und die Figuren an sich vom Konzept her fand ich auch ganz cool, aber charakterlich hatte ich leider so meine Schwierigkeiten mit so einigen der Figuren, und ich kam auch gar nicht mit der kindlichen Art zu Fluchen von Aurora klar.
Das Mädchen sagt nicht ein einziges Mal im gesamten Buch ein Schimpfwort, sondern senkt sich immer eine kinderfreundliche Alternative aus, und es ging mir schon beim ersten Mal richtig auf die Nerven. Und dann ging's einfach immer so weiter. Leider fügen die sich in die Übersetzung auch noch echt schlecht ein, sodass ich glaube, dass es das nur noch schlimmer gemacht hat, das Buch auf deutsch zu lesen, und als es dann im Buch auch noch selbst in einem Nebensatz thematisiert wird, hatte ich gar keine Lust mehr. Das war mir einfach viel zu kindisch, dafür, dass das Buch auch noch ab 14 ist. Es sterben so viele Leute, auch richtig brutal, aber Fluchen ist zu viel verlangt? (Und das sage ich als Person, die wirklich nicht gerne oder oft flucht, und die sich selbst beim Schreiben von Geschichten überwinden muss, die Figuren Fluchen zu lassen. Aber wirklich: entweder finde einen weg drumrum, lass es bleiben, oder fluch richtig, aber "son of a biscuit"? Ehrlich? In einer lebensbedrohlichen Situation? Das ist doch kindisch.)
Auch ging es mir extrem auf die Nerven, dass Cat, die so cool hätte sein können, grundlos Aurora gehasst hat, einfach nur, damit wir einen Eifersuchts-Plot haben konnten, der auf nichts beruhte, und Cats einzige Eigenschaften wirklich dieser Hass gegen Aurora war, weil sie dachte, zwischen ihr und Tyler liefe was, und sie Tyler mochte. Cat hätte so viel für sich sprechen gehabt, warum wird sie über ihre Besessenheit von Tyler definiert?
Die Figuren generell kamen mir recht eindimensional vor. Durchaus auch mit dem Potenzial zu mehr, und ich mochte Fin und Kal (gut, den nur großteils, der Teil zu vorbestimmten Partnern und sowas war dann wieder nicht meins) echt gerne, weil die für mich auch etwas Abwechslung und mehr Vielschichtigkeit reingebracht haben, aber der Rest wirkte auf mich nicht so richtig ausgebaut, und ich war auch kein Fan davon, wie hier eigentlich von Anfang an ersichtlich wird, dass in der Gruppe (voraussichtlich) alle Leute irgendwann mit ihrem perfekten Partner zusammen kommen. Also das alles hatte auf mich irgendwie von Anfang an den Vibe von "hier wird irgendwann romantisch alles laufen" und darüber ging für mich der Found Family-Aspekt, den ich mir erwartet und gewünscht hatte verloren. Ich hätte es wirklich bevorzugt, wenn wir eher Found Family gehabt hätten, und dann die Romanzen on top, so wirkte es wie Grundlage für Romanzen, und Forced Family on top, und ... war leider kein Fan. Auch nicht davon, dass alle Leute absolut kompetent und die besten sind, und das Buch es so hinstellt, als wären die alle eher Außenseiter. Also ... es hat auch ansatzweise funktioniert, weil die halt emotional eher Außenseiter waren, aber es hatte auf mich den Eindruck, als würde das Buch es darstellen, als wären sie der übriggebliebene Rest, und ... die waren alle echt gut in ihrem Job, warum ist das der "Rest"? Ich hätte es der Geschichte da eher abgekauft, wenn die Teams irgendwie zusammengewürfelt worden wären, und entsprechend ein gezwungenes Team erst lernen muss, zusammenzuarbeiten, aber alles der Rest/Außenseiter? Das wurde von der Geschichte selbst in meinen Augen außer bei Kal und Zila nicht wirklich bestätigt (und auch bei denen halt nur emotional, weil die waren mindestens so Kompetent wie alle anderen). Und dann kann man es kein Team von Außenseitern/dem übrig gebliebenen Rest nennen.
Aber obwohl das jetzt nach extrem viel Kritik klang: Ich fand's nicht grundsätzlich schlecht als Buch. Ich fand es enttäuschend, weil ich mir mehr erhofft hatte, und ich hätte mir gewünscht, dass mehr Tiefe in den Figuren gesteckt hätte und wir mehr freundschaftlichen Zusammenhalt gespürt hätten, der für mich leider gar nicht rüberkam, aber ich fand den Plot durchaus spannend, die Handlungen waren (nicht immer, aber ich würde sagen großteils) nachvollziehbar und haben durchaus zu den Figuren gepasst, das Setting war auch cool, und ich kann mir auch absolut vorstellen, dass das alles noch an fahrt aufnehmen wird in Zukunft, also ich könnte durchaus sehen, dass die Bücher in Zukunft besser werden/mir besser gefallen würden. Habe ich vor, die Reihe aktiv weiterzuverfolgen? Nicht wirklich. Aber wenn mir ein Buch irgendwann zufällig in die Hände fällt, dann wäre ich auch nicht dagegen, der Reihe wieder eine Chance zu geben.