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Veröffentlicht am 08.11.2025

Berührende Geschichte über vererbte Traumata

Großmutters Geheimnis
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Großmutters Geheimnis findet auf zwei Zeitebenen statt. Die eine, die Gegenwart, in Kopenhagen beginnend im Jahr 2015 und aus Sicht Alexanders, der mit seiner Freundin Gry versucht, ein Kind zu bekommen, ...

Großmutters Geheimnis findet auf zwei Zeitebenen statt. Die eine, die Gegenwart, in Kopenhagen beginnend im Jahr 2015 und aus Sicht Alexanders, der mit seiner Freundin Gry versucht, ein Kind zu bekommen, die andere in Monticello, New York, ohne Zeitangabe - es sind Kassettenbänder, die Ruth Koppelmann, Alexanders Großmutter, für ihren Enkel bespricht und in denen sie ihm ihre Geschichte erzählt.

Während wir erfahren, wie Ruth zunächst behütet und glücklich im Kreis ihrer großen jüdischen Familie aufwächst und ihren Lebenstraum, Sängerin zu werden, verfolgt, lesen wir davon, wie Alexander und seine Freundin sich den Qualen einer Kinderwunschbehandlung unterziehen. Auch Alexander ist Musiker geworden und spielt in einer Band. Seine Mutter Lillian, die sich von ihrer Mutter Ruth vor Jahren entfremdet hat und keinen Kontakt mehr zu ihr hat, ist eine berühmte Musical-Darstellerin. Das Band der Musik zieht sich durch die Familie Koppelmann und durch den Roman. Ruth und ihr Vater werden im 2. Weltkrieg deportiert und nach Theresienstadt ins Ghetto gebracht.

Die beiden Stränge entwickeln sich parallel beim Lesen. Ich lese gerne Bücher mit verschiedenen Zeitebenen und das Thema, ob Traumata sich vererben können auf nachfolgende Generationen hat mich sehr angesprochen. Die "Kassetten" von Ruth waren eine wirklich gute Idee und der Strang hat mich bis zum Schluss sehr berührt und gefesselt. Der Gegenwartsstrang dagegen hat mich leider manchmal etwas enttäuscht. Alexander ist ein sehr unsympathischer Charakter in meinen Augen, der verantwortungslos und selbstsüchtig handelt. Seine Mutter Lillian ist ebenfalls ein schwieriger Charakter und hat mich in den Gegenwartsszenen oft wütend gemacht. Einzig Alexanders Freundin Gry konnte ich sehr fühlen, wenn ich auch absolut nicht wie sie hätte handeln können. Die Beschreibung der Kinderwunschbehandlungen waren sehr krass und vermutlich sehr realistisch, die haben mich echt mitgenommen.

Alles in allem ist das Buch sehr gut geschrieben und viele Szenen haben mich berührt und gefesselt. Der Schluss ist dann leider für meinen Geschmack deutlich zu kitschig geraten und wird dem Rest des Romans nicht gerecht.
Dennoch gebe ich eine Leseempfehlung ab für einen gut geschriebenen Roman mit einem interessanten und wichtigen Thema!

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Veröffentlicht am 05.11.2025

YA Thriller in faszinierendem Setting

Girls' Trip - Vier Freundinnen. Eine Luxusjacht. Eine tödliche Reise.
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Giselle, Maggie, Emi und Vivian feiern Spring Break auf der Jacht von Giselles Vater. Kurz vor der Ankunft ist Giselle nicht mehr auffindbar. Die Videoaufzeichnung der Nacht zeigt, wie Maggie sie über ...

Giselle, Maggie, Emi und Vivian feiern Spring Break auf der Jacht von Giselles Vater. Kurz vor der Ankunft ist Giselle nicht mehr auffindbar. Die Videoaufzeichnung der Nacht zeigt, wie Maggie sie über Bord schubst - doch diese erinnert sich nicht daran...
Das Setting ist so gut gewählt, wie der wunderschöne Farbschnitt. Die 4 Mädchen besuchen eine sehr privilegierte Privatschule. Giselles Vater wird als heißer Kandidat für die nächste US-Präsidentschaft gehandelt, Vivian ist eine erfolgreiche Influencerin, Em wie Giselle eine reiche Erbin - nur Maggie passt nicht so ganz in die Runde. Aber ist sie wirklich die Täterin?
Die Erzählweise ist ungewöhnlich und hat mir sehr gefallen. Es gibt mehrere Stränge. Die Handlung in der Jetzt Zeit, Befragungen der Polizei, Rückblenden der Zeit auf der Jacht - rückwärts erzählt! - und die Tagebuch Einträge Giselles, die Maggie liest, während sie in ihrer Kabine eingesperrt darauf wartet, dass die Jacht anlegt.
Nichts ist wie es scheint - und ich habe wirklich viel gerätselt und kam absolut nicht auf die wirklich krasse Auflösung am Schluss!
Jede der Mädchen war anders als ich eigentlich dachte - und jede hatte Geheimnisse! Das Rückwärtserzählen der Tage auf See fand ich sehr gut gemacht. So hat sich das Rätseln um Giselles Verschwinden nochmal verstärkt, weil oft Szenen vorkamen, die erst im nächsten Kapitel erklärt wurden. So gut gemacht habe ich das noch nie gelesen.
Der märchenhafte Reichtum, der die Mädchen während ihrer Zeit auf der Jacht umgibt, hat der Geschichte zusätzlich eine echt faszinierende Atmosphäre verliehen. Die Stilwechsel mit Chat-Nachrichten, Polizeibefragungen, Tagebucheintragungen und Nachrichtenmeldungen haben das Lesen abwechslungsreich gestaltet.
Ich habe den Thriller gar nicht mehr weg legen können und sehr schnell gelesen. Klare Leseempfehlung für einen gut gemachten, sehr spannenden Locked-Room Thriller in faszinierendem Setting!

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Ein wichtiges Buch zu einem harten Thema

Da, wo ich dich sehen kann
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Jasmin Schreibers neues Buch „Da, wo ich dich nicht sehen kann“ handelt von einem Femizid und wie die Menschen, die zurückbleiben, damit leben müssen.
Emma wurde von ihrem Mann Frank getötet. Die 9jährige ...

Jasmin Schreibers neues Buch „Da, wo ich dich nicht sehen kann“ handelt von einem Femizid und wie die Menschen, die zurückbleiben, damit leben müssen.
Emma wurde von ihrem Mann Frank getötet. Die 9jährige Tochter Maja lebt nun bei ihren Großeltern mütterlicherseits. Aus verschiedenen Perspektiven – Maja, ihre Großeltern mütterlicherseits, die Großmutter väterlicherseits, ihre Patentante Liv (beste Freundin der ermordeten Emma) und auch aus Emmas Sicht – wird die Geschichte erzählt.
Im Mittelpunkt steht einerseits das traumatisierte Mädchen Maja, bei der mich vor allem die Bilder, die im Buch abgedruckt sind, tief ins Herz getroffen haben.
Liv, die beste Freundin der ermordeten Emma, ist ebenfalls eine der Hauptfiguren. Durch ihre Figur, die mich teilweise stark an die Autorin selbst erinnert hat, da es viele Parallen zu deren Einstellung und Leben gibt, wird vor allem die Wut transportiert, die zu Recht empfunden wird in Bezug auf Femizide im Allgemeinen. Sie arbeitet als Physiklehrerin und hat einen starken Bezug zur Astrophysik, ein spannender Nebenstrang der Geschichte, der auch optisch schön umgesetzt wurde durch Sternbilder, die den jeweiligen Personen zugeordnet und jeweils bei „ihren“ Kapiteln abgedruckt sind.
Auch Emmas Kapitel, die natürlich aus der Vergangenheit erzählt werden, haben mich stark emotional berührt und zeigen auf, wie es geschehen kann, dass eine Frau sich in einer toxischen und gefährlichen Beziehung wiederfindet und keinen Ausweg mehr sieht.
Die Großeltern stehen vor allem für die Hilflosigkeit und Verzweiflung. Warum haben sie nichts bemerkt? Warum konnten sie ihrer Tochter nicht helfen? Oder – im Fall von Franks Mutter – wie konnte es geschehen, dass der eigene Sohn eine solche furchtbare Tat ausübt?
Für mich logisch und richtig ist, dass einzig Frank, der Täter, keine „Stimme“ bekommt im Roman. Anders als es oft in der Realität ist, wird eben das Opfer und seine Angehörigen in den Mittelpunkt gestellt und nicht der Täter und seine (seien wir mal hart und ehrlich) im Grunde irrelevanten „Motive“. Er hat seiner Frau das Leben genommen, weil er es konnte und alle anderen müssen nun damit (weiter)leben.

Die Gestaltung des Romans ist sehr ansprechend – die Autorin hat den Umschlag selbst gestaltet. Mich hat der orangefarbene Farbschnitt an die Orange Days erinnert, die seit 1991 als Kampagne der UN als Zeichen gegen Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen. Wenn das die Intention war, ist das noch ein weiterer Pluspunkt für den Roman!
Das Thema Femizid ist ein absolut wichtiges, aber natürlich auch hartes Thema. Die Autorin hat es sehr gelungen umgesetzt. Bis auf einige Kleinigkeiten (das Kapitel aus Sicht des Hundes hätte ich persönlich nicht gebraucht und die Bücher, die sie als Beispiele für übertriebene Gewalt gegen Frauen in der Literatur beschreibt, sind meiner Meinung nach keine guten Beispiele für ihren Punkt) bin ich mit dem Buch und der Themenumsetzung wirklich sehr zufrieden. Ich habe das Buch in einer Leserunde gelesen, was sehr gut war. So konnte ich jeweils Pausen machen und über das Gelesene diskutieren – das hat geholfen, den heftigen Stoff besser zu verarbeiten.
Es ist kein leichter Stoff, aber ein wichtiger! Lest das Buch!

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Leider sehr zäh...

Dius
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Der Roman Dius handelt von einer Männerfreundschaft zwischen dem Kunstprofessor Anton und seinem Studenten Egidius De Blaeser, genannt Dius. Obwohl Anton Dius unterrichtet, trennen die beiden nur etwa ...

Der Roman Dius handelt von einer Männerfreundschaft zwischen dem Kunstprofessor Anton und seinem Studenten Egidius De Blaeser, genannt Dius. Obwohl Anton Dius unterrichtet, trennen die beiden nur etwa 10 Jahre. Als Dius eines Tages bei Anton vor der Tür steht und ihn in sein Dorfhaus einlädt, das er als Atelier nutzt, ist Anton überrascht, sagt aber zu seiner eigenen Verwunderung zu. Es entwickelt sich eine Männerfreundschaft, die getragen wird von der gemeinsamen Liebe zu Kunst und Musik und Antons Bewunderung für Dius´ großes Talent.
Bald jedoch vermischen sich Privates und Berufliches und die Freundschaft wird auf eine Probe gestellt.
Die Sprache ist ohne Zweifel wirklich sehr bildhaft und viele Sätze haben sogar das Zeug dazu als Aphorismus genutzt zu werden. Auch die vielen Informationen zu Musik und Kunst scheinen mir (als absoluter Laie) fundiert und tief.
Die vielen Landschaftsbeschreibungen waren handwerklich gelungen und haben stets viel Atmosphäre vermittelt.
Leider hat mich das Buch trotzdem nicht erreicht. Die Geschichte wird ausschließlich aus Antons Sicht geschildert. Dieser war mir anfangs nur fremd und ich fand keinen Zugang zu ihm. Je länger der Roman andauerte, desto unsympathischer fand ich ihn. Seine Handlungen waren für mich praktisch nie nachvollziehbar, er war mir deutlich zu passiv und selbstmitleidig. Weder beruflich noch privat hat sein Leben für mich "Sinn" gemacht beim Lesen.
Dius, der eigentlich deutlich faszinierende Charakter, war mir ebenfalls zu fern, was auch daran lag, dass wir ihn immer nur mit Antons Brille erleben konnten – und Anton ist ein absolut selbstbezogener Charakter, der alle Menschen nur in Bezug auf sich selbst beurteilt und der praktisch keine Empathie besitzt.
Auch Dius´ Handlungen erschienen mir oft seltsam und fremd und ich konnte nie richtig mit ihm fühlen.
Alle anderen Figuren, vor allem die Frauen, blieben blass und nicht greifbar. Der Autor hat meiner Meinung nach auch keinen Wert daraufgelegt, dass der Lesende Zugang zu den Personen und ihren Handlungen erlangt.
Ihm scheint es deutlich mehr darum zu gehen, sein Wissen über Kunst und Musik zu vermitteln. Und das ist auch ein weiterer meiner Kritikpunkte. Ich habe es wirklich versucht, mich darauf einzulassen, aber es wurde immer zäher beim Lesen, je weiter ich vorankam. Ich war ehrlich gesagt, sehr erleichtert, als ich endlich ans Ende des Romans kam. Durch die vielen Schilderungen der Landschaften, Kunstwerke oder Musikstücke war das Lesen unfassbar zäh und mir sind wirklich häufig die Augen zugefallen beim Lesen. Den Mittelteil des Buches, der für mich am mühsamsten zu lesen war, habe ich dann bewusst morgens am Wochenende nach dem Ausschlafen gelesen - und trotzdem habe ich manche Absätze einfach nicht richtig aufnehmen können, weil es so unfassbar langweilig war.
Mir wird von dem Buch mit Sicherheit nicht viel in Erinnerung bleiben. Die 2 Sterne vergebe ich nur, weil der Schreibstil wirklich handwerklich sehr gut ist.
Eine sehr, sehr eingeschränkte Leseempfehlung für Menschen, die gerne über Kunst und Musik lesen und nicht an einer Geschichte interessiert sind, die sie emotional berührt.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Horrorroman vom Meister mit subtilem Grauen

Später
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Jamie wächst bei seiner Mutter auf, seinen Vater hat er nie kennengelernt. Eines Tages stellt er fest, dass er tote Menschen sehen kann - und sogar mit ihnen sprechen. Nachdem er von der gerade gestorbenen ...

Jamie wächst bei seiner Mutter auf, seinen Vater hat er nie kennengelernt. Eines Tages stellt er fest, dass er tote Menschen sehen kann - und sogar mit ihnen sprechen. Nachdem er von der gerade gestorbenen Nachbarin erfährt, wo diese ihre wertvollen Ringe kurz vor ihrem Tod hingelegt hat, glaubt sie ihm und er muss ihr versprechen, niemals darüber mit jemand anderem zu reden.
Doch alles kommt anders, als Jamies Mutter nach der Wirtschaftskrise 2008 in finanzielle Probleme gerät. Sie verliert ihr Vermögen und sie müssen aus der palastartigen Wohnung in New York ausziehen. Jamies Mutter leitet eine Literaturagentur und hält sich und ihren Sohn über Wasser, bis ihr bester Autor stirbt, bevor er sein letztes Werk vollenden kann. Und nun muss Jamie seine Gabe oder seinen Fluch nutzen, was eine Kette von Vorgängen in Gang setzt, die das Buch zu einem Horrorroman machen werden.
Ja, es ist ein Stephen King Buch, da bekommt man, was man erwartet. Wir lesen aus Jamies Sicht und wir befinden uns in den 2000er Jahren - anders als bei Kings frühen Werken. Jamie hat also ein Handy und redet wie es die heutigen Teenager tun. Das hat mir sehr gut gefallen und das Buch auch absolut modern gemacht.
Auch mochte ich die Anspielung(en) auf andere Klassiker wie das Ritual von Chüd, das Fans aus dem Roman ES kennen.
Das Grauen in dem Buch schleicht sich gewohnt langsam an und der Thriller endet mit einem furiosen Finale und einem für mich unerwarteten Twist ganz am Schluss! Alle Fäden werden zusammengeführt und alles, was Jamie andeutet, aufgeklärt.
Ich bin nach dem Lesen absolut zufrieden und vergebe eine klare Lesempfehlung!

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