Berührende Geschichte über vererbte Traumata
Großmutters GeheimnisGroßmutters Geheimnis findet auf zwei Zeitebenen statt. Die eine, die Gegenwart, in Kopenhagen beginnend im Jahr 2015 und aus Sicht Alexanders, der mit seiner Freundin Gry versucht, ein Kind zu bekommen, ...
Großmutters Geheimnis findet auf zwei Zeitebenen statt. Die eine, die Gegenwart, in Kopenhagen beginnend im Jahr 2015 und aus Sicht Alexanders, der mit seiner Freundin Gry versucht, ein Kind zu bekommen, die andere in Monticello, New York, ohne Zeitangabe - es sind Kassettenbänder, die Ruth Koppelmann, Alexanders Großmutter, für ihren Enkel bespricht und in denen sie ihm ihre Geschichte erzählt.
Während wir erfahren, wie Ruth zunächst behütet und glücklich im Kreis ihrer großen jüdischen Familie aufwächst und ihren Lebenstraum, Sängerin zu werden, verfolgt, lesen wir davon, wie Alexander und seine Freundin sich den Qualen einer Kinderwunschbehandlung unterziehen. Auch Alexander ist Musiker geworden und spielt in einer Band. Seine Mutter Lillian, die sich von ihrer Mutter Ruth vor Jahren entfremdet hat und keinen Kontakt mehr zu ihr hat, ist eine berühmte Musical-Darstellerin. Das Band der Musik zieht sich durch die Familie Koppelmann und durch den Roman. Ruth und ihr Vater werden im 2. Weltkrieg deportiert und nach Theresienstadt ins Ghetto gebracht.
Die beiden Stränge entwickeln sich parallel beim Lesen. Ich lese gerne Bücher mit verschiedenen Zeitebenen und das Thema, ob Traumata sich vererben können auf nachfolgende Generationen hat mich sehr angesprochen. Die "Kassetten" von Ruth waren eine wirklich gute Idee und der Strang hat mich bis zum Schluss sehr berührt und gefesselt. Der Gegenwartsstrang dagegen hat mich leider manchmal etwas enttäuscht. Alexander ist ein sehr unsympathischer Charakter in meinen Augen, der verantwortungslos und selbstsüchtig handelt. Seine Mutter Lillian ist ebenfalls ein schwieriger Charakter und hat mich in den Gegenwartsszenen oft wütend gemacht. Einzig Alexanders Freundin Gry konnte ich sehr fühlen, wenn ich auch absolut nicht wie sie hätte handeln können. Die Beschreibung der Kinderwunschbehandlungen waren sehr krass und vermutlich sehr realistisch, die haben mich echt mitgenommen.
Alles in allem ist das Buch sehr gut geschrieben und viele Szenen haben mich berührt und gefesselt. Der Schluss ist dann leider für meinen Geschmack deutlich zu kitschig geraten und wird dem Rest des Romans nicht gerecht.
Dennoch gebe ich eine Leseempfehlung ab für einen gut geschriebenen Roman mit einem interessanten und wichtigen Thema!