Bewegender Blick auf zwei Familienschicksale
Die Schatten der SchuldIn "Die Schatten der Schuld" nimmt Michael Jensen uns auf eine bewegende Reise tief in die Vergangenheit. Die Geschichte verdeutlicht wie wenige Unterschiede es zwischen Juden und "Arischen" Menschen es ...
In "Die Schatten der Schuld" nimmt Michael Jensen uns auf eine bewegende Reise tief in die Vergangenheit. Die Geschichte verdeutlicht wie wenige Unterschiede es zwischen Juden und "Arischen" Menschen es doch gab, und wie sehr die Nazis dennoch das Schicksal der Menschen über viele Generationen beeinflussen konnten. Diese furchtbaren Ereignisse haben eben nicht nur einzelne Menschen beeinflusst, sondern über Generationen hinweg zu veränderten Machtverhältnissen und Traumata geführt.
Mit der Erzählung über verschiedene Zeitebenen schafft Michael Jensen es, den Leser völlig zu fesseln, auch wenn es nicht gerade ein Thema für "leichte Lektüre" ist. Man spürt den "Sog" aus anfänglichen bloß Sorgen bis hin zu völliger Hoffnungslosigkeit der jüdischen Gemeinschaft. Das schwere Thema wird aber durch den guten Erzählstil nicht zu schwermütig. Die Charaktere haben alle Ecken und Kanten, und unterscheiden sich in ihrer Sichtweise und ihrer Sprache deutlich voneinander.
Die laufende Ermittlung eines Attentats in der Gegenwart, lässt eine "häppchenartige" Entdeckung der Vergangenheit zu, welche dem Buch seine einzigartige Spannung bietet. Der Inhalt scheint mir gut recherchiert und sehr realitätsnah zu sein. Immer wieder wirft das Gelesene Aspekte auf, die mir im Bezug auf die Nazi-Vergangenheit zwar bewusst sein könnten, mit denen ich mich aber sonst noch nicht ausreichend beschäftigt habe.
Mich konnte an "Die Schatten der Schuld" insbesondere die tiefe Beschäftigung mit transgenerationalem Trauma begeistern, und ich kann das Buch all denen empfehlen, die sich entweder für Trauma oder für die Auswirkungen der Nazi-Vergangenheit auf die Menschen interessieren.