Emotional und aufwühlend
Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Buch über das unfassbare Leid, dass Heimkindern nach dem 2. Weltkrieg in christlichen Kinderheimen widerfahren ist und wie diese Traumata ihr weiteres Leben prägten.
Als ...
Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Buch über das unfassbare Leid, dass Heimkindern nach dem 2. Weltkrieg in christlichen Kinderheimen widerfahren ist und wie diese Traumata ihr weiteres Leben prägten.
Als geschätzt 3 - Jähriger kommt ein kleiner Junge mit einem unleserlichen Schild um den Hals mit einem Kindertransport aus Danzig im Kinderheim der barmherzigen Schwestern an. Man nennt ihn Hartmut ( Hardy)Wileisky bzw. Nummer 104 und wird ihm schon Zucht und Ordnung beibringen. Es war so furchtbar, was diesen Kindern angetan wurde. Hardy lernt im Heim die Kriegswaise Margret kennen. Das ältere Mädchen nimmt sich Hardy an und versucht ihn zu beschützen. Auch wenn sich die beiden zwischenzeitlich aus den Augen verlieren, finden Margret und Hardy später wieder zueinander und versuchen als Erwachsene mit dem Erlebten fertig zu werden. Susanne Abel beschreibt die seelischen Qualen von Margret und Hardy sehr einfühlsam und nachvollziehbar. Es grenzt schon an ein Wunder, dass die beiden es schaffen eine Familie zu gründen und Eltern, Großeltern und sogar Urgroßeltern zu werden. Urenkelin Emily wohnt dann auch bei ihnen, weil deren Mutter Julia mit der Rolle als alleinerziehende Mutter nicht zurechtkommt. Emily ist ein wirklicher Schatz, ein sehr empathisches junges Mädchen, die nicht einfach hinnehmen will, dass die Vergangenheit immer totgeschwiegen wird. Was sie herausfindet macht sie sprachlos und erklärt so manches schräge Verhalten ihrer Urgroßeltern.
Mich hat die Geschichte sehr berührt und aufgewühlt. Dass geschwiegen wurde über das Erlebte aus Kriegszeiten kenne ich auch aus der eigenen Familie. Und ja, diese Traumata beeinflussen ganz eindeutig auch die nachfolgenden Generationen. Das wird in diesem Roman eindrucksvoll aufgezeigt.
Ich kann das Buch besonders als Hörbuch, gelesen von der wunderbaren Vera Teltz, sehr empfehlen. Die Geschichte wird mich mit Sicherheit noch eine Weile beschäftigen.