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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.09.2025

Spannung & Humor

Über die Toten nur Gutes
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Wenn Endzwanziger Mads Madsen nicht gerade mit seinem schrulligen Vater Fridtjof Bingoabende zelebriert, ist er mir Herz und Seele Trauerredner und somit immer auf der Suche nach den richtigen „letzten“ ...

Wenn Endzwanziger Mads Madsen nicht gerade mit seinem schrulligen Vater Fridtjof Bingoabende zelebriert, ist er mir Herz und Seele Trauerredner und somit immer auf der Suche nach den richtigen „letzten“ Worten. Kein Wunder also, dass es ihn im seltsamen Todesfall seines alten Freundes Patrick noch einmal mehr nach (Ant)Worten dürstet. Also begibt er sich kurzerhand auf eine gefährliche Spurensuche in die Vergangenheit, die in der Gegenwart nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Liebsten bedroht.

Mit lockerem und zudem äußerst humorvollem Schreibstil beschreibt Andreas Izquierdos nicht nur liebevoll und detailreich die Charaktere seines neuen Kriminalromans „Über die Toten nur Gutes“, sondern erzählt eine ebenso abgedrehte, wie spannende Geschichte. Dabei ist die Handlung zwar durchaus überraschend, da nach und nach immer wieder neue Geheimnisse gelüftet werden, aber auch ziemlich dubios und für mich als Kriminalroman, im eigentlichen Sinne, irgendwie nicht ernst zu nehmen. Was mir jedoch wirklich gut gefallen hat sind die absolut skurrilen Figuren des Buches und natürlich die grundsätzliche Idee, einen Trauerredner zum Ermittler zu machen.

Fazit: Auch wenn mir das Lesen des Buches stellenweise wirklich Spaß gemacht und mich zum Schmunzeln gebracht hat, so war mir die Geschichte alles in allem doch ein wenig zu unglaubwürdig und überspitzt. Ich hatte irgendwie etwas anderes erwartet. Von daher wird es für mich nach diesem Buchreihen-Auftakt wohl eher nicht weitergehen.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Grandiose Fortsetzung

Die Dämmerung (Art Mayer-Serie 2)
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Mit „Die Dämmerung“ schickt Marc Raabe das Ermittler-Duo Art Mayer und Nele Tschaikowski ein zweites Mal auf Serienmörder-Jagd. Diesmal wird im Berliner Umland eine, mit einem Geweih auf dem Kopf, grotesk ...

Mit „Die Dämmerung“ schickt Marc Raabe das Ermittler-Duo Art Mayer und Nele Tschaikowski ein zweites Mal auf Serienmörder-Jagd. Diesmal wird im Berliner Umland eine, mit einem Geweih auf dem Kopf, grotesk drapierte Frauenleiche gefunden. Bei der Toten handelt es sich um die, für den Medienpreis „Hirsch“ nominierte, Charity Lady Charlotte Tempel, deren Tochter Leo schnell in Verdacht gerät. Als dann jedoch eine weitere Nominierte auf ebenso brutale Weise ermordet wird, stehen Art und Nele vor einem Rätsel.

Obwohl ich ein großer Thriller-Fan bin, habe ich Marc Raabe erst vor Kurzem für mich entdeckt und war vom Auftakt seiner Art-Mayer-Reihe sofort vollauf begeistert. Ich mag die etwas spezielleren Ermittlertypen, mit Ecken, Kanten, Macken und Vorgeschichte, die aber durchaus einen Sympathiefaktor besitzen. Et voila, da habe ich bei Marc Raabe nun also Art Mayer gefunden. Der zusammen mit seiner, einerseits zwar „normaleren“, aber nicht weniger problembehafteten Kollegin Nele Tschaikowski ein wirklich tolles Team bildet. Vom eigentlichen Spannungs-Handlungsstrang einmal abgesehen, macht es ebenso Spaß die Entwicklung und das Leben der Beiden zu verfolgen. Um die ganzen Zusammenhänge überhaupt zu verstehen, sollte man den ersten Band „Der Morgen“ unbedingt gelesen haben. Die Handlung ist durchweg spannend und wendungsreich, zudem fantastisch und in hohem Tempo erzählt, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag und kann.

Fazit: Das Buch hat alles was ein guter Thriller braucht - es ist atemberaubend spannend, grandios und glaubhaft erzählt, mit vielschichtigen Charakteren. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Alles hängt miteinander zusammen

Das glückliche Leben
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Beide haben sie eine großartige Karriere hingelegt, bei beiden ist es die Arbeit die ihr Leben definiert. Doch trotz bester Vorraussetzungen sind, die ehemaligen Schulkameraden, Éric und Amélie in ihrem ...

Beide haben sie eine großartige Karriere hingelegt, bei beiden ist es die Arbeit die ihr Leben definiert. Doch trotz bester Vorraussetzungen sind, die ehemaligen Schulkameraden, Éric und Amélie in ihrem arbeitsreichen Leben nicht glücklich. Schließlich sind es Burn-out, Enttäuschungen, der Wunsch nach innerer Ruhe und nicht zuletzt ein skurriles Ritual aus Korea, bei dem die eigene Beerdigung simuliert wird, die sie dazu bringen, sich neu zu erfinden, einen Neuanfang zu wagen und das Glück zu finden.

Das glückliche Leben ist mein erster Roman von David Foenkinos. Wirklich charmant und geschriebener Leichtigkeit, widmet er sich grundlegend dem Thema „Was bedeutet es glücklich zu sein und wie kann ich es erreichen“. Dabei befasst er sich zudem mit den Fragen der Schuld, Identität, Selbstzweifel, Verlust, sowie Versöhnung. Erzählt wird abwechselnd aus Érics und Amélies Perspektive, was die Idee dahinter, bzw. den Lösungsvorschlag „Perspektivwechsel“ nochmals betont und nachdenklich macht. Impulse vermittelt hat der Roman auf jeden Fall, mein Herz berührt leider nicht, dafür war mir der Einstieg schon zu sachlich, zu business-like. Meine anfängliche Antipathie gegenüber den Hauptcharakteren konnte ich zwar, wenn auch schwerlich, revidieren und doch keine rechte Verbundenheit mit ihnen empfinden. Auch das Ende, nachdem alle den Umbruch bringenden Neuanfang gewagt haben und zu der Erkenntnis gelangt sind, dass alles miteinander zusammenhängt, erschien mir ein wenig zu sehr nach „Friede, Freude, Eierkuchen“.

Fazit: Für mich ein überaus lesenswerter, wenngleich auch recht kurzweiliger Roman, der mein Herz zwar nicht vollends ergreifen konnte, jedoch über einen tollen Schreibstil, sowie eine grandiose Grundidee verfügt.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Zutiefst berührend und erschütternd zugleich!

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ die dramatische Lebensgeschichte von Margret und Hardy, die sich Ende des Zweiten Weltkriegs, in einem katholischen ...

Susanne Abel erzählt in ihrem neuen Roman „Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104“ die dramatische Lebensgeschichte von Margret und Hardy, die sich Ende des Zweiten Weltkriegs, in einem katholischen Kinderheim, kennenlernen und einander Halt geben. Zu einer Zeit, in der Abertausende Kinder nicht nur durch den Krieg von ihren Familien getrennt wurden, sondern in Heimen obendrein noch schlimmste Misshandlungen über sich ergehen lassen mussten. Sie erzählt davon, wie Beide getrennt wurden, um sich später wiederzufinden und nie wieder loszulassen. Und sie erzählt die Geschichte, wie sich solch traumatische Erlebnisse noch über Generationen hinweg auswirken.

Das Buch spielt in zwei Zeitebenen. Während die Eine rückblickend vom grausamen Schicksal der beiden Waisenkinder Margret und Hardy, nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie von ihrem späteren, gemeinsamen Lebensweg erzählt, konzentriert sich die Andere auf die Geschichte ihrer Urenkelin Emily, die bei ihnen aufwächst und unter den, nicht weniger dramatischen, generationenübergreifenden Auswirkungen der einstigen Misshandlungen ihrer Urgroßeltern zu leiden hat. Der einerseits klare und schonungslose, andererseits aber auch seichte und unaufgeregte Schreibstil der Autorin hat mich absolut erreicht und mir sehr gut gefallen. Obwohl es derzeit um meine Konzentration nicht zum Besten steht, hatte ich weder Probleme in die Geschichte zu starten, noch, mich nach einer Lesepause wieder hineinzufinden. Ganz im Gegenteil war ich jedes Mal sofort wieder mittendrin und vom Schicksal aller Beteiligten zutiefst ergriffen. Denn, mit Ausnahme von Julia und Sabine, kann man gar nicht anders, als sie in sein Herz zu schließen, mit ihnen zu leiden, zu verzweifeln, zu fühlen, aufzuatmen und sich abschließend sogar zu freuen.

Fazit: Das allseits präsente Schweigen im Buch war für mich am lautesten und manchmal recht schwer auszuhalten. Insbesondere die authentisch beschriebenen Misshandlungs-Szenen haben mich zutiefst erschüttert, wie auch berührt. Selbst jetzt spukt das Gelesene immer noch in meinem Kopf umher, macht mich betroffen, wütend und bringt mich nachhaltig zum nachdenken.

Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen!

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Das Buch der leisen Wunder ❤️

Der Garten der kleinen Wunder
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Toja ist Illustratorin, deren Leidenschaft Bildern statt großer Worte gilt. Wie viele introvertierte Menschen, schöpft auch sie ihre Kraft sowohl aus der Natur, als auch der Abgeschiedenheit ihres kleinen ...

Toja ist Illustratorin, deren Leidenschaft Bildern statt großer Worte gilt. Wie viele introvertierte Menschen, schöpft auch sie ihre Kraft sowohl aus der Natur, als auch der Abgeschiedenheit ihres kleinen Häuschens am Standrand. Als sich eines Tages die 14jährige Vica ins Gebüsch am Gartenzaum schleicht, nähern sich die beiden vorsichtig an, wobei sich Toja immer mehr in dem Mädchen wiedererkennt. So beginnt Patricia Koelle-Wolken ihren wundervollen neuen Roman „Der Garten der kleinen Wunder“, in dem es ebenso um die Wunder der Natur geht, wie um alltägliche Wunder, um unerwartete Begegnungen, rettende Freundschaft, Hoffnung und nicht zuletzt um einen zauberhaften Sommer, der vieles zu verändern vermag.

Um ehrlich zu sein, war mir die Autorin Patricia Koelle-Wolken bis zu diesem Buch absolut kein Begriff, meine Erwartung dementsprechend neutral, meine Vorfreude aufgrund des Klappentextes jedoch groß. Die ersten Seiten lasen sich toll, nur war ich plötzlich zu faul selbst zu lesen, also habe ich mich zusätzlich für das Hörbuch entschieden und mich dann einfach zurückgelehnt. Ebenso einfühlsam von Ulrike Kapfer gelesen, wie von der Autorin geschrieben, kann ich es auch nur wärmstens empfehlen, es war ein Wohlfühl-Genuss!

Die unglaublich bildhafte und vor Lebensfreude sprühende Sprache der Autorin haben mich gleich auf den ersten Seiten abgeholt. Ihre Liebe zur Natur und dem Alltäglichen klingt nicht nur in jedem Satz mit, sondern zeigt auch in eben diesen alltäglichen Dingen, die „kleinen Wunder“ auf, die uns in der heutigen Zeit viel zu oft entgehen. Zudem erinnert sie daran, wie kleine Veränderungen und Taten, ja sogar Worte, nachhaltig Großes bewirken und anstoßen können. Ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll, als dass es mich geradezu innerlich gewärmt und inspiriert hat. Zudem finde ich es wundervoll, wie einfühlsam und exakt sie das Innere von Toja und Vica mit Hilfe von einfachen Beispielen und Vergleichen beschreibt. Beide sind introvertiert, weshalb sie sich oftmals einsam und unverstanden gefühlt, ihre Andersartigkeit als eine Art Krankheit gesehen haben. Damit leistet die Autorin obendrein noch hervorragende Aufklärungsarbeit, denn der Druck von Außen und die daraus resultierende Verzweiflung werden hier wirklich verständlich und nachvollziehbar dargestellt, ebenso wie der Irrsinn und die Ansprüche unserer Gesellschaft.

Fazit: Eine wahrhaft wundervolle, tiefgründige, wenngleich auch leise Geschichte über Introvertiertheit und darüber, dass „Glücklichsein“ für jeden etwas anderes bedeutet! Ein Buch das gleichermaßen berührt, wie glücklich macht und zum nachdenken anregt.

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