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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2019

Vollkommen unspektakulär

Bunburry - Vorhang auf für einen Mord
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Selfmade-Millionär Alfie McAlister erbt ein Cottage im verschlafenen Städtchen Bunburry. Sofort wird er von den beiden alten Damen Liz und Marge mit Beschlag belegt. Da sie das beste Karamell der Cotswolds ...

Selfmade-Millionär Alfie McAlister erbt ein Cottage im verschlafenen Städtchen Bunburry. Sofort wird er von den beiden alten Damen Liz und Marge mit Beschlag belegt. Da sie das beste Karamell der Cotswolds und vielleicht der ganzen Welt machen und Alfie eine Weile Abstand von London und seinem dortigen Leben sucht, lässt er sich von den beiden dazu anstiften, einen Mordfall zu lösen.

Cosy-Crime ist etwas Schönes. Besonders mit viel britischem Humor und alten Damen á la Miss Marple. Doch leider sind die Protagonisten recht langweilig, die Gegend wirklich total verschlafen und sogar die Verdächtigen und Verbrecher ohne Substanz. Mir fehlt auch der typische britische Humor. Es ist gewollt, aber nicht gekonnt. Das ist besonders schade, da es die erste Folge einer Serie ist. So habe ich aber überhaupt kein Interesse an den weiteren Folgen.

So ein bisschen kommt es mir vor, als ob zu viel des Guten zusammengeworfen wurde. Alfie ist wohl in einer Art Midlife-Crisis, finanziell unabhängig (Selfmade-Millionär – spätestens seit Jonathan und Jennifer Hart von „Hart aber Herzlich“ die Ideallösung für solche Reihen), trifft auf zwei ältere Damen im Stile von Miss Marple oder den Tanten aus „Arsen und Spitzenhäubchen“, erbt noch dazu ein Cottage von einer ewig nicht mehr besuchten Tante und löst Mordfälle, die die Polizei nicht lösen kann.

Für mich alles ein bisschen zu verklärt. Vieles vorhersehbar, der Humor nur marginal vorhanden und somit wenig spannend. Schade! Cosy-Crime ist an sich eine tolle Gelegenheit zum Entspannen. Hier ist es leider eine ideale Möglichkeit zum Einschlafen. Daran ändert leider nicht mal Uve Teschners wunderbare Art zu lesen nichts. Ich kann nur zwei Sterne geben.

Veröffentlicht am 31.05.2019

Gut zusammengestelltes Basiswissen für verantwortungsbewusste Hundehalter

Hunde
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Dieses Buch richtet sich vor allem an all jene, die zum ersten Mal einen Hund aufnehmen. Aber auch alte Hasen können hier den einen oder anderen sinnvollen und sehr hilfreichen Tipp finden. Man lernt eben ...

Dieses Buch richtet sich vor allem an all jene, die zum ersten Mal einen Hund aufnehmen. Aber auch alte Hasen können hier den einen oder anderen sinnvollen und sehr hilfreichen Tipp finden. Man lernt eben nie aus!

Hauptsächlich geht es um den Start mit einem jungen Welpen. Die Thematik Tierheim-Hund wird nur am Rande behandelt. Die fünf Themen, die hier behandelt werden, unterteilen sich in

- Eine besondere Freundschaft
- Der beste Start
- Zeit der Pubertiere
- Zuverlässige Begleiter durchs Leben
- Service

Jedes der Themen wird in mehreren passenden Kapiteln ausführlich behandelt. Dabei erfährt der Leser auch viel über die Geschichte des Hundes und wie er zum Begleiter des Menschen wurde. Es gibt viele Ratschläge, die man vielleicht so gar nicht erwartet hätte. Ebenso werden Fragen beantwortet, die man vermutlich vergessen hätte. Ganz klar wird herausgearbeitet, dass ein Hund ein Lebewesen mit Ansprüchen und Bedürfnissen ist, kein Spielzeug und auch kein Selbstversorger. Ein Hund braucht Aufgaben, Rituale, Beschäftigung – er läuft nicht einfach nur nebenher und ist damit glücklich und zufrieden!

Immer wieder finden sich kleine Kästchen mit zusätzlichen Tipps, Zusammenfassungen, Ratschlägen, Hinweisen. Und das ganze Buch ist gespickt mit tollen Fotos, die Lust auf einen Hund machen, aber auch unmissverständlich darlegen, dass ein Hund viel Zeit beansprucht und Arbeit bedeutet.

Übungen und Hundeschulen gehören zwingend dazu und auch hierauf wird eingegangen. Aber auch die traurigen Momente werden einfühlsam behandelt. Es wird nicht ausbleiben, dass der verantwortungsbewusste Hundehalter noch weitere Bücher, die einzelne Themen tiefer behandeln, kaufen wird. Das ist aber völlig normal und keine Kritik. Für mich ein sehr hilfreicher Ratgeber, der fünf Sterne verdient hat.

Veröffentlicht am 29.05.2019

Grau und trist – trotz Farbe

Fred Herzog
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Fotografien faszinieren mich – wenn sie andere gemacht haben, nicht ich. Zu sehen, was das Auge des Fotografen sah und festhaltenswert empfand, das gefällt mir sehr. Für mich haben Schwarz-Weiß-Fotografien ...

Fotografien faszinieren mich – wenn sie andere gemacht haben, nicht ich. Zu sehen, was das Auge des Fotografen sah und festhaltenswert empfand, das gefällt mir sehr. Für mich haben Schwarz-Weiß-Fotografien immer eine starke Ausstrahlung. Es ist also würden sie mir klarer zeigen, was gemeint ist. Nachcolorierte Fotos sind wieder eine eigene Welt und durch das Steuern der Farben (diese stärker, jene schwächer, hier ein bisschen surrealistisch, dort ein Hauch Phantasiefarbe). Damit kann der Künstler auch hervorheben, was ihm wichtig ist. Die hier verwendete Technologie sieht so ähnlich aus, ist wohl (ich bin Betrachter, absolut kein Technik-Profi) wieder eine andere. Nichts desto trotz wirken die Farben, wie eben nachcoloriert.

Beim Blättern in diesem Bildband werde ich aber leider traurig, fast schon depressiv. Herzog hat nicht das typische Hollywood-Amerika und auch nicht die Glanzseiten der anderen Länder im Bild festgehalten, sondern eigentlich ausschließlich Zerfall. Überall abblätternde Farbe an Fassaden und Zäunen, Schmutz in allen Varianten, alles ungepflegt und herzlos. Nur selten ein Bild, das positiv stimmt.

Ich liebe es, das Jahr der Entstehung des Fotos zu erraten. Oder wenigstens das Jahrzehnt. In den meisten Fällen ist mir das hier auch gelungen. Mir fällt auch die Vorliebe Herzogs auf, Barber-Shops im Bild festzuhalten. Hieran hat er sichtlich einen Narren gefressen.

Der Spaziergang durch die 1950er, 1960er und 1970er Jahre hat mir schon gefallen, wenn auch meine Erwartungen anders waren. Nein, ich wollte kein Postkarten-Foto-Buch, ja, ich wollte das wahre Leben. Aber genau dieses besteht und bestand auch damals nicht nur aus Tristesse. Einige wenige Bilder sind aus den 1980er und 1990er Jahren, diese sind vernachlässigbar. Wirklich Kraft haben die ersteren. Dennoch wirken sie für mich alle mehr, wie Schnappschüsse meiner Großeltern. Die darin enthaltene Kunst verschließt sich mir leider.

Insgesamt kann ich deshalb nur drei Sterne geben.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Ohne Worte, aber mit ganz viel Aussage

Frank Kunert. Lifestyle
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In Zeiten von Photoshop und Computertechnik allgemein sind solche Miniaturen noch wertvoller und schöner, finde ich. Richtige Kunst, ehrlich entstanden, geschaffen mit Händen, die sich vom Herzen leiten ...

In Zeiten von Photoshop und Computertechnik allgemein sind solche Miniaturen noch wertvoller und schöner, finde ich. Richtige Kunst, ehrlich entstanden, geschaffen mit Händen, die sich vom Herzen leiten lassen. Diese dann gekonnt zu fotografieren, das fokussiert den Blick des Betrachters dann auf das, worauf es (dem Künstler) ankommt.

Mir gefallen die Bilder unbeschreiblich gut. Sie bewirken emotionale Reaktionen – ob ich will oder nicht. Man kann und will schmunzeln, aber viele der Bilder sind auch gar nicht „witzig“, eher depressiv stimmend, aber dennoch mit einem humorvollen Gedanken entstanden. Es werden Tabus gebrochen und neue geschaffen. Kunert greift Themen auf, die andere totreden – er bannt sie ins Bild.

Der einführende Text von Jörg Restorff liest sich so, wie sich die Bilder betrachten lassen: mit viel Gefühl, genug Humor, aber auch ohne die Ernsthaftigkeit zu vergessen. Dieser Essay zeigt, dass Frank Kunert einen Weg gefunden hat, auch denen, die sonst einen Bogen um Kunst machen, zu zeigen, dass Kunst überall ist. Was im wahren Leben nicht möglich zu sein scheint, schafft Kuhnert in seinen Miniaturen.

Besonders „Ein Platz an der Sonne“ bewegt mich sehr. Es ist witzig, ganz ohne Frage, aber es spricht auch von Egoismus, Unterschieden, sozialem Gefälle, Machtmissbrauch, Verfall und Vergänglichkeit. Die Schwarz-/Weiß-Fotografien zur Entstehung der Kunstwerke, sprechen mich ebenfalls ganz tief innen drin an. Es ist einfach rundum faszinierend, was Kuhnert da gelungen ist und immer noch gelingt. Ganz ohne Worte sagt er so unendlich viel!

Ich bin beeindruckt, tief beeindruckt. Und gerade, weil ich komplett überwältigt bin, gebe ich die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Die Zechen stehen still, aber der „Pott“ lebt mehr denn je!

DuMont Bildatlas 206 Ruhrgebiet
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Das Ruhrgebiet ist längst nicht (mehr) so grau und trist, wie das Klischee aus der Zeit des Kohleabbaus. Nachdem zunächst ein wichtiger Erwerbszweig weggefallen war und eine regelrechte Depression nach ...

Das Ruhrgebiet ist längst nicht (mehr) so grau und trist, wie das Klischee aus der Zeit des Kohleabbaus. Nachdem zunächst ein wichtiger Erwerbszweig weggefallen war und eine regelrechte Depression nach sich zog, hat sich dieses wunderschöne Gebiet zu einer Gegend gewandelt, die mehr als sehenswert ist. Die alten Fördertürme, die Stollen, die vielen Zeichen der Zechen-Zeiten – sie wurden wunderbar umfunktioniert und in Szene gesetzt.

Nicht nur der Rest Deutschlands, auch die Bewohner des Ruhrgebietes, können nicht zuletzt mit Hilfe dieses wunderbaren Bildatlas „das Revier“ neu entdecken und sich darin verlieben. Der harte, steinige Weg von der Hochburg des Kohleabbaus über die Zeiten der Auswandererregion bis hin zu den schönen Landschaftsparks und traumhaft schönen Radwegen, hat sich gelohnt. Das Ergebnis, wenn auch noch nicht komplett fertig, kann sich sehen lassen.

Dieser Bildatlas ist, wie alle dieser Art von Dumont, voll mit gut recherchierten Informationen. Zahllose wunderbare Fotos regen das Interesse noch mehr an, einen Ausflug zu machen. Aufgeteilt ist er in die Regionen westliches, mittleres, östliches, südliches und nördliches Ruhrgebiet. Es gibt Landkarten zur Orientierung und immer wieder besondere Informationen, Tipps, Dumont aktiv, und Specials. Für jeden Geschmack und Geldbeutel finden sich Vorschläge. Das Magazin-Format eignet sich hervorragend, um darin zu stöbern.

Auch wer keine Reise oder keinen Ausflug ins Ruhrgebiet plant, bekommt mit diesem Bildatlas eine unterhaltsame „Heimatkundelektion“. Der „Pott“ ist ein Stück Geschichte Deutschlands und dieses Buch feiert seinen Mut und seine Kraft. Ich bin begeistert und drücke dies in fünf Sternen aus!