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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.01.2019

Stark gekürzte Märchen für die Kleinsten

Meine schönsten 5-Minuten-Geschichten
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Das großformatige Buch ist recht schwer. Auf 192 Seitens finden sich 31 Märchen, die stark gekürzt und „entschärft“ von diversen Autoren und Autorinnen nacherzählt wurden, damit die Kleinsten sich nicht ...

Das großformatige Buch ist recht schwer. Auf 192 Seitens finden sich 31 Märchen, die stark gekürzt und „entschärft“ von diversen Autoren und Autorinnen nacherzählt wurden, damit die Kleinsten sich nicht so extrem fürchten. Bei Rotkäppchen beispielsweise wird dem Wolf nicht der Bauch aufgeschlitzt, damit Rotkäppchen und die Großmutter heraus können und anschließend der Bauch mit Wackersteinen gefüllt und zugenäht, sodass der Wolf Durst bekommt und in den Brunnen fällt, sondern er wird geschüttelt, bis er beide ausspuckt und anschließend schlicht und ergreifend weggejagt. So ist es auch in anderen Märchen – die heftigen Szenen sind deutlich gemildert und dennoch siegt das Gute.

Zu allen Geschichten gibt es großformatige Zeichnungen und Illustrationen von diversen Künstlern, die im Inhaltsverzeichnis aufgeführt werden, die kindgerecht gehalten sind. So gibt es zum Vorgelesenen visuelle Unterstützung und viel zu entdecken und zu besprechen. Die Schrift ist groß gehalten. So können die Geschichten auch ohne Lesebrille vorgelesen werden und Erstleser sich ebenfalls daran wagen.

Es finden sich hier nicht nur die bekanntesten Deutschen Märchen, sondern auch eine Variante von Jack und die Bohnenranke (englisches Märchen) oder „Der Zauberlehrling“ (Ballade von Goethe). Das ergibt insgesamt eine sehr schöne Mischung. Für mich als Erwachsene, die die langen Versionen kennt, sind manche Geschichten etwas zu stark verändert, doch für die eigentliche Zielgruppe finde ich sie gelungen gemacht. Von mir gibt es daher vier Sterne.

Veröffentlicht am 13.01.2019

Ungelöste Fälle

Die Welt ist böse!
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Julian Hannes ist auf YouTubbe unter dem Namen „Jarow“ bekannt. Dort schildert er Kriminalgeschichten und hat eine große Fan-Base. Eine Auswahl von sechs der dreizehn auch in seinem Buch geschilderten ...

Julian Hannes ist auf YouTubbe unter dem Namen „Jarow“ bekannt. Dort schildert er Kriminalgeschichten und hat eine große Fan-Base. Eine Auswahl von sechs der dreizehn auch in seinem Buch geschilderten Fälle hat er auf diesem Hörbuch selbst eingelesen.

Die Geschichten sind sehr spannend und enorm interessant. Der Mensch kommt mit offenen Enden nicht klar, deshalb sind diese Fälle besonders faszinierend. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie man diese Fälle doch noch lösen könnte. Fast immer hat man einfach das Gefühl, dass die Lösung zum Greifen nahe ist und es einfach nicht sein kann, dass niemand dahinterkommt.

Dass Julian Hannes sich diesem Thema so intensiv und inbrünstig annimmt, kann ich sehr gut verstehen, da ich ein großer Fan von Sendungen, wie „Medical Detectives“, „Autopsie“ oder „Anwälte der Toten“ bin. Das mag morbide klingen, aber mir gefällt es, wie Forensiker auch teils sehr alte Fälle lösen. Die Gründe, die zu einer Tat führen, ändern sie nicht, machen sie nicht ungeschehen, aber sie interessieren mich und ich habe immer das Gefühl, dass dies ein Teil der Gerechtigkeit ist. Bei den hier gesammelten Fällen fehlt dieser Gerechtigkeitsteil. Das macht sie extrem bewegend. Für mich zumindest. Als Bonus erzählt „Jarow“ noch ein gruseliges Ereignis aus seiner Kindheit, das ihn in der Jugend wieder einholte. Sehr spannend!

Die Stimme von Julian Hannes ist super angenehm und ich könnte ihn mir auch sehr gut für Sprecher von anderen Hörbüchern vorstellen. Ich habe ihm sehr gerne zugehört und seine Intonation gefällt mir absolut. Ich habe auch seinen Gedanken zu den Fällen sehr interessiert gelauscht. Vom einen oder anderen Fall hatte ich schon zuvor gehört oder gelesen und mir selbst so meine Gedanken gemacht. Ich denke, mit Julian Hannes über sie zu diskutieren, wäre wirklich bereichernd!

Ich werde auch künftig kein YouTube-Follower werden, selbst nicht bei einem so genialen Thema. Ich weiß, damit bin ich nicht zeitgemäß. Damit kann ich leben. Ich genieße Bücher und Hörbücher und wie man sieht, landen die wirklich guten Kanäle früher oder später eben auch in diesen Medien! Von mir bekommt „Die Welt ist Böse“ jedenfalls als Hörbuch fünf blankpolierte Sterne!

Veröffentlicht am 12.01.2019

Ein kleines Weihnachtswunder

Dafür ist man nie zu alt
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Pia ist 19 und fühlt sich viel zu alt, um mit ihrer Familie Weihnachten zu verbringen. Nur widerwillig fährt sie die sechs Stunden im Zug. Sie ist doch schon viel zu alt für solchen Kinderkram! Als sie ...

Pia ist 19 und fühlt sich viel zu alt, um mit ihrer Familie Weihnachten zu verbringen. Nur widerwillig fährt sie die sechs Stunden im Zug. Sie ist doch schon viel zu alt für solchen Kinderkram! Als sie dann noch feststellt, dass ihre Eltern Nic, den Feind (!) aus Kindertagen, eingeladen haben, hat sie noch weniger Lust dazu. Während ihre Eltern noch die letzten Besorgungen erledigen, soll Pia mit Nic und Feli den Baum schmücken.


Aus einer Kurzgeschichte wurde hier in Zusammenarbeit mit der Autorin eine Erzählung. Vanessa Eckart liest sie perfekt ein. Genau richtig nölig und frech und überheblich, aber immer noch sehr sympathisch. Wie eben eine 19jährige so sein kann, wenn sie davon überzeugt ist, als einzige richtig zu denken und zu handeln!

Die kleinen Wendungen sind teils vorhersehbar, teils arg konstruiert, aber dennoch ist die Geschichte insgesamt richtig schön, macht Laune und ist ideal geeignet, um sie jedes Jahr an Weihnachten bei den letzten Vorbereitungen noch mal zu hören. Knapp eineinhalb Stunden witzige, peppige, lustige und ein wenig ironische Minuten, die mich doch stellenweise auch arg an mich selbst erinnert haben, sind wie im Flug vergangen.

Der Unterschied zwischen der weihnachtsbegeisterten Feli, der 6jährigen Nesthäkchen-Schwester von Pia, und Pia selbst, die ein kleiner Grinch ist, könnte größer kaum sein und dennoch sind sie sich innig verbunden. Auch macht genau das viel vom Charme und Witz des Hörbuchs aus. Da zeigt die Kleine der Großen unbeirrt, wie schön das Leben und Winter und Schnee und Weihnachten sein können – und auch, dass Nic gar nicht so übel ist, wie Pia immer dachte. Die Kinderstreiche, die er ihr immer gespielt hatte, waren wohl doch keine Mordanschläge, wie sie immer dachte!

Ein Jugendbuch? Ein All-Age-Buch? Ein Buch für Erwachsene? Ich finde – Dafür ist man nie zu alt! Die Geschichte ist trotz ihrer Kürze sehr aussagekräftig und hat mir richtig gut gefallen – deshalb gebe ich auch gern die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 12.01.2019

Vom Streiten und Versöhnen

Drei Frauen am See
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Marie, Alexandra, Friederike und Jule waren seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Als sie erwachsen werden, schließen sie einen Pakt: Ganz egal, wohin das Leben sie spült, an Pfingsten treffen sie ...

Marie, Alexandra, Friederike und Jule waren seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Als sie erwachsen werden, schließen sie einen Pakt: Ganz egal, wohin das Leben sie spült, an Pfingsten treffen sie sich im Haus am See! Dieses Versprechen hält genau so lange, bis die Vier im Streit auseinandergehen. Zehn Jahre schweigen sie – bis drei der Vier sich überraschend beim Notar treffen. Marie ist gestorben und hat den Freundinnen das Haus am See vererbt. Doch es gibt eine Bedingung …

Das Genre ist nicht unbedingt meins, aber hin und wieder mache ich gern einen Ausflug dahin. Von Dora Heldt kannte ich bisher noch kein Buch oder Hörbuch. Ich habe mich ganz vorbehaltslos auf die Geschichte eingelassen. Stellenweise finde ich sie recht vorhersehbar, dennoch bin ich nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Ich finde, die Autorin hat sehr schön herausgearbeitet, dass Freundinnen gern unterschiedlich sein dürfen, jeder einen ganz eigenen Charakter hat und gern mal ein Streit etwas zerstört, das man besser bewahren sollte.

Die vier Frauen werden sehr schön gezeichnet. Jede hat ihre eigene Geschichte, die man im Laufe der Zeit erfährt. Worum es im Streit ging, erfährt man sehr spät – und dann ist es für meinen Geschmack tatsächlich ein lächerlicher Grund, sich komplett zu zerstreiten und dann gleich alle Vier. Doch kann ich akzeptieren, dass die Vier eben anders dachten und handelten, als ich es tat – denn sicher habe ich das eine oder andere Mal gar nicht so anders gehandelt. Genau darum geht es: „Drei Frauen am See“ bringt den Leser oder Hörer dazu, auf sich selbst zu sehen und zu überlegen, wo und wann man selbst ähnlich „dumm“ gehandelt hat.

Das Zuhören ist sehr kurzweilig, obwohl Anneke Kim Sarnau für meinen Geschmack so spricht, als würde sie einem Kind ein Märchen vorlesen. Die Betonung ist schön, aber für einen Roman für mich fremd und unpassend. Insgesamt aber habe ich ihr gern zugehört, da ihre Stimme sehr angenehm ist.

Dora Heldt zeigt einfühlsam und mit einer großartigen Geschichte, dass es immer gut ist, eine Sache auch mal von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten und die eigenen Überlegungen und Rückschlüsse zu Ereignissen nicht als Fakten und unumstößlich zu sehen.

Ich hatte sehr schöne Hörstunden – insgesamt mehr als siebeneinhalb. Von mir gibt es vier Sterne.

Veröffentlicht am 11.01.2019

Ein Team ist so stark, wie sein Zusammenhalt

Absolute Gewinner
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Luca ist ein Einzelgänger und liebt es, auf dem „Günni“, dem Basketballplatz seiner Schule, Moves zu üben und Bälle zu werfen. Als eines Tages der Hausmeister auf die Idee kommt, ihn und weitere Kids als ...

Luca ist ein Einzelgänger und liebt es, auf dem „Günni“, dem Basketballplatz seiner Schule, Moves zu üben und Bälle zu werfen. Als eines Tages der Hausmeister auf die Idee kommt, ihn und weitere Kids als Team zu trainieren und beim „Night Move“ mitzumachen, glaubt Luca, dass das eine verrückte Idee ist und niemals funktionieren kann. Aber er lässt sich auf das Abenteuer ein, da Jana auch im Team ist und er sie sehr mag. Kurz vor einem wichtigen Spiel verschwindet der Trainer und die Kids müssen, um weiterzukommen, eine Lösung finden. Doch dann kommt alles anders, als sie je gedacht hätten …

Wer weder Interesse noch auch nur ein klein wenig Ahnung von Basketball hat, wird über ein paar Begriffe stolpern und manche Stellen nicht so ganz verstehen, wenn es um Spielzüge und Taktiken geht. Doch ich vermute, damit tun sich Erwachsene wohl schwerer, als die eigentliche Zielgruppe der Leser zwischen 12 und 15 Jahren. Als Kind und Teenager habe ich auch viel Zeit auf dem Basketballplatz verbracht, aber seither sind so einige Jährchen ins Land gezogen. Trotzdem – das Buch hat mich problemlos zurückgebeamt und ich stand mit Luca, Jana, Heinrich und den anderen auf dem Platz.

Zu Beginn ist es eine leicht ironische Geschichte über das Teenager-Sein an einer Schule, mit all den Gedanken und Problemen, die man in dieser Zeit so hat. Hier plätschert es so vor sich hin. Nicht uninteressant, aber auch nicht besonders spannend. Das ändert sich dann aber, sobald die Kids auf dem Platz sind. Eine Handvoll Einzelgänger, die sich mehr oder weniger selbst als Außenseiter und Loser sehen, treffen aufeinander und erkennen, dass im Grunde alle ganz ähnliche Probleme haben. Sie wachsen immer mehr zusammen, respektieren aber auch Regeln und Abstände. Das ist nicht zuletzt ihrem Trainer zuzuschreiben, der, das merkt man recht schnell, eine besondere Rolle einnimmt. Wie besonders, kommt erst spät zum Tragen, dafür aber umso effektvoller.

Die Sprache, die Scheuring Luca, dem Ich-Erzähler, gibt, ist altersgemäß. Ich musste oft schmunzeln, wenn Einschübe kamen, wie „Sag ich jetzt mal so.“. Ich empfand nichts als extrem übertrieben, sondern alles recht realitätsnah. So geschrieben, dass die Zielgruppe Spaß daran hat, aber eben nicht hanebüchen.

Gut gelungen ist auch, wie der Autor die Kriege in und um Jugoslawien bzw. Kroatien, Serbien und Bosnien eingebaut und beschrieben hat. Hier wird den Kids gut und angepasst vor Augen geführt, was Kriege bedeuten und bewirken. Das recht kurz und knapp, aber auch ohne erhobenem Zeigefinger – die Kids kommen ganz allein drauf, was das heißt.

Ein klein wenig Krimi plus „Emil und die Detektive“ in modern kommen noch obendrauf. Es macht also wirklich riesig Spaß und wird nie langweilig. Der Wert von Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue, Zusammenhalt kommt klar raus. Gefällt mir. Gefällt mir außerordentlich gut. Deshalb gibt das dann in Konsequenz auch fünf Sterne!