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Veröffentlicht am 10.06.2020

Sechs ereignisreiche Monate

Der unsichtbare Garten
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Vincent Morel erhält die niederschmetternde Diagnose, dass er in Kürze sein Augenlicht irreversibel verlieren wird. Seine Welt bricht komplett in sich zusammen, nichts ist mehr, wie es war. Beruf, Privatleben, ...

Vincent Morel erhält die niederschmetternde Diagnose, dass er in Kürze sein Augenlicht irreversibel verlieren wird. Seine Welt bricht komplett in sich zusammen, nichts ist mehr, wie es war. Beruf, Privatleben, Sozialleben – alles zerfällt. Vincents Eltern engen ihn ein und vergessen, dass er 35 und nicht fünf ist, er flüchtet ins Haus seines Großvaters. Hier baut er sich alles neu auf – und versucht, sich mit seinem neuen Leben zu arrangieren.

Die Bücher von Karine Lambert sind immer etwas ganz Besonderes. Sie bedienen nicht den Mainstream, erfüllen nicht die Vorstellungen von leichter Unterhaltung, aber sie bereichern ungemein. Sie geht ihren Weg konsequent und ist bereit, nicht jedem Leser zu gefallen. Das macht sie und ihre Bücher besonders stark – und es gefällt mir!

Der Schreibstil schafft Distanz und das ist sicher genau so gewollt. So, wie Vincent niemanden wirklich an sich heranlässt, so bleibt man als Leser ein Stück weit außen vor. Es ist ein schnelles Buch, mit viel Melancholie und auch Wut. Das alles ist ganz passend für Vincent und deshalb finde ich diesen Kniff absolut gelungen.

Die Figuren haben alle ihre eigene Form, sie lassen sich prima beim Lesen unterscheiden, man verwechselt sie nicht. Die Autorin schafft es, mit wenigen Worten im Kopf des Lesers Bilder entstehen zu lassen. Auch wenn man irgendwie am Rande des Geschehens steht und fast schon heimlich beobachtet, was geschieht, glaubt man, die Charaktere zu kennen. Die Schwierigkeiten, die nicht nur Vincent mit der Situation hat, meistert jeder eben auf seine eigene Art. Manches erledigt sich von selbst, anderes wieder muss aktiv überwunden werden. Absolut realitätsnah!

Ein Cover sollte für ein Buch passend sein, aber nicht das Hauptargument des Kaufes sein, finde ich. Dennoch muss ich diesmal ein paar Worte zum Cover verlieren. Das Buch ist mit einem floralen Muster auf schwarzem Grund bedruckt, doch dies wird unter einem Schutzumschlag versteckt, der milchig-transparent ist. So sieht man das eigentliche Motiv also nur ganz verschwommen. Genau so, wie Vincent seine Umwelt wahrnehmen wird, wenn er blind ist, denn ein paar Schemen, Hell und Dunkel, kann er dann noch erkennen, aber eben nichts klar und deutlich sehen. Diese Idee des Covers finde ich absolut wundervoll umgesetzt!

Einen Kritikpunkt habe ich – das ganze Buch über fehlte mir die Information, wovon genau Vincent denn seinen Lebensunterhalt bestreitet. Alle Sorgen und Ängste wurden behandelt, doch dieser Punkt ging total unter. Ich denke, diese Sorge hat man schon recht früh in einer solchen Situation, deshalb ist dies der Punkt, der das Buch einen Stern kostet. Dennoch bleiben vier Sterne, eine begeisterte Leserin, die das Buch gern empfiehlt und sich auf weitere Bücher dieser wunderbaren Autorin freut!

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Veröffentlicht am 08.06.2020

Unfassbar ergreifend und schön!

Hallo Mama
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Ob für sich selbst oder für die eigene Mama oder die Freundin, die Mama wird oder ist – dieses Büchlein ist einfach wunderbar! Liz Climo hat ihre eigene Mutter mit 22 verloren – viel zu jung. Aber: Ist ...

Ob für sich selbst oder für die eigene Mama oder die Freundin, die Mama wird oder ist – dieses Büchlein ist einfach wunderbar! Liz Climo hat ihre eigene Mutter mit 22 verloren – viel zu jung. Aber: Ist man nicht immer viel zu jung, um seine Mutter zu verlieren? Ich finde schon. Gerade deshalb ist diese so liebevoll gestaltete „Zusammenfassung“ des Mutterseins so wertvoll und bezaubernd.

Ob als Mutter oder als Kind – ja, so wie es Liz Climo schildert, ist es tatsächlich. Schlafmangel, Stimmungsschwankungen, Geduld für viele Fragen und Bücher haben, Wutanfälle überstehen, die Pubertät durchkämpfen, das Loslassen lernen. Der Mutterjob ist nie zu Ende! Ganz gleich, wie alt Kind und Mutter je werden. Und man selbst ist einfach sein ganzes Leben auch Kind – ganz gleich, wie viele Kinder man selbst hat.

So wunderbar unkompliziert, wie es Liz Climo auf den Punkt bringt, und dabei doch alles sagt, so viel, wie sie zwischen den Zeilen und den Bildern transportiert – das ist einfach genial! Die Grafiken quer durchs Tierreich passen wunderbar. Sie sind zauberhaft, aber nicht kitschig. Super gut gelungen! Ganz wunderbar vor allem aber auch, dass Liz Climo nicht vergessen hat, darauf aufmerksam zu machen, dass „Mama“ sein vieles heißen kann und es eben viele Formen gibt, wie man Mama ist, was Mama macht und ausmacht.

Mir kamen tatsächlich Tränen der Rührung, aber auch der Freude. Ein so kleines Büchlein kann so viel Glück schenken. Ich liebe es! Fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 07.06.2020

Prima Idee, in der Praxis aber ganz schlecht umsetzbar

The Big Bowling
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Einige der Rezepte kenne ich schon aus „Lunch to go“. Genau diese finde ich auch lecker und interessant. Der Rest ist mir zum Großteil leider zu abgehoben und es entspricht sehr wenig davon meinem Geschmack, ...

Einige der Rezepte kenne ich schon aus „Lunch to go“. Genau diese finde ich auch lecker und interessant. Der Rest ist mir zum Großteil leider zu abgehoben und es entspricht sehr wenig davon meinem Geschmack, zudem ist der Aufwand, der für die meisten Bowls betrieben werden muss, echt enorm.

Das Baukasten-System hat ganz klar viele Vorteile, aber da stelle ich mir lieber andere Gerichte zusammen. Auch die Farbenvielfalt ist z.B. in der japanischen Küche ein Hauptkriterium, das kann man ja auch selbst ganz einfach an sich feststellen – wenn die Farben auf dem Teller (oder eben in der Schüssel, die man heute ja Bowl nennt) hübsch sind und das Auge mitessen kann, dann schmeckt es noch mal so gut. Aber hier werden Zutaten verwendet, die ich nicht in der Küche habe (und auch nicht haben möchte), es werden Trends bedient (die nicht immer so toll sind, wenn man sie näher betrachtet) und dabei die Alltagstauglichkeit vergessen, denn fast alles ist doch recht aufwändig. Die Schlagworte vegetarisch, vegan, glutenfrei, laktosefrei, lowcarb, lazy tauchen mir auch echt zu oft auf. Wäre das im Titel gestanden, hätte ich das Buch nicht gekauft. Ich möchte leckere Schüsselchen machen, mit ganz normalen Zutaten für Menschen ohne Intoleranzen und ohne Kalorienzählerei. Was genau mit „lazy“ gemeint ist, ist mir auch nicht ganz klar.

Schön finde ich die Infos zu den einzelnen Lebensmitteln, die es zwischendurch immer mal gibt.

Aufgebaut sind die Rezepte, wie in so ziemlich jedem Kochbuch mit Zutatenliste und Schritt-für-Schritt-Anleitung. Zusätzlich findet man noch die Angaben zur Portionsanzahl, Zubereitungszeit, Kalorienangabe und eben noch die Schlagworte, die ich oben aufgezählt habe. Wie ebenfalls bereits erwähnt sind die Anweisungen zwar verständlich, aber insgesamt oft super aufwändig. Natürlich ist es schön, wenn Lebensmittel in Herzchen oder Sternchen geschnibbelt werden, aber auch nur dann, wenn jemand den dadurch anfallenden „Abfall“ auch nutzt und nicht wegwirft.

Ja, schade eigentlich, aber dieses Kochbuch ist ein echter Fehlgriff. Zwei Sterne, mehr geht nicht.

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Veröffentlicht am 07.06.2020

Ich möchte so gern so viel mehr Neues von Martin und dem Tod!

Der Tod, der Hase, die Unsinkbare und ich
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Der Klappentext trifft es bei diesem Titel ausnahmsweise mal auf den Punkt! Martins Freundschaft zum Tod ist außergewöhnlich, aber Sebastian Niedlich schafft es, sie weder lächerlich noch langweilig zu ...

Der Klappentext trifft es bei diesem Titel ausnahmsweise mal auf den Punkt! Martins Freundschaft zum Tod ist außergewöhnlich, aber Sebastian Niedlich schafft es, sie weder lächerlich noch langweilig zu gestalten. Mehr noch – ich empfinde die Geschichten immer als sehr bereichernd und auch tröstlich. Ich habe den Autor für mich kurz nach dem Tod meiner Mutter entdeckt. Seine Bücher nehmen den Schmerz nicht komplett, aber sie ermöglichen einen anderen Blick auf den Verlust eines Menschen.

In „Der Tod, der Hase, die Unsinkbare und ich“ kommt zum Trost und Humor noch eine neue Komponente dazu – Geschichtswissen. Der Teil um die Titanic ist nicht in dem Sinne witzig, wie die Texte sonst sind. Ja, es ist ein feiner Humor darin versteckt, aber auch ganz viel Gefühl. Die wahre Geschichte der Violet Jessop ist sehr interessant und auch spannend – fast unglaublich, was diese Frau alles überlebte! Kein Wunder, dass der Tod sie nicht vergessen kann und ein bisschen verliebt in sie ist.

Die Geschichte um den Osterhasen ist – auch wenn sie auf der Kinderkrebsstation spielt – wunderbar Niedlich-witzig! Dass ausgerechnet ein Mann im Hasenkostüm Martins Weltanschauung dermaßen ins Wanken bringen kann, was daraus entsteht und wie Martin damit umgeht, ist erfrischend anders und unerwartet.

Martin und der Tod sind so geniale Figuren, dass ich davon viel, viel mehr möchte. Ich bekomme von den beiden einfach nie genug. Die Situationen, in die beide geraten, sind seltsamer Weise nie absurd, sondern tatsächlich denkbar. Dabei entwickeln sich Dialoge, die einfach klasse sind. Martins Art, immer mal wieder einen ironischen (oder auch sarkastischen) Satz einzustreuen, ist sein Weg, mit all dem umzugehen (auch für ihn ist es noch immer nicht „normal“, den Tod als Freund zu haben), nervt den Tod hin und wieder dann aber doch. Klar!

Dieses Buch ist anders, als „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“, aber doch ganz im Stil von Niedlich. Mich hat es getröstet, zum Lachen gebracht und nachdenklich gemacht. Aber vor allem hat es mich wunderbar unterhalten, trotz oder gerade aufgrund seiner Kürze. Ganz klare fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 06.06.2020

Der Wackel-Elvis, die innere Stimme, die Ex-Schulfreundin, der Ex-Mann und die Teufel

Taxi, Tod und Teufel - Folge 01
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Sarah Teufel lebt noch immer mit ihrem Ex-Mann in der alten Mühle in Palinghuus und fährt das Yellow Cab. Früh am Morgen soll sie einen Gast von der Fähre abholen, doch dieser ist auf der Überfahrt gestorben. ...

Sarah Teufel lebt noch immer mit ihrem Ex-Mann in der alten Mühle in Palinghuus und fährt das Yellow Cab. Früh am Morgen soll sie einen Gast von der Fähre abholen, doch dieser ist auf der Überfahrt gestorben. Wie kann das nur sein? Der alte Dorfarzt, schwerhörig und halb blind, hält auf dem Totenschein Herzversagen fest. Doch Sarah und der Fährmann glauben nicht so recht daran, zumal sowohl Handy als auch Koffer des Fahrgastes fehlen. Als sich dann auch noch herausstellt, dass er wohl mit falschem Namen unterwegs war, ist kein Halten mehr. Sarah und der Fährmann ermitteln auf eigene Faust und Sarahs Ex-Mann James und ihre Schulfreundin Britta unterstützen sie dabei …

In Palinghuus gibt es keine Polizeistation mehr und bis mal jemand von der nächsten Station anrückt, ist der Markt verlaufen. So bleibt Sarah ja schon fast nichts anderes übrig, als mit den Ermittlungen zu starten, bevor die Täter fliehen können und nie gefunden werden. Witzig und natürlich alles andere als realistisch, aber dieser Krimi soll ja auch unterhalten und kein Abbild des wahren Lebens sein. Die Ermittlungen dieser liebenswerten Taxifahrerin sind erfrischend und nicht so schrecklich staubig, wie in den meisten „ernstzunehmenden“ Krimis inzwischen Usus.

Stellenweise kam mir die Story nicht schnell genug vom Fleck. Schon der Anfang zog sich ein bisschen arg hin, auch wenn man viel von Sarah und den Palinghuusenern erfahren hat. Hier und da gibt es mir auch ein paar zu auffällige Zufälle, aber bei einem Cosy Crime lässt sich das mit ein bisschen Wohlwollen weglächeln. Der Charme der einzelnen Figuren ist umwerfend. Selbst die größte Nervensäge ist ein Original und sogar glaubwürdig gelungen. Alle haben das eine oder andere kleine oder große Geheimnis und alle zusammen sind eine Gemeinde, in der man gerne wohnen würde.

Elena Willms liest das Hörbuch sehr gekonnt ein. Sie übertreibt nicht so stark, wenn sie Männer spricht, wie es Männer gern machen, wenn sie Frauen sprechen. Auch bringt sie den Dialekt sehr gut rüber, ohne dass man nichts mehr verstehen würde.

Vom Wackel-Elvis mit seinen Weissagungen hätte ich gern noch mehr gehört. Die Idee ist so charmant! Der Reihenauftakt ist gut gelungen. Ich gebe sehr gerne vier Sterne.

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