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Veröffentlicht am 13.05.2026

leise Liebe und eine warme Atmosphäre

Picking Daisies on Sundays
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In "Picking Daisies on Sundays" von Liana Cincotti geht es um Daniella „Daisy“ Maria, die ihrem ehemaligen besten Freund Levi nach vier Jahren plötzlich wieder gegenübersteht und ausgerechnet seine Fake-Freundin ...

In "Picking Daisies on Sundays" von Liana Cincotti geht es um Daniella „Daisy“ Maria, die ihrem ehemaligen besten Freund Levi nach vier Jahren plötzlich wieder gegenübersteht und ausgerechnet seine Fake-Freundin für die Hochzeit seiner Schwester spielen soll. Früher war Levi der wichtigste Mensch in ihrem Leben, bis Daisy ihm ihre Gefühle gestand und kurz darauf mitansehen musste, wie er eine andere küsste. Seitdem hat sie nie wirklich mit ihm abgeschlossen. Während sie gemeinsam Zeit verbringen, kommen alte Gefühle, Sehnsucht und die tiefe Verbindung zwischen ihnen stärker zurück als je zuvor. Gleichzeitig kämpft Daisy mit Zukunftsängsten, Unsicherheit und der Frage, ob sie bereit ist, Levi noch einmal ihr Herz anzuvertrauen, obwohl sie Angst hat, erneut verletzt zu werden.

"Picking Daisies on Sundays" war für mich eines dieser Bücher, die gar nicht versuchen, laut oder extrem dramatisch zu sein, sondern stattdessen mit einer ganz leisen, warmen und gemütlichen Atmosphäre überzeugen. Es ist keine Geschichte voller riesiger Plot-Twists oder emotionaler Explosionen, sondern vielmehr eine Romance, die von kleinen Gesten, unausgesprochenen Gefühlen und dieser stillen, unterschwelligen Liebe lebt, die man zwischen den Seiten ständig spürt.

Der Schreibstil von Liana Cincotti trägt unglaublich viel dazu bei. Er ist leicht, flüssig und emotional, ohne zu viel Kitsch oder überdramatisch zu wirken. Die Autorin beschreibt Gefühle eher leise und zurückhaltend, aber genau dadurch haben viele Szenen eine große Wirkung. Besonders die Momente zwischen Daisy und Levi haben sich oft nicht durch große Worte stark angefühlt, sondern durch Blicke, kleine Berührungen oder Erinnerungen an ihre gemeinsame Vergangenheit. Diese stille gegenseitige Anziehung war für mich wirklich das Herzstück des Buches.

Man merkt zwar von Anfang an, wohin die Geschichte führen wird, und auch die Wendung am Ende war für mich keine wirkliche Überraschung. Trotzdem hat mich das überhaupt nicht gestört, weil das Buch gar nicht von Spannung im klassischen Sinne lebt. Vielmehr geht es um das Gefühl, das die Geschichte vermittelt. Dieses tiefe Band zwischen Daisy und Levi war so greifbar, dass man eigentlich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass die beiden einfach füreinander bestimmt sind. Selbst nach vier Jahren ohne Kontakt wirken sie emotional immer noch miteinander verbunden. Gerade diese Vertrautheit zwischen ihnen fand ich unglaublich schön dargestellt. Ihre Beziehung basiert nicht nur auf romantischer Anziehung, sondern auf echter Freundschaft, gemeinsamen Erinnerungen und Vertrauen.

Daisy fand ich dabei als Protagonistin sehr authentisch, auch wenn sie mich manchmal wahnsinnig gemacht hat. Ihre Unsicherheit zieht sich durch das ganze Buch, sowohl im Hinblick auf ihre Zukunft als auch auf ihr eigenes Können und ihren Selbstwert. Oft hätte ich sie am liebsten geschüttelt, weil für mich als Leser vieles so offensichtlich war, besonders Levis Gefühle. Teilweise konnte ich wirklich nicht verstehen, wie sie gewisse Dinge nicht sehen konnte. Gleichzeitig passte das aber wiederum sehr gut zu ihrem Charakter, weil ihre Selbstzweifel eben so tief sitzen, dass sie automatisch davon ausgeht, nicht „genug“ zu sein. Auch ihre Naivität gegenüber Evan fand ich manchmal etwas frustrierend. Da waren einige Situationen, bei denen man als Leser*in sofort gemerkt hat, dass etwas nicht stimmt, während Daisy vieles ausgeblendet oder schöngeredet hat. Trotzdem mochte ich ihre Entwicklung am Ende wirklich sehr. Gerade weil sie anfangs so unsicher war, hat es sich umso schöner angefühlt zu sehen, wie sie langsam beginnt, mehr an sich selbst zu glauben und für sich einzustehen.

Levi war dagegen wirklich ein absoluter Wohlfühl-Bookboyfriend. Ich mochte besonders, dass er eben nicht dieser typische toxische oder übermäßig dominante Romance-Held ist. Stattdessen ist er warmherzig, loyal und emotional unglaublich aufmerksam. Er unterstützt Daisy auf eine sehr ehrliche Weise und gibt ihr Sicherheit, ohne sie kontrollieren zu wollen. Gleichzeitig merkt man auch, wie wichtig ihm seine Familie ist und wie sehr er für die Menschen da ist, die er liebt. Gerade diese ruhige Loyalität hat ihn für mich unglaublich sympathisch gemacht. Allerdings muss ich auch sagen, dass er stellenweise fast ein bisschen zu perfekt wirkte. Ihm haben manchmal kleine Ecken und Kanten gefehlt.

Was mir ebenfalls gefallen hat, war, dass die Geschichte trotz der eher ruhigen Handlung emotionale Themen anspricht, die sich für die Charaktere sehr relevant anfühlen. Zukunftsängste, Selbstzweifel, das Gefühl nicht gut genug zu sein oder Angst davor zu haben, verletzt zu werden. Dadurch hatte das Buch trotz der eher sanften Atmosphäre trotzdem emotionale Tiefe.
Gleichzeitig wurden manche Konflikte für meinen Geschmack etwas zu schnell gelöst. Besonders der Konflikt rund um Evan hätte meiner Meinung nach noch etwas mehr Raum bekommen können, weil er letztlich relativ unkompliziert abgehandelt wurde.

Fazit

Insgesamt war "Picking Daisies on Sundays" von Liana Cincotti für mich eine unglaublich süße, warme und gefühlvolle Romance-Geschichte, die vor allem durch ihre Atmosphäre und die Verbindung zwischen den Charakteren lebt. Das Buch erfindet das Genre definitiv nicht neu und vieles ist vorhersehbar, aber genau darin liegt auch irgendwo sein Charme.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Leider hat mich das Ende enttäuscht

REM
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"REM" erzählt die Geschichte von Alysee, die seit ihrer Kindheit von einem einzigen Satz verfolgt wird, den ihr Vater kurz vor seinem Tod zu ihr sagte: „Du darfst nicht einschlafen.“
Doch die vierjährige ...

"REM" erzählt die Geschichte von Alysee, die seit ihrer Kindheit von einem einzigen Satz verfolgt wird, den ihr Vater kurz vor seinem Tod zu ihr sagte: „Du darfst nicht einschlafen.“
Doch die vierjährige Alysee schlief trotzdem ein. Als sie wieder erwachte, war ihr Vater auf grausame Weise ermordet worden. Seitdem lebt sie mit Schuldgefühlen und einer panischen Angst vor dem Schlafen. Gemeinsam mit ihrem Pflegebruder Nico wächst sie bei einer Pflegefamilie auf, doch die Vergangenheit lässt sie nie los.
Jahre später erhält sie durch eine Anwältin ein Erbe ihres Vaters und damit endlich die Chance, Antworten zu finden. Die Spur führt sie und Nico in ein verlassenes, heruntergekommenes Hotel, in dem Albträume plötzlich erschreckend real werden und Alysee Wahrheiten entdeckt, die sie vielleicht lieber nie erfahren hätte.

Die Idee hinter dem Buch hat mich sofort angesprochen. Träume, Schlaf, das Unterbewusstsein, das sind Themen, die ich unglaublich spannend finde. Gerade weil die Forschung darüber bis heute noch so viele Fragen offenlässt. Unser Unterbewusstsein ist etwas Faszinierendes und gleichzeitig Unheimliches, weil niemand genau weiß, was dort eigentlich alles verborgen liegt.
Genau deshalb hatte die Geschichte für mich enormes Potenzial. Und ehrlich gesagt: Der Einstieg hatte mich auch komplett gepackt.

Schon auf den ersten Seiten war ich mitten drin.
Der Schreibstil war unglaublich mitreißend, düster, beklemmend und genau so, wie ich mir einen Horror-Thriller wünsche. Besonders die kurzen Kapitel haben dafür gesorgt, dass das Buch für mich ein absoluter Pageturner war. Ich wollte ständig weiterlesen und wissen, was als Nächstes passiert. Dieses Gefühl von „nur noch ein Kapitel“ hatte ich wirklich permanent.
Die Atmosphäre war bedrückend und teilweise richtig unangenehm - im positiven Sinne. Dieses alte Hotel, die Albträume, die Unsicherheit darüber, was real ist und was nicht, haben eine richtig intensive Stimmung erzeugt. Manche Szenen waren wirklich makaber, brutal und blutig beschrieben und haben genau den Nerv getroffen, den ein Horrorroman treffen sollte.

Vor allem mochte ich dieses vermeintliche Spiel mit der Psyche. Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, dass hinter allem eine psychologische Erklärung steckt. Ich war unglaublich gespannt darauf, wie am Ende alles zusammengeführt wird. Ich liebe Thriller, bei denen man am Ende plötzlich versteht, warum bestimmte Dinge passiert sind, bei denen kleine Hinweise rückblickend Sinn ergeben und man diese typischen „Aha-Momente“ erlebt. Genau darauf habe ich hier gehofft. Dass die Albträume vielleicht Ausdruck eines verdrängten Traumas sind. Dass das Unterbewusstsein Alysee etwas mitteilen will. Dass all diese grausamen Bilder letztlich irgendwie rational erklärbar sind.

! mögliche Spoiler !

Und genau da liegt leider mein großes Problem mit dem Buch.
Bis kurz vor Schluss war ich wirklich begeistert. Doch die Auflösung hat für mich leider fast alles kaputtgemacht. Denn anstatt die Geschichte psychologisch oder zumindest halbwegs nachvollziehbar aufzulösen, driftet das Ganze immer mehr in eine Mischung aus Horror und Science-Fiction ab. Die Ereignisse waren eben nicht sinnbildlich, nicht Ausdruck der Psyche oder eines traumatisierten Geistes - sie waren tatsächlich real und übernatürlich. Genau das hat mich extrem enttäuscht.

Rückblickend wirkte die Geschichte dadurch für mich plötzlich völlig überzogen und viel zu konstruiert. Fast schon absurd. Alles wurde immer größer, extremer und unrealistischer, bis ich irgendwann das Gefühl hatte, dass das Buch seine ursprüngliche Stärke komplett verloren hat.

Dadurch fehlten mir am Ende auch diese befriedigenden Thriller-Momente, bei denen plötzlich alles zusammenpasst. Stattdessen hatte ich eher das Gefühl, nach etwas gesucht zu haben, das gar nicht existiert. Ich habe die ganze Zeit versucht, Hinweise psychologisch zu deuten, obwohl die Geschichte letztlich einfach sagte: Nein, das Übernatürliche ist real. Und genau das hat mich enttäuscht zurückgelassen.

Spoiler Ende

Hinzu kommt leider, dass mich die Charaktere kaum berühren konnten. Alysee hatte zumindest noch etwas Tiefe durch ihre Vergangenheit, ihre Schuldgefühle und ihre Schlafangst. Aber alle anderen Figuren blieben für mich extrem blass. Viele waren einfach da, wurden teilweise brutal niedergemetzelt oder verschwanden wieder aus der Handlung, ohne dass ich irgendeine emotionale Bindung zu ihnen aufgebaut hätte. Mir fehlte bei fast allen Figuren eine richtige Persönlichkeit, eine Hintergrundgeschichte oder etwas, das sie greifbar gemacht hätte. Dadurch waren mir viele Schicksale letztlich ziemlich egal.

Trotz meiner Enttäuschung kann ich aber nicht sagen, dass das Buch schlecht geschrieben war - im Gegenteil. Atmosphärisch und stilistisch hat mich das Buch wirklich überzeugt. Der Schreibstil war packend, schnell, düster und unglaublich angenehm zu lesen. Die Spannung war fast durchgehend da und gerade die erste Hälfte fand ich wirklich richtig stark. Man merkt definitiv, dass hier mit Atmosphäre gearbeitet wird und dass die Autor*innen genau wissen, wie man Szenen inszeniert.

Umso trauriger finde ich es eigentlich, dass mich die Auflösung so verloren hat. Denn das Potenzial war riesig. Mit einer psychologischeren oder bodenständigeren Erklärung hätte das für mich ein richtig großartiger Thriller werden können. So bleibt für mich am Ende leider ein Buch, das mich erst vollkommen gefesselt und dann umso härter enttäuscht hat.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Es braucht ein wenig zu Beginn

Born of Salt and Storm
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In einer Welt, die von zerstörerischen Stürmen beherrscht wird und in der zwischen Menschen und dem Mervolk seit Generationen tiefes Misstrauen herrscht, kämpft die junge Speerfischerin Tavi täglich ums ...

In einer Welt, die von zerstörerischen Stürmen beherrscht wird und in der zwischen Menschen und dem Mervolk seit Generationen tiefes Misstrauen herrscht, kämpft die junge Speerfischerin Tavi täglich ums Überleben. Seit ihre Eltern verbannt wurden, weil sie einem Nachfahren des Mervolkes geholfen haben sollen, versucht sie verzweifelt herauszufinden, was wirklich mit ihnen geschehen ist. Als sie eines Tages ein geheimnisvolles Stück Seeglas findet, verändert sich ihr Leben schlagartig. Die uralte Macht, die darin verborgen liegt, geht auf sie über und macht sie zur Zielscheibe gefährlicher Feinde. Auf ihrer Flucht muss sie ausgerechnet mit Eero zusammenarbeiten, einem Nachfahren des Mervolkes, dem sie eigentlich voller Vorurteile begegnet. Doch je mehr Geheimnisse ans Licht kommen, desto deutlicher wird, dass ihre Schicksale enger miteinander verwoben sind, als beide ahnen.

Die Geschichte von "Born of Salt and Storm" hat mich ehrlich gesagt erst einmal etwas kämpfen lassen. Ich habe relativ lange gebraucht, um wirklich in die Welt hineinzufinden, weil am Anfang unglaublich viele neue Begriffe, Hintergründe und Zusammenhänge auf einen einprasseln. Gerade die ersten Kapitel waren für mich dadurch stellenweise ziemlich fordernd und teilweise auch etwas zäh. Es ist für mich eher High Fantasy mit komplexem Worldbuilding und einer sehr eigenen Mythologie – teilweise fast schon ein bisschen zu viel für meinen persönlichen Geschmack. Ich musste mir wirklich Zeit nehmen, um alles zu verstehen und die Welt richtig greifen zu können, was meine anfängliche Lesefreude leider etwas gedämpft hat.

Aber: Sobald ich einmal richtig angekommen war, hat mich das Buch abgeholt. Besonders ab der zweiten Hälfte wurde die Geschichte unglaublich spannend. Die vielen Geheimnisse, Wendungen und Enthüllungen waren wirklich gut aufgebaut und wirkten durchdacht. Immer wieder gab es Momente, in denen sich neue Zusammenhänge eröffnet haben.

Gerade die Verbindung zwischen Tavi und Eero fand ich sehr interessant, weil sie nicht nur emotional wichtig war, sondern auch eng mit der gesamten Welt und ihren Konflikten zusammenhing. Dieses langsame Aufbrechen von Vorurteilen und Misstrauen wurde überzeugend dargestellt, ohne zu kitschig zu wirken.

Tavi mochte ich als Protagonistin wirklich gerne. Sie ist mutig, eigensinnig und jemand, der sich nicht unterkriegen lässt, obwohl ihr Leben von Verlust, Angst und Unsicherheit geprägt ist. Sie wirkt mMn. greifbar und emotional nachvollziehbar.
Mit Eero hatte ich dagegen etwas mehr Schwierigkeiten. Ich mochte seine Rolle grundsätzlich und fand die Dynamik zwischen ihm und Tavi spannend, aber insgesamt blieb er, wie auch die anderen Charaktere, etwas zu blass. Ich hätte mir mehr Tiefe, mehr Hintergrund und generell mehr Profil gewünscht, weil viele Figuren Potenzial hatten, das meiner Meinung nach nicht ganz ausgeschöpft wurde.

Was mich dafür umso mehr beeindruckt hat, war die Atmosphäre. Der Schreibstil von Sophia Reynard ist unglaublich bildhaft, detailreich und sehr mythisch. Dieses Sagenumwobene der Geschichte kommt extrem gut rüber. Man spürt förmlich die Dunkelheit des Meeres, die Bedrohung der Stürme und diese permanente Gefahr, die über allem schwebt. Gerade die Beschreibungen der tosenden See oder der unheimlichen Stimmung hatten teilweise wirklich etwas Gänsehautartiges. Die Welt fühlt sich rau, düster und lebendig an, was für mich definitiv eine der größten Stärken des Buches war.

Mit dem allwissenden Erzähler bin ich persönlich allerdings nicht ganz warm geworden. Ich merke immer wieder, dass ich Geschichten meist intensiver finde, wenn sie näher an einer einzelnen Perspektive bleiben. Hier hat mich die Distanz manchmal ein bisschen aus dem Geschehen herausgebracht, obwohl sie natürlich auch geholfen hat, die komplexe Welt besser zu verstehen.

Fazit

Insgesamt war "Born of Salt and Storm" für mich ein Buch mit kleinen Schwächen, aber gleichzeitig auch mit einer starken Atmosphäre und einer spannenden, durchdachten Geschichte.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

atmosphärisch, spannend und emotional

When Shadows Darken the Sun
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"When Shadows Darken the Sun" von Nina Schilling erzählt die Geschichte zweier verfeindeter Höfe, die seit Generationen voneinander getrennt sind: der Tageshof, in dem ewiges Licht herrscht, und der Nachthof, ...

"When Shadows Darken the Sun" von Nina Schilling erzählt die Geschichte zweier verfeindeter Höfe, die seit Generationen voneinander getrennt sind: der Tageshof, in dem ewiges Licht herrscht, und der Nachthof, der von endloser Dunkelheit umgeben ist. Ursache dafür ist ein uralter Konflikt der Götter, dessen Folgen bis in die Gegenwart reichen. Um das Gleichgewicht zwischen beiden Seiten aufrechtzuerhalten, treten die Erben der Höfe in gefährlichen Spielen gegeneinander an. Nox, der Thronfolger des Nachthofes, wurde sein ganzes Leben darauf vorbereitet, den Tageshof zu besiegen. Doch als er Cass, einer Zofe der Lichtgeborenen, begegnet, gerät seine bisherige Sichtweise zunehmend ins Wanken. Während die Tag- und Nachtspiele näher rücken und das Schicksal der Höfe entschieden werden soll, müssen beide herausfinden, ob die Feindschaft wirklich unausweichlich ist oder ob es vielleicht einen anderen Weg gibt.

Ich habe dieses Buch wirklich geliebt. Es war eines dieser Bücher, bei denen ich schon nach wenigen Kapiteln gemerkt habe, wie viel Herzblut darin steckt.
Zwar habe ich am Anfang ein wenig gebraucht, um vollständig in die Geschichte hineinzufinden, aber das lag vor allem daran, dass die Welt sehr komplex ist und viele neue Begriffe, Strukturen und Hintergründe eingeführt werden. Sobald ich mich jedoch eingelesen hatte, war ich vollkommen gefesselt. Die Welt, die Nina Schilling erschaffen hat, ist einfach traumhaft. Sie wirkt wunderschön und beeindruckend, gleichzeitig aber auch düster, geheimnisvoll und gefährlich. Besonders der Nachthof hat mich unglaublich fasziniert. Durch den bildhaften Schreibstil konnte ich genau nachvollziehen, was Cass dort sieht: diese verborgene Schönheit, die Ruhe, die stille Anmut hinter all der Dunkelheit.
Die Atmosphäre war durchgehend greifbar und hat mich komplett in ihren Bann gezogen.

Generell hat mir der Schreibstil unglaublich gut gefallen. Alles liest sich flüssig, emotional und sehr lebendig. Die Autorin schafft es, Szenen so detailliert zu beschreiben, dass ich ständig das Gefühl hatte, selbst mitten in dieser Welt zu stehen.
Gleichzeitig verliert sich die Geschichte aber nie in unnötigen Beschreibungen, sondern bleibt spannend und dynamisch. Es passiert eigentlich immer etwas. Prüfungen, Intrigen, Geheimnisse oder emotionale Konflikte sorgen dafür, dass keinerlei Längen entstehen. Besonders die Spiele und die damit verbundene Spannung haben mich total gepackt. Immer wieder gab es Momente, in denen ich unbedingt weiterlesen musste, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht.
Natürlich war manches vorhersehbar, gerade was Cass’ Entwicklung betrifft. Aber ehrlich gesagt hat mich das überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil: Gerade weil gewisse Entwicklungen angedeutet wurden, war es umso spannender zu verfolgen, wie sich alles entfaltet.

Vor allem die Beziehung zwischen Cass und Nox hat mich komplett überzeugt. Zwischen den beiden war von Anfang an diese starke Anziehung spürbar, und dennoch entwickelt sich ihre Verbindung eher leise und langsam. Genau das mochte ich so sehr. Diese ständige Zerrissenheit zwischen ihren Gefühlen und den Erwartungen ihrer Familien und Höfe war unglaublich intensiv dargestellt. Beide wissen eigentlich, dass sie sich nicht näherkommen dürfen, und trotzdem merkt man mit jeder Begegnung stärker, wie sehr sie sich gegenseitig verändern. Diese emotionale Spannung war für mich eines der Highlights des Buches.

Auch die Charaktere selbst haben mir wahnsinnig gut gefallen. Cass ist eine starke, loyale Protagonistin mit enormem Kampfgeist, ohne dabei unrealistisch perfekt zu wirken. Sie zweifelt, macht Fehler und trägt ihre eigenen Unsicherheiten mit sich herum, wodurch sie unglaublich nahbar wird. Dasselbe gilt für Nox. Gerade seine innere Zerrissenheit fand ich unglaublich spannend. Er wurde jahrelang mit bestimmten Vorstellungen erzogen und beginnt nun langsam, diese zu hinterfragen. Ich konnte beide Figuren in ihren Beweggründen und ihren Konflikten wirklich gut nachvollziehen, besonders im Hinblick auf ihre Familien und ihre Loyalitäten. Dadurch wirkten ihre Entscheidungen emotional nachvollziehbar und authentisch.

Was ich außerdem besonders schön fand, war der Freundschaftsaspekt im Buch. Die Bindungen zwischen den Hauptfiguren und den Nebencharakteren fühlten sich ehrlich und wichtig an. Oft geraten Nebenfiguren in Fantasyromanen eher in den Hintergrund, aber hier hatte ich wirklich das Gefühl, dass viele Beziehungen Bedeutung haben und zur Geschichte beitragen. Dadurch wirkte die Welt noch lebendiger.

Und obwohl mich das Buch ohnehin schon komplett überzeugt hatte, hat das Ende es geschafft, mich noch einmal richtig zu überraschen. Es war spannend, emotional und hat definitiv dafür gesorgt, dass ich sofort wissen möchte, wie es weitergeht. Ich freue mich jetzt schon unglaublich auf den nächsten Band, weil noch so viele Fragen offen sind und ich unbedingt wieder in diese Welt zurückkehren möchte.

Fazit

Für mich war "When Shadows Darken the Sun" eine atmosphärische, spannende und emotionale Fantasygeschichte mit großartigem Worldbuilding, viel Gefühl und Figuren, die einem wirklich ans Herz wachsen. Man merkt auf jeder Seite, wie viel Liebe zum Detail in dieser Geschichte steckt. Ein absolut gelungener Auftakt, der mich komplett begeistern konnte.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Freundschaft, die zu Liebe wird

Grumpy Darling
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In „Grumpy Darling“ von Alexandra Moody geht es um Paige, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht und absolut keinen Plan hat, wie es danach weitergehen soll. Unter dem Druck ihrer Eltern erstellt sie ...

In „Grumpy Darling“ von Alexandra Moody geht es um Paige, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht und absolut keinen Plan hat, wie es danach weitergehen soll. Unter dem Druck ihrer Eltern erstellt sie eine Bucket List für ihr letztes Jahr voller Dinge, die sie ausprobieren will, um endlich herauszufinden, wer sie ist und was sie will. Ein Punkt darauf: ihr erster Kuss. Doch das gestaltet sich schwierig, vor allem, weil ihr bester Freund Grayson Darling, Eishockeyspieler und absoluter Grummelbär, jeden potenziellen Kandidaten sofort vergrault. Also wird kurzerhand beschlossen: Grayson soll nicht länger abschrecken, sondern als Wingman und Dating-Coach fungieren. Während Paige versucht, ihrem Crush Damien näherzukommen, kämpft Grayson jedoch mit ganz anderen Gefühlen, die er schon viel zu lange unterdrückt…

Ich muss sagen: Dieser zweite Band hat mir tatsächlich noch besser gefallen als der erste. „Grumpy Darling“ hat sich für mich einfach runder, emotionaler und irgendwie „echter“ angefühlt. Auch wenn man natürlich wieder merkt, dass wir uns hier im New-Adult-Bereich bewegen und die Protagonist*innen noch sehr jung sind.
Gerade das Alter hat man beim Lesen auch deutlich gespürt. Paige und Grayson wirken an manchen Stellen ziemlich naiv und teilweise fast ein bisschen jünger, als sie eigentlich sein sollten. Manche Reaktionen oder Gedanken kamen mir etwas übertrieben oder unbedarft vor. Aber: Es hat mich nicht wirklich gestört. Es blieb insgesamt im Rahmen und hat sogar irgendwie zur Geschichte gepasst, weil diese Unsicherheit ja genau das ist, worum es bei Paige geht, dieses Suchen, Ausprobieren und sich selbst finden.

Was ich besonders gelungen fand, war die Grundstimmung des Buches. Es ist einfach schön. So unaufgeregt, so angenehm, so frei von toxischem Drama. Keine künstlich aufgebauschten Konflikte, kein unnötiger Hass, stattdessen eine Geschichte, die auf einer jahrelangen Freundschaft aufbaut und zeigt, wie sich diese langsam verändert. Dieses Friends-to-Lovers-Setting hat sich unglaublich gut angefühlt, vor allem weil es hier nicht dieses typische „wir hassen uns erst“-Schema gibt, das man so oft liest.
Die Liebesgeschichte war zwar vorhersehbar, man weiß eigentlich von Anfang an, wohin das Ganze führt, aber genau das hat für mich den Reiz ausgemacht. Es ging weniger um das „Was passiert?“ und mehr um das „Wie passiert es?“. Und dieses „Wie“ war einfach richtig schön umgesetzt.

Besonders Grayson hat dabei mein Herz gewonnen. Dieses heimliche Verliebtsein, dieses Zurückhalten, weil er die Freundschaft nicht gefährden will und gleichzeitig dieses leise Bemühen um Paige. Das war einfach so süß zu lesen.
Aber auch Paige hat mir gefallen, vor allem ihre Entwicklung. Ich mochte es total, wie sich ihre Gefühle ganz langsam verändern. Wie sie Stück für Stück merkt, dass das, was sie für Grayson empfindet, eben nicht nur freundschaftlich ist. Dieser Wandel war nicht plötzlich oder überdramatisch, sondern leise, glaubwürdig und sehr gefühlvoll geschrieben.

Der Schreibstil von Alexandra Moody ist dabei angenehm leicht, flüssig und sehr zugänglich. Man fliegt förmlich durch die Seiten, ohne dass es oberflächlich wirkt. Die Atmosphäre ist warm, locker und teilweise auch richtig humorvoll, vor allem durch die Dynamik innerhalb der Darling-Familie.

Und genau da kommt für mich ein weiteres Highlight: die Familie Darling. Ich mochte die Darlings ja schon in Band 1, aber hier habe ich sie noch mehr ins Herz geschlossen. Die Beziehungen zwischen den Brüdern sind einfach richtig schön dargestellt. Liebevoll, ein bisschen chaotisch, oft witzig, aber immer unterstützend. Das hat dem Buch nochmal eine ganz besondere Wärme gegeben.

Was vielleicht für einige wichtig ist: Es gibt keinen Spice. Aber ehrlich gesagt, das Buch braucht das auch überhaupt nicht. Die Gefühle, das Knistern, dieses leise Prickeln zwischen Paige und Grayson, das funktioniert auch komplett ohne explizite Szenen. Und genau das macht die Geschichte meiner Meinung nach so stark, weil sie zeigt, dass Intensität nicht davon abhängt.

Fazit

Am Ende bleibt für mich ein sehr niedlicher, emotionaler und einfach angenehmer Roman, der sich leicht liest, aber trotzdem berührt. Kein großes Drama, keine toxischen Dynamiken, sondern eine sanfte, liebevolle Liebesgeschichte, die sich gut anfühlt.

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