Profilbild von Nancy0705

Nancy0705

Lesejury Star
offline

Nancy0705 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Nancy0705 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2025

magisch, aber herausfordernd

Musenrausch (Nektar und Ambrosia, Band 1)
0

„Musenrausch“ von Malou Bichon hat mich auf eine Weise überrascht, wie ich es nicht erwartet hatte. Als ich das Buch begann, dachte ich an eine etwas ruhigere, vielleicht romantisch-mystische Geschichte ...

„Musenrausch“ von Malou Bichon hat mich auf eine Weise überrascht, wie ich es nicht erwartet hatte. Als ich das Buch begann, dachte ich an eine etwas ruhigere, vielleicht romantisch-mystische Geschichte über Kunst und Inspiration – doch schon nach wenigen Seiten wurde klar, dass es hier viel tiefer geht. Die Welt, die Bichon erschafft, ist komplex, voller Magie, Mythologie und Symbolik, und obwohl mich das anfangs etwas überfordert hat, hat es mich gleichzeitig auch sehr fasziniert. Ich brauchte ehrlicherweise eine Weile, um mich zurechtzufinden, um die Regeln dieser Welt zu verstehen und die Zusammenhänge zwischen Wandas Kunst, der Muse Neo und der geheimnisvollen Anderswelt Ambrosia zu begreifen. Aber je mehr ich mich auf das Buch eingelassen habe, desto mehr hat es mich in seinen Bann gezogen.

Die Geschichte dreht sich um Wanda, eine Künstlerin, die in einer tiefen Schaffenskrise steckt. Sie hat das Gefühl, dass sie nichts mehr erschaffen kann, dass ihre Inspiration versiegt ist – bis plötzlich Neo in ihr Leben tritt, ein Wesen, das sie zunächst gar nicht einordnen kann. Neo ist eine Muse, eine Art übernatürliche Kraft, die Wanda inspiriert, aber mit jeder kreativen Eingebung selbst schwächer wird. Diese Verbindung zwischen den beiden ist intensiv, emotional und gefährlich zugleich. Für mich war das Spannende daran, dass Malou Bichon diese Beziehung nicht als reine Romanze erzählt, sondern als eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Kreativität, Abhängigkeit, Identität und Selbstfindung. Wanda kämpft nicht nur um ihre Kunst, sondern auch darum, sich selbst in diesem Rausch nicht zu verlieren.

Was mich besonders beeindruckt hat, war der Schreibstil. Bichons Sprache ist unglaublich bildhaft und poetisch, manchmal fast schon synästhetisch – als würden Farben, Gerüche und Klänge ineinanderfließen. Jede Szene wirkt sorgfältig komponiert, fast wie ein Gemälde. Dadurch entsteht eine dichte, sinnliche Atmosphäre, die mich oft völlig vereinnahmt hat. Gleichzeitig hat genau diese sprachliche Intensität auch dazu geführt, dass ich das Buch nicht einfach „weglesen“ konnte. „Musenrausch“ ist für mich kein leichter Roman für zwischendurch, sondern einer, in den man richtig eintauchen muss. Es verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, weil man sonst schnell den Faden verliert.

Die Atmosphäre des Romans ist geheimnisvoll, beinahe entrückt. Hamburg, der Schauplatz, wirkt zugleich vertraut und fremd, durchzogen von Magie und Schatten. Immer wieder öffnet sich der Schleier zu Ambrosia, einer Welt, in der Mythen und göttliche Kräfte lebendig werden. Diese mythologischen Elemente haben mich überrascht – ehrlich gesagt hatte ich nicht mit so viel Fantasy gerechnet, und anfangs fiel es mir schwer, all das einzuordnen. Doch gerade diese Mischung aus realer Künstler:innenexistenz und magischem Überbau macht den Reiz des Buches aus - wenn man so etwas mag. Mit der Zeit habe ich angefangen, die Symbolik hinter all dem zu sehen: Inspiration als Gabe und Gefahr, Kreativität als Verbindung zwischen Welten, Liebe als schöpferische, aber auch zerstörerische Kraft.

Trotz dieser Faszination muss ich aber sagen, dass mir die Handlung stellenweise zu wirr und undurchsichtig war. Einige Szenen gingen sehr schnell ineinander über, und manchmal hatte ich das Gefühl, dass sich Ereignisse überschlagen, bevor ich sie richtig verarbeiten konnte. Gerade im Mittelteil und gegen Ende verlor ich stellenweise etwas den Überblick, weil vieles gleichzeitig geschah – emotional, mythisch und symbolisch. Es war nicht immer leicht, den roten Faden zwischen Wandas innerem Erleben, der äußeren Handlung und der Welt von Ambrosia zu behalten. Das hat meine Lesefreude zwar nicht unbedingt zerstört, aber es machte den Einstieg und das Folgen der Geschichte zeitweise anstrengend. Ich hätte mir da etwas mehr Ruhe und Klarheit gewünscht, um die Handlung und ihre Bedeutung besser greifen zu können.

Die Figuren dagegen sind ein echter Pluspunkt. Wanda ist eine Protagonistin, die mich wirklich berührt hat – verletzlich, leidenschaftlich, zweifelnd und gleichzeitig stark. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen, vor allem in ihr Ringen um Kontrolle und Hingabe. Neo dagegen bleibt geheimnisvoll, manchmal schwer zu fassen, aber das passt zu seiner Rolle als Muse. Er ist kein klassischer Liebesheld, sondern eher ein Spiegel für Wandas inneren Konflikt – zwischen Sehnsucht und Selbstverlust. Die Nebenfiguren bleiben zwar teils im Hintergrund, fügen sich aber harmonisch in die Geschichte ein und tragen zur Atmosphäre bei, ohne sie zu überladen.

Fazit

Insgesamt würde ich sagen, dass „Musenrausch“ ein Buch ist, das man nicht einfach liest, sondern erlebt. Es ist fordernd, intensiv, manchmal verwirrend, aber zugleich wunderschön geschrieben. Ich musste mich an manchen Stellen wirklich konzentrieren, um mitzukommen, aber auch das war nicht unbedingt schlecht – es hat mich gezwungen, mich auf die Sprache, die Emotionen und die Symbolik einzulassen. Für mich ist das kein Buch, das man mal eben zwischen zwei Terminen liest, sondern eines, für das man sich Zeit nehmen sollte, am besten mit einer Tasse Tee und der Bereitschaft, sich vollkommen in eine andere Welt hineinziehen zu lassen. Und wenn man das tut, entfaltet es eine Sogwirkung, die nachhallt. Ich mochte es – gerade weil es mich herausgefordert hat, auch wenn ich zwischendurch das Gefühl hatte, in diesem Musenrausch ein wenig den Überblick zu verlieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2025

tolles Setting und liebenswerte Charaktere

The Penguin Paradox
0

"The Penguin Paradox" von Greta Milán begleitet Emerie, die als Veterinärmedizinerin über Pinguine forscht und die einmalige Chance bekommt, an einer Expedition in die Antarktis teilzunehmen ...

"The Penguin Paradox" von Greta Milán begleitet Emerie, die als Veterinärmedizinerin über Pinguine forscht und die einmalige Chance bekommt, an einer Expedition in die Antarktis teilzunehmen - ein Traum, der sich verwirklicht. Doch kaum angekommen, merkt sie, dass das Abenteuer komplizierter wird: Beckett, der Leiter des Expeditionsteams, macht ihr das Leben schwer. Sein strenger Führungsstil, seine distanzierte Art und die ständige Nähe auf der Polarstation führen dazu, dass sich zwischen Emerie und Beckett ein Spannungsfeld aufbaut. Während Emerie versucht, sich auf ihre wissenschaftliche Arbeit zu konzentrieren und ihre Distanz zu wahren, rücken ihre Gefühle unaufhaltsam näher.

Was mich an Greta Miláns Schreibstil sofort angesprochen hat, war die Mischung aus Leichtigkeit und Detailtreue. Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, die eisige Kälte zu spüren – die knirschenden Schritte im Schnee, das Fauchen des Windes, das Chaos eines Sturms. Gleichzeitig brachte sie mich oft zum Schmunzeln, weil die Dialoge zwischen Emerie und Beckett so spritzig und humorvoll sind. Besonders die wechselnden Perspektiven mochte ich sehr: Ich konnte mich gut in Emeries Zögern hineinfühlen, aber auch Becketts innere Kämpfe verstehen. Dieses Hin- und Her hat die Geschichte für mich lebendig und glaubwürdig gemacht.

Die Atmosphäre des Romans war für mich eines der größten Highlights. Die Antarktis ist nicht nur Kulisse, sie prägt die Handlung. Isolation, Nähe, das Fehlen von Ablenkung – all das steigert die Intensität zwischen den Figuren. Dazu kommt die Arbeit mit den Pinguinen, die ich unglaublich spannend fand. Sie sind nicht nur süße Nebenfiguren, sondern auch ein Spiegel für das, was Emerie und Beckett erleben: Treue, Gemeinschaft, Zusammenhalt trotz widriger Umstände.

Emerie als Figur habe ich sehr gemocht, gerade weil sie nicht perfekt ist. Sie zweifelt, sie macht Fehler, sie hält andere auf Distanz – und wächst genau daran.
Beckett dagegen habe ich anfangs als ziemlich verschlossen erlebt, manchmal fast zu streng, aber gerade das machte die Dynamik zwischen den beiden so reizvoll. Stück für Stück zeigt er mehr von sich, und das hat die Geschichte für mich spannend gehalten.
Auch die Nebenfiguren haben dazu beigetragen, dass sich der Roman lebendig anfühlt.

Die Handlung selbst war für mich vorhersehbar, aber das hat mich nicht weiter gestört. Ich wusste im Grunde, dass es auf eine romantische Annäherung hinausläuft – es ist ja ein klassisches Enemies-to-lovers- und Slow-Burn-Setting. Was den Unterschied gemacht hat, war die Umsetzung: die kleinen Details, die Dialoge, die Pinguine, die Antarktis. Genau das hat mir das Gefühl gegeben, etwas Eigenes zu lesen, auch wenn die Grundstruktur bekannt war.

Besonders gefallen hat mir die Balance zwischen Romantik und Wissenschaft. Ich konnte etwas über Pinguine und die Logistik einer Forschungsstation lernen, ohne dass es trocken wirkte. Gleichzeitig war da diese wachsende emotionale Nähe, die die Geschichte warm und mitreißend gemacht hat.

Mein Fazit:

"The Penguin Paradox" von Greta Milán war für mich ein richtiges Wohlfühlbuch, das mich in eine ungewöhnliche, eisige Welt entführt hat – und mich dabei innerlich wärmer werden ließ. Ich würde es allen empfehlen, die romantische Geschichten mögen, aber auch Lust auf ein außergewöhnliches Setting haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2025

Eine große Enttäuschung

Sweeter Than Pumpkin Spice
0

"Sweeter than Pumpkin Spice" von Isabelle Popp klang für mich zunächst nach einer herbstlichen, warmherzigen Romance, die Kürbisse, Kleinstadtleben und eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte miteinander ...

"Sweeter than Pumpkin Spice" von Isabelle Popp klang für mich zunächst nach einer herbstlichen, warmherzigen Romance, die Kürbisse, Kleinstadtleben und eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte miteinander verbindet und cozy Gefühle hervorruft. Doch schon nach wenigen Kapiteln wurde mir klar, dass das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen würde.
Die Handlung dreht sich um Sadie Fox, die nach Jahren in Los Angeles zurück auf die Kürbisfarm ihrer Familie kommt, um dort einen Riesenkürbis zu züchten und sich den Respekt ihres distanzierten Vaters zu verdienen. Kaum angekommen, wird ihre Arbeit durch Wildschweine zerstört, und dann tritt auch noch der neue Nachbar Josh auf den Plan – ein Tech-Millionär, der sein Glück auf dem Land sucht. Zwischen Sadie und Josh entspinnt sich eine Art Hass-Liebe, die nach einem Tornado, der Sadies Farm verwüstet, schließlich in eine Romanze mündet.
Auf dem Papier klingt das nach einer unterhaltsamen Mischung aus cozy Setting, Drama und Romantik, in der Praxis wirkt es jedoch bruchstückhaft und unausgegoren.

Ein großes Problem für mich waren die Figuren.
Sadie ist nicht kantig oder vielschichtig, sondern wirkt eher wie ein Klischee: launisch, abweisend und ohne wirklich nachvollziehbare Entwicklung. Ihr Misstrauen gegenüber Josh erscheint häufig unmotiviert, fast willkürlich, als müssten künstlich Konflikte erzeugt werden.
Josh wiederum ist das genaue Gegenteil: zu glatt, zu perfekt, ein wandelndes Sonnenschein-Klischee ohne Tiefe. Diese Eindimensionalität macht es schwer, eine echte Dynamik zwischen den beiden zu spüren.

Dazu kommt, dass ein erheblicher Teil des Buches von Sexszenen eingenommen wird. An sich habe ich nichts gegen Spice in Romance-Romanen – im Gegenteil, wenn es gut eingebettet ist, kann es eine Geschichte intensivieren. Hier aber wirken die Szenen kalt, mechanisch und nahezu austauschbar. Sie bringen für mich keinerlei Romantik oder Nähe zwischen den Figuren, sondern verstärken eher den Eindruck, dass Sadie und Josh keine wirkliche emotionale Verbindung haben. Statt zärtlicher, intimer Momente, die ihre Beziehung glaubwürdig vertieft hätten, verliert sich das Buch in körperlichen Beschreibungen, die die Stimmung brechen und nicht zum restlichen Setting passen. An manchen Stellen hatte ich fast das Gefühl, dass die Intimität um ihrer selbst willen eingefügt wurde, ohne dass sie zum Fortschritt der Geschichte oder zur Figurenentwicklung beiträgt. Dadurch geht genau das verloren, was ich mir eigentlich gewünscht hätte: Wärme, Langsamkeit, Romantik.

Verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch den Schreibstil. Für mich wirkte er über weite Strecken nüchtern, kalt und distanziert. Es fiel mir schwer, in die Figuren hineinzufinden oder eine emotionale Nähe aufzubauen, weil die Sprache keine Wärme transportiert hat. Statt tieferer Gefühlsnuancen oder atmosphärischer Beschreibungen fand ich viele Passagen spröde formuliert. Hinzu kommt, dass einige Ausdrücke für meinen Geschmack schlicht zu derb und absolut unpassend waren. Sie rissen mich aus der Geschichte heraus und passten weder zur angedeuteten cozy-Stimmung noch zu einer romantischen Erzählweise.

Auch dramaturgisch konnte mich das Buch nicht überzeugen. Konflikte werden angerissen und wieder fallengelassen, ohne wirklich Konsequenzen zu haben. Der Tornado beispielsweise wirkt wie ein aufgesetzter Kniff, um Drama zu erzeugen, verändert aber letztlich wenig. Besonders das Ende war für mich eine Enttäuschung: Zentrale familiäre Probleme, die vorher viel Raum einnehmen, lösen sich plötzlich und oberflächlich auf, als hätte die Autorin es eilig gehabt, schnell zum Abschluss zu kommen.

Am meisten hat mich gestört, dass die Atmosphäre, die ich erwartet hatte, kaum entsteht. Das Kürbis-Setting, die Farm, der Herbst – all das hätte eine warme, heimelige Kulisse sein können, die zum Träumen einlädt. Stattdessen bleibt es oberflächlich und dekorativ, ohne dass ein wirkliches cozy Gefühl aufkommt. Kombiniert mit den kühlen Sexszenen, der fehlenden Figurenentwicklung, dem distanzierten Schreibstil und der hastigen Auflösung bleibt am Ende ein Buch, das für mich weder als Liebesgeschichte noch als atmosphärischer Herbstroman funktioniert.

Fazit

Für mich war "Sweeter than Pumpkin Spice" von Isabelle Popp eine große Enttäuschung. Ich habe mich beim Lesen weder emotional abgeholt noch unterhalten gefühlt, und die zahlreichen Spice-Passagen haben für mich eher Distanz erzeugt als Nähe. Dazu kam ein Schreibstil, der mir zu kalt und stellenweise zu derb war, sodass ich keinen richtigen Zugang zu den Figuren gefunden habe. Leider absolut nicht das, was ich mir von einem cozy Herbstroman erwartet habe!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 02.10.2025

gewohnt humorvoll

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum
0

Ich habe inzwischen alle bisherigen Bände der "Miss Merkel"-Reihe gelesen und war daher sehr gespannt auf "Mord unterm Weihnachtsbaum". Und auch dieses Buch reiht sich nahtlos in die Reihe ein und bietet ...

Ich habe inzwischen alle bisherigen Bände der "Miss Merkel"-Reihe gelesen und war daher sehr gespannt auf "Mord unterm Weihnachtsbaum". Und auch dieses Buch reiht sich nahtlos in die Reihe ein und bietet wieder genau das, was ich an David Safier so schätze: viel Witz, feine politische Spitzen und eine unterhaltsame Mischung aus Cosy Crime und Gesellschaftssatire.

Schon der Einstieg ist typisch: Angela Merkel freut sich eigentlich auf ein besinnliches Weihnachten zu Hause, doch statt Kerzenschein und Ruhe findet sie einen toten Weihnachtsmann kopfüber im Kamin.
Von da an entspinnt sich eine kurzweilige, leichte Ermittlungsarbeit, bei der mehrere Weihnachtsmänner und -frauen in Verdacht geraten.
Die Handlung ist dabei nicht kompliziert, sondern eher geradlinig, was das Buch angenehm zugänglich macht, aber gleichzeitig hätte ich mir ein wenig mehr Tiefgang und Länge gewünscht. Einige Wendungen kommen recht abrupt, und die Auflösung des Falls ist eher schnell abgehandelt, sodass ich das Gefühl hatte, dass da noch ein wenig Raum für Spannung und zusätzliche Überraschungen geblieben wäre - was aber vor allem der ungewöhnlichen Kürze des Buches geschuldet ist.

Wie gewohnt sind es vor allem die kleinen politischen Spitzen, gesellschaftlichen Beobachtungen und Anspielungen auf bekannte Persönlichkeiten, die mich oft zum Schmunzeln gebracht haben. Die Dialoge sind gewohnt spritzig, und Angela Merkel als Ermittlerin hat ihren typischen, zurückhaltenden Stil bewahrt, der durch ihre kleinen menschlichen Eigenheiten charmant ergänzt wird.

Schade fand ich diesmal den Umgang mit einigen liebgewonnenen Nebencharakteren. Hund Pupsi, der in früheren Bänden oft für Lacher gesorgt hat, und Marie, die ich als Nebenfigur besonders mag, spielen dieses Mal nur eine sehr untergeordnete Rolle und tauchen fast gar nicht auf.

Ein weiterer Punkt, der mir aufgefallen ist, betrifft den sogenannten „echten Weihnachtsmann“. Safier deutet an, dass einer der Weihnachtsmänner mehr als nur ein Verkleidungskandidat sein könnte – ein Hauch von Magie sollte wohl die Weihnachtsstimmung unterstreichen. Mir persönlich gefällt der realistischere Ansatz besser, daher ist die Idee nicht so meins. Ich kann allerdings verstehen, dass andere LeserInnen genau diesen kleinen fantastischen Einschlag lieben würden, um das Weihnachtsgefühl zu verstärken.

Alles in allem hatte ich dennoch großen Spaß beim Lesen. Das Buch ist gewohnt humorvoll, die Figuren sind charmant und liebenswert, und die Mischung aus weihnachtlicher Stimmung, Cosy Crime und politischer Satire funktioniert nach wie vor hervorragend. Wer Safiers Stil kennt, weiß, dass man keinen düsteren Thriller erwarten darf, sondern eine unterhaltsame, oft witzige und leicht absurde Geschichte, die die Leserinnen und Leser bestens unterhält.

Trotz kleiner Kritikpunkte ist "Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum" wieder mal ein kurzweiliger, sehr unterhaltsamer Band, der mich oft zum Lachen gebracht hat und für mich erneut zeigt, warum ich die Reihe so gerne lese. Es ist ein Buch, das perfekt in die Vorweihnachtszeit passt, für Fans der Reihe ein Muss ist und auch neuen Leserinnen und Lesern die humorvolle Seite politischer Satire und Cosy Crime näherbringt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.10.2025

Jahreshighlight - hochemotional

Lost Girls − Breathing for the First Time
0

Nikola Hotel erzählt in "Lost Girls - Breathing for the First Time" die Geschichte von Darcy Sullivan, welche äußerlich in Luxus lebt: einen Star als Mann, ein Haus am Strand, Status, Bewunderung von außen ...

Nikola Hotel erzählt in "Lost Girls - Breathing for the First Time" die Geschichte von Darcy Sullivan, welche äußerlich in Luxus lebt: einen Star als Mann, ein Haus am Strand, Status, Bewunderung von außen – doch innerlich ist ihr Leben eingezwängt. Ihr Ehemann, Jason, kontrolliert sie zunehmend: über ihre Ernährung, ihre Kleidung, ihre Kontakte, ihre Bewegung.
Während Darcy sich immer mehr isoliert und überwacht fühlt und kaum noch weiß, wer sie selbst noch ist, beginnt sie, Fluchtpläne zu schmieden. Parallel dazu tritt Ellis in ihr Leben – jemand, der mehr sieht als das Bild, das Darcy nach außen aufrechterhalten muss.
Doch kann sie es schaffen zu fliehen und endlich wieder sie selbst werden?

"Lost Girls - Breathing for the First Time" hat mich insgesamt unglaublich bewegt und mitgenommen. Ich habe so sehr mit Darcy mitgefühlt, dass ich ein ständiges Gefühl von Beklemmung und Unwohlsein hatte. Stellenweise musste ich mich regelrecht zwingen, weiterzulesen, weil es einfach so krass intensiv, bedrückend und emotional war. Gerade dieses „kaum Aushalten-Können“ zeigt für mich aber, wie meisterhaft Nikola Hotel diese Gefühlswelt transportiert hat. Es ist selten, dass mich eine Geschichte so stark körperlich und emotional erreicht.

Nikola Hotel schreibt so, dass man gleichzeitig loslassen und festhalten will. Ihre Sprache ist eindringlich: kurze, präzise Sätze in Momenten der Angst; leicht poetisch in Momenten, in denen Darcy erinnert, träumt oder Hoffnungen spinnt. Besonders gelungen fand ich, dass ich beim Lesen nie das Gefühl hatte, dass künstlich Dramatik erzeugt wird – alles wirkte organisch, echt und tief.

Die Atmosphäre ist aufgrund der Situation Darcys und der Vorkommnisse durchgehend beklemmend – nicht auf Horror oder Extreme angelegt, sondern auf Dauerstress, Isolation und Ohnmacht. Es sind die kleinen Gesten, die den größten Druck erzeugen: ein Blick, der zu lange dauert, eine unerwartete Bemerkung, eine winzige Abweichung von Jasons Regeln. Diese unterschwellige Bedrohung ließ mich nie los. Gleichzeitig gab es seltene, kleine Lichtblicke, zum Beispiel wenn Darcy mit ihrem Hund Cashew am Strand sitzt. Diese Momente fühlten sich an wie Atempausen zwischen zwei Sturmwellen – notwendig, um überhaupt weiterlesen zu können.

Darcy ist eine Protagonistin, die mich sehr bewegt hat. Ich konnte ihre Ängste, ihre Unsicherheit und ihre inneren Kämpfe so nachvollziehen, dass ich stellenweise fast meinte, selbst in ihrer Lage zu sein.
Jason hingegen hat mich mit seiner manipulativen Art zutiefst wütend gemacht. Gerade, weil er nicht als „klassischer Bösewicht“ daherkommt, sondern seine Kontrolle in kleinen, subtilen Handlungen zeigt, war es so bedrückend realistisch.
Ellis und auch Darcys neue Freundinnen waren für mich im Gegensatz dazu ein Hoffnungsschimmer - die mir - und auch Darcy - das Gefühl gaben, dass es einen Ausweg geben könnte.

Das zentrale Thema von psychischer Kontrolle, Manipulation und der Suche nach Freiheit ist schonungslos ehrlich dargestellt. Gerade weil die Autorin nichts beschönigt, hat mich das Buch so getroffen. Es zeigt eindringlich, wie sehr unsichtbare Narben das Leben bestimmen können, und wie schwer es ist, sich daraus zu befreien. Gleichzeitig macht es aber auch Mut: schon kleine Schritte können ein Anfang sein.
Genau dazu hat für mich auch das Ende gepasst, es war nicht perfekt bzw. so, wie man es sich für Darcy vielleicht gewünscht hätte, aber gerade deswegen realistisch. Es wurde auch hier nichts beschönigt und kein „Friede-Freude-Eierkuchen“-Schluss geschaffen. Stattdessen bleibt Raum für Hoffnung, aber eben auch für die Erkenntnis, dass Heilung, Freiheit und Gerechtigkeit ein langer, steiniger Weg sind.

Fazit:

"Lost Girls - Breathing for the First Time" hat mich zutiefst berührt, gefordert und manchmal sogar überfordert. Es war kein leichtes, „schnelles“ Lesen, sondern eine emotionale Achterbahnfahrt, die mich sehr beschäftigt hat. Ich habe mit Darcy gelitten, gehofft und gezittert – und genau diese Nähe zur Protagonistin macht das Buch für mich so besonders. Für mich ist es ganz klar ein absolutes Jahreshighlight – und darüber hinaus eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere