Emotionaler Roman über das Erwachsenwerden unter schwierigen Umständen
MandelSchon seit seiner Geburt kann Yunjae keine Emotionen empfinden; Gefühle wie Wut, Angst oder Freude sind ihm fremd und unverständlich. In der Schule gilt er daher als psychopathischer Außenseiter, aber ...
Schon seit seiner Geburt kann Yunjae keine Emotionen empfinden; Gefühle wie Wut, Angst oder Freude sind ihm fremd und unverständlich. In der Schule gilt er daher als psychopathischer Außenseiter, aber sein Leben zuhause mit Großmutter, Mutter und dem kleinen Buchladen, den sie führen, ist ein gutes. Mit Übungen und kleinen Zetteln versucht seine Mutter, Junjae angemessene Reaktionen beizubringen und ihm so den Umgang mit anderen zu erleichtern. Doch dann lässt ein furchtbares Ereignis den 16-Jährigen allein zurückbleiben.
„Mandel“ ist der Debütroman der südkoreanischen Schriftstellerin, Regisseurin und Drehbuchautorin Won-pyung Sohn und wurde von Sebastian Bring ins Deutsche übersetzt. Der Titel bezieht sich darauf, dass Yunjaes Mutter ihm jeden Tag Mandeln zu essen gibt, weil sie hofft, dies würde seine Alexithymie – so heißt seine Krankheit – heilen. Die Handlung wird in vier Teilen sowie einem Pro- und Epilog von Yunjae selbst erzählt, so dass für uns Leser*innen etwas greifbarer wird, was in seinem Inneren vor sich geht.
Ohne die Hilfe seiner Großmutter und Mutter fehlt dem Jungen zunächst jeder Anker. Um eine gewisse Routine beizubehalten, versucht er, das Antiquariat der Familie über Wasser zu halten; Hilfe erhält er dabei von Dr. Shim, dem örtlichen Bäcker. Nachhaltig verändert sein Leben sich jedoch, als seltsame Umstände ihn mit Gon zusammenführen, einem neuen Jungen an seiner Schule. Der empfindet Yunjae, der keine Furcht spüren kann, geradezu als Provokation, kann er doch die restlichen Schüler problemlos herumschubsen. Doch nach und nach freunden die ungleichen Jungen sich an und teilen ehrliche Gespräche miteinander.
Als Yunjae älter wird, scheint sich nach und nach etwas an seiner Alexithymie zu verändern. Besonders spürt er das im Umgang mit Mitschülerin Dora, die ihn als einzige nicht meidet, doch das fröhliche Mädchen und Gons aggressives Auftreten wollen nicht zueinander passen. „Mandel“ ist ein emotionaler Roman über das Erwachsenwerden unter schwierigen Umständen und vor allem über Freundschaft. Das Ende wirkte, für mich persönlich, jedoch etwas aufgesetzt.