Gute Idee mit mäßiger Umsetzung
Shanghai StoryEs ist das Jahr 2040 und das Ehepaar Leo und Eko Yang hat es in Shanghai zu Wohlstand gebracht. Doch die Beziehung der beiden ist belastet, denn beide träumen davon, anderswo, mit einem anderen Menschen ...
Es ist das Jahr 2040 und das Ehepaar Leo und Eko Yang hat es in Shanghai zu Wohlstand gebracht. Doch die Beziehung der beiden ist belastet, denn beide träumen davon, anderswo, mit einem anderen Menschen neu anzufangen. Auch die drei Töchter Yumi, Yoko und Kiko haben ihre ganz eigenen Probleme. Yumi ist egoistisch und macht sich ständig über ihre jüngere Schwester Yoko lustig. Die ist eher zurückhaltend und beschäftigt sich lieber mit Zahlen als mit Menschen. Yukiko, das Nesthäkchen, von allen nur „Baby Kiko“ genannt, will ein Star werden und dafür ist ihr jedes Mittel recht. Doch wie konnte es soweit kommen? Wie sind die Yangs als Familie an diesen Punkt gelangt?
In „Shanghai Story“ (deutsche Übersetzung von Jan Schönherr) erzählt Juli Min die Geschichte der Familie Yang von der Ehe der Eltern bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Interessant dabei ist, dass nicht chronologisch, sondern rückwärts berichtet wird. Wir starten also im Jahr 2040 mit einer zerrütteten Familie und bewegen uns rückwärts auf den Juli 2014 zu, in welchem Leo und Eko geheiratet haben. Durch diese besondere Art des Erzählens erfahren wir oft nicht, was aus bestimmten Ereignissen oder Figuren geworden ist, einiges erhält jedoch nach und nach einen Sinn, wenn wir z.B. zunächst von der Wirkung einer Angelegenheit lesen und später erst die Ursache in der Vergangenheit finden.
Die Mitglieder der Familie Yang bleiben, vielleicht aufgrund der Art zu Erzählen, den gesamten Roman hindurch nur schwer greifbar. Sie alle sind nicht sonderlich sympathisch und miteinander bilden sie eher eine Zweckgemeinschaft, als eine echte Familie. Sie sprechen nicht über Probleme, gehen einander aus dem Weg, halten nach außen hin aber die Fassade einer perfekten reichen Familie aufrecht. Einblicke in das Leben ihrer Angestellten, wie des Fahrers oder des Kindermädchens, ergänzen das Bild.
Grundsätzlich folgt „Shanghai Story“ einer guten Idee, die Umsetzung ist aber wenig gelungen. Das Rückwärts-Erzählen bringt keinerlei Gewinn und verkompliziert die Geschichte nur. Auch die Botschaft am Ende des Romans bleibt leider unklar.