Schöner Roman über eine Wahlfamilie
Die MitternachtsbäckereiDie „Boulangerie Kurebayashi“ hat jede Nacht nur von 23 Uhr bis 5 Uhr morgens geöffnet, eine Nachtbäckerei also. Hier kommt eines Tages Nozomi an, eine Teenagerin, die von ihrer unzuverlässigen Mutter ...
Die „Boulangerie Kurebayashi“ hat jede Nacht nur von 23 Uhr bis 5 Uhr morgens geöffnet, eine Nachtbäckerei also. Hier kommt eines Tages Nozomi an, eine Teenagerin, die von ihrer unzuverlässigen Mutter verlassen wurde. Die Inhaberin der Bäckerei, Miwako Kurebayashi, hatte ihr Hilfe zugesagt, doch dann verstarb sie ganz plötzlich. Zurück bleiben der trauernde Ehemann Yōsuke und sein Geschäftspartner und Lehrmeister in der Bäckerei, Hiroki Yanagi. Und obwohl beide Nozomi nicht kennen, bieten sie ihr einen Unterschlupf an. Da ist jedoch nur der Anfang, denn nach und nach entwickelt der Laden sich zu einer Anlaufstelle für verlorene, einsame Seelen.
„Die Mitternachtsbäckerei“ ist der Debütroman der japanischen Schriftstellerin und Drehbuchautorin Noriko Ōnuma und wurde von Karolina Heidinger ins Deutsche übertragen. Im Fokus der Handlung stehen die Oberschülerin Nozomi und ihr neues Leben in der Bäckerei. Der Erzähler lässt im weiteren Verlauf jedoch auch andere Personen zu Wort kommen, so dass wir die Schicksale des Personals und der Kund*innen der „Boulangerie Kurebayashi“ erfahren.
Der Roman spricht die unterschiedlichsten Themen an. So geht es vordergründig natürlich um Trauer, denn Yōsuke hat vor kurzem seine Frau verloren. Nozomi und der kleine Kodama, der in der Bäckerei beim Stehlen erwischt wird, leben in komplizierten Familienverhältnissen, Kundin Sophia ist trans und lebt gerade auf der Straße, während Madarame mit seinem Teleskop von seiner Wohnung aus anderen Menschen nachspioniert. Sie alle finden im Laden einen neuen Fixpunkt und unterstützen sich gegenseitig – wobei auch das ein oder andere Geheimnis gelüftet wird.
„Die Mitternachtsbäckerei“ ist eine bittersüße, episodenhafte Geschichte darüber, dass Familie manchmal schwierig sein kann, dass es aber auch nicht immer Blutsbande benötigt, um eine Familie zu sein. In der „Boulangerie Kurebayashi“ bzw. innerhalb der Handlung hat jede Figur ihre Funktion und ist bedeutsam für die anderen. Gemeinsam bringen sie nicht nur das Geschäft voran, sondern helfen sich auch gegenseitig im Privatleben. Ein wirklich schöner Roman!