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Veröffentlicht am 21.05.2021

Zaknafein ist zurück

Zeitenlos
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Schon vor einigen Jahrzehnten verlor Drizzt Do‘Urden seinen Vater, den Waffenmeister Zaknafein. Damals opferte er sein eigenes Leben, um seinen Sohn zu schützen. Doch eines Tages taucht er aus dem Nichts ...

Schon vor einigen Jahrzehnten verlor Drizzt Do‘Urden seinen Vater, den Waffenmeister Zaknafein. Damals opferte er sein eigenes Leben, um seinen Sohn zu schützen. Doch eines Tages taucht er aus dem Nichts wieder auf. Drizzt ist sofort misstrauisch , er ist nicht bereit, seinen Vater noch einmal zu verlieren. Dabei käme ihm dessen Hilfe gelegen, denn er und seine Verbündeten sehen sich mit besorgniserregenden Vorkommnissen konfrontiert.

„Zeitenlos“ wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt: einmal der Vergangenheit im Jahre 1018, in der berichtet wird, wie Zaknafein Simfray Mitglied des Hauses Do‘Urden wird und seinen langjährigen Freund, den Söldner Jarlaxle kennenlernt. Und in der Gegenwart im Jahre 1488, in der Drizzt sich mit seiner Frau Catti-brie in Luskan niedergelassen hat und Verbündete der unterschiedlichsten Völker um sich geschart hat. Dabei werden die beiden Welten sehr gut kontrastiert. Im düsteren, unter der Erde liegenden Menzoberranzan der Drow, also der Dunkelelfen, sind Männer nicht mehr als bloße Sklaven der herrschenden Frauen. In der schillernden, vielfältigen Welt oberhalb leben Elfen, Menschen, Zwerge, Halblinge und andere Völker in Freiheit.

Die Figur des Zaknafein gehörte definitiv zu den faszinierendsten Charakteren in den ersten Bänden der „Forgotten Realms“-Reihe. Er trainierte Drizzt, war ihm ein Freund in einer Umgebung, in der Zuneigung unerwünscht ist und gab ihm den Mut, Menzoberranzan zu verlassen. Umso schöner ist es, dass Vater und Sohn in der Gegenwart eine neue Chance erhalten. Das gestaltet sich jedoch nicht unbedingt einfach, denn für Zaknafein ist seit seinem Tod nur ein Wimpernschlag vergangen. Mit den Veränderungen um ihn herum tut er sich schwer, vor allem mit der Tatsache, dass sein Sohn mit einer „niederen“ Menschenfrau zusammenlebt.

Da „Zeitenlos“ der erste Band einer neuen Trilogie ist, bleibt in der Handlung am Ende vieles offen. R.A. Salvatore beweist jedoch erneut, dass er auch nach fast 30 Jahren mit Drizzt Do‘Urden nichts verlernt hat. Eine grandiose Fortsetzung für Fans, der Quereinstieg dürfte aufgrund der Menge an Charakteren und Vorgeschichte schwer fallen.

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Veröffentlicht am 17.05.2021

Ein sehr persönlicher Reisebericht

In 80 Zügen um die Welt
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„In 80 Zügen um die Welt“ - das ist genau das, was sich die britische Journalistin Monisha Rajesh für die nächsten 7 Monate vorgenommen hat. Ihr Umfeld hält das Unterfangen im besten Fall für nicht durchführbar, ...

„In 80 Zügen um die Welt“ - das ist genau das, was sich die britische Journalistin Monisha Rajesh für die nächsten 7 Monate vorgenommen hat. Ihr Umfeld hält das Unterfangen im besten Fall für nicht durchführbar, im schlechtesten für schlichtweg verrückt. Aus Sorge um ihre Sicherheit beschließt Monishas Verlobter Jeremy, sie auf die Reise zu begleiten. Gemeinsam geht es für die beiden auf Schienen durch Europa, Asien, Nordamerika und Kanada. Unterwegs werden sie nicht nur jede Menge nette, schräge, aber auch ernüchternde Begegnungen machen, sondern auch sich selbst und als Paar besser kennenlernen.

Das Buch ist ein klassischer Reisebericht, der in insgesamt 15 Kapiteln die Reiseroute von Monisha und Jeremy nachvollzieht. Da die Kapitelüberschriften dabei eher auf Erlebnisse auf dem jeweiligen Streckenabschnitt anspielen, war es für mich nicht immer einfach nachzuvollziehen, wo genau wir uns im Moment befinden. Im Umschlag ist zwar eine Karte abgebildet, die ist aber sehr stark schematisch und zeigt auch nicht, in welche Richtung die Strecke bereist wurde. Generell hätte ich mir genauere Daten zu den Routen und Zügen gewünscht – wer auf eine ähnliche Reise gehen möchte, findet hier nur wenige Angaben über Buchungsmöglichkeiten oder Preise.

In den ersten Kapiteln will noch nicht so recht deutlich werden, was eigentlich die Faszination des Zugreisens ausmacht. Monisha und Jeremy fühlen sich in Europa unwohl und werden mehrfach über den Tisch gezogen. Über Russland fliehen sie daher recht bald nach China, werden jedoch auch hier in den Zügen immer wieder rassistisch beleidigt. Monisha kommt ursprünglich aus Indien, Jeremys Mutter stammt aus Malaysia, sein Vater ist halb schottisch, halb litauisch – ihre Hautfarbe und auch ihr Alter und ihr augenscheinlich privilegierter Status sorgen bei den Mitreisenden für Vorbehalte.

Lesenswert hingegen machen das Buch die Begegnungen mit Menschen verschiedenster Nationalitäten, Kulturen und Religionen. Besonders im Gedächtnis bleibt dabei auf jeden Fall die Reise nach Nordkorea, voller Einschränkungen und seltsamer Regeln oder die Fahrt in der so genannten „Todeseisenbahn“ in Thailand, bei deren Bau im Zweiten Weltkrieg viele Tausende Kriegsgefangene der Japaner ihr Leben lassen mussten. Ein Lächeln aufs Gesicht zaubert hingegen die Bekanntschaft mit einer tibetischen Nonne, die Monisha bisher unbekannte Funktionen ihres Iphones erklärt.

Fazit: Ein sehr persönlicher Reisebericht, der für meinen Geschmack mehr Sachinformationen enthalten dürfte

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Veröffentlicht am 12.05.2021

Eine bretonische Affäre

Mittwochs am Meer
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Maurice lebt in Paris, ist alleinstehend und arbeitet als Insolvenzverwalter. Jeden Mittwoch fährt er deshalb in die Bretagne, um ein kleines Unternehmen zu retten, das vor dem Bankrott steht. Eines Tages ...

Maurice lebt in Paris, ist alleinstehend und arbeitet als Insolvenzverwalter. Jeden Mittwoch fährt er deshalb in die Bretagne, um ein kleines Unternehmen zu retten, das vor dem Bankrott steht. Eines Tages lässt ihm dabei die Rezeptionistin seines Hotels einen Brief und einen Gedichtband zukommen. Maurice, der sich in den letzten Jahren vom Einzelgänger fast schon zum Eremiten entwickelt hat, ist verunsichert. Was will eine Frau wie Dominique mit einem Mann wie ihm?

„Mittwochs am Meer“ ist eine Erzählung von knapp 170 Seiten, die aus der Sicht von Maurice schildert, wie sein Leben sich durch die Begegnung mit einer Frau, die er nie zuvor gesehen hat, völlig unerwartet verändert. Die Sprache ist dabei sehr wohlklingend und poetisch und die Seiten fliegen beim Lesen nur so dahin. Die Beschreibungen der Orte, zum Beispiel des menschenleeren Mont-Saint-Michel nachts um 2 Uhr machen, wie auch Oetkers Aquitaine-Krimis, Lust auf eine Frankreichreise, ein kühles Glas Wein und einen Spaziergang am Meer.

Weniger greifbar waren für mich die beiden Hauptfiguren. Maurice öffnet sich zwar in Gesprächen und erzählt von seiner lieblosen Kindheit und verlorenen Beziehungen, vernachlässigt auf der anderen Seite aber das Unternehmen, das er eigentlich retten soll und riskiert so zahlreiche Arbeitsplätze. Dominique wirkt von Beginn an sehr fordernd, gibt aber nur unwillig mehr von sich selbst preis. Die Anziehung zwischen den beiden scheint vordergründig sexuell zu sein und hier finde ich persönlich den stets gemeinsamen Höhepunkt als Zeichen der Verbundenheit etwas abgegriffen.

Im Verlauf der Handlung steuert die locker-leichte Affäre langsam, aber sicher auf eine Katastrophe zu. Als Leserin hat man schon lange vor Maurice ein ungutes Gefühl, das die zärtlichen Momente zwischen ihm und Dominique bittersüß erscheinen lässt. Das Ende kam für mich sehr plötzlich und ich hätte es so auch nicht vorhergesehen. Man kann sicherlich streiten, ob Alexander Oetker hier das Schicksal etwas überstrapaziert, aber eine spannende Sommerlektüre ist „Mittwochs am Meer“ allemal. Es dürfen gerne noch viele weitere Werke abseits von Krimi und Thriller folgen!

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Veröffentlicht am 09.05.2021

Ein bedeutsames Thema

Das Patriarchat der Dinge
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Lange Schlangen vor den Damentoiletten und fehlende Taschen an Frauenmode – das sind nur zwei Themen, die Rebekka Endler in ihrem Sachbuch „Das Patriarchat der Dinge“ anspricht. Vor einigen Monaten hatte ...

Lange Schlangen vor den Damentoiletten und fehlende Taschen an Frauenmode – das sind nur zwei Themen, die Rebekka Endler in ihrem Sachbuch „Das Patriarchat der Dinge“ anspricht. Vor einigen Monaten hatte ich schon „Unsichtbare Frauen“ von Caroline Criado-Perez gelesen, in welchem sie sich mit der so genannten Gender Data Gap befasst. Rebekka Endler zeigt uns jetzt sehr anschaulich, wie genau diese fehlenden Daten über weibliche Körper und Lebensrealitäten, sich ganz konkret im täglichen Leben auswirken.

Ihre Sprache ist gut verständlich und verdeutlicht durch Beispiele, wo es im ach so gleichberechtigten Deutschland (und auf der ganzen Welt) noch „Verbesserungsbedarf“ gibt. Dabei macht sie etwas richtig, was Criado-Perez leider versäumt hat: Ihre Sprache ist inklusiv, sie schreibt konsequent gendergerecht und übergeht vor allem marginalisierte Gruppen nicht. Denn wo weiße Frauen schon zu kämpfen haben, ist die Situation für trans und nicht-binäre Menschen oder People of Colour noch viel schwieriger.

In insgesamt neun Kapiteln bewegt sie sich durch eine Vielzahl von gesellschaftlichen Bereichen. Von öffentlichen Toiletten, die durch ihre Gestaltung und Verfügbarkeit eindeutig an männliche Bedürfnisse angepasst sind. Über Firmen, die glauben, man brauche ein „Männerprodukt“ nur etwas verkleinern und pink anzumalen und schon spreche es eine weibliche Zielgruppe an. Oder der Modebranche, die gefühlt alle Outfitkomponenten eines Mannes mit Taschen versorgt, während Frauen ihre Wertsachen anderswo verstauen oder mit Taschen an den unpassendsten Stellen leben müssen.

Was für einige sicherlich nur nach Ärgernissen klingt, wird im medizinischen Bereich im wörtlichen Sinne lebensbedrohlich. Viele Krankheiten drücken sich bei Frauen in anderen Symptomen aus, weshalb beispielsweise Schlaganfälle viel später erkannt werden, als bei Männern. Und auch hier weitet Rebekka Endler das Thema wieder aus: Hautveränderungen sind bisher nur an weißen Personen beschrieben, so dass People of Colour oft falsch behandelt werden.

Ein Buch, das vieles aufdeckt und wütend macht, aber auch vor Augen führt, dass sich hier endlich etwas ändern muss.

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Veröffentlicht am 08.05.2021

4 Senioren und ein Mordfall

Der Donnerstagsmordclub (Die Mordclub-Serie 1)
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Coopers Chase ist eine luxuriöse Seniorenresidenz in der Grafschaft Kent. Dort trifft sich jeden Donnerstag im Puzzlezimmer der „Donnerstagsmordclub“, um sich alten, ungelösten Fällen zu widmen. Gerade ...

Coopers Chase ist eine luxuriöse Seniorenresidenz in der Grafschaft Kent. Dort trifft sich jeden Donnerstag im Puzzlezimmer der „Donnerstagsmordclub“, um sich alten, ungelösten Fällen zu widmen. Gerade als das neueste Mitglied, die fast achtzigjährige Joyce, rekrutiert wurde, wird der zwielichtige Tony in seinem Haus ermordet. Das ist DIE Chance für die Clubmitglieder, endlich in einem echten Mordfall herumzuschnüffeln, doch da haben auch die Ermittler Chris und Donna noch ein Wörtchen mitzureden.

„Der Donnerstagsmordclub“ wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und das recht raffiniert. Auf der einen Seite bekommen wir Joyces Tagebuch zu lesen und so einen Einblick in ihr Innerstes. Auf der anderen Seiten beobachtet eine auktoriale Erzählstimme das restliche Geschehen, so dass wir auch nichts verpassen. Die Sprache ist dabei unterhaltsam und hat einen humoristischen Unterton. Vor allem Joyce schildert die Ereignisse oft mit einer gewissen (Selbst-)Ironie und wendet sich immer wieder direkt an die Leser*innen.

Den Kern der Handlung macht jedoch das Zusammenspiel der vier Hauptfiguren aus. Obwohl sie charakterlich ganz unterschiedlich sind, ergänzen sie sich doch perfekt. Ex-Gewerkschaftler Ron ist laut und unbequem, der ehemalige Psychiater Ibrahim bleibt stets ruhig und ist für die Analysen zuständig. Elizabeth war früher Geheimagentin und nutzt ihr Wissen und ihre Kontakte aus früheren Zeiten, während Joyce als ehemalige Krankenschwester medizinisches Wissen beisteuert. Im Verlauf der Geschichte entwickeln sich die vier zu echten Freunden, aber auch Polizistin Donna und ihr Vorgesetzter Chris sind sympathische Charaktere mit echten Stärken und Schwächen.

Der Kriminalfall an sich ist nicht super komplex und das Personal übersichtlich. Dennoch gibt es zahlreiche Wendungen und Überraschungsmomente, die ich nicht vorhersehen konnte. Und trotz der Tatsache, dass es sich um einen Krimi handelt, musste ich immer wieder still in mich hinein lächeln und manchmal auch laut auflachen. Im Englischen wird im September ein zweiter Fall dieses zauberhaften Quartetts erscheinen und ich hoffe, dass wir ebenfalls die Übersetzung lesen dürfen.

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