Profilbild von Naraya

Naraya

Lesejury Star
offline

Naraya ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Naraya über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2020

guter Ratgeber für Anfänger

Unverwüstliche Zimmer- und Balkonpflanzen
0

Mathilde Lelièvre ist Landschaftsarchitektin und Umweltwissenschaftlerin mit eigener Firma zum Thema Pflanzen und Design sowie einer Boutique. Im vorliegenden Ratgeber präsentiert sie genau das, was der ...

Mathilde Lelièvre ist Landschaftsarchitektin und Umweltwissenschaftlerin mit eigener Firma zum Thema Pflanzen und Design sowie einer Boutique. Im vorliegenden Ratgeber präsentiert sie genau das, was der Titel verspricht: „Unverwüstliche Zimmer- und Balkonpflanzen. 50 Überlebenskünstler, die mit fast gar nichts auskommen“.

Das Buch ist schlicht, aber ansprechend gestaltet. Jede Seite ist von einem grünen Rahmen eingefasst und zeigt links ein Foto der jeweiligen Pflanze plus zugehörigen botanischen und Trivialnamen – für mich ein großes Plus, denn oft teilen sich viele Pflanzen einen umgangssprachlichen Namen. Nur der botanische gibt exakt an, um welche Gattung und Art es sich handelt.

Auf der rechten Hälfte der Doppelseite sind dann die Tipps zur Haltung zu finden. Welche Bedingungen braucht die Pflanze, was Licht, Wasser und Temperatur betrifft? Wie groß wird sie? Trägt sie Blüten? Und wofür ist die Pflanze besonders anfällig? Das alles wird kurz, knapp und verständlich beantwortet. Angenehm ist auch, dass hier sowohl Zimmer-, als auch Balkonpflanzen porträtiert werden. In der Regel beschränken sich die gängigen Sachbücher zum Thema immer nur auf das eine oder das andere. Abgerundet wird das Buch schließlich durch eine Einleitung mit allem Wissenswerten für Anfänger und einem Register nach Namen bzw. Haltungsbedingungen.

Meiner Erfahrung nach sind die vorgestellten Pflanzen tatsächlich eher einfach zu halten. Das Buch bietet daher gute Vorschläge für den Start in die Pflanzenhaltung oder für Wohnungen, in denen nicht die besten Bedingungen herrschen. Leider sind jedoch nicht alle Informationen korrekt. Nein, eine „Monstera deliciosa“ ist kein Philodendron! Es handelt sich um zwei unterschiedliche Gattungen, die – zugegeben – zur selben Pflanzenfamilie gehören. Abgebildet ist dann allerdings eine dritte Pflanze, nämlich Rhaphidophora tetrasperma, auch bekannt als „Mini Monstera“, aber eben weder Baumfreund noch Fensterblatt. Dafür muss ich meine eigentlich gute Wertung leider nach unten korrigieren, denn ein Ratgeber sollte unbedingt korrekte Informationen liefern und die richtigen Pflanzen abbilden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2020

Notorious RBG

Ruth Bader Ginsburg
0

Ruth Bader Ginsburg, geboren 1933, war die zweite Frau, die als Richterin an den US Supreme Court berufen wurde. Lange Zeit sollten sie und Kollegin Sandra Day O‘Connor die einzigen Frauen in diesem wichtigen ...

Ruth Bader Ginsburg, geboren 1933, war die zweite Frau, die als Richterin an den US Supreme Court berufen wurde. Lange Zeit sollten sie und Kollegin Sandra Day O‘Connor die einzigen Frauen in diesem wichtigen Bereich der Legislative bleiben. Bader Ginsburg, auch bekannt unter dem Spitznamen „Notorious RBG“ war in den Jahrzehnten seit ihrer Ernennung im Jahr 1993 an vielen bedeutsamen Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs beteiligt und gab durch ihre Stimme oft den Ausschlag. Sie setzte sich zeit ihres Lebens für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und die so genannten Reproduktiven Rechte (Verhütung, Schwangerschaftsabbruch etc.) ein.

Im vorliegenden Buch sind insgesamt 300 ihrer Statements zu den wichtigsten gesellschaftlichen Themen gesammelt: Von der Gerichtsbarkeit selbst, über Frauenrechte bis hin zu ihrem eigenen Leben. Am Ende folgt ein Lebenslauf der berühmten Richterin bis zum Jahr 2019, der neben Ereignissen in ihrem Privatleben auch die bedeutsamsten juristischen Meilensteine zusammenfasst.

Ruth Bader Ginsburg war sicherlich nicht perfekt in dem, was sie tat. Themengebieten, in denen sie viel erreicht hat, stehen solche gegenüber, in denen sie mehr hätte tun können und vielleicht auch müssen. Ihre Einstellung zur Todestrafe war konservativ, in Bezug auf die Black Lives Matter-Bewegung blieb sie stumm oder schlug sich, wie durch ihre Kritik an Colin Kaepernick, auf die falsche Seite. Sie war eine Frau, die Fehler machte – dennoch trug sie dazu bei, dass so vieles sich in der Rechtsprechung der USA zum Besseren wendete. Vor allem im Licht ihres Todes im September 2020 und der umstrittenen Nachbesetzung durch die erzkatholische Amy Coney Barrett zeigt sich deutlich, dass hier noch ein weiter Weg zu gehen ist.

„Wenn ihr euren Weg im Leben geht, hinterlasst Spuren. So wie andere vor euch den Weg für euch, bereitet haben, so sollt ihr jenen helfen, die euch nachfolgen.Tut euren Teil dazu, die Gesellschaft zu verändern, wie sie in euren Augen sein sollte, zum Wohle der Generationen, die nach euch kommen.“ (RBG, 2002) Das hat Ruth Bader Ginsburg definitiv getan und dafür verdient sie unsere Anerkennung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.10.2020

Maja Lundes persönlichstes Buch

Als die Welt stehen blieb
0

März 2020. Nach und nach übernimmt der Coronavirus die Kontrolle über das alltägliche Leben: Kontaktverbote, geschlossene Schulen und Pflegeheime, Homeoffice und Homeschooling. Mittendrin auch die bekannte ...

März 2020. Nach und nach übernimmt der Coronavirus die Kontrolle über das alltägliche Leben: Kontaktverbote, geschlossene Schulen und Pflegeheime, Homeoffice und Homeschooling. Mittendrin auch die bekannte norwegische Schriftstellerin Maja Lunde und ihre Familie. Eigentlich schreibt sie gerade an einem neuen Roman, aber Konzentration und Motivation wollen sich nicht einstellen. Stattdessen kreisen all ihre Gedanken um ihre Familie, in der es auch einige Risikopatienten gibt und um ihre verlorene Freiheit. Sie beschließt, all das in einem Tagebuch festzuhalten.

„Als die Welt stehen blieb“ ist ihr persönlichstes Buch, so sagt Maja Lunde. Es handelt sich nicht um einen Roman, nicht um düstere Zukunftsperspektiven wie in ihrem Klimaquartett. Umso seltsamer und beklemmender ist daher, dass das, was während der Coronapandemie geschieht, durchaus dystopische Züge annimmt. Und so erzählt die Autorin aus ihrem Alltag mit drei Söhnen, die auf einmal jede Menge Zeit zuhause verbringen. Von verzweifelten Versuchen, ihnen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, von immer gleichen Diskussionen und Streitereien mit ihrem Ehemann. Doch sie weiß auch, dass sie durchaus in einer privilegierten Position ist mit finanzieller Sicherheit, einem eigenen Zuhause und einem Partner, mit dem sie Arbeit und Gefühlsausbrüche teilen kann.

Der etwas reißerische deutsche Titel beschreibt nicht unbedingt das, was diesen Roman ausmacht.Passender wäre wohl der originale gewesen, der einfach „Die ersten Tage“ lautet. Denn das ist genau, was Maja Lunde liefert; eine ungefilterte Beschreibung der ersten drei Wochen mit dem Coronavirus. Mit allen Sorgen und Ängsten, zum Beispiel um die Großmutter im Pflegeheim und den wachsenden Knoten in ihrer Brust, aber auch mit viel Zeit für Mann und Kinder sowie neue Familienrituale. Und sie macht sich Gedanken über alle, die in diesen Zeiten zu kämpfen haben: alleinerziehende Mütter, Kinder in gewalttätigen Familien oder Familienangehörige, die bei einer Beerdigung nicht tröstend in den Arm genommen werden können.

Fazit: Ein sehr persönliches Tagebuch aus den Anfangstagen der Corona-Pandemie mit Gedanken, wie sie wohl jeder von uns schon hatte

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.10.2020

Solide Liebesgeschichte mit netter Nebenhandlung

What I Like About You
0

Online läuft für Halle alles super. Unter dem Pseudonym Kels hat sie sich mit ihrem Blog „One True Pastry“ eine Menge treue Follower erarbeitet und bastelt aus Cupcakes Motive von Buchcovern nach. Privat ...

Online läuft für Halle alles super. Unter dem Pseudonym Kels hat sie sich mit ihrem Blog „One True Pastry“ eine Menge treue Follower erarbeitet und bastelt aus Cupcakes Motive von Buchcovern nach. Privat hingegen ist alles etwas schwieriger. Nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter sollen Halle und ihr jüngerer Bruder Oliver bei dem trauernden Großvater einziehen, während ihre Eltern (bekannte Dokumentarregisseure) für deren neuestes Projekt in Israel leben. Als Halle an ihrem neuen Wohnort dann auch noch auf ihren besten Internetfreund Nash trifft, ist das Chaos perfekt. Um ihre Onlinefreundschaft nicht zu gefährden, verschweigt Halle, dass sie auch Kels ist und verstrickt sich dabei immer weiter in einem Netz aus Lügen und absurden Situationen.

Die Grundidee von „What I like about you“ ist gut und vor allem der Handlungsstrang um Halles Blog ist sehr interessant. Mit den Protagonisten hatte ich jedoch so meine Probleme. Nash bleibt über lange Zeit nur schwer greifbar und gewinnt erst im letzten Drittel etwas an Konturen. Davor ist unklar, was ihn zu einem angeblich so anziehenden jungen Mann macht. Halle hingegen ist von der Vorstellung geradezu besessen, dass ihre Internetpersönlichkeit Kels viel cooler ist, als sie selbst. Für mich sind beide einfach nur unterschiedliche Facetten von Halles Charakter. Sie jedoch macht daraus ein großes Drama und sorgt so dafür, dass all ihre Beziehungen unvermeidlich auf eine Katastrophe zusteuern. Vielleicht bin ich einfach zu alt, um hier die Zielgruppe zu sein, aber für mich war von Beginn an eigentlich gar kein Konflikt vorhanden.

Die Nebenhandlung mit ihren Charakteren schafft es jedoch, dass man dem Buch weiter folgen möchte. Die Entwicklung, die der tieftraurige Großvater durchmacht oder die kleinen und großen Kämpfe, die Halles Bruder Oliver auszufechten hat, geben der Handlung Konturen und echte Sympathieträger. Deren Geschichten sind es auch, die ich gerne noch weiter verfolgt hätte und auch über Halle gäbe es sicherlich noch mehr zu erzählen. Vielleicht erwartet uns hier ja noch ein weiterer Band? So erwartet uns jedoch nur eine solide Liebesgeschichte mit netten Nebenschauplätzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 05.10.2020

Jagd auf Luc Verlain

Baskische Tragödie
0

Eigentlich könnte es für Luc Verlain nicht besser laufen. Seinen letzten Fall, den Tod zweier Austernzüchter, konnte er lösen und somit muss er momentan nur in kleineren Delikten ermitteln. Privat erwartet ...

Eigentlich könnte es für Luc Verlain nicht besser laufen. Seinen letzten Fall, den Tod zweier Austernzüchter, konnte er lösen und somit muss er momentan nur in kleineren Delikten ermitteln. Privat erwartet er mit Kollegin Anouk sein erstes Kind, doch dann wird am Strand reinstes Kokain angespült, ein kleiner Junge spielt damit und fällt ins Koma. Und auch Verlains mysteriöser Unbekannter meldet sich zurück, dieses Mal mit dem Ergebnis eines Vaterschaftstests und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse.

„Baskische Tragödie“ setzt nach den Ereignissen aus dem letzten Band ein und wenn ich die Handlung beschreiben sollte, so wäre das „Jason Bourne meets James Bond mit einer Prise The Saw“. Alexander Oetker mutet seinem Kommissar wirklich einiges zu: eine Festnahme, Drogenhandel, waghalsige Verfolgungsjagden, Entführungen und das alles fern von dessen Heimat, nämlich im spanischen Teil des Baskenlandes in San Sebastián. Auf sein Team muss er dabei verzichten, erhält aber Hilfe von unerwarteter Seite und zeigt dabei neue Facetten seiner Persönlichkeit.

Man kann nicht behaupten, dieser Fall sei nicht spannend; im Gegenteil fliegen die Seiten nur so dahin und dem armen Luc Verlain wird kaum eine Verschnaufpause gegönnt. Wer der große Gegenspieler unseres Kommissars ist, deutet sich dabei zwar bereits in den ersten Kapiteln an, dennoch ist es durchaus überraschend, wie sich am Ende alles zusammenfügt. Also keine Kritik? Doch, leider schon. Für mich war das nicht, was ich suche, wenn ich einen Luc Verlain-Krimi aufschlage. Ich erwarte „meinen Kommissar“, sein Team, sein übliches privates Umfeld, seine Liebe zum Essen und zu seiner Region und seine Macken. Stattdessen habe ich in „Baskische Tragödie“ etwas bekommen, das eher einem Actionfilm gleicht – eine Handlung, die man eher in Oetkers Reihe um die Zwillinge Zara und Zoe vermuten würde.

Fazit: Ein grundsolider spannender Fall, für mich jedoch insgesamt „too much“. Ich würde mir wünschen, dass der Autor in den kommenden Bänden wieder zum Altbewährten zurückkehrt, auch wenn das vielleicht nicht immer so wahnsinnig aufregend ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere