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Veröffentlicht am 16.04.2025

Für mich der bisher schönste Band des Quartetts

Die Windmacherin
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Der 11-jährige Tobias wird über den Sommer auf die abgelegene Insel Wetterland geschickt, um dort den Schrecken des Krieges zu entfliehen. Zunächst kann der Junge sich nicht mit dem Gedanken anfreunden ...

Der 11-jährige Tobias wird über den Sommer auf die abgelegene Insel Wetterland geschickt, um dort den Schrecken des Krieges zu entfliehen. Zunächst kann der Junge sich nicht mit dem Gedanken anfreunden und will seine Eltern nicht verlassen. Doch dann scheint die Aussicht auf einen Sommer weit weg von allem gar nicht so schlecht – wenn er nicht ausgerechnet bei der mürrischen Lothe wohnen müsste, die ihn eigentlich gar nicht bei sich haben will. Als Tobias in ihrem Haus auf ein gut gehütetes Geheimnis stößt, wird Lothes Verhalten verständlicher. Kann er ihr helfen? Aber was kann ein Kind schon für eine Erwachsene tun?

„Die Windmacherin“ ist der dritte Band aus Maja Lundes Jahreszeiten-Quartett, der sich nach Winter und Frühling nun mit dem Sommer beschäftigt. Die deutsche Übersetzung stammt von Ina Kronenberger und die zauberhaften Illustrationen von Lisa Aisato. Die Handlung wird von Tobias erzählt, der aus einem bestimmten Grund als Erwachsener auf diesen Sommer zurückblickt. Lisa Aisatos Kunst unterstreicht dabei in jeder Szene die vorherrschende Stimmung: mal sind ihre Bilder düster und bedrohlich, mal sanft und ruhig. Sie spielt mit Farben und schafft unglaublich lebendige Figuren.

Tobias ist kein glückliches Kind. Im Krieg hat er in der so genannten „weißen Nacht“ ein schweres Trauma erlitten, von dem wir nach und nach erfahren. Dieses hat dazu geführt, dass er all seine Phantasie und die Freude am Spielen verloren hat. Das bringt ihn irgendwann auch näher mit Lothe zusammen, die selbst einen schweren Verlust verkraften muss. In seiner sensiblen Art versucht Tobias zu vermitteln und die Probleme zwischen den Erwachsenen zu lösen – nur muss er dabei feststellen, dass das manchmal gar nicht so einfach ist.

„Die Windmacherin“ ist für mich der bisher schönste Band der Reihe, der ein wichtiges Thema mit wunderschönen Bildern verknüpft. Die Titel gebende Windmacherin bringt zudem etwas Märchenhaftes in die Geschichte, das den durch den Krieg traumatisierten Kindern wieder Hoffnung gibt. Eine tolle Reihe – für Kinder und Erwachsene.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

90 vegane Klassiker

Kochen alla Nonna
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Als Giuseppe Federici auf Social Media eines Tages seine Nonna Marianna beim Kochen zeigt, ahnt er nicht, welchen Erfolg er damit haben soll. Inzwischen ist sein erstes Kochbuch „Kochen alla Nonna vegan“ ...

Als Giuseppe Federici auf Social Media eines Tages seine Nonna Marianna beim Kochen zeigt, ahnt er nicht, welchen Erfolg er damit haben soll. Inzwischen ist sein erstes Kochbuch „Kochen alla Nonna vegan“ erschienen, in dem 90 Klassiker der italienischen Küche zu finden sind. Das verwundert zunächst, da viele Gerichte, die uns in den Sinn kommen, Milchprodukte oder Fleisch enthalten, aber Federici erklärt, dass die ländliche italienische Küche, die „povera cucina“ (=Küche der Armen) von Haus aus oft vegetarisch oder vegan ist.

Zu Beginn seines Kochbuchs erzählt Giuseppe zuerst die Geschichte seiner Nonna, die der Liebe wegen nach Großbritannien ging und dort sowohl einen Fish-and-Chips-Laden, als auch später eine Eisdiele bzw. ein italienisches Restaurant besaß. Er verrät aber auch, wie die Familie zur veganen Ernährung kam, als sein Vater an Darmkrebs erkrankte und Giuseppe zum ersten Mal seine Essgewohnheiten überdachte. Daraus entstand ein Kochbuch für alle – egal ob Veganer oder jemanden, der einfach nur ab und zu vegan essen will.

Dann empfiehlt Federici einige vegane Vorräte, die er gerne immer zur Hand hat, zum Beispiel Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Öl oder Reis, aber auch frische Zutaten wie Kräuter, Gemüse oder pflanzlichen Käse. Anschließend folgen Rezepte in den Kategorien Vorspeisen & Salate, Erster Gang & Beilagen, Suppen & Eintöpfe, Brot, Pasta, Hauptgänge und Süßes & Drinks. Dabei fehlt tatsächlich kein einziger Klassiker, egal ob Pizza oder Lasagne, Pesto oder Arancini Tiramisu oder Gelato. Jedes Rezept enthält zudem eine kurze Info, Zutaten und Zubereitung sowie je nach Rezept die Vorbereitungs- bzw. Zubereitungszeit sowie die Personenzahl. Trägt ein Rezept „Nonnas Gütesiegel“ in der oberen Ecke, ist es ein Original von Nonna Marianna.

„Kochen alla Nonna vegan“ ist ein wunderbares Buch mit authentischen italienischen Gerichten, die von Generation zu Generation weitergegeben und auf eine vegane Lebensweise angepasst wurden. Der Charme des Buchs wird von David Loftus’ tollen noch Fotos noch unterstrichen, die die Gerichte, aber auch Giuseppe und seine Nonna zeigen.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Ein Laden zum Wohlfühlen

Der kleine Laden des Herrn Takarada
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Im Tokioter Stadtteil Ginza liegt der kleine Schreibwarenladen von Ken Takarada. Hier finden Kunden nicht nur eine große Auswahl an Papier, Notizbüchern oder Schreibgeräten, sondern der Inhaber hilft auch ...

Im Tokioter Stadtteil Ginza liegt der kleine Schreibwarenladen von Ken Takarada. Hier finden Kunden nicht nur eine große Auswahl an Papier, Notizbüchern oder Schreibgeräten, sondern der Inhaber hilft auch beim Verfassen schwieriger Briefe. Hierzu hat er im Obergeschoss einen ruhigen Ort mit einem großen Schreibtisch geschaffen, an dem der Brief entworfen und geschrieben werden kann. Dabei hat Takarada-san stets ein paar aufbauende Worte übrig und greift manchmal auch ein wenig ins Geschehen ein.

„Der kleine Laden des Herrn Takarada“ von Kenji Ueda ist Band 1 einer Reihe, die im japanischen Original bereits 5 Bände umfasst; die deutsche Übersetzung stammt von Rainer Schmidt. Jedes der fünf Kapitel ist dabei aus der Sicht einer Kundin oder eines Kunden in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt, so dass wir den Inhaber aus verschiedenen Perspektiven erleben. Gleichzeitig ist jedes Kapitel auch einer bestimmten Schreibware gewidmet, die im Fokus steht, zum Beispiel das Notizbuch oder der Füller – eine interessante Herangehensweise.

Der Schreibwarenladen „Shihodo“ ist ein echter Ort zum Wohlfühlen. Inhaber Takarada-san berät all seine Kunden mit Verständnis und gibt ihnen die Zeit, wichtige Briefe in seinem Laden zu schreiben. Da ist beispielsweise Berufseinsteiger Rin, der seiner Großmutter von seinem ersten Gehalt ein Geschenk mit Begleitbrief senden möchte, um sich bei ihr für ihre Unterstützung zu bedanken. Oder der Unternehmer Herr Minatogawa, der mit der Trauerrede für seine Ex-Frau hadert, die er vor der ganzen Familie vortragen soll.

Kenji Ueda gelingen mit seinem Roman „Der kleine Laden des Herrn Takarada“ zwei Dinge gleichzeitig: Auf der einen Seite erzählt er kurze Episoden aus dem Leben einer oder mehrerer Personen, die aber dennoch in sich abgeschlossen sind. Auf der anderen Seite setzt er anhand dieser fremden Perspektiven ein Bild des Inhabers zusammen und wir erfahren zumindest Fragmente aus seinem Leben. Für zukünftige Bände würde ich mir hier noch mehr Informationen wünschen, damit seine Person mehr Tiefe erhält. Dennoch ein sehr schöner Reihenstart!

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Kurzweilige Schatzsuche

Rätsel haben kurze Beine
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Als Jade von ihrer Großtante eine etwas in die Jahre gekommene Villa in der Bretagne erbt, ahnt sie noch nicht, welche Geheimnisse sich um das alte Gebäude ranken. Kaum ist sie mit ihrem Dackel Rimbaud ...

Als Jade von ihrer Großtante eine etwas in die Jahre gekommene Villa in der Bretagne erbt, ahnt sie noch nicht, welche Geheimnisse sich um das alte Gebäude ranken. Kaum ist sie mit ihrem Dackel Rimbaud im Örtchen Foisic – das seltsamerweise auf keiner Landkarte auftaucht – angekommen, gibt es schon einen ersten Interessenten für ihr Haus. Das scheint mit einem mysteriösen Piratenschatz zusammenzuhängen, der schon viele Menschen das Leben gekostet hat und noch immer nicht gefunden werden konnte. Ist irgendwo zwischen den Antiquitäten von Großtante Aglaé vielleicht ein Hinweis versteckt?

„Rätsel haben kurze Beine“ ist der erste einer im Original bereits sieben Bände umfassenden Reihe der französischen Schriftstellerin Ena Fitzbel. Die deutsche Übersetzung verfasste Ingrid Ickler. Die Geschichte erzählt Protagonistin Jade selbst in der Ich-Form und im Präsens, so dass wir sie quasi live bei ihren Erlebnissen begleiten. Die Handlung umfasst dabei ziemlich genau drei Wochen, wobei jeder Tag mit einem kleinen Zitat aus Jades Tagebuch begonnen wird.

Im Fokus der Geschichte stehen Jades Ermittlungen rund um den verschollenen Schatz, denn schließlich sollen sich Hinweise auf dessen Versteck in der alten Villa befinden. Unterstützt wird sie dabei von Alban und seinem Neffen Corentin, dessen Eltern auf der Suche nach eben jenem Schatz verstorben sind. Alban ist daher zunächst wenig begeistert und will sich lieber auf die Instandsetzung des Hauses konzentrieren – wobei er und Jade sich auch ein wenig näher kommen. Wäre da nicht Albans seltsame Verschlossenheit und die reiche Angadrem, die ihn unbedingt erobern möchte.

Leider kommt die Handlung lange Zeit nicht recht in Fahrt und die Rätsel rund um den Schatz wirken etwas konstruiert. Auch Jades Dackel Rimbaud spielt leider nur eine Nebenrolle und ist oft Mittel zum Zweck und Motor für die Ereignisse. Spaß hingegen machen das Dorfleben in der Bretagne und einige sehr spezielle Figuren. Am Ende wird noch ein Geheimnis über Alban gelüftet, das ich an dieser Stelle mehr als seltsam fand. Hier soll wohl vieles für Band 2 offengelassen werden, schade!

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Hält nicht, was das Marketing verspricht

Magritte und Georgette
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Der Maler René Magritte sieht an der Tramhaltestelle eine junge Frau, die ihn sofort fasziniert. Zuhause angekommen, muss er sie einfach malen – was seiner Frau Georgette gar nicht gefällt. Schließlich ...

Der Maler René Magritte sieht an der Tramhaltestelle eine junge Frau, die ihn sofort fasziniert. Zuhause angekommen, muss er sie einfach malen – was seiner Frau Georgette gar nicht gefällt. Schließlich war sie bisher immer seine Muse. Doch dann der Schock: In der Impasse du Cheval wurde eine Frauenleiche gefunden und es ist Madeleine, die junge Frau von der Haltestelle. Magritte will nun unbedingt selbst ermitteln und stürzt sich mit Georgettes Hilfe auf den Fall. Doch Madeleine soll nicht das einzige Opfer bleiben.

„Magritte & Georgette“ ist der erste Band der Reihe um den bekannten Maler und seine Frau aus der Feder der belgischen Autorin Nadine Monfils. Die deutsche Übersetzung fertigte Sabine Schwenk an, im Original umfasst die Reihe bereits 8 Bände. Erzählt wird der Roman aus unterschiedlichsten Perspektiven, immer in der dritten Person und der Vergangenheitsform. Mal folgen wir Magritte, mal seiner Frau, dann aber auch den Opfern, so dass die Handlung von allen Seiten beleuchtet wird.

Dieses Buch hat – meiner Meinung nach - nicht gehalten, was das Marketing mir versprochen hat. Dort ist von einem „humorvollen Krimi mit Pommes frites, belgischem Bier und viel Brüssel-Flair“ die Rede, also Cozy Crime, oder? Bekommen habe ich einen Serienmörder mit einem grausamen Hintergrund und ein Ermittlerduo, das nicht recht harmoniert. Magritte liebt seine Frau angeblich heiß und innig, hechelt aber jeder halbwegs schönen jungen Frau hinterher und denkt an sie, wenn er morgens im Bett liegt – rein platonisch natürlich. Das lässt für mich keinerlei Sympathie aufkommen und ich kann hier auch keinen Humor entdecken.

Die eigentliche Kriminalhandlung nutzt mal wieder ein übliches Motiv, das ich leider nicht nennen kann, ohne zu spoilern. Aber es wird wieder einmal sinnlose Grausamkeit genutzt, um Täterschaft zu erklären. Darüber hinaus treten im Roman so viele Zufälle ein, die Täter und Opfer verbinden, dass die Auflösung einfach nur konstruiert und hanebüchen wirkt. Zwischendurch ist in meiner Ausgabe dann auf einmal von Matisse statt Magritte die Rede, das hätte im Lektorat auffallen können. Schade!

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