Spannende Geschichte mit einigen Längen
RougeNach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter Noelle macht Mirabelle sich von Montréal auf den Weg nach Kalifornien, um ihre Angelegenheiten zu regeln und das Haus zu verkaufen. Dabei findet sie heraus, dass ihre ...
Nach dem mysteriösen Tod ihrer Mutter Noelle macht Mirabelle sich von Montréal auf den Weg nach Kalifornien, um ihre Angelegenheiten zu regeln und das Haus zu verkaufen. Dabei findet sie heraus, dass ihre Mutter sich in der letzten Zeit seltsam verhalten hat und immer wieder ein bestimmtes Beauty-Spa in der Nähe aufgesucht hatte. Dieses lag direkt an dem Küstenweg, vom dem Noelle in den Tod gestürzt ist – ein Zufall? Mirabelle will mehr über alles herausfinden, doch auch sie selbst lässt sich allzu leicht von den Versprechungen von ewiger Jugend und Schönheit blenden.
Ich mochte bereits „Bunny“ von Mona Awad sehr - eine herrlich skurrile Dark Academia-Geschichte - daher durfte ich mir auch ihren neuen Roman „Rouge“ nicht entgehen lassen. Die deutsche Übersetzung stammt von Cornelia Röser. Erzählt wird hauptsächlich aus Mirabelles Perspektive in der Ich- und Gegenwartsform; es werden jedoch auch immer wieder ihre Erinnerungen eingeflochten, bei denen die Grenzen zwischen Realität und Einbildung zu verschwimmen scheinen.
Vordergründig ist „Rouge“ vor allem eine Geschichte über Schönheitswahn und die absurden Versprechungen der Beautyindustrie. Mutter und Tochter sind besessen von ihrer eigenen Schönheit. Mirabelle nutzt eine Vielzahl von unterschiedlichen Produkten, mit denen sie ihre Haut makellos halten will. Noelle hingegen schien schon von klein auf eine Konkurrentin in ihrer Tochter zu sehen, was deren Verhältnis schwer belastet hat. Der Roman ist also auch eine Erzählung über eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung.
Mona Awad ist eine wahre Meisterin darin, die Grenzen der Wirklichkeit zu überschreiten. Das ist ihr bereits in „Bunny“ gelungen und auch in „Rouge“ geschehen Dinge, die den Boden der Realität verlassen. Damit stellt die Autorin die Frage in den Raum, was wir bereit sind, für Äußerlichkeiten zu opfern und ob das wirklich Wichtige nicht vielleicht anderswo zu suchen ist. Ein spannender Roman, der jedoch auch seine Längen hat und ähnliche Szenen wiederholt. Hier hätte die Handlung etwas gestrafft werden können.