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Veröffentlicht am 15.03.2025

Zu viel Haustierbericht, zu wenig Persönlichkeit

Die Magnolienkatzen
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Eines Tages findet Noriko im Garten des Hauses, in dem sie mit ihrer Mutter lebt, eine Katzenmutter mit insgesamt fünf Jungen. Zunächst sind beide nicht begeistert, da sie eigentlich keine Katzenfreundinnen ...

Eines Tages findet Noriko im Garten des Hauses, in dem sie mit ihrer Mutter lebt, eine Katzenmutter mit insgesamt fünf Jungen. Zunächst sind beide nicht begeistert, da sie eigentlich keine Katzenfreundinnen sind und bisher nur Hunde gehalten haben. Doch dann lassen sie sich erweichen und ziehen mit Hilfe von Familienmitgliedern und Freundinnen den Wurf liebevoll groß. Bald folgt jedoch schon die nächste Herausforderung: die Kleinen müssen in ein neues Zuhause vermittelt werden und Mutter und Tochter, denen sie wirklich an Herz gewachsen sind, fällt der Abschied sehr schwer.

„Die Magnolienkatzen“ ist ein – vermutlich – autobiografisch gefärbter Roman der Schriftstellerin Noriko Morishita; aus dem Japanischen übersetzte Charlotte Scheuer. Die Handlung wird aus der Sicht der Protagonistin in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt. Wer jedoch Spannung oder große Ereignisse erwartet, sollte hier besser nicht zugreifen, denn das Buch liefert genau das, was der Klappentext verspricht: einen Text über den Alltag mit (jungen) Katzen. Noriko schildert alle Sorgen rund um Katzenklo, die richtige Fütterung und den Charakter der Tiere, was ich – ehrlich gesagt – etwas dröge fand.

Die eigentliche Motivation, die Katzen bei sich aufzunehmen, zog Noriko aus einer Erinnerung ihres verstorbenen Vaters. Dieser fand als Kind selbst einen Karton mit Straßenkätzchen, durfte diese aber nicht bei sich aufnehmen. Tage später fand er nur noch ihre Knochen – eine Tatsache, die in bis ins Erwachsenenalter begleitet hat. Auch die Protagonistin plagt nach Tod mehrerer Familienhunde die Angst vor dem Verlust. Wie soll sie es verkraften, wenn die Kätzchen bald wieder ihr Zuhause verlassen müssen?

Ich hätte mir gewünscht, dass Noriko mehr über sich selbst erzählt hätte und welchen Einfluss die Katzen auf ihr Leben hatten. Es wird zwar dargestellt, dass das gemeinsame Aufziehen des Wurfs das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter verbessert hat, es wird aber nicht wirklich gezeigt. Weniger Haustierbericht, dafür mehr Persönlichkeit und echte Emotion, das hätte „Die Magnolienkatzen“ für mich gebraucht. Schade!

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Roman über Depressionen und vererbte Traumata

Kankos Reise
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Die 17-jährige Kanko leidet unter Depressionen. Sie würde am liebsten nicht mehr zur Schule gehen und dafür in ihrem Bett bleiben. Von ihrer Familie hat sie keine Unterstützung zu erwarten. Seit einem ...

Die 17-jährige Kanko leidet unter Depressionen. Sie würde am liebsten nicht mehr zur Schule gehen und dafür in ihrem Bett bleiben. Von ihrer Familie hat sie keine Unterstützung zu erwarten. Seit einem Schlaganfall ist ihre Mutter, eine Alkoholikerin, halbseitig gelähmt und eine völlig andere Person geworden. Mit dem Vater ist so lange gut auszukommen, bis ihn die Wut packt und er zuschlägt. Als seine Mutter im Sterben liegt, macht die Familie sich gemeinsam im Auto auf den Weg. Auf engem Raum spitzt sich die Situation immer weiter zu und droht zu eskalieren.

Mit ihrem Debütroman „Idol in Flammen“ gab die heute 25-jährige Rin Usami bereits einen tiefen Einblick in die Psyche einer jungen Frau. In „Kankos Reise“ ist ihr das, meiner Meinung nach, noch besser gelungen. Aus dem Japanischen übersetzte auch dieses Mal Luise Steggewentz. Die Handlung wird völlig aus der Sicht der Protagonistin Kanko erzählt, was das Geschehen umso eindringlicher wirken lässt. Im Zentrum steht dabei die Fahrt zur Großmutter, es wird aber auch das Davor und Danach geschildert.

Kanko lebt in einer völlig dysfunktionalen Familie. Ihre beiden Brüder haben bereits das Elternhaus verlassen, der ältere mit einem großen Knall, der jüngere eher unauffällig und leise. Zurück bleibt Kanko, die immer wieder vermittelt. Zwischen den Eltern, den Eltern und ihren Brüdern – dabei ist sie diejenige, für die sich jemand einsetzen müsste. Ihre Depressionen haben ihr schwer zugesetzt, sie hat bereits versucht, sich das Leben zu nehmen. Doch in Kankos Familie scheint jeder nur mit sich selbst beschäftigt. Alles gipfelt in einer folgenschweren Autofahrt, deren Ausgang schockiert.

„Kankos Reise“ ist ein Roman über Depressionen, aber vor allem einer über ungesunde familiäre Beziehungen und vererbte Traumata. Im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass nicht nur Kanko sich verloren fühlt, sondern auch Vater und Mutter. Ein fataler Kreislauf, aus dem es auszubrechen gilt, aber wie soll das gehen, wenn Eltern ihre Kinder im Stich lassen und auch die Geschwister nicht füreinander da sind? Ein emotionaler, teilweise schwer zu ertragender Roman.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Spannende Dystopie mit etwas Queerness

The Last Bookstore on Earth
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Ein apokalyptischer Sturm ist über die Erde gezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die 17-jährige Liz hat ihre Familie verloren und harrt allein in der Buchhandlung aus, in der sie früher ...

Ein apokalyptischer Sturm ist über die Erde gezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Die 17-jährige Liz hat ihre Familie verloren und harrt allein in der Buchhandlung aus, in der sie früher als Aushilfe gearbeitet hat. Dort tauscht sie Gegenstände mit anderen und dient als eine Art Postamt für Nachrichten, die Menschen auf der Durchreise hinterlassen. Dann tritt Maeve in ihr Leben und mit ihr eine Warnung: ein weiterer Sturm zieht auf und eine Gruppe von Flüchtlingen will die Buchhandlung einnehmen. Liz weigert sich, ihren sicheren Hafen zu verlassen, auf der anderen Seite ist sie nun endlich nicht mehr allein. Soll sie Maeve an einen anderen Ort folgen? Oder die Buchhandlung mit ihrem Leben verteidigen?

„The Last Bookstore on Earth“ ist das Debüt der 20-jährigen US-Amerikanerin Lily Braun Arnold, die selbst in einer unabhängigen Buchhandlung arbeitet; die deutsche Übersetzung stammt von Mareike Weber. Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive der Protagonistin Liz in der Ich- und Gegenwartsform, ganz so als würde sie uns gegenübersitzen und uns selbst von den Ereignissen berichten. Dabei ist ihre Einsamkeit aus jeder Zeile herauszulesen – umso schwerer fällt es ihr, wieder jemandem zu vertrauen, aus Angst, verlassen zu werden.

Liz hat mit dem Verlust ihrer Familie viel durchgemacht, sich aber dennoch eine gewisse Hilfsbereitschaft und Naivität bewahrt. Das wird vor allem deutlich, als Maeve in der Buchhandlung auftaucht, die so viel praktischer und wehrhafter ist. Die beiden freunden sich an und schließlich scheint sogar mehr daraus zu werden. Wenn da nur nicht der große Konflikt wäre: Maeve will fortgehen, Liz in der Buchhandlung bleiben. Wie soll sich das auflösen?

Als ich den Titel gelesen habe, musste ich das Buch unbedingt lesen. Leider ist der Buchladen reine Kulisse und auch Literatur spielt keine wirklich Rolle, schade! Ansonsten ist „The Last Bookstore on Earth“ jedoch eine spannende Dystopie mit ein wenig Queerness. Ich bin gespannt, was wir von der Autorin in Zukunft noch lesen werden!

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Veröffentlicht am 05.03.2025

Beeindruckende Sammlung

YOKAI - GEISTER
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Im japanischen Volksglauben existiert eine Reihe von übernatürlichen Wesen, die unter dem Begriff „yōkai“ zusammengefasst werden. Der Prestel Verlag hat nun mit „Yōkai – Geister“ eine wunderschön gestaltete ...

Im japanischen Volksglauben existiert eine Reihe von übernatürlichen Wesen, die unter dem Begriff „yōkai“ zusammengefasst werden. Der Prestel Verlag hat nun mit „Yōkai – Geister“ eine wunderschön gestaltete Sammlung von Holzschnitten herausgegeben, die jene Wesen dokumentiert. Die Ausgabe ist mit einem festen, seidig glänzenden Einband und mit einer Schlauchbindung (auch japanische Blockbindung) versehen. Die Rückseiten der Illustrationen sind somit nicht bedruckt, so dass die Motive nicht durchscheinen und dicke Doppelseiten entstehen. Das Buch wird mit einer schwarzen Schleife verschlossen.

In seinem begleitenden Texten stellt der Gerichtsmediziner Philippe Charlier die unterschiedlichsten Arten von Geistern vor. Die yūrei sind bspw. Frauen in weißen Gewändern und mit offenen Haaren, wobei Weiß in Japan die Farbe des Todes ist. Die Holzschnitte sind manchmal farblos und trist, manchmal voll kräftiger Farben. Wir sehen schlichte Darstellungen, überladene Szenen, riesenhafte Skelette und herumfliegende Köpfe ohne Körper – es gibt allerhand zu entdecken in dieser Sammlung.

Die verschiedenen Geister und ihre Geschichten sind in Japan jedem Kind bekannt und es gibt für alles den passenden Geist. Da wäre zum Beispiel ubume, der Geist einer bei der Geburt verstorbenen Mutter auf der Suche nach ihrem Kind. Oder die so genannten funayūrei, Geister Ertrunkener, halb Mensch, halb Fisch, die Schiffe anlocken und auf Riffe zusteuern. Yuki-Onna, die Schneefrau lässt ihre Opfer erfrieren und die tsukumogami sind beseelte Alltags- und Gebrauchsgegenstände. Besonders aktiv sind Geister übrigens in der „Stunde der Kuh“ zwischen 2 und 3 Uhr nachts.

Charlier erzählt auch Geschichten, wie die des Tellergeists Okiku, einer Magd, die von ihrem Herrn, einem Samurai, getötet wurde, weil sie sich ihm nicht hingeben wollte. Er stürzte sie in einem Brunnen, der als Tor zur Unterwelt verstanden wird und Filme wie „The Ring“ inspirierte. Am Ende weist ein Abbildungsverzeichnis alle gezeigten Werke mit Titel, Künstler, Lebensdaten und Ausstellungsort aus. Die bekanntesten Künstler dürften dabei Utagawa Hiroshige und Katsushika Hokusai sein.

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Generationenroman mit komplexen Beziehungen

Die Tage nach dem Pflaumenregen
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Shanghai, April 1947. Suchi und Haiwen sind verliebt und wollen unbedingt heiraten. Doch dann meldet sich Haiwen freiwillig als Rekrut für den Bürgerkrieg, damit sein Bruder stattdessen bei seiner schwangeren ...

Shanghai, April 1947. Suchi und Haiwen sind verliebt und wollen unbedingt heiraten. Doch dann meldet sich Haiwen freiwillig als Rekrut für den Bürgerkrieg, damit sein Bruder stattdessen bei seiner schwangeren Frau bleiben kann. Es werden viele Jahre vergehen, bis Suchi 2008 in Los Angeles wieder in Haiwens Leben tritt. Dieser nennt sich nun Howard und das ist nicht die einzige Veränderung, welche die beiden aneinander feststellen. Was haben sie in der Zwischenzeit erlebt? Und können sie wieder an die Vergangenheit anknüpfen?

„Die Tage nach dem Pflaumenregen“ ist der Debütroman der taiwanesisch-amerikanischen Autorin Karissa Chen und wurde von Elke Link aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Erzählt wird aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren Suchi und Haiwen; das jedoch nicht in chronologischer Reihenfolge. Die Autorin springt stattdessen immer wieder zwischen unterschiedlichen Zeitebenen hin und her. Insgesamt bewegen wir uns zwischen 1938, als Suchi und Haiwen sich als Siebenjährige in der Schule kennenlernen und der Gegenwart des Jahres 2008, als sie sich in Los Angeles wiedersehen und gemeinsam der Vergangenheit stellen.

Auch wenn der Titel eine schnulzige Liebesgeschichte vermuten lässt, ist „Die Tage nach dem Pflaumenregen“ so viel mehr. Der Roman zeigt, wie Kriege ein ganzes Volk spalten und Familien für immer voneinander getrennt werden. Suchi flieht mit ihrer Schwester 1948 nach Hongkong und schlägt sich dort als Sängerin in einem Nachtclub durch. Sie geht eine Ehe voller Gewalt ein, um den beiden ein besseres Leben zu sichern. Haiwen erlebt als Soldat die Schrecken des Krieges am eigenen Leib. Als er sich jedoch in eine Taiwanerin verliebt, muss er erkennen dass die Unterscheidung in Aggressoren und Unschuldige vielleicht auch nur eine Frage der Perspektive ist.

Was für ein unglaublicher Roman! Ich hatte zunächst befürchtet, dass hier nur die Beziehung zwischen Suchi und Haiwen im Vordergrund steht und sie auf magische Weise wieder zusammenfinden. Stattdessen bekam ich einen Generationenroman mit komplexen Beziehungen – unbedingt lesen!

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