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Veröffentlicht am 20.09.2021

Berührend und voller Überraschung

Barbara stirbt nicht
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Walter Schmidt hat das Rentenalter erreicht. Er brauchte nie im Haushalt mit anfassen, immer war seine Ehefrau Barbara da. Doch am Freitagmorgen vermisste er den vertrauten Duft nach Kaffee, dass konnte ...

Walter Schmidt hat das Rentenalter erreicht. Er brauchte nie im Haushalt mit anfassen, immer war seine Ehefrau Barbara da. Doch am Freitagmorgen vermisste er den vertrauten Duft nach Kaffee, dass konnte doch nicht wahr sein. Wieso hatte seine Barbara noch keinen Kaffee gekocht, obwohl das Bett neben ihm leer war? Als er sie in der offenen Badezimmertür fand, half er ihr mühsam hoch und brachte sie wieder ins Bett, wo sie liegen blieb. Bisher war Barbara seine Taktgeberin gewesen, nun musste er selbst den Takt angeben. Mit Hilfe der jungen Bäckereiverkäuferin und dem Fernsehkoch schaffte er es Kaffee zu kochen, Kuchen zu backen und auch Gerichte zu kochen. Früher war für ihn dieser Kleinkram keine Männerarbeit gewesen, aber er wollte alles dafür tun, dass seine Barbara wieder auf die Beine kommt und ignoriert dabei die Realität.

Bei den meisten Büchern entscheiden die ersten Zeilen, ob sie für mich unerträglich sind oder ob ich sie gern lesen würde. Letzteres traf bei diesem Buch von Alina Bronsky zu. Mit ihrer klaren Sprache zeichnet sie auf Anhieb lebendige Figuren, so dass ich sie direkt vor mir gesehen habe. Ich gehöre auch zu einer Generation, in der es nicht üblich war, dass die Männer im Haushalt mit geholfen haben. Heute sehe ich in meinem Umfeld gestandene Herren, die sich ähnlich verhalten wie Walter Schmidt. Ich fand die Beschreibungen der Autorin wunderbar skizziert, etwas überzeichnet, aber trotzdem zutreffend. Alina Bronsky stellt die Figuren so dar, dass man über sie lachen muss, wobei man das eigentlich nicht möchte. Zu Beginn habe ich mich beim Lesen köstlich amüsiert, doch im Laufe der Geschichte entwickelte sich Walter Schmidt zu einer Gestalt, die zum Nachdenken anregt und um Verständnis für jene wirbt, die nicht wirklich aus ihrer Haut können.
Ein wunderbares Buch berührend und voller Überraschungen.

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Veröffentlicht am 15.09.2021

Zum Wohlfühlen

Endlich wieder Meer
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Katharina wurde von ihrem Vater verstoßen als er von ihrem Wunsch erfuhr, den Österreicher Hannes zu heiraten. Sie fühlt sich auf dem Weingut in der Steiermark heimisch, doch manchmal vermisst sie das ...

Katharina wurde von ihrem Vater verstoßen als er von ihrem Wunsch erfuhr, den Österreicher Hannes zu heiraten. Sie fühlt sich auf dem Weingut in der Steiermark heimisch, doch manchmal vermisst sie das Rauschen der Nordseewellen. Ein Anruf aus dem Klinikum im Wilhelmshaven wirbelt ihr Leben durcheinander. Schwer erkrankt liegt dort ihr Vater. Katharina reist spontan an die Nordsee und hofft auf eine letzte Chance mit ihrem Vater nach zwanzig Jahren Frieden zu schließen.

Das Buch besticht zu Beginn durch das wunderschön gestaltete Cover. Die Charaktere wirken wie aus dem Leben gegriffen und sind auch ein Pluspunkt für diesen Roman. In die sympathische Katharina habe ich mich wunderbar hinein fühlen können. Ich habe mit ihr gehofft und gebangt. Gleichzeitig habe ich sie bewundert, dass sie sich nicht hat unterkriegen lassen, nachdem sie von den Handlungen ihres Cousins Thomas in der Werft erfahren hat. Mir hat die Erzählweise sehr gefallen. Die Geschichte ist unterteilt nach Tagen und wechselt von der Familie auf dem Weingut an die Nordsee zu Katharina, so dass man immer auf dem Laufenden ist. Durch die fabelhaften Beschreibungen spürt man die letzten Sonnenstrahlen in der Steiermark auf der Haut und gleichzeitig bläst einen der Wind an der Nordsee entgegen.

Es hat mir Freude gemacht, diesen charmanten und einfühlsamen Roman zu lesen. Überraschend empfand ich das offene Ende, aber das Nachwort deutet auf eine Fortsetzung hin, auf die ich mich bereits schon jetzt freue.

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Veröffentlicht am 11.09.2021

Das perfekte Krimivergnügen

Der Himmel über Nordfriesland
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Die Husumer Polizei sucht nicht nur nach einem Täter, der die Astrologin Diana Keller bis zum Hals im Wattboden eingegraben hat, sondern wird auch mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert. Ein Dorfteich ...

Die Husumer Polizei sucht nicht nur nach einem Täter, der die Astrologin Diana Keller bis zum Hals im Wattboden eingegraben hat, sondern wird auch mit seltsamen Vorkommnissen konfrontiert. Ein Dorfteich ist nur noch eine Pfütze und das Wasser ist verschwunden, in einem Feld gibt es einen Kornkreis, der die Form eines Skorpions hat und gleichzeitig schallt über das Meer unheimliches Glockengeläut. Eigentlich wären dies alles keine Fälle für die Polizeibeamten Flottmann und Hilgersen, aber diese seltsamen Ereignisse üben eine Faszination aus, denen sie sich nicht entziehen können oder haben sie doch etwas mit ihrem Fall zu tun? Auch die Sonderbegabung von Leon Gerber mit seinem hochsensiblen Gehör ist wieder gefragt und hilft in letzter Sekunde.

Der Autor Gerd Kramer konnte mich auch mit diesem Band durch den angenehm zu lesenden Schreibstil fesseln. Er lässt nicht nur lokale Begebenheiten in die Geschichte einfließen, sondern setzt sich auch mit der Astrologie auseinander. Die Kommissare Flottmann und Hilgersen bilden ein angenehmes Team, das Miteinander der beiden ist sehr ansprechend, es ist locker und manchmal sehr amüsant, aber ihren Fall verlieren sie nicht aus den Augen. Begeistert bin ich jedes Mal von Leon Gerber, der durch sein hochsensibles Gehör eine Bereicherung für die Ermittlungen ist.
Die Auflösung des Falles ist schlüssig und nachvollziehbar, sie konnte mich am Schluss doch noch sehr überraschen. Für alle Krimifreunde, die gerne mit rätseln, kann ich dieses Buch nur empfehlen.

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Die schönen Künste

Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe
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Wieder ist es Ulrike Renk gelungen, mich mit dem ersten Band „Eine Familie in Berlin“ zu begeistern. Sie erzählt nach wahren Begebenheiten, die Geschichte von Paula Dehmel, geborene Oppenheimer. Paula ...

Wieder ist es Ulrike Renk gelungen, mich mit dem ersten Band „Eine Familie in Berlin“ zu begeistern. Sie erzählt nach wahren Begebenheiten, die Geschichte von Paula Dehmel, geborene Oppenheimer. Paula schrieb Gedichte und Märchen für Kinder.

Auf den ersten Seiten lernt man die Familie Oppenheimer kennen. Paula und ihre Geschwister wachsen sehr privilegiert auf. Sie haben die Möglichkeit ihr Wissen durch Bücher zu erweitern, auch wenn es finanziell immer eng ist. Durch die Kinder und die Hausgäste ist immer Leben in den Räumen. Anders sieht es bei der Schwester von Paulas Mutter aus. Auguste und ihr Mann Werner haben genügend Geld, aber die Wohnung wird nicht durch Kinderlachen erhellt. Mit sechzehn Jahren kommt Paula als Gesellschafterin zu Auguste. Sie wird nicht nur in die Gesellschaft eingeführt, sondern lernt viel über die schönen Künste wie Musik und Literatur. Franz, der Bruder von Paula, macht sie mit seinem besten Freund Richard Dehmel, einem jungen Dichter, bekannt. Paula und Richard verlieben sich. Sie wird seine Muse und schärfste Kritikerin. Lange Zeit geben ihre Eltern nicht die Zustimmung zu einer Heirat. Doch auch nach der Hochzeit muss Paula für ihre Liebe kämpfen. Kann sie diese Anstrengungen überstehen?

In ihrer sehr einfühlsamen und bildhaften Weise erzählt Ulrike Renk die Geschichte von Paula Dehmel in der Zeit von 1878 1899. Gut konnte ich die Entwicklung von Paula beobachten. Ihre Liebe zu dem Literaten Richard Dehmel entfaltete sich langsam, dann aber mit voller Macht. Gegen seinen Willen nahm Richard zu Anfang eine Arbeit an, aber am liebsten hätte er als Künstler gelebt. Er trifft in der damaligen Zeit sehr unkonventionelle Entscheidungen unter denen Paula zu leiden hat. Als Leserin fragt man sich, wie lange kann Paula dieses aushalten?

Bisher war mir Paula Dehmel, die selbst auch Gedichte und Märchen für Kinder schrieb, nicht bekannt, aber ich fand es eine Bereicherung mehr über sie, ihren Ehemann Richard Dehmel und ihre Zeit zu erfahren.

Die Geschichte ist eine Mischung aus Wahrheit und Fiktion. Gerne hätte ich mir einen Spannungsbogen gewünscht, aber da sich Ulrike Renk an den biografischen Daten von Paula Dehmel orientiert hat, ist mir klar, dass dieses nicht möglich war. Trotzdem hat mir das Buch gefallen und ich habe mich beim Lesen wohlgefühlt.

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Veröffentlicht am 25.08.2021

Hoffnung auf Neubeginn

Der Ort der verlorenen Herzen
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Anouk war schon lange allein. Gerade zur Weihnachtszeit wurde ihr schmerzlich vor Augen geführt, was sie nicht hatte. Die Folge war, dass sie sich einigelte. Es gab niemanden, für den es sich gelohnt hätte, ...

Anouk war schon lange allein. Gerade zur Weihnachtszeit wurde ihr schmerzlich vor Augen geführt, was sie nicht hatte. Die Folge war, dass sie sich einigelte. Es gab niemanden, für den es sich gelohnt hätte, etwas daran zu ändern. Doch dann erreichte sie die Einladung von Antoine, dem die ehemalige Hütte ihrer verstorbenen Eltern in den Vogesen gehörte. Er hatte die alte Hütte in ein wunderschönes Chalet umgebaut. Seine Vorstellung war, dass dieses Anwesen nur an einsame Menschen vermietet werden sollte. Da Anouk über Weihnachten nichts vor hatte, nahm sie entgegen ihrer bisherigen Einstellung das Angebot an. Mit ihr nahmen vier weitere Personen die Einladung an. Es gibt im Leben immer Momente, die einen Wendepunkt einläuten. Starker Schneefall und Verwehungen führten dazu, dass sie alle in der Hütte festsaßen und sich näher kamen.

In der Gegenwart begleite ich als Leserin die Ich-Erzählerin Anouk. Sie führt ein sehr zurückgezogenes Leben und nach ihrem Aufenthalt in dem Chalet beginnt sie langsam sich zu ändern. Erwacht aus der Erstarrung und fängt langsam an zu leben. Zwischendurch gibt es Rückblenden in das Jahr 1976 in Form von Briefen, die eine Mutter an ihr ungeborenes Kind schreibt. Die Geschichte wird flüssig erzählt. Die Sprünge in die Vergangenheit fügen sich meiner Meinung in die Handlung ein.

Das Cover finde ich sehr ansprechend, es vermittelt eine winterliche Atmosphäre.

Eine unterhaltsamer, einfühlsamer Roman, der Hoffnung auf einen Neubeginn entstehen lässt.

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