Cover-Bild Die Schwestern vom Ku'damm: Ein neuer Morgen
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: ROWOHLT Wunderlich
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 480
  • Ersterscheinung: 14.09.2021
  • ISBN: 9783805200677
Brigitte Riebe

Die Schwestern vom Ku'damm: Ein neuer Morgen

Der vierte Teil der erfolgreichen Ku′damm-Reihe von Bestsellerautorin Brigitte Riebe

Berlin, 1966: Die geteilte Stadt ist ebenso im Umbruch wie das Modekaufhaus Thalheim am Ku′damm. Die Jugend rebelliert, die Röcke werden kürzer, doch Chef-Designerin Miriam Feldmann hat alle Mühe, Kaufhaus-Patriarch Friedrich davon zu überzeugen, dass die Frauen nun Knallfarben statt Pastell tragen wollen. Wenigstens ihr Privatleben läuft in gewohnt ruhigen Bahnen. Ihren Platz in der Familie Thalheim hat sie gefunden, Adoptivtochter Jenny wächst zu einer klugen jungen Frau heran. Als Miriam, die nie eigene Kinder bekommen konnte, mit Anfang vierzig schwanger wird, ist plötzlich auch ihr eigenes Leben im Umbruch. Dann begegnet sie einem Mann wieder, den sie im Krieg kennenlernte. Die Begegnung führt sie zu den dunkelsten Stunden ihres Lebens zurück …

Alles wird anders: die Thalheim-Schwestern und ihr Kaufhaus im Berlin der Swinging Sixties.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.01.2022

Gelungener Abschluss

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In Berlin geht es im Jahre 1966 turbulent zu. Die Stadt ist geteilt und im Westen wollen die jungen Leute mehr Freiheit. Das zeigt sich auch in der Mode. Die Röcke werden enorm kurz und die Farben immer ...

In Berlin geht es im Jahre 1966 turbulent zu. Die Stadt ist geteilt und im Westen wollen die jungen Leute mehr Freiheit. Das zeigt sich auch in der Mode. Die Röcke werden enorm kurz und die Farben immer knalliger. Auch die Musik verändert sich. Nicht alle kommen damit klar. Auch Friedrich Thalheim, der Senior des Kaufhauses Thalheim, muß erst überzeugt werden, daß man mit der Zeit gehen muß, um im Geschäft zu bleiben. Das ist eine schwere Aufgabe für Miriam, die diese Mode entwirft. Auch privat hat sie einiges zu überstehen. Als sie mit vierzig schwanger wird plagen sie große Zweifel, ob das Kind gesund sein wird. Und wie wird Adoptivtochter Jenny reagieren? Doch dann trifft Miriam einen Mann, der ihr in den Kriegswirren sehr geholfen hat. Alte Erinnerungen kommen wieder hoch und bringen Miriams Gefühle aus dem Gleichgewicht.

In dem Teil "Ein neuer Morgen" aus der Serie "Die Schwestern vom Ku'damm" geht es hauptsächlich um Miriam. Durch die Geschichten um ihr Leben können wir Zeuge werden, wie rasant sich in den 1960er Jahren alles verändert. Die Menschen wollen Freiheit und dafür rebelliert die Jugend. Brigitte Riebe beschreibt diese Zeit ganz hervorragend. Man spürt beim Lesen des Buches, daß die Veränderungen an keinem vorbei gehen. Dabei fällt es einigen besonders schwer, damit klar zu kommen. Trotzdem sind die Erinnerungen an die Kriegszeiten immer noch präsent. Für manche Menschen ist es ein Hin und Her zwischen glücklichen Momenten und traurigen Erinnerungen. Man kann merken, daß Brigitte Riebe sich mit der Nachkriegszeit in Deutschland sehr intensiv beschäftigt hat. Ihre Bücher sind wahre Zeitzeugen, auch weil reale Personen ihren Auftritt haben. Ich empfehle, alle Teile der Serie von Anfang an zu lesen.

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Veröffentlicht am 13.12.2021

Miriams, der letzten Schwester Geschichte

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Meiner Besprechung des vierten und letzten Bandes um „Die Schwestern vom Ku'damm“ möchte ich ein Zitat von Friedrich Nietzsche voranstellen.
„Gut lesen, das heißt langsam, tief-, rück- und vorsichtig, ...

Meiner Besprechung des vierten und letzten Bandes um „Die Schwestern vom Ku'damm“ möchte ich ein Zitat von Friedrich Nietzsche voranstellen.
„Gut lesen, das heißt langsam, tief-, rück- und vorsichtig, mit Hintergedanken, mit offen gelassenen Türen, mit zarten Fingern und Augen lesen“
Und, so füge ich hinzu, man muss ein Buch wie dieses mit dem Herzen lesen, muss sich einfühlen in die Figuren, um sie in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zu begreifen. Und dann geschieht mitunter etwas, das nur wirklich gute Bücher vermögen: die fiktiven Gestalten bekommen nicht nur Gesichter, sondern werden real, steigen aus ihren Geschichten heraus, werden gleichsam zu lieben Bekannten, zu Freunden gar, begleiten ihre Leser durch ihren Alltag und bleiben auch noch lange nach beendeter Lektüre bei ihnen.
„Ein neuer Morgen“ ist Miriam gewidmet, inzwischen Chefdesignerin im familieneigenen Modekaufhaus, auch sie eine der Thalheim Schwestern, der Beziehung Friedrich Thalheims mit der begabten Jüdin Ruth Sternheim entstammend, erst spät von dem eigenwilligen und, so wie ich ihn kennengelernt habe, schwierigen und kantigen Patriarchen als leibliche Tochter anerkannt – mit Freuden, so muss man freilich anerkennen! Und so gehören weite Teile von Miriams Geschichte ganz ihr, haben keine Überschneidungen mit der Familiengeschichte, die die drei anderen Töchter teilen, und werden dem Leser, der die Vorgängerbände kennt, erst jetzt, in Miriams Geschichte, enthüllt. Und was er da erfährt über die stille, freundliche Miriam mit der außergewöhnlichen, von der Mutter geerbten, Begabung für Mode und deren Erschaffen, ist erschütternd und wahrhaft berührend! Miri nämlich, inzwischen längst glücklich mit dem liebenswürdigen österreichischen Gastronomen Schani verheiratet, der ihretwegen zum Judentum übergetreten ist, Adoptivmutter der mittlerweile heftig pubertierenden Jenny und leibliche Mutter der kleinen Lilly, die so unvermutet ins Leben ihrer nicht mehr jungen Eltern geschneit ist und für einigen Wirbel in der nun vierköpfigen Familie sorgt, lebte in den letzten drei Kriegsjahren nach der Verhaftung und Ermordung ihrer Mutter im Berliner Untergrund, immer in Todesangst vor den Nazi-Häschern, ständig auf der Hut, hatte aber das Glück, immer wieder mutigen und anständigen Menschen zu begegnen, die ihr halfen, die sie versteckten und ihr damit das Leben retteten.
Miris Rückblenden durchziehen den gesamten Roman – und dass sie nun, mehr als zwanzig Jahre später, bereit ist, über das, was sie durchleben und durchleiden musste, zu sprechen und damit unbewusst genau das tat, was man heute als Traumabewältigung bezeichnet, mag mehrere Ursachen haben. Für uns Leser aber sind Miris Erzählungen – Streiflichtern gleich -, mit denen sie uns auf eine Reise mitnimmt in die Vergangenheit, in die dunkelste Epoche der jüngeren deutschen Geschichte, immer einen Anlass habend, der Erinnerungen aufkommen lässt, die unbedingt ans Licht des Tages wollen, wichtig, um die vielleicht sympathischste und bescheidenste der Thalheim Schwestern in all ihren Facetten kennenzulernen. In dem Maße, wie Miri diese unbekannten Jahre ihres Lebens aus dem Dunkel des Vergessens, oder besser des Verschließens, ans Licht kommen lässt, wie die schmerzvollen Erinnerungen endlich selbst mit Macht nach draußen drängen, nähert sich die Vergangenheit der Gegenwart an, verknüpft sich schließlich mit ihr und gibt ein Gesamtbild von Miriam. Wer da meint, er könne die Vergangenheit abstreifen wie einen alten Handschuh, unterliegt einem Trugschluss. Alles was Miriam – und das gilt für jeden von uns – in ihrem Leben erlebt hat, das Gute wie das Böse, hat sie geprägt, sie zu dem Menschen gemacht, der sie heute ist und in der Zukunft sein wird.
Dankbar ist man als Leser stets aufs Neue für die Atempausen, die uns gewährt werden, wenn Miri aus ihren die Seele berührenden Erinnerungen wieder ins Hier und Heute zurückkehrt, das gerade für sie seine ganz eigenen Herausforderungen bereithält und in dem sich unverhofft Dinge ereignen, die gar ihr bisheriges Leben, ihre Beziehung zu Schani in Frage zu stellen drohen, in dem es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren und kluge Entscheidungen zu treffen, für sich selbst und für die Ihren.
Ja, es ist Miris Geschichte, die wir in diesem mitreißenden Buch erfahren, aber fast von Beginn an sind auch die übrigen Thalheims und die ihnen Zugehörigen mit an Bord, die man so gut kennengelernt hat in den ersten drei Bänden, allen voran die drei Schwestern, Protagonistinnen ihrer jeweils eigenen Geschichten: die vernünftige Rieke, einstmals Retterin des Modekaufhauses Thalheim, das nunmehr, im Jahre 1965, kaum wiederzuerkennen ist und sein Gesicht bis zum Jahr 1972, das das Ende der Saga darstellt, noch mehrere Male ändern wird, immer mit der Zeit gehend, um konkurrenzfähig zu bleiben. Silvie, die ehemalige Rundfunksprecherin, die mittlerweile mit Begeisterung und Kreativität ihre Buchhandlung führt und schließlich die Künstlerin und Nonkonformistin Flori, das Nesthäkchen der Thalheims. Sie haben sich weiterentwickelt, sind natürlich älter geworden, ihre eigenen Kinder wachsen heran, ihrerseits bald bereit, den Sprung ins Leben zu wagen, voller Selbstbewusstsein und Neugierde auf das, was dieses für sie bereit halten mag.
Gerade in den 60er Jahren tut sich viel, finden allenthalben Veränderungen statt; die meisten Thalheims gehen mit, bleiben nicht dem Gestern verhaftet, stellen sich den neuen Herausforderungen. Alle bis auf Friedrich Thalheim, was niemanden, der ihm in den Vorgängerbänden begegnet ist, verwundert. Ewig gestrig, ewig skeptisch macht ihn das Neue, das da auf ihn zurollt, Angst; er ist gefangen in sich selbst, ein Konservativer vom Scheitel bis zur Sohle. Und auch wenn er milder geworden ist, sentimentaler, wie das bei alten Menschen oft der Fall ist, sind einige seiner Entscheidungen schlicht und einfach töricht, wie der Leser ein wenig konsterniert feststellen wird. Für Überraschungen war er halt schon immer gut, der eigenmächtige Patriarch seiner immer zahlreicher werdenden Familie!
Und zum Schluss meiner Gedanken noch einige Anmerkungen zu der zweiten Hälfte der 60er Jahre, in der die Handlung des Miriam gewidmeten Bandes vorwiegend angesiedelt ist, gleichzeitig des Bandes, der für mich der wohl wichtigste des Vierteilers ist, sind diese Jahre doch Teil meiner eigenen Geschichte, meines eigenen Erwachsenwerdens, bewusst selbst erlebt, als Zeitzeugin, wenn man so möchte. Mit dem Aufblühen der 68er-Bewegung, der APO und ihrer Galionsfiguren machte sich eine junge, respektlose und idealistische Generation daran, aufzuräumen mit dem Filz und Muff der vergangenen Jahrzehnte. Dazu gehörte ein Sichauflehnen, lautstarke Demonstrationen mit rhetorisch brillanten Wortführern. Einige fatale Auswüchse waren nicht unbedingt vorhersehbar oder wurden zu lange nicht ernst genommen und waren ganz sicher so, wie sie sich dann manifestierten, nicht gewollt, nicht im Sinne der Erneuerer. Indem Brigitte Riebe wichtige, inzwischen bereits historische Ereignisse wie den alles ins Rollen bringenden, stark umstrittenen Schah-Besuch in Berlin in ihre Geschichte einbaut, verleiht sie dem Roman eine überzeugende Authentizität. Und trotz der fiktiven Handlung erscheint mir keines der vier Bücher um die Thalheim Schwestern so nahe an der Realität, so echt, so fassbar, wie dieses hier, das ich in all seiner Buntheit und Vielfalt, mit seinen größeren und kleineren Begebenheiten und mitsamt auch des kleinsten, aber immer fein gezeichneten Nebencharakters ganz sicher lange, lange im Gedächtnis bewahren werde.
Mit „Ein neuer Morgen“ ist die Ku'damm-Saga nun abgeschlossen. Und das ist in Ordnung, denn es ist folgerichtig. Brigitte Riebe hat die Weisheit beherzigt, dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist und überlässt ihre Charaktere und deren künftiges Schicksal nun der Phantasie des Lesers. Die Thalheim Schwestern und ihre Kinder sind auf einem guten Weg, stark genug, das Leben mit all seinen Herausforderungen und Unwägbarkeiten zu meistern, dabei auch mal durch Talsohlen zu gehen, denn auch diese gehören zum Leben. Die Generationen, die da nachfolgen, tragen das Erbe derer in sich, die vor ihnen waren, auch lange vor ihnen, die aber, so bleibt zu hoffen, in ihrer Erinnerung weiterleben werden – so wie Ruth Sternberg in Miriam, um unserer wunderbaren Hauptperson meinen Schlussgedanken zu widmen!

Veröffentlicht am 07.12.2021

Ein toller Abschluss der Reihe

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Berlin im Jahre 1966: Miriam Feldmann, geborene Sternberg, ist glücklich und zufrieden in ihrem Leben mit Ehemann Schani und Adoptivtochter Jenny. Da wird sie, die nie ein eigenens Kind bekommen konnte, ...

Berlin im Jahre 1966: Miriam Feldmann, geborene Sternberg, ist glücklich und zufrieden in ihrem Leben mit Ehemann Schani und Adoptivtochter Jenny. Da wird sie, die nie ein eigenens Kind bekommen konnte, mit Anfang 40 schwanger, was sie völlig durcheinanderbringt. Und dann begegnet sie auch noch ihrer ehemaligen Liebe, der ihr im 2. Weltkrieg zusammen mit seiner Mutter geholfen hatte.

Mit diesem letzten Band der Reihe um die Thalheim-Schwestern entführt uns Brigitte Riebe in die Jahre 1966 - 1971. Neben der Hauptperson dieses Bandes Miriam sind auch wieder die restlichen Schwestern, deren Familien und auch Claire und Friedrich vertreten. Wir erleben Miriam im Kreise ihrer Familie, ihre Schwangerschaft, ihre Ängste und die Pubertätsprobleme mit ihrer Adoptivtochter. Geschickt eingewebt wird dabei geschichtliches aus der damaligen Zeit. Und Miriam erzählt uns auch ihre Geschichte als U-Boot während des 2. Weltkrieges. Diese Rückblicke hat die Autorin sehr geschickt in die Gegenwartsgeschichte eingewebt.

Ich habe auch diesen Band wieder mit Genuss gelesen. Der Schreibstil der Autorin ist äußerst angenehm. Man fühlt sich als Leser/in als wäre man in der Familie mit dabei, die Erzählungen der damaligen Zeit, das damalige Berlin - man ist mittendrin. Vor allem finde ich toll, wie leicht und interessant einem die Autorin geschichtliches Wissen übermittelt.

Ich habe mich wieder sehr wohl gefühlt in dieser großen Familie und nehme nun mit Bedauern Abschied.

Wen die Begebenheiten in Berlin nach dem 2. Weltkrieg interessieren und gut recherchierte Romane darüber lesen möchte, dem kann ich diese Reihe eindeutig ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 26.10.2021

Zwischen Hoffen und Bangen im Umbruch der Zeit

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"Etwas wünschen und verlangen. Etwas hoffen muss das Herz, etwas zu verlieren, bangen und um etwas fühlen Schmerz." (Friedrich Rückert)
Berlin 1966: Die Stadt steckt in einem Umbruch und das Modekaufhaus ...

"Etwas wünschen und verlangen. Etwas hoffen muss das Herz, etwas zu verlieren, bangen und um etwas fühlen Schmerz." (Friedrich Rückert)
Berlin 1966: Die Stadt steckt in einem Umbruch und das Modekaufhaus Thalheim bleibt vor diesem ebenfalls nicht verschont, mit einem neuen Konzept entsteht Thalheim City. Chefdesignerin Miriam Feldmann hat einen guten Draht zu ihrem Vater Friedrich Thalheim, weshalb sie gebeten wird, ihm den Umbruch in Sachen Mode nahezulegen. Aus Amerika kommt die Hippiezeit mit ihren knalligen Farben und kurzen Röcken in die Modewelt. Ebenso läuft privat alles bestens, seit sie und Schani Jenny adoptiert haben, sind sie eine kleine Familie geworden. Niemals hätte Miri für möglich gehalten, dass sie mit Anfang vierzig noch schwanger werden könnte. Nach ersten Verunsicherungen überwiegt doch irgendwann die Freude auf das Baby. Ein Wiedersehen von Moritz Schwarz, den sie aus Kriegszeiten kennt, katapultiert Miri in die schwierigsten Zeiten ihres Lebens zurück.

Meine Meinung:
Nach den drei Bänden über die Thalheim Schwestern kommt nun der vierte Band und es ist wie das ankommen in einer Familie für mich. Mit Miriam Feldmann (Miri) kommt eine vierte Schwester dazu. Diese hat erst recht spät erfahren, das Friedrich Thalheim ihr Vater ist. In die Familie aufgenommen wurde sie ja schon länger, schließlich war ihre Mutter Ruth schon damals die Designerin des Kaufhauses. Jedoch als Jüdin hat sie im Krieg schwierige Zeiten mitgemacht. Nicht nur, dass sie den Verlust ihrer Mutter verkraften musste, von der sie sich nicht mal verabschieden konnte. Zusätzlich konnte sie nur mithilfe vieler netter Menschen die Kriegszeit überleben. U-Boot nannte man diese Juden, die damals unsichtbar während des Krieges überlebt haben. Man schätzt, dass so über 1500 Juden allein in Stadt Berlin überlebt haben. Doch diese Zeit war keine einfache, wie ich aus diesem Buch entnehme, den ständig musste sie in Angst leben und immer wieder neue Identitäten annehmen. Gerade diese Zeit schildert die Autorin noch eindrucksvoller und bewegender als in den anderen Büchern, was sicher an Miris jüdischen Hintergrund liegt. Dabei wechseln die beiden Handlungsstränge jeweils zwischen Gegenwart und Miris Vergangenheit. Auch mich treffen emotional besonders Miris Vergangenheit und vereinzelte Situationen in der Gegenwart. Wie immer in ihren Büchern lässt die Autorin wieder den Zeitgeist nicht nur in die Modewelt einfließen, sondern ebenso das Geschichtliche. Dadurch erfahre ich, was die 60er-Jahre in Deutschland und speziell in Berlin zu jener Zeit bewegt hat. Da wäre zum einen die Hippiezeit mit dem Woodstock-Festival und den ersten Konzerten von Jimi Hendrix, für den besonders Jenny schwärmt. Ebenso geht es wieder politisch heiß her mit Rudi Dutschke und den Studentenprotesten, wie man heute weiß, sollen diese dann mit dem Terrorismus der RAF unter Baader, Meinhof und Ensslin einhergehen. Alle geschichtlichen Ereignisse zwischen 1966-1971 hat die Autorin eindrucksvoll am Buchende zusammengefasst. Ebenfalls angerissen werden Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Homosexualität. Man spürt hier einfach den Einfluss von Brigitte Riebes Geschichtsstudium, das sie immer charmant und ausführlich in ihre Bücher miteinfließen lässt. Ganz besonders nahebringen mit ihren Gedichten möchte sie den Lesern eine Jüdin, die viel zu jung sterben musste. Von ihr ist dieser eindrucksvolle Ausschnitt aus ihrem Gedicht "Poem":

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und hassen
und möchte den Himmel mit Händen fassen.
Und möchte frei sein und atmen und schrein.
Ich will nicht sterben. Nein.
Nein. (Selma Meerbaum-Eisinger)

Gerade wegen diesen historischen Ereignissen habe ich nie groß den Eindruck, dass es eine fiktive Geschichte ist. Zum besseren Verständnis möchte ich die komplette Tetralogie der Thalheim-Schwestern aus Berlin wärmstens empfehlen und gebe für dieses Buch erneut 5 von 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 17.10.2021

"Wer lange glücklich sein will, muss sich oft genug verändern." (Konfuzius)

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1966 Berlin. Die Nachkriegszeit ist überwunden, die Swinging Sixties haben Europa fest im Griff, auch das Modehaus Thalheim kann sich diesem Trend nicht erwehren, wo Chef-Designerin Miriam „Miri“ Feldmann ...

1966 Berlin. Die Nachkriegszeit ist überwunden, die Swinging Sixties haben Europa fest im Griff, auch das Modehaus Thalheim kann sich diesem Trend nicht erwehren, wo Chef-Designerin Miriam „Miri“ Feldmann das Zepter für die Kollektionen in der Hand hält und Stücke an die Kundinnen bringen will, die mit ihrer Farbenpracht Optimismus und Lebensfreude versprühen. Die Thalheim-Schwestern Rike, Silvie und Flori hat Miri an ihrer Seite, doch Patriarch Friedrich Thalheim muss noch überzeugt werden, das Unternehmen in die Zukunft zu führen. Mir hat ihr privates Glück mit Shani gefunden, und Adoptivtochter Jenny ist ihr wie ein eigenes Kind ans Herz gewachsen. Doch plötzlich kündigt sich unverhofft doch noch Nachwuchs bei Miri an, und eine Begegnung mit jemandem aus ihrer Vergangenheit bringt Erinnerungen an die dunkelste Zeit ihres Lebens wieder an die Oberfläche…
Brigitte Riebe hat mit „Ein neuer Morgen“ den finalen Band ihrer wunderbaren fünfteiligen historischen „Schwestern vom Ku’damm“-Reihe vorgelegt und dem Leser damit ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Diesmal entführt sie ins Berlin der Swinging Sixties und erzählt rund um die Veränderungen im Kaufhaus die Geschichte der Halbjüdin Miriam Feldmann als uneheliche Tochter von Friedrich Thalheim. Der flüssige, farbenfrohe und gefühlvolle Erzählstil lädt den Leser zum letzten Besuch bei den Thalheims, wo er Berlin nicht nur als bereits geteilte Stadt erlebt, die Musik von Hendrix, den Beatles und Petula Clark im Ohr hat sowie die Studentenrevolten hautnah miterlebt, sondern vor allem Miri durch ihre Erinnerungen und ihr Leben im Hier und Jetzt auf Schritt und Tritt beisteht. Die Autorin versteht es wie kaum eine andere, die damaligen gesellschaftlichen und politischen Ereignisse akribisch recherchiert mit ihrer Handlung zu verbinden, so dass der Leser eine Zeitreise der ganz besonderen Art erlebt, während er gleichzeitig mit Miris Vergangenheit eine Gefühlsachterbahn der Extraklasse durchsteht. Die Begegnung mit einem alten Bekannten aus Kriegszeiten lässt ihre Erinnerungen aufleben, als sie sich lange verstecken musste, um von den Nazis nicht deportiert zu werden. Diese Ereignisse bringen auch den Leser an seine Grenzen und öffnen die Tränenschleusen ob der Erfahrungen, die Miri damals machen musste. Riebe spannt ihre Handlung von 1966 bis 1971, lässt das Kaufhaus Thalheim einmal mehr eine Wandlung Richtung Zukunft erfahren. Gleichzeitig beschert sie dem Leser mit viel Empathie eine Reise in die Vergangenheit, die manch Kriegsüberlebender so oder ähnlich erlebt haben kann. Gerade diese realistischen Bezüge machen Riebes Geschichten so anschaulich und wertvoll. Überraschende Wendungen machen die Handlung durchweg so spannend, dass man regelrecht an den Buchseiten festklebt.
Die Charaktere sind liebevoll und facettenreich ausgestaltet und lebendig eingepasst, mit ihren realistischen Eigenschaften haben sie den Leser sofort am Haken, der sich als unsichtbares Familienmitglied fühlt und rege teilnimmt an ihren Schicksalen. Miri ist eine warmherzige, mutige und starke Frau, die sich durch nicht unterkriegen lässt. In Shani hat sie einen liebevollen Ehemann gefunden, der sie in allem unterstützt. Tochter Jenny ist ein pubertierender Teenager, der langsam erwachsen wird und sich ausprobieren will. Aber auch Rike, Flori, Silvie, Friedrich und vielen anderen begegnet man in diesem Abschlussband noch einmal und kann sich gebührend von ihnen verabschieden.
„Ein neuer Morgen“ ist atmosphärisch dicht und tiefgründig. Brigitte Riebe setzt wie bei einen bunten Quilt nach und nach alle Stücke an den passenden Platz, woraus sich ein wunderbares Bild ergibt, das einzigartig und farbenfroh ist. Wer eine unvergessliche Geschichtsstunde par excellence und gleichzeitig ein unvergleichliches Lesevergnügen erleben will, kommt an der Ku’damm-Reihe nicht vorbei. Absolute Leseempfehlung – besser geht es nicht. Chapeau Frau Riebe!!!