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Veröffentlicht am 29.07.2021

Menke ermittelt in Zweibrücken

Wenn nichts ist, wie es scheint
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Einen abscheulichen Fall soll Detlef Menke, Winzersohn, Porschefahrer und Privatdetektiv aus Bad Dürkheim, da aufklären: in Zweibrücken hat es jemand auf Hunde abgesehen, vergiftet Fleischbällchen oder ...

Einen abscheulichen Fall soll Detlef Menke, Winzersohn, Porschefahrer und Privatdetektiv aus Bad Dürkheim, da aufklären: in Zweibrücken hat es jemand auf Hunde abgesehen, vergiftet Fleischbällchen oder spickt sie mit Nägeln, Scherben und Rasierklingen und legt sie in den Grünflächen des Stadtzentrums aus, just der Gegend, die bei den Vierbeinern und ihren Herrchen beliebt ist! Welche fatalen Folgen das für die Tiere hat, kann man sich denken....
Im Mittelpunkt des Geschehens steht, wie man bald feststellen kann, die Tierärztin Hella, die nicht nur alle Hände voll damit zu tun hat, den Hunden, die einen solchen perfiden Köder gefressen haben, zu helfen – was ihr zumeist nicht gelingt -, sondern auch einen ihrer beiden eigenen Hunde nicht hatte retten können. Zufällig kennt sie Menke aus gemeinsamen Schulzeiten und fordert seine Hilfe an, die er ihr umgehend gewährt, zumal seine Freundin Tabea, ihres Zeichens Kommissarin bei der Bad Dürkheimer Polizei, sich soeben, genervt von Menkes Besitzansprüchen und seinem Drängen nach Heirat und Familie, eine Auszeit genommen hat. Ablenkung tut Not! Glücklicherweise hat Menkes Spürsinn unter der zunächst vorläufigen Trennung nicht merklich gelitten, denn bald schon nimmt er Witterung auf. Auf den üblichen Umwegen und mit einigen unangenehmen Zwischenfällen freilich, und diesmal nicht wie gewohnt mit der Hilfe seines Freundes, dem eigenwilligen Dackel Alli, der nur noch Augen für Hellas Wolfshund Elfi hat, sondern ziemlich auf sich allein gestellt – wiewohl beide Hunde trotz aller amüsanten Intermezzos, schließlich doch noch eine Rolle spielen sollen bei der letztendlichen Aufklärung eines höchst eigenartigen Falles, „bei dem nichts ist, wie es scheint“, wie schon der Titel des neuen Menke Abenteuers andeutet (den man allerdings auch noch auf eine andere Art interpretieren kann!), das sich auf eine unerwartete Weise entwickelt und am Ende durchaus die eine oder andere Frage, die sich während der Lektüre des Romans auftut, unbeantwortet lässt.
Viel geschieht in dem Krimi, an allen Ecken tut sich etwas, von dem man nicht sicher sein kann, ob es für den zu lösenden Fall relevant ist; die Ereignisse überrollen einander und den Leser, der die Geschichte aus mehreren Perspektiven serviert bekommt und so immer dem wackeren Privatdetektiv mit der so unglückseligen wie komischen Neigung zu den absurdesten Unfällen ein ganzes Stück voraus ist. Mal erzählt Menke auf seine unnachahmliche salopp-fatalistische Art, mal lässt die Autorin die Leser das Geschehen aus der Sicht des Unholdes verfolgen, dem, und das wird bereits frühzeitig klar, weiß Gott nicht nur eine Latte am Zaun fehlt, dann wiederum erhält man eine eher neutrale Berichterstattung über die Entwicklung des Geschehens an sich und den Fortgang der polizeilichen Ermittlung. Und zwischendurch menschelt es gewaltig!
Eine recht interessante Art der Erzählung, wie ich finde; sehr abwechslungsreich, nie auf der Stelle tretend, unterhaltsam, mit Humor gewürzt – und das trotz des ernsten Themas, das dem Krimi zugrunde liegt, aber auf eine Art und Weise gehandhabt wird, die ich als angenehm dezent bezeichnen möchte, nimmt sie doch Abstand von zu detaillierten und daher für jeden Tierfreund schwer zu ertragenden Schilderungen des Leides, das die Opfer des schlimmen Menschen mit dem Dachschaden durchmachen müssen. Dessen Identität wird erst ganz am Ende klar – dem Leser genauso wie derjenigen, wegen der er seine Scheußlichkeiten, die sich beileibe nicht auf die Herstellung der tödlichen Köder beschränken, begangen hat. Und das Ende hat es in sich! Wiewohl die Geschichte für mein Empfinden dann doch zu abrupt endet – aber womöglich musste das so sein, denn das, was in dem Geistesgestörten vor sich geht und was ihm gänzlich den Verstand geraubt hat, würde sicherlich ein weiteres Buch füllen....
Darüberhinaus gibt es die gewohnten Einblicke in die Charaktere und die Entwicklung ihrer Beziehungen miteinander, wobei einzig Hella, die Tierärztin und diejenige, gegen die sich des Täters geballte Aggressionen richten, ein wenig farblos erscheint. Doch vielleicht wird man ihr ja wiederbegegnen, wenn die Veränderungen, die sich in Menkes Leben abzeichnen, realisiert werden? Ja, Menkes Leben erfährt, so viel darf verraten werden, eine überraschende Wendung, die der Leser, der ihn in den Vorgängerbänden kennenlernen und begleiten durfte, nicht unbedingt hat erwarten noch erhoffen können, die ihn aber gewiss befriedigen wird, denn trotz all seiner zahlreichen Eigentümlichkeiten ist „Deti“ ein rundum liebenswerter Bursche, von Grund auf gutherzig und ohne jeden Arg. So sehr man ihm wünscht, dass sein Leben in geordneten Bahnen verläuft – ein Deti ohne die üblichen Malheure, die das Salz in der Suppe der Krimis ist, als dessen Hauptakteur er fungiert, wäre zu viel des Guten! Man darf auf jeden Fall gespannt sein, was die Autorin wohl noch für ihn und alle die inzwischen liebgewonnenen Nebencharaktere, die sich um ihn herum tummeln, in petto hat....

Veröffentlicht am 23.07.2021

Wanderzirkus sorgt für Aufregung

Fünf Freunde und der Zauberer Wu
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„Fünf Freunde und der Zauberer Wu“, der letzte Band der Originalserie, die die englische Vielschreiberin Enid Blyton 1943 begonnen und ursprünglich auf sechs bis höchstens acht Bände konzipiert hatte, ...

„Fünf Freunde und der Zauberer Wu“, der letzte Band der Originalserie, die die englische Vielschreiberin Enid Blyton 1943 begonnen und ursprünglich auf sechs bis höchstens acht Bände konzipiert hatte, aber wegen ihres großen Erfolges auf 21 Bände ausdehnte, wurde 1963, zwanzig Jahre später, erstveröffentlicht. Dass sich danach jedoch eine ganze Reihe weiterer Autoren berufen fühlten, Enid Blytons Protagonisten Julian/Julius, Dick/Richard, Anne, Georgina, genannt George und der Hund Timmy einfach weitere Abenteuer, immer wieder dieselben oder ganz ähnliche übrigens, erleben zu lassen, ist mit Bedauern anzumerken, denn irgendwann läuft sich auch das tollste Erfolgsrezept tot! Ohnehin ist Enid Blyton, eine der bekanntesten und sicherlich kommerziell erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren des 20. Jahrhunderts und auch heute noch, lange nach ihrem Tod 1968, sicher auch eine der kontroversesten und bei Literaturkritikern wenig beliebt. Allerhand hat man ihr vorgeworfen, hat an ihrem recht simplen Stil herumzumäkeln gehabt, an ihren ewig gleichförmigen Geschichten, in denen sie alle Vorurteile ihrer Zeit reichlich bediente und nicht abzubringen war von ihren Rollenklischees.
Fragte man aber ihre Leser, so würde man allenthalben auf Begeisterung stoßen und gerade die 10 bis 12jährigen lieben ihre „Geheimnis“ - Abenteuer, die „Rätsel“ - und eben die „Fünf Freunde“ - Serien. Die jungen Leser, für die Enid Blyton nun einmal schrieb, störten sich weder an Gleichförmigkeit noch an irgendwelchen Klischees. Für sie sind die fünf Freunde, die in ihren Ferien so herrlich frei und weitgehend in Ruhe gelassen von den nervigen Erwachsenen ein spannendes Abenteuer nach dem anderen erleben und maßgeblich beteiligt sind an der Aufklärung mal mehr, mal weniger finsteren Verbrechen, bewunderte Vorbilder!
Wer stört sich schon daran, dass die vier Kinder nebst Hund dauernd ans Essen denken, dass Anne die Rolle des Hausmütterchens besetzt, George stets ungebärdig, zickig und irrational agiert, dass Julian/Julius immer alles besser weiß und die anderen herumkommandiert oder dass Dick/Richard auf den dauerlustigen Witzbold festgelegt ist – und dass ein Abenteuer dem anderen gleicht? Wer auch wundert sich darüber, dass die Eltern so sträflich desinteressiert sind an ihren Sprösslingen, wenn sie denn aus dem Internat in die Ferien zu ihnen kommen müssen, dass ihnen vielmehr daran gelegen ist, sie schnellstmöglich wieder loszuwerden? Für die jungen Leser sind die Eltern, mit denen George und ihre drei Cousins Anne, Julius und Richard gestraft sind, nur hinderliche Spaßbremsen, als die sie sich, wenn sie sich mal auf ihre Elternrolle besinnen, auch unweigerlich erweisen.
Aber jetzt muss der Erwachsene zu Wort kommen, denn was sich Georges Eltern Fanny und das zerstreute Vatergenie Quentin da leisten, ist doch sehr bedenklich! Da kommen die Kinder frohgemut in die Osterferien nach Kirrin (die Eltern der Cousins machen inzwischen Urlaub in Deutschland) – und werden gleich wieder weggeschickt, weil die Köchin Johanna/Joana/Joan plötzlich Scharlach bekommen hat und ins Krankenhaus gebracht wurde! Nun ja.... Mutter Fanny schickt die Kinder samt Hund zu dem befreundeten Professor Hayling, noch vergesslicher und verwirrter als Quentin, und seinem anstrengenden Sohn Brummer/Tinker in den Nachbarort. Hurra – die sind wir los, mag sich Fanny gedacht haben und nun beruhigt auf den Scharlach warten kann, der vielleicht über sie hereinbrechen wird, demnächst, irgendwann. Oder überhaupt nicht....
Die Kinder aber scheinen ganz zufrieden zu sein, zumal sich bei dem geistesabwesenden Professor die Chance auf ein neues Abenteuer auftut, als nämlich ein Wanderzirkus sein Lager aufschlägt, der zumindest eine zwielichtige Gestalt beherbergt, die ein verdächtiges Interesse an der neuen Erfindung des Professors an den Tag legt, und dessen geschwätzigen Sohn Brummer/Tinker auf äußerst plumpe Weise aushorcht. Doch zum Glück sind die fünf Freunde wachsam – und nach einem nur halb geglückten Einbruch in die Arbeitsstube des verwirrten Genialen beschließen sie zu handeln und dem vermuteten Dieb eine Falle zu stellen. Dass ihr Plan nicht so funktioniert, wie gedacht, kann sich der erfahrene Leser denken, genauso wie er weiß, dass die unberechenbare George immer für eine Überraschung gut ist, mit der sie sich unüberlegt, aber dennoch zielsicher, in Gefahr begibt...
Ende gut, alles gut? Aber sicher, darauf ist bei Enid Blyton, der Berechenbaren, immer Verlass! Und wenn sie, die Autorin höchstpersönlich, meint, dass nun, nach Band 21, aber auch Schluss sein muss, so kann ich ihr da nur zustimmen, denn alles ist gesagt, vielfach und immer wieder, alle nur denkbaren Abenteuer sind absolviert, manche sogar wiederholt, die Charaktere sind auch nach 21 Bänden, und das sind genauso viele Ferien, unverändert, sind weder älter noch reifer geworden und das würde vermutlich auch nicht anders werden (und ist es auch nicht geworden, allerdings nicht, weil Enid Blyton das so wollte!). Bevor es gar zu langweilig wird, hört eben auch die emsige Schreiberin Enid Blyton auf – und das ist völlig in Ordnung so!

Veröffentlicht am 23.07.2021

Rätselhafte Begegnungen auf Island

Nordlicht, Band 01
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Womit assoziiert man Island wohl als erstes? Eisiges Land im nördlichen Atlantik? Insel aus Feuer und Eis, mit vielen aktiven Vulkanen, Geysiren, heißen Quellen und überwältigenden Nordlichtern? Mit den ...

Womit assoziiert man Island wohl als erstes? Eisiges Land im nördlichen Atlantik? Insel aus Feuer und Eis, mit vielen aktiven Vulkanen, Geysiren, heißen Quellen und überwältigenden Nordlichtern? Mit den Islandponys, die man besser Islandpferde nennen sollte? Oder mit seinen zahlreichen Mythen, in denen Elfen, Trolle und Feen eine große Rolle spielen – so lebendig, wie eh und je? Die Autorin entführt ihre jungen Leserinnen (man darf davon ausgehen, dass vorwiegend Mädchen diese Art von Büchern lesen) ebenso wie diejenigen, die sich von Island und von Pferden angezogen fühlen, in ihrer „Nordlicht“ Trilogie, zu deren erstem Band ich mir hier ein paar Gedanken machen möchte, auf eben jene Insel ganz in der Nähe des Polarkreises – und an was auch immer man bei ihrer Erwähnung denkt, man findet es in diesem Roman!
Auch wenn man wenig weiß über Island kann man sich schon nach wenigen Seiten ein erstes Bild machen, zu dem immer weitere Facetten hinzukommen, je weiter man sich in der Geschichte fortbewegt. Dies dank gelungener Schilderungen, die manches Mal bloße Erwähnungen, gar nur Andeutungen sind, die aber ein Gefühl vermitteln für das, was Island ausmacht. Obschon man nur einen Bruchteil der kalten Insel kennenlernt, denn die Geschichte spielt eigentlich nur in und um Hafnarfjördur, nicht weit weg von der Hauptstadt Reykjavik, im „Nichts“, wie die Protagonistin Elin zu Anfang der Reise wider Willen überzeugt ist.
Sowieso ist sie überhaupt nicht begeistert von der Reise nach Island, die ihre Mutter gebucht hat – und das auch noch im Winter! Aber es war ein Schnäppchen und wie das bei solchen nun einmal nicht ausbleibt, ein Schnäppchen mit Haken, also mit einigen leeren Versprechungen. Zudem scheint Elins Mutter eine Vorliebe für die sagenumwobene Insel aus Feuer und Eis zu haben, hat sie doch ihrer einzigen Tochter einen isländischen Namen gegeben. Elin jedenfalls teilt die Begeisterung ihrer Mutter keineswegs; sie ist übler Laune und entschlossen, alles hier schlecht zu finden. Sie will shoppen, lange schlafen in ihren Ferien und mit ihren Freundinnen chatten. Stattdessen Sightseeing im Winter? All das tun, was Touristen so machen? Und dann noch dieses ständige Gerede über Elfen und Trolle! Da kann Elin ja nur lachen!
Und richtig bockig wird der anstrengende Teenager mit der schon arg strapazierten Jugendsprache, als ihr klar wird, dass die Mutter einen Plan hat, mit dem sie, Elin, gar nicht einverstanden ist! Sie hat nämlich hinter dem Rücken ihrer Tochter einen Reitausflug gebucht, wo sie doch genau weiß, dass Elin sich nach dem Tod ihres Pferdes Sahara nie wieder auf einen Pferderücken setzen wird....
Ja, Elin strapaziert mit ihrer schnoddrigen Zickigkeit nicht nur die Nerven der Mutter, sondern auch die meinen. Ein wenig sympathisches Mädchen, dachte ich mir, und nur allmählich habe ich meine Ansichten geändert. In Wirklichkeit ist diese meine Geduld auf die Probe stellende Elin nämlich ein Mädchen mit einer verwundeten Seele, tieftraurig, was sie hinter aufgesetzter Coolness zu verbergen sucht. Und sie ist jemand mit einer ganz eigentümlichen Beziehung zu Pferden; sie kann sich in sie hineinfühlen. Dieses besondere Band, dass nach dem Tod des eigenen Pferdes abgerissen war, weil sie selbst es durchschnitten hat, entdeckt sie nun langsam wieder auf Island – durch den rätselhaften Jungen Kari, der immer dann zur Stelle ist, wenn sie in Gefahr ist, und durch die Begegnung mit der kleinen Stute Ljosadis, der „Lichtfee“, deren Traurigkeit wegen ihres verlorenen Fohlens sie so spürt, als wäre es ihre eigene Trauer. Und instinktiv weiß Elin, dass nicht nur Ljosadis ihr helfen kann den Tod ihrer Sahara zu verarbeiten, sondern dass das Pferdchen seinerseits auch sie braucht, sie, Elin, und niemanden sonst. Das Pferd und das Mädchen gehören zusammen – und ihre Verbindung ist eine geheimnisvolle, ist etwas, das sie sich nicht erklären kann. Seitdem sie Ljosadis kennt, sieht sie immer wieder verstörende Bilder, hat beängstigende Träume, in denen Ljosadis und sie in Gefahr sind und in denen auch der Junge Kari eine Rolle spielt, von der der Leser auch am Ende des ersten Bandes der Trilogie nur ahnen kann, was es mit ihm auf sich hat. Und auch mit Jorunn, einer weisen alten Frau, einer Kräuterkundigen, die mehr zu wissen scheint, als sie preisgibt, und deren Rolle noch rätselhaft ist, von er man allerdings vermuten darf, dass sie im weiteren Verlauf der Geschichte von zentraler Bedeutung sein wird.
Noch aber hat man keine Antworten auf all die Fragen, die sich im Laufe der Geschichte auftun – und Elin genauso wenig! Für sie geht es nun vor allem darum, so schnell es geht zurückzufahren auf die unwirkliche Insel, Kari wiederzusehen und Ljosadis, dem Rätsel des verlorenen Fohlens auf die Spur zu kommen und dabei den Grund herauszufinden für die so ungeheuer starke Anziehung, die Island auf sie ausübt. Magie? Vorbestimmung? Zufall? Man wird sehen!

Veröffentlicht am 18.07.2021

Rettung des Tumbawunda-Tals

Das Bee-Team
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In Feld und Wald zieht der Frühling ein – auch im fiktiven Tumbawunda-Tal, einst, so hat man während des Lesens der Geschichte den Eindruck, ein Naturparadies, in dem es blühte und duftete, zwitscherte ...

In Feld und Wald zieht der Frühling ein – auch im fiktiven Tumbawunda-Tal, einst, so hat man während des Lesens der Geschichte den Eindruck, ein Naturparadies, in dem es blühte und duftete, zwitscherte und summte. Ein früher Frühling allerdings, mit viel zu hohen Temperaturen für diese Zeit des Jahres und viel zu trocken – ein Phänomen, das nicht neu ist, das man auch in den Jahren zuvor bereits hatte beobachten und sich deshalb Sorgen machen können. Hätte! Klar, eine Gruppe unentwegter, nimmermüder Mahner hat längst gewarnt, dass die Menschen so, wie sie es schon seit Jahrzehnten tun, einfach nicht weitermachen können, ohne dass sie die Natur mit allem, was darin wächst, was da kreucht und fleucht mit ihrer rücksichtslosen Ausbeutung der Erde und dem sorglosen Umgang mit ihren Ressourcen zerstören – und damit langsam aber sicher ihren eigenen Lebensraum! Und alles des schnöden Mammons wegen. So dumm sind die Menschen! Und was sie mit ihrem Drang nach einem vermeintlichen Fortschritt durch etwa die Rodung der Wälder, die Bebauung auch der letzten Grünflächen, der „optimalen“ Nutzung der Felder und dem Produzieren immer mehr Mülls und dessen mangelhafter Entsorgung anrichten, kann nicht ohne Folgen bleiben!
Und hier lässt der Autor Alexander Ruth seine Geschichte beginnen: als nämlich die Wildbienen an der großen Linde im Tumbawunda-Tal vom Winterschlaf aufwachen, sehen sie sich einer Katastrophe gegenüber! Der größte Teil ihres Volkes ist verhungert und verdurstet – und wie ihnen geht es den übrigen Tieren, Insekten wie Säugetieren und allen anderen Mitgliedern der großen Tierfamilie, die so perfekt das Ökosystem im Gleichgewicht halten. Würde man sie denn lassen! Nun ist guter Rat teuer und es kann eigentlich nur noch ein Wunder helfen. Dieses Wunder geschieht tatsächlich und verantwortlich dafür sind die beiden naturlieben Försterkinder Oskar und Romy, die eines viel zu warmen Frühlingsmorgens schmerzlich das Fehlen der Insekten bemerken. Und was tun Kinder in einer solchen, sie zutiefst beunruhigenden Situation? Sie beten!
Oskar, ein wackerer Ninja-Krieger, und seine Schwester Romy, ganz in der Eisprinzessinnen- und Einhornwelt lebend, rufen das Bee-Team an – wer immer das auch ist, denn sie haben es, so bekommen die kleinen und großen Leser den Eindruck, einfach erfunden! Oder etwa doch nicht? Jedenfalls geschieht, kaum haben sie ihre Beschwörung ausgesprochen, Seltsames: ein bunter Lichtstrahl kommt aus den Tiefen des Alls auf die geschundene Erde, seine Magie entfaltet sich und es beginnt ein gar wundersames Abenteuer, in dem Oskar und Romy gemeinsam mit ihren Freunden von dem echten (?) Bee-Team, vier tapferen und erfindungsreichen Schmetterlingen, dazu erkoren werden, das sterbende Tumbawunda-Tal zu retten und durch spektakuläre Aktionen und nicht nur einem Hauch von Magie auch die unbelehrbarsten Umweltfeinde und -zerstörer zum Umdenken zu bewegen.
Es geht turbulent zu in diesem Roman, bei dem ich mich nicht entscheiden kann, ob ich ihn tatsächlich ins Fantasy Genre einordnen soll. Viel eher tendiere ich dazu, in ihm ein Märchen zu sehen, eines mit erschreckend realem Hintergrund. Der Autor erschafft keine neuen Welten, er belässt seine Geschichte stattdessen in der wirklichen Welt, in der, die wir kennen und um dessen Rettung es ihm geht. Dafür personifiziert er die zweite Protagonistengruppe der Geschichte, die Tiere, gibt ihnen Sprache und Ratio, lässt sie den Aufstand proben, sich endlich, so mag sich mancher Leser denken, wehren gegen das, was ihnen der Mensch seit Anbeginn der Menschheit antut. Eine Art Parabel also? Eine Geschichte, die zum Nachdenken anregt und Lehren erteilt? Gewiss – und dies trotz all des Trubels, den der Autor heraufbeschwört, der teilweise aberwitzigen und slapstickhaften Handlung, die sich immer wieder überschlägt und bei der man aufpassen muss, dass man nicht den Faden verliert, denn Alexander Ruth lässt es an allen Ecken und Enden brodeln und krachen und hier und dort regelrechte Vulkane ausbrechen.
An dieser Stelle muss ich kritisch anmerken, dass mir die rasende Abfolge der viel zu zahlreichen Ereignisse doch ein wenig den Atem genommen hat. Es geschieht einfach zu viel und das verbaut die Sicht auf das, worum es eigentlich geht, auf die Botschaft, die, davon gehe ich aus, der Autor dem Leser vermitteln möchte. Die Geschichte ist zu unruhig – so unruhig wie der Stil, in dem sie verfasst ist, die eigenwillige Diktion und Syntax, derer er sich bedient. Nicht leicht lesbar für die Zielgruppe – zumal wenn das Schriftbild, bei dem Absätze fast gänzlich fehlen, unglücklicherweise so einförmig ist, dass ein kontinuierlich-flüssiges Lesen kaum möglich ist. Das wiederum auf besagte Zielgruppe bezogen, die 8 bis 10jährigen, denen vielleicht gelegentliche Illustrationen gut gefallen hätten – und ein Buch wie dieses, mit einem so bezaubernden, die Sinne anregenden Cover, bietet sich nicht nur dazu an, genauso bezaubernd illustriert zu werden, sondern man erwartet es auch!
Summa Summarum: „Das Bee-Team“ ist fraglos ein wichtiges Buch, beschäftigt es sich doch mit einem nicht erst durch „Friday for future“ in den Vordergrund gerückten, dringlichen Thema, das transportiert wird von sehr liebenswerten, ansprechenden und überzeugenden Protagonisten, den Kindern und den Tieren nämlich. Doch wird eine Mahnung nicht eindringlicher, wenn man sie immer und immer wieder den Menschen mit erhobenem Zeigefinger einbläut. Im Gegenteil! Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass weniger in dieser Geschichte mehr und ganz sicher nachhaltiger gewesen wäre.

Veröffentlicht am 17.07.2021

Kobolde - Schützer und Bewahrer des Lebens auf der Erde

Fynn & Ally
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Der Koboldjunge Fynn, Protagonist der so liebenswerten wie aufregenden Geschichte, zu der ich mir hier ein paar Gedanken machen möchte, ist ein aufgewecktes Kerlchen (Kobolde sind nach der Vorstellung ...

Der Koboldjunge Fynn, Protagonist der so liebenswerten wie aufregenden Geschichte, zu der ich mir hier ein paar Gedanken machen möchte, ist ein aufgewecktes Kerlchen (Kobolde sind nach der Vorstellung des Autors winzige Wesen, die die Menschenwelt zahlreich bevölkern und nur von denen wahrgenommen werden – wenn überhaupt - , die sich noch nicht völlig entfremdet haben von unserem ureigenen Lebensraum und mit ihm im Einklang und nicht gegen ihn leben). Wenn es manchmal so scheint, als wäre er schwer von Begriff, so täuscht das! Fynn nämlich, ohne jeden Arg, tut sich lediglich schwer damit, das Böse zu sehen und zu begreifen. Möge ihm diese so positive Eigenschaft erhalten bleiben, selbst dann, wenn er in der Koboldschule in den Bergen seine Ausbildung zum Wächter abgeschlossen hat und ein vollwertiges Mitglied des Ordens, der Gemeinschaft der Kobolde, geworden ist, die es als ihre Aufgabe ansehen, ihre Welt, die auch diejenige der Menschen ist, vor Unheil zu bewahren und sie und all ihre Lebewesen ihren Schutz angedeihen zu lassen. Eine so lobenswerte wie schwierige Aufgabe, denn auf unserer Erde brennt es an allen Ecken und Enden, und man mag sich gar nicht vorstellen, wie sie aussehen würde ohne den beherzten und nimmermüden Einsatz der Kobolde...
Fynn begegnen wir zu Anfang des bezaubernden Fantasyromans nicht etwa in seiner Schule unter der Ägide des allseits bekannten und bewunderten Lehrers und Meisters Hendrik, sondern vielmehr auf einem Schiff Richtung China, zusammen mit seiner wagemutigen und allen Widrigkeiten gewachsenen Freundin Ally! Dorthin wollen sie die Prinzessin Shen-Mi begleiten, um sie vor dem bösen Huai Chen in Sicherheit zu bringen – man sieht also, dass es auch unter den Kobolden schwarze Schafe gibt! Doch der unter Tieren im Walde aufgewachsene Fynn hat noch einen anderen Grund für die Reise: lange schon sehnt er sich danach, endlich seinen leiblichen Eltern zu begegnen, von denen er als Kleinkind durch ungeklärte Umstände getrennt wurde....
Die Reise freilich läuft anders als geplant – und nach einem Unglück auf dem Schiff, verursacht durch eine Mine, die das Abladen von Giftmüll ins Meer verschleiern sollte, landen Fynn und Ally auf einer Insel, auf der sie auf den weißen Gorilla Kiko und den Helmvanga Roy treffen, die beide skrupellosen Tierfängern entkommen sind. Nun, getreu dem Credo ihres Ordens müssen die zwei Koboldkinder, die es allerdings an Courage und Einfallsreichtum mit einer ganzen Kompanie Soldaten aufnehmen können, zunächst einen Abstecher nach Afrika machen, um sicherzustellen, dass Roy und Kiko, beide gefährdeten Tierarten zugehörig, sicher in ihre Heimat zurückgeführt werden. Und das ist gar nicht so einfach, wie sie bald feststellen müssen!
Weit Abenteuerlicheres und Gefährlicheres aber steht Ally und Fynn noch bevor, als sie die Weiterreise nach China antreten, um die Prinzessin wiederzufinden und unbeschadet zu ihrem Vater zu bringen. Denn alsbald geraten sie in eine Falle und stehen dem Erzschurken Huai Chen persönlich gegenüber, der gar Böses im Schilde führt. Wie sie mit List und Entschlossenheit und nicht zuletzt dank der tatkräftigen Hilfe ihrer Artgenossen und einer Schar gefiederter und vierbeiniger Verbündeter, denn da besteht ein unzerreißbares Band zwischen den Kobolden und den Tieren, den selbst gewählten Auftrag zu einem guten Ende bringen und sich noch dazu Fynns sehnlichster Wunsch, nämlich seine Eltern wiederzufinden, erfüllt – ja, das müssen die jungen und nicht mehr ganz so jungen Leser schon selbst herausfinden....
„Die große Reise“ ist Band 2 der Geschichte um die beiden jungen Kobolde Fynn und Ally. Doch auch ohne die Kenntnis des ersten Buches bereitet sie uneingeschränkten Lesegenuss für Groß und Klein und bietet darüber hinaus viel Stoff zum Nachdenken und zum regen Gedankenaustausch, wenn man sie denn – idealerweise – gemeinsam mit einem der Zielgruppe (ab etwa acht Jahren) zugehörigen jungen Leser liest.
Der Fantasyroman ist so spannend wie amüsant und anrührend, dazu sehr abwechslungsreich und bevölkert mit den liebenswertesten Kreaturen, die man sich nur vorstellen kann (solange es sich um Tiere und Kobolde und eine sehr überschaubare Handvoll Menschen handelt freilich), die unbedingt schützenswert sind. Und dass der Autor seine kleinen und größeren Protagonisten vor dem realistischen Hintergrund einer gar nicht heilen Welt agieren lässt, die sich langsam und mit unverständlicher Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit selbst zerstört – und wie Fynn und Ally das zu erklären versuchen, ist wunderbar gemacht und für junge Leser sehr verständlich und nachdrücklich auf den Punkt gebracht! -, hatte ich zunächst nicht erwartet, ist aber einer der Punkte, die mir besonders gefallen an der parabelhaften Fantasygeschichte, die dennoch so nah an der Wirklichkeit bleibt. So ist unsere Welt nun mal, so erschreckend es auch ist. Und nur, wenn man über die zerstörerischen Mechanismen Bescheid weiß, die diese Welt zu einem Ort gemacht haben, an dem alles, aber auch alles, profitgesteuert ist, ohne Rücksicht auf Verluste, kann man gegensteuern, genauso wie das die Kobolde machen, die sich nicht umsonst Wächter nennen, und so, wie es jeder von uns tun kann, durch Menschlichkeit und Rücksicht und Achtung vor der so fragilen Natur und ihren Lebewesen. Gorillas werden vielleicht das 21. Jahrhundert nicht überdauern, so wie viele weitere Spezies ausgerottet sein werden, wenn man, sprich die Völkergemeinschaft, nicht schleunigst die Notbremse zieht. Das Buch macht Hoffnung, auch wenn das nur ein Hoffnungsschimmer ist, nachdem zwei Vertreter der inzwischen selten gewordenen Arten wieder ihrer Heimat, ihrem angestammten Lebensraum zugeführt worden sind, nachdem im weiteren Verlauf der Geschichte dem Streben nach Allmacht mit Hilfe einer zerstörerischen, nicht mehr beherrschbaren Technik Einhalt geboten wurde – durch Mut, Entschlossenheit, Zusammenhalten und bedingungslosem Einsatz der winzigen Hüter und Bewahrer der Erde und all dem, das auf selbiger seine Berechtigung zum Leben hat. Und Hoffnung braucht es, bei allem realistischen Pessimismus!