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Veröffentlicht am 19.09.2020

Kriegszeiten

Die Krankenschwester von St. Pauli – Jahre des Aufbruchs
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1914 Hamburg. Der Erste Weltkrieg hält auch Einzug in Svantje Claasens Leben und das ihrer Familie. Gemeinsam mit ihrer Tochter Karoline behandelt sie die verwundeten Frontsoldaten notdürftig, denn die ...

1914 Hamburg. Der Erste Weltkrieg hält auch Einzug in Svantje Claasens Leben und das ihrer Familie. Gemeinsam mit ihrer Tochter Karoline behandelt sie die verwundeten Frontsoldaten notdürftig, denn die Versorgungslage ist eng und macht sich auch innerhalb der Bevölkerung bemerkbar. Als Tochter Karoline heiratet und sich für den Lazarettdienst an der Front meldet, um ihrem Mann zu folgen, tut es ihr Svantje gleich, will sie doch weiter ein Auge auf ihre Tochter haben. Friedrich bleibt derweil zuhause, denn er ist aufgrund seiner Verletzung nicht kriegstauglich. Bei hrem Frontdienst erleben sowohl Svantje als auch Karoline sämtliche Schreckensszenarien des Krieges. Als Karoline schwanger wird, beendet sie die Arbeit im Lazarett, während Svantje weiterhin ihren Dienst tut und sich auf einmal als Gefangene in Feindeshand befindet. Ob sie ihre Lieben je wieder in die Arme schließen kann?
Rebecca Maly hat mit "Die Krankenschwester von St. Pauli - Jahre des Aufbruchs" den dritten Band ihrer historischen St. Pauli-Serie vorgelegt, der nicht nur mit geschichtlichem Hintergrundwissen glänzt, sondern auch mit einer spannenden Handlung zu punkten weiß. Der flüssige, bildhafte und gefühlvolle Erzählstil lässt den Leser 100 Jahre in der Zeit zurückreisen, um sich alsbald mit Svantje und deren Familie im tiefsten Kriegsgeschehen wiederzufinden und ihr Schicksal zu begleiten. Der Handlungszeitraum umspannt die Jahre 1914 bis 1917, in denen die Autorin den Ersten Weltkrieg sehr wortgewaltig wieder lebendig werden lässt. Die Umstellung der Werften zu Waffenherstellern wird ebenso erwähnt wie die schlimme Lage der Bewohner Hamburgs, denen neben den zu beklagenden toten Familienmitgliedern auch noch an vielem mangelt. Die grausamen Schlachten zwischen Franzosen, Briten und Deutschen in Ypern wird zum wahren Höllenschlund, weil dort mit Giftgas experimentiert wurde. Und mittendrin erlebt man Svantjes Wirken wie ein Kampf gegen Windmühlen, die sich schon bald auf gefährlichem Terrain bewegt. Der Autorin gelingt es geschickt, den Leser an die Seiten zu fesseln und ihn durch eine wahre Gefühlsachterbahn zu jagen, so lebhaft sind ihre Schilderungen sowie der hoch angelegte Spannungsbogen.
Ihre Charaktere hat die Autorin immer weiter entwickelt und ihnen dadurch nicht nur Menschlichkeit, sondern vor allem Authentizität verliehen, was Nähe zum Leser schafft, der sich ihnen schnell verbunden fühlt und mit ihnen bangt, hofft und fiebert. Svantje ist eine gestandene Frau, die zupacken kann und hilft, wo immer es nötig ist. Sie sorgt sich um ihre Lieben, strahlt Mut und Stärke aus. Karoline hat das Helfergen von ihrer Mutter geerbt und packt im Lazarett kräftig mit an. Sie ist allerdings etwas feinfühliger als ihre Mutter, die schon mehr Lebenserfahrung hat. Doch der Krieg lässt auch Karoline sehr schnell erwachsen werden. Richard Harkenfeld muss seinen Mann an der Front stehen, während die familieneigene Werft als Rüstungsunternehmen umfunktioniert wurde. Ebenso überzeugen Friedrich und weitere Protagonisten in dieser spannenden Geschichte.
Mit "Die Krankenschwester von St. Pauli - Jahre des Aufbruchs" hat Rebecca Maly den spannendsten Teil ihrer Serie vorgelegt, der sowohl mit historischem Hintergrundwissen als auch mit einer bildhaft-düsteren und gefühlvollen Erzählweise den Leser an den Seiten kleben lässt. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 19.09.2020

„Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr.“ (Marie Curie)

Madame Curie und die Kraft zu träumen
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1891Paris. Durch ihren Vater, einen Lehrer für Mathematik und Physik geprägt, zeigt die Polin Maria Salomea Sklodowska Curie ein reges Interesse an diesen Fächern. Ihre Mutter starb an Tuberkulose und ...

1891Paris. Durch ihren Vater, einen Lehrer für Mathematik und Physik geprägt, zeigt die Polin Maria Salomea Sklodowska Curie ein reges Interesse an diesen Fächern. Ihre Mutter starb an Tuberkulose und der Vater eröffnete nach seiner Entlassung als Lehrer im öffentlichen Schuldienst ein eigenes Pensionat. Als 24-jährige schafft sie es endlich, ihrer von Russland besetzten Heimat zu entkommen und ein Studium der Physik an der Sorbonne zu beginnen, dessen Lizenziat sie im Jahr 1893 als Jahrgangsbeste abschloss. 1894 hielt sie dann auch noch den Abschluss für Mathematik in ihren Händen. Während ihres Studiums musste Maria als Hauslehrerin arbeiten, um sich die Gebühren an der Sorbonne zu verdienen. 1895 heiratete sie ihre große Liebe Pierre Curie, der sich ebenfalls der Wissenschaft verschrieben hatte und mit dem sie gemeinsam für ihre Forschungen 1903 den Nobelpreis für Physik erhielt. Nach dem Tod ihres Mannes wurde Marie Curie 1911 für ihre außerordentlichen Leistungen mit einem weiteren Nobelpreis für Chemie unsterblich.
Susanna Leonard hat mit „Madame Curie und die Kraft zu träumen“ eine sehr informative Biografie in einen unterhaltsamen Roman verpackt, um einer außergewöhnlichen Frau ein Denkmal zu setzen und sie gleichzeitig wieder zum Leben zu erwecken. Der flüssige, farbenfrohe und packende Erzählstil lässt den Leser in der Zeit zurückreisen, um das Leben von Marie Curie von Kindheit an kennenzulernen. Durch unterschiedlich geschaffene Perspektiven, in denen eine gealterte Marie Curie auf ihr Leben zurückschaut, bekommt der Leser den Eindruck vermittelt, die Lebensgeschichte aus erster Hand zu erfahren. Die Autorin hat sich sehr nahe an den Fakten orientiert und zeichnet das Bild einer wissensdurstigen und selbstbewussten Frau auf, die den Kampf gegen die Männerwelt aufnimmt, um zu beweisen, dass auch Frauen durchaus in der Lage sind, komplizierte Wissenschaften zu studieren bzw. mit Intelligenz auch voranzubringen. Curie muss durch ein Tal von Missachtung, Verhöhnung, Ungerechtigkeit, um ihre Ziele zu erreichen. Kein Opfer ist ihr zu groß, um ihre Forschungen betreiben zu können, ihr Mut und ihre Ausdauer sind geradezu legendär, denn sie hat nie aufgehört, an sich zu glauben. Der Autorin gelingt es wunderbar, dem Leser diese außerordentliche Frau nahe zu bringen und zu verdeutlichen, dass es sich lohnt, für das zu kämpfen, was man liebt. Das liegt vor allem auch an der ausgezeichneten historischen Recherche und dem Feingefühl der Autorin für ihre Protagonistin.
Die Charaktere sind mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet, wirken authentisch und realtitätsnah. Der Leser hat den Eindruck, als sitze er mit Curie am Tisch und lausche ihrer Geschichte. Marie Curie war schon als Kind meist die Klassenbeste aufgrund ihres Wissensdursts und Forscherdrangs. Da es ihr ein Studium in ihrer polnischen Heimat verwehrt blieb, ging sie nach Frankreich, aber auch dort wurde sie als Frau im naturwissenschaftlichen Bereich belächelt. Doch all dies lässt Curie an sich abprallen, was ihr am Ende als Professorin nicht nur einen Lehrstuhl an der Sorbonne einbringt, sondern zusätzlich zwei Nobelpreise. Pierre Curie war ein liebevoller Ehemann, der seiner Frau den verdienten Respekt zollte, auch wenn dies leider nicht auf das Umfeld abfärbte. Als Doppelpack waren sie in der Wissenschaft nahezu unschlagbar und ihre Erfolge sind noch heute in vielerlei Hinsicht richtungsweisend.
„Madame Curie und die Kraft zu träumen“ ist eine Homage an eine der außergewöhnlichsten Frauen im Wissenschaftsbereich. Wunderbar erzählt und mit vielen interessanten Informationen versehen ist dieser historische Roman ein Genuss. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 19.09.2020

Trügerische Sicherheit

Die App – Sie kennen dich. Sie wissen, wo du wohnst.
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Der Chirurg Hendrik Zemmer lebt mit seiner Verlobten Linda in Hamburg-Winterhude in einem technisch hochmodern ausgerüsteten Zuhause. So können sie über eine App nicht nur die Heizung, sondern auch von ...

Der Chirurg Hendrik Zemmer lebt mit seiner Verlobten Linda in Hamburg-Winterhude in einem technisch hochmodern ausgerüsteten Zuhause. So können sie über eine App nicht nur die Heizung, sondern auch von der Alarmanlage bis übers Licht alles steuern. Eines Abends wird Hendrik zu einem Notfall ins Krankenhaus gerufen und als er zurückkommt, ist Linda spurlos verschwunden. Die App hat keinen Alarm gegeben, auch die Polizei, die Hendrik verzweifelt hinzuzieht, geht nur davon aus, dass Linda es sich kurz vor der Hochzeit noch einmal anders überlegt und Hendrik abserviert hat. Hendrik lässt sich jedoch nicht beirren, er vermutet, dass die App entweder versagt oder gehackt wurde und Linda ein Entführungsopfer ist. Er versucht, sie auf eigene Faust zu finden, doch dabei hat er zunehmend das Gefühl, selbst beobachtet zu werden…
Arno Strobel hat mit „Die App – Sie kennen dich“ wieder einen packenden Thriller aus der Technologiewelt vorgelegt, der mit der immer fortschrittlicheren Digitalwelt den Leser geschickt zu verunsichern weiß. Der flüssige, bildhafte und rasante Schreibstil beamt den Leser geradezu an Hendriks Seite, um sich mit ihm auf die Suche nach Linda zu begeben. Durch wechselnde Perspektiven und unheimliche Erkenntnisse, die sich nach und nach herauskristallisieren, lässt der Autor dem Leser keine Atempause, sondern jagd ihn durch eine Achterbahn der Gefühle und das ständige Gefühl, immer von Unbekannt verfolgt zu werden, vor allem, wenn man bedenkt, dass dies all dies heutzutage jederzeit genauso abspielen könnte. Mit ungeahnten Wendungen wird beim Leser Verwirrung gestiftet, jedoch hat dieser bald die richtigen Vermutungen und kommt der Lösung immer näher. Einige kursiv eingesetzte Opferberichte rufen Gänsehautfeeling hervor, man hofft einfach nur, Linda rechtzeitig zu finden. Der Spannungsbogen wird schon zu Beginn recht hoch angelegt, flacht dann etwas ab, um sich am Ende wieder zu steigern.
Die Charaktere sind mit menschlichen Eigenschaften ausgestaltet und wirken in ihrem Vorgehen durchaus glaubwürdig und realitätsnah. Der Leser folgt vor allem Hendrik, bekommt seine geballte Gefühls- und Gedankenwelt präsentiert und kann sich gut in ihn hineinversetzen. Er ist ein eher impulsiver Mann, der gern die Kontrolle behält. Oftmals steht ihm die Angst im Weg, um normal und sachlich denken zu können, da lässt er sich eher von Emotionen leiten, was ihm den Blick fürs Wesentliche trübt. Alexandra ist eine technisch versierte Frau, die Hendrik immer wieder etwas auf den Boden bringt und ihm alles sachlich erklären kann. Weitere Protagonisten stiften Verwirrung, denn bei keinem weiß man genau, welche Rolle sie in dieser Geschichte wirklich spielen.
„Die App – Sie kennen dich“ ist ein rasanter fesselnder Thriller mit aktueller Thematik, der spannend unterhält. Verdiente Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 19.09.2020

Durchgefallen

Das Hospital der Hoffnung
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1892 Barcelona. Das Hospital de Santa Creu i Sant Pau ist endlich fertiggestellt, und so vollzieht sich der Umzug aus den alten Räumlichkeiten in das neue Gebäude. In der Säuglingsklappe wird bald ein ...

1892 Barcelona. Das Hospital de Santa Creu i Sant Pau ist endlich fertiggestellt, und so vollzieht sich der Umzug aus den alten Räumlichkeiten in das neue Gebäude. In der Säuglingsklappe wird bald ein kleiner Junge mit Namen Lluis gefunden, dem man der Amme und Köchin Dolores überlässt, die sich bis zu seinem 7. Lebensjahr um ihn kümmert, bevor er ins Waisenhaus kommt. Dolores arbeitet als Köchin in dem wohlhabenden Arzthaushalt Rovira, deren Tochter Aurora sich für ein Medizinstudium bewirbt, obwohl ihr Vater dagegen ist. Dolores Tochter Maria möchte unbedingt Krankenschwester werden, während Lluis bei einem Künstler zum Bildhauer ausgebildet wird…
Tania Juste hat mit „Das Hospital der Hoffnung“ einen historischen Roman vorgelegt, der sich leider als Mogelpackung entpuppt. Schon der Schreibstil ist trocken, nüchtern und sachlich, so dass man als Leser die Geschichte sehr distanziert präsentiert bekommt. Während das erste Drittel der Handlung noch einigermaßen fesseln konnte, stellen sich schon bald Ermüdungserscheinungen ein, denn die Geschichte um den Bau des Krankenhauses nimmt einfach zu viel Raum ein, so dass die Schicksale der Protagonisten einfach dahinter verschwinden. Das Stilmittel der Zeitsprünge wird innerhalb der Geschichte auch immer wieder angewandt und erstreckt sich über den Zeitraum von 1892 bis 1939, allerdings nicht sehr gekonnt, denn dem Leser fehlen dabei immer wieder wichtige Ereignisse, die im Leben der Protagonisten zwar eine Rolle spielen, jedoch nur am Rande Erwähnung finden. So baut man leider keinerlei Nähe zu irgendeinem von ihnen auf, sie bleiben fremd und unnahbar. Die langatmigen und sich oftmals wiederholenden Szenen um den Krankenhausbau lassen beim Leser die Langeweile einziehen und hoffen, dass das Buch bald beendet ist. Viele angeschnittene Themen werden nur oberflächlich gestreift und nicht zuende verfolgt, was beim Leser zusätzliche Fragen aufwirft. Zusätzlich wirkt die Stadt Barcelona nur als Standort der Handlung, es fehlt an bildhaften Beschreibungen, die dem Leser die Stadt näher bringen und die Phantasie beflügeln.
Die Charaktere sind nur oberflächlich skizziert, ihnen fehlt es an Tiefe und Wärme, so dass sie dem Leser während der gesamten Lektüre fremd bleiben und er sich nicht in sie hineinversetzen kann. Dolores ist ein warmherzige Frau, die sich nicht nur gut um ihre Tochter Maria kümmert. Aurora Rovira ist eine selbstbewusste junge Frau, die sich unbedingt ihren größten Wunsch erfüllen will. Lluis hat künstlerisches Talent, während Maria lieber Krankenschwester werden möchte, als als Hausmädchen zu arbeiten. Darius Rovira ist ein arroganter und unerbittlicher Mann, der seinen Willen mit aller Macht durchsetzen will. Llorenc ist Auroras Bruder, der von seinem Vater stark unter Druck gesetzt wird.
„Das Hospital der Hoffnung“ ist in weiten Teilen langatmig und wenig tiefgründig. Oberflächliche Charaktere sowie eine unstrukturierte Handlung mit vielen offenen Fragen können leider nicht überzeugen. Durchgefallen!

Veröffentlicht am 15.09.2020

Blut ist dicker als Wasser

Der Ahorn und das rote Land
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1910 Berlin. Deutschland steht im Zeichen politischer Unruhen, die Arbeiterbewegung macht Front gegen viele Arbeitgeber, der Krieg ist nicht mehr weit entfernt. Währenddessen möchte Felix Breitenbach mit ...

1910 Berlin. Deutschland steht im Zeichen politischer Unruhen, die Arbeiterbewegung macht Front gegen viele Arbeitgeber, der Krieg ist nicht mehr weit entfernt. Währenddessen möchte Felix Breitenbach mit seinen Schwestern Isa und Caroline die familieneigene Schuhfabrik in ein neues Zeitalter führen und spart nicht mit innovativen Ideen. Die alte Garde jedoch legt mehr Wert auf Tradition und stellt sich ihnen damit in den Weg. Gerade erst hat Isa ihr Liebesglück gefunden, als sie einen schweren Unfall erleidet, der das Breitenbach-Unternehmen dazu zwingt, sich neu aufzustellen. Caroline übernimmt viele zusätzliche Pflichten und führt mit Felix die Fabrik in die Zukunft. In Reservat in Colorado fürchtet Julia mit Chesmu und ihrem Sohn Sam um die Familie, als sie von der Kriegserklärung hören. Ob sich alle Familienmitglieder irgendwann einmal wieder in den Armen liegen können?
Mina Baites hat mit „Der Ahorn und das rote Land“ den dritten Band ihrer Breitenbach-Saga vorgelegt, der den beiden Vorgängern in punkto abenteuerlicher Spannung sogar den Rang abläuft, denn die Dinge spitzen sich hier innerfamiliär sehr zu, während das politische Umfeld ebenfalls immer schlimmer wird und die Zeichen auf Aufrüstung stehen. Der flüssige, bildhafte und gefühlvolle Schreibstil schleust den Leser per Zeitmaschine 110 Jahre zurück, wo er sich im Breitenbach-Haushalt einnistet und die Geschicke innerhalb der Familie hautnah beobachten kann. Isas Unfall zeigt, wie sehr die Familie zusammenrückt. Aus wechselnden Perspektiven gewährt die Autorin dem Leser einen genauen Einblick, wobei dieser auch die Gedanken- und Gefühlswelt der einzelnen aufs Genaueste miterleben darf. Besonders erwähnenswert sind nicht nur die historischen Bezüge, die gut recherchiert mit der Handlung verwoben wurden, vor allem die familiären Bindungen sind sehr schön ausgearbeitet. Blut ist eben doch dicker als Wasser, denn die Breitenbachs sorgen sich umeinander, auch wenn sie Kontinente trennen, sie stehen füreinander ein und fühlen sich als Arbeitgeber auch für ihre Angestellten verantwortlich. Farbenfrohe Schilderungen bringen dem Leser nicht nur das Leben des Berliner Familienzweiges nahe, sondern lässt ihn ebenso in das amerikanische Indianerreservat nach Colorado reisen, um dort Julia und ihre Lieben bei ihrem täglichen eingeschränkten Kampf um Gleichstellung der Ureinwohner zu begleiten.
Die Charaktere sind liebevoll in Szene gesetzt und bestechen mit menschlichen Eigenschaften, die sie glaubwürdig und authentisch wirken lassen. Der Leser fühlt sich während der Lektüre als Teil der Familie und darf mit ihnen hoffen, bangen und fiebern. Felix ist ein intelligenter Mann mit Zukunftsvisionen. Er ist aber auch ein unglücklich verliebter Mann, dem keine Aussicht auf Glück beschieden zu sein scheint. Caroline ist eine energiegeladene junge Frau, die sich ein selbstbestimmtes freies Leben wünscht und alles für dieses Ziel tut. Julia liebt ihren Chesmu, doch kommt sie nur schwer mit der Haltung seines Stammes zurecht. Isa hat ihr Liebesglück gefunden, doch das Schicksal schlägt immer dann zu, wenn man gerade auf Wolken geht. Ebenso beleben Rosa, Wendelin und weitere Akteure die Handlung.
Mit „Der Ahorn und das rote Land“ kann auch der dritte Teil der Saga überzeugen. Abenteuer, Liebe, Spannung, Familie, Krieg und Schicksalsschläge sind hier auf wunderbare Weise miteinander vereint und lassen den Leser an den Seiten kleben. Verdiente Leseempfehlung für eine abwechslungsreiche Lektüre.