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Veröffentlicht am 29.11.2020

Banksy - Ein Phantom mit Botschaft

BANKSY PROVOKATION
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Seit der geheimnisvolle und momentan bekannteste zeitgenössische Street-Art-Künstler BANKSY sein „Unwesen“ treibt und mit seiner politisch-ironischen, manchmal auch poetischen Kunst nicht nur Häuserwände ...

Seit der geheimnisvolle und momentan bekannteste zeitgenössische Street-Art-Künstler BANKSY sein „Unwesen“ treibt und mit seiner politisch-ironischen, manchmal auch poetischen Kunst nicht nur Häuserwände oder U-Bahn-Wagons verschönert hat, bin ich ein Fan seiner Werke und damit verbundenen Aktionen, die sich nicht nur auf Großbritannien beschränken, sondern inzwischen auch in Los Angeles, Jerusalem, Berlin, Calais, New Orleans im Gazastreifen und im Westjordanland zu sehen waren oder noch sind. Die besondere Faszination, die dieser Künstler ausübt, sind vor allem die Nacht- und Nebelaktionen, in denen seine Werke entstehen und die dann von Passanten entdeckt werden dürfen.
„BANKSY PROVOKATION Street Art als politisches Statement“ aus demMidas Verlag AG ist ein wunderbarer Bildband in hochwertiger Ausstattung, der die Werke des Künstler auf 228 Seiten dem Interessierten Leser präsentiert. Unter ihnen findet sich neben dem weltberühmten „Girl with Balloon“ auch die „Bansky Rat“, „Son of a Syrian Refugee“ sowie „Love is in the bin“. Auf einer beigefügten Karte sind alle Orte eingezeichnet, wo man bisher ein vom Künstler erstelltes Werk gefunden hat. Bis heute ist man sich allerdings nicht sicher, ob es sich bei Banksy um einen Einzelkünstler oder um einen Zusammenschluss von mehreren Street-Art-Künstlern handelt. Die „Bansky Rat“ konnte man in der Sophienstraße in Berlin Mitte bewundern. 2018 gab es zudem in Berlin eine dem Künstler gewidmete Ausstellung „The Art of Banksy“, in der Interessierte 40 Exponate aus privaten Sammlungen bestaunen konnten.
Auch in der jüngsten Zeit machte der Künstler von sich reden, als eines seiner Bilder während einer Auktion öffentlich dem eingebauten Schredder zum Opfer fiel oder er während der Corona-Pandemie eines seiner Kunstwerke für ein Krankenhaus in englischen Southampton spendete, um dem Personal zu danken.
Dieser Bildband zeigt nicht nur Banksys Botschaften an die Welt auf, sondern ist eine wunderbare Zeitreise: von seinen Anfängen bis hin zu den neuesten Kunstwerken. Ein Buch, das man immer wieder gern zur Hand nimmt und sich von den Bildern inspirieren lässt. Absolut empfehlenswert.

Veröffentlicht am 29.11.2020

Ein atmosphärischer Streifzug durch besondere Buchläden

Buchhandlungen. Eine Liebeserklärung. Mit einem Vorwort von Nora Krug
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Jeder Lesebegeisterte und Bücherverrückte kann sich nichts Schöneres vorstellen, als in Bücherläden und Antiquariaten nach Neuerscheinungen und alten Schätzen zu stöbern, während der Duft von bedrucktem ...

Jeder Lesebegeisterte und Bücherverrückte kann sich nichts Schöneres vorstellen, als in Bücherläden und Antiquariaten nach Neuerscheinungen und alten Schätzen zu stöbern, während der Duft von bedrucktem Papier, Leder, altem Holz und vielleicht sogar Kaffee in der Nase kitzeln. In besonders gelungen gestalteten Buchhandlungen mit dem gewissen Flair von alt bis modern beschleicht einen ein ganz eigenes Wohlgefühl, das einen in den Räumlichkeiten verweilen und sich durch die verschiedensten Werke durchstöbern lässt, wobei man die Zeit vergisst.
In dem Buch „Buchhandlungen. Eine Liebeserklärung“ lernt man auf 256 Seiten einige der schönsten Buchhandlungen der Welt kennen, durch ihre Besitzer und durch wunderschönen atmosphärischen Fotografien von Horst A. Friedrich. Da findet sich z.B. neben einem zum Bücherladen umfunktionierten alten Hausboot in London, einer gotische Maastrichter Kirche aus dem 13. Jh. auch der Tate Modern Shop in London, das City Lights Bookstore in San Franzisco, die Berliner Bücherbogen, die Pariser Bouquinisten sowie das dort angesiedelte Shakespeare & Co oder auch das The Strand am New Yorker Broadway wieder. Während man einen beim Durchblättern einen Weltenbummel durch die unterschiedlichsten Büchereien und diverser Stilrichtungen unternimmt, erfährt man von 47 Besitzer/Innen, wie sie zu ihrem Laden gekommen sind und was gerade sie von anderen unterscheidet. Ihre Leidenschaft für ihr Geschäft ist in ihren Aussagen spürbar und springt auf den Leser über. Jede aufgeführte Buchhandlung hat ihre ganz eigene Ausstrahlung und lädt den Betrachter zu einem Besuch ein, um dort nicht nur im gelesenen Wort zu versinken, sondern sich auch von der Atmosphäre des Ladens einfangen zu lassen und dort einige Zeit zu verweilen.
Als Buchliebhaber sollte man „Buchhandlungen. Eine Liebeserklärung“ vor einer geplanten Reise unbedingt zur Hand nehmen, damit man bei der Gelegenheit einem dieser wirklich zauberhaften Orte einen Besuch abstatten kann. Absolut inspirierend und empfehlenswert!!!

Veröffentlicht am 28.11.2020

Auf der Jagd nach Caesar

Der Spiegelmann
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Fünf Jahre ist es her, seit Jenny Lind auf dem Weg von der Schule nach Hause entführt und nie gefunden wurde. Nun hängt sie ermordet an einem Klettergerüst auf einem Spielplatz mitten in Stockholm. Sofort ...

Fünf Jahre ist es her, seit Jenny Lind auf dem Weg von der Schule nach Hause entführt und nie gefunden wurde. Nun hängt sie ermordet an einem Klettergerüst auf einem Spielplatz mitten in Stockholm. Sofort wird Kommissar Joona Linna auf den Fall angesetzt, der von dem Anblick des Leichenfunds tief erschüttert ist. Ein Augenzeuge namens Martin ist kaum vernehmungsfähig, da er selbst seit einem Unfall traumatisiert ist und unter Angstzuständen sowie Psychosen leidet. Das der Leiche zugefügte Brandzeichen auf dem Hinterkopf lässt bei Joona im Kopf alle Alarmglocken schrillen, denn er ist sich sicher, dass es noch mehr Opfer geben wird. Um Martin zu einer halbwegs brauchbaren Aussage zu bringen und endlich Einzelheiten über den Mord zu erfahren, wendet sich Joona an den Hypnotiseur Erik Maria Bark. Joona muss dem Täter unbedingt schnellstmöglich das Handwerk legen, denn schon bald gibt es eine weitere Vermisste….
Das Autorenduo Lars Kepler hat mit „Der Spiegelmann“ den achten Fall ihres Kommissars Joona Linna vorgelegt, der auch diesmal wieder mit einem spannend konstruierten Plot die Nerven des Lesers bis zum Zerreißen anspannt. Der flüssige, leicht düstere und bildhafte Erzählstil hat ein flottes Tempo und baut so recht schnell Spannung auf. Der Leser heftet sich sofort bei Beginn an Joonas Fersen, um mit ihm nicht nur den Tatort zu besuchen, sondern sich auch den Ermittlungen anzuschließen, um den perfiden Mörder zur Strecke zu bringen. Sowohl wechselnde Perspektiven als auch unvorhergesehene Wendungen schrauben den Spannungsbogen immer weiter in die Höhe, während Joona dem nächsten Mord unbedingt zuvorkommen will. Neben den doch recht fragwürdigen Behandlungsmethoden des psychisch kranken Augenzeugen wird die Story auch interessant durch den unsichtbaren Täter namens „Caesar“, der ab und an in Erscheinung tritt und durch seine Brutalität beim Leser ein unheimliches Gänsehautfeeling verursacht, während man alles wie einen Film vor Augen hat. Das Ende bietet zudem eine Überraschung, die man nicht kommen sieht.
Die Charaktere sind recht intensiv in Szene gesetzt, so dass sie mit ihren menschlichen Eigenschaften schnell überzeugen können und den Leser einfangen. Joona Linna ist kein Mann, der konventionelle Wege geht. Mit seiner Begabung, sich in den Täter hineinzuversetzen und seinem Gefühl zu folgen, eckt er oft an. Linna ist zäh, aber auch feinfühlig, was ihn immer wieder gefühlsmäßig in Schwierigkeiten bringt. Martin ist ein seelisches Wrack durch zwei Schicksalsschläge. Die Schuld frisst ihn auf und lässt ihn den Verstand verlieren. Ebenso überzeugen die weiteren Protagonisten mit ihren Episoden innerhalb der Geschichte.
„Der Spiegelmann“ sorgt mit seinem spannenden Fall wieder einmal für schlaflose Nächte, denn das Duo Kepler weiß, wie es seine Leser einzufangen hat. Fesselnd und rasant jagt man durch Stockholm und ist am Ende sowohl erschöpft wie atemlos. Verdiente Leseempfehlung für einen packenden Thriller, der sehr kurzweilige Lesestunden beschert!!!

Veröffentlicht am 28.11.2020

Italien zu Gast in der eigenen Küche

Das große Italien Backbuch
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Die italienische Küche ist in unserer Familie sehr beliebt, zumal einige Mitglieder Italien zu ihrer Wahlheimat gemacht haben und immer wieder mit schönen Rezepten aufwarten. Diese müssen wir dann unbedingt ...

Die italienische Küche ist in unserer Familie sehr beliebt, zumal einige Mitglieder Italien zu ihrer Wahlheimat gemacht haben und immer wieder mit schönen Rezepten aufwarten. Diese müssen wir dann unbedingt ausprobieren und schwelgen dabei in Erinnerungen an den letzten dort verbrachten Urlaub. Als wir „Das große Italien Backbuch: Pizza, Pane, Dolci und Co.“ von Andrea Menichelli geschenkt bekommen haben, zog es uns schon beim Durchblättern an den Küchentisch, um mit dem Nachbacken der Rezepte schnellstmöglich zu beginnen.
Das Buch beginnt nach einem Vorwort mit einer kleinen Warenkunde, wo unter anderem die unterschiedlichen Mehlsorten thematisiert werden, die in den Rezepten ihre Anwendung finden. Es folgt eine italienische Landkarte, auf der die einzelnen Regionen aufgezeigt sind, aus denen die diversen Rezepte stammen. Diese finden auch bei den Rezepten eingangs Erwähnung zur besseren Zuordnung.
Dann geht es ans Eingemachte und der Leser kann in den nachfolgenden Abschnitten schwelgen:
- Pannetteria, Pane, Panini & Co. (Brotsorten und Brötchen)
- Paste Salate - Pizza, Focaccia & Co.
- Biscotti-Kekse (hier finden sich Baci di Dama, Cantuccini, Amaretti, Melighe,Florentiner etc.)
- Torte & Dolci-Kuchen, Torten & Co. (hier findet man neben Tiramisù die Torta Caprese, Millefoglie oder auch den Südtiroler Apfelstrudel)
- Pasticceria-Süße Kleinigkeiten (Cornetto, Zuppa Inglese, Cannoli, Brioche und Lucane Fritte al Limone findet man hier neben vielen anderen)
- Le Feste-Festagsgebäck (u.a. Torrone, Panettone, Struffoli, Salame del Papa)
Hier wird man für jede Gelegenheit fündig, da die Auswahl recht groß ist. Die Rezepte werden von gut gestalteten Fotos begleitet und sind sehr gut strukturiert, so dass auch Küchenanfänger beim Nachbacken ihr Erfolgserlebnis haben werden und sich so durch die einzelnen italienischen Provinzen durchprobieren können.
Dieses Backbuch birgt eine Vielfalt an Köstlichkeiten und ist ein vielgenutzter Schatz in unserer Küche geworden. Ein echter Geheimtipp, nicht nur für Italienfans sehr zu empfehlen!!!

Veröffentlicht am 28.11.2020

Hinter einer netten Fassade verbirgt sich herzlich wenig

New York Christmas
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Als amerikanische Familie mit Wahlheimat in Deutschland und viel Heimweh in diesen unruhigen Zeiten freuen wir uns immer über schöne Bildbände, die uns mit Fotos, Geschichten und einigem Flair gedanklich ...

Als amerikanische Familie mit Wahlheimat in Deutschland und viel Heimweh in diesen unruhigen Zeiten freuen wir uns immer über schöne Bildbände, die uns mit Fotos, Geschichten und einigem Flair gedanklich nach Hause bringen. Doch das Buch „New York Christmas: Rezepte und Geschichten“ hat uns schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht.
Der Bildband versprach eine Reise in unsere Heimatstadt, allerdings war der Ausflug mehr als ernüchternd. Während die recht ansehnlichen Fotos zumindest ein wenig Magie versprühen, haben uns die eingebrachten Rezepte und Geschichten doch eher ernüchtert. Als eingefleischte New Yorker können wir mit Bestimmtheit sagen, dass Lammburger und Schweinebraten keine typischen Weihnachtsgerichte sind, eher kommt ein perfekt gebratener Truthahn mit Apfel-Maronen-Zwiebelfüllung begleitet von Mashed Potatoes, grünen Bohnen, Süßkartoffeln, Kürbisgemüse und Maispudding auf den Tisch, eine Clam Chowder (Fischsuppe) und Mince Pies, begleitet von Egg Nogs, Apple Cider, Früchtekuchen und Gingerbread Muffins. Spaghetti mit Meat Balls allerdings haben wir noch auf keinem Weihnachtstisch gesehen, das ist ein Allerweltsgericht und wird jeden Tag serviert, ebenso die Pancakes und der Cheesecake.
Auch die im Titel bereits angekündigten Geschichten beschränken sich nur auf insgesamt drei. Das ist verhältnismäßig wenig. Zwar sind sie ganz nett zu lesen, doch hier haben wir uns wesentlich mehr erwartet.
Die Bewertungen hier zeigen uns nur einmal mehr, dass viele Leser noch keine Weihnachtszeit in New York verbracht haben was ja nicht schlimm ist. Doch das Buch spiegelt nur in vereinzelten der vorgeschlagenen Rezepte ein wenig amerikanische Weihnachtstradition wieder und hat somit sein Thema völlig verfehlt, das können auch die einigermaßen gelungenen Fotos nicht rausreißen. Nach der Lektüre muss man annehmen, die Autoren haben sich in diversen Restaurants durchgefuttert, allerdings nie ein typisch amerikanisches Weihnachtsmenü verspeist. Ein absoluter Fehlgriff, keine Empfehlung!