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Veröffentlicht am 18.12.2016

Lebens(Liebes-)linien

Erzähl mir was von Liebe ...
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Ihre Kindheit hat Rachel Ford in einem kleinen irischen Dorf verbracht, wo ihre Familie von der Schafzucht mehr schlecht als recht lebte. Rachel träumt von einem Leben in New York, um dort ihre eigenen ...

Ihre Kindheit hat Rachel Ford in einem kleinen irischen Dorf verbracht, wo ihre Familie von der Schafzucht mehr schlecht als recht lebte. Rachel träumt von einem Leben in New York, um dort ihre eigenen geschriebenen Geschichten zu veröffentlichen. Doch bis dahin ist es ein steiniger Weg. Ihr Jugendfreund Liam ist die Person, der sie all ihre Träume und Wünsche anvertraut. Liam bestärkt sie immer wieder, den mutigen Schritt zu wagen, bis Rachel tatsächlich die große Reise nach New York antritt. Aber schnell verläuft Rachels geplanter Weg anders als gedacht, denn Rachel lernt Eric kennen, schnell heiraten die beiden und Rachels Karriere nimmt schnell Fahrt auf. Sie kehrt nicht nach Irland und zu Liam zurück, der sich selbst den Traum von einer eigenen Schafzucht erfüllt. Über fast 20 Jahre gibt es nur losen Kontakt zwischen Rachel und Liam, bis sie sich eines Tages nach einem halben Leben in Irland wieder über den Weg laufen…

Carina Posch hat mit ihrem Buch „Erzähl mir was von Liebe“ ihr Debüt vorgelegt, einen sehr einfühlsamen und emotionalen Roman über den Lebenslauf einer Frau, den man, einmal begonnen, nicht mehr aus der Hand legen kann. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und nimmt den Leser mit auf eine 20 jährige Reise, in der man Rachel auf ihrem Lebensweg begleitet, Anteil nimmt an ihren Gedanken, Träumen und Gefühlen, an ihren Erfolgen und Niederlagen. Aufgrund der zwei angelegten Zeitebenen begleitet der Leser Rachel in ihrer Gegenwart 2009 und erfährt auf der anderen Ebene, was Rachel in den 80er Jahren erlebt hat. Die Autorin erzählt sehr einfühlsam und realitätsnah von faulen Kompromissen, den fehlenden Mut, gegebene Chancen zu ergreifen und von falschen Entscheidungen, die einen ein Leben lang begleiten und sich leider nicht rückgängig machen lassen. Es ist eine Geschichte, die in abgewandelter Form jedem passieren könnte, gerade deshalb geht sie einem so nah.

Die Charaktere sind sehr detailliert skizziert, wirken so lebendig und authentisch, so dass man sie fast mit den Händen greifen kann. Die junge Rachel wirkt sehr sympathisch und warmherzig. Sie ist lebenshungrig, abenteuerlustig und hofft auf die Erfüllung ihres Traums, die Welt mit ihren Geschichten zu erobern. Sie besitzt den Mut der Jugend und kündigt Hals über Kopf ihren Job, um in ein völlig unbekanntes Land zu reisen fernab ihrer Heimat und ohne Rückhalt. Doch über die Jahre verändert sich Rachel, ihre alten Träume sind der Realität gewichen, nichts hat sich so entwickelt, wie sie es sich erhofft hat. Und vor allem sie selbst hat sich sehr verändert, denn heute ist sie eine Karrierefrau, die mit harter Hand durchgreift. Tief in ihrem Inneren allerdings schwelen immer noch die Träume von Glück und der Wunsch nach Liebe. Nur weiß sie nicht, wie sie diese noch realisieren soll. Die Entwicklung der Protagonistin über all die Jahre ist der Autorin wunderbar gelungen.

„Erzähl mir was von Liebe“ ist ein sehr gelungenes gefühlvolles Debüt, das den Leser zum Nachdenken anregt. In einer einzigartigen Beobachtungsgabe gelingt es der Autorin, dem Leser eine schöne Liebesgeschichte zu erzählen und gleichzeitig aufzuzeigen, wie verschlungen die Lebenslinien immer wieder verlaufen. Nichts ist planbar, nichts berechenbar, einzig dem Herz gehört die richtige Sprache. Absolut lesenswert!

Veröffentlicht am 07.10.2017

Alessas abenteuerliche Jagd

Das blaue Medaillon
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1667. Alessa ist 21 Jahre alt und wuchs nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater, einem Meisterdieb, in Venedig auf. Von ihm wurde sie als Diebin und Einbrecherin in Perfektion ausgebildet. Als erst ...

1667. Alessa ist 21 Jahre alt und wuchs nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater, einem Meisterdieb, in Venedig auf. Von ihm wurde sie als Diebin und Einbrecherin in Perfektion ausgebildet. Als erst ihre Tante stirbt, die ihr ein blaues geheimnisvolles Medaillon hinterlässt und dann auch noch ihr Großvater ermordet wird gerade wegen diesem Medaillons, flieht Alesssa im Schutz einer Schauspieltruppe von Venedig nach Deutschland zu einem Cousin, der dort wohnt. Doch der Mörder ist ihr auf den Fersen, denn er will das Medaillon unbedingt in seinen Besitz bringen. Für Alessa ist es alles, was von ihrer Familie übrig ist und der Schlüssel zu dem Erbe ihrer Eltern. Kaum in Deutschland, wird Alessa das Medaillon gestohlen. Während Alessa versucht, das Medaillon zurück zu bekommen, muss sie gleichzeitig um ihr Leben fürchten. Wird es ihr gelingen, das Medaillon wieder in den Händen zu halten?

Marie Sophie Marcus hat mit ihrem Buch „Das blaue Medaillon“ einen unterhaltsamen und gleichsam fesselnden historischen Abenteuerroman vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, schnell taucht der Leser in die farbenprächtige Welt Venedigs ab und erlebt an der Seite von Alessa ein spannendes und rasantes Abenteuer. Der Spannungsbogen wird schnell aufgebaut, flacht dann etwas ab und nimmt ebenso schnell wieder Fahrt auf bis zum Schluss. Die Autorin hat für ihre Geschichte sehr gut recherchiert und den historischen Hintergrund, gesellschaftliche Bräuche und Gepflogenheiten, Kleidungsstil sowie das Intrigenschmieden und den Einsatz von Macht und Mauscheleien wunderbar mit der Handlung verwebt. Auch die Örtlichkeiten sind so farbenfroh beschrieben, dass sich dem Leser ein schönes Bild der früheren Zeit präsentiert. Die eingefügte Liebesgeschichte war mir zu schnell und zu wenig ausgefeilt, was es unglaubwürdig wirken ließ. Ebenso war die Auflösung um das Medaillon zwar einigermaßen stimmig, wurde aber eher kurz und fast schon nebenbei erwähnt.

Die Charaktere sind sehr individuell angelegt, haben ihre Ecken und Kanten, gerade deshalb wirken die meisten von ihnen recht lebendig und authentisch, andere erscheinen nur kurz und bleiben blass in der Erinnerung. Alessa ist eine außergewöhnliche junge Frau, sehr selbstsicher, mutig und stark. Sie weiß, was sie sich zutrauen kann und scheut auch kein Risiko. Leider ist gerade Ihr Hang zur Heldin ein Punkt, der einige ihrer Aktionen unwirklich und überspitzt wirken lassen, was dem Leser nur ein Kopfschütteln entlockt. Hauptmann Artur ist ein netter Mann, der Alessa oftmals zur Hilfe eilt, sich sogar in ihr Herz stiehlt. Jedoch bleibt er recht eindimensional und als Leser bekommt man ihn nicht richtig zu fassen. Die Mischung der Nebenprotagonisten ist bunt und vielfältig, einige von ihnen schließt man gleich ins Herz, an manche kann man sich am Ende kaum erinnern und einige hätten gar fehlen können.

„Das blaue Medaillon“ ist ein unterhaltsamer historischer Abenteuerroman, in dem sich auch kurzfristig auch die Liebe verirrt hat. Die Handlung bietet kurzweilige Lesestunden, allerdings sollte man nicht zu viel erwarten. Für Zwischendurch ganz nett – mehr aber leider auch nicht. Andere historische Romane der Autorin können mehr überzeugen.

Veröffentlicht am 30.07.2017

Die zerbrochenen Träume der Lucia Joyce

Die Tänzerin von Paris
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1928. Lucia Joyce lebt mit ihrem Vater, dem berühmten Schriftsteller James Joyce, ihrer Mutter und ihrem Bruder Giorgio momentan in Paris. Die Familie hält sich mit Geldern von reichen Mäzenen über Wasser. ...

1928. Lucia Joyce lebt mit ihrem Vater, dem berühmten Schriftsteller James Joyce, ihrer Mutter und ihrem Bruder Giorgio momentan in Paris. Die Familie hält sich mit Geldern von reichen Mäzenen über Wasser. Lucia fühlt sich wohl in der französischen Metropole, wo sie sich ganz ihrer Leidenschaft, dem Tanz, widmen möchte, denn sie ist laut ihrer Lehrer sehr talentiert. Doch leider fehlt ihrer Familie jegliches Verständnis für ihre Passion, sondern hofft eher auf eine Heirat mit einem reichen Mann, um das Familienaufkommen zu sichern. Lucias Tanzleidenschaft wird eher belächelt, so wird sie im Haushalt eingespannt und muss auch für ihren Vater ständig Botengänge erledigen. Lucia sollte am besten nur für die Familie da sein, sie hat das Gefühl, bei all der Enge ersticken zu müssen. Da trifft sie auf den jungen Samuel Beckett, in den sie sich mit Haut und Haaren verliebt. Sie träumt schon von einer Hochzeit, nicht nur, um mit Sam zusammen zu sein, sondern auch ihrem häuslichen Gefängnis zu entfliehen. Doch erwidert Sam ihre Gefühle? Wird sie eine goldene Zukunft haben an der Seite des Mannes, den sie liebt?

Annabelle Abbs hat mit ihrem Buch „Die Tänzerin von Paris“ einen sehr eindrücklichen semi-biographischen Roman vorgelegt über die Tochter von James Joyce, für den sie ausführlich recherchiert hat und mit ihren Worten Lucia Joyce wieder zum Leben erweckt. Der Schreibstil ist flüssig, manchmal sogar richtig poetisch. Der Leser steht von Beginn an Lucia als unsichtbarer Schatten zur Seite und erfährt alles über ihre Gedanken, Gefühle, ihre Familie und ihre Tanzleidenschaft. Die Handlung ist in zwei unregelmäßig wechselnden Erzählsträngen unterteilt, wobei der eine die Zeit in Paris ab 1928 schildert, während der andere Lucias Gespräche mit dem Psychiater Dr. Jung in dessen Praxis wiedergibt, die im Jahr 1934 beginnen und Lucias Seele offenbaren sollen, da sie als schwermütig gilt. Sehr eindringlich gibt die Autorin Empfindungen und Eindrücke wieder, die den Leser oftmals zwischen Mitleid, Unverständnis und Ambivalenz schwanken lassen. Gerade zu einer Zeit, als Frauen immer mehr für ihre Rechte kämpften, zeichnet sie ein Bild von einer talentierten Frau, die nicht weiß, wie sie sich durchsetzen soll, hin und hergerissen von den Erwartungen, die andere an sie stellen.

Bei den Charakteren hält sich Annabelle Abbs an Personen, die es tatsächlich gegeben hat. Sie zeichnet sie allerdings nach eigenem Gusto und gibt so dem Leser ein recht eindimensional gefärbtes Bild wieder, denn auch sie selbst hat die Menschen nicht persönlich kennengelernt. Die Protagonisten wirken dennoch sehr lebendig und authentisch und spiegeln die Realität recht gut wieder. Lucia ist eine junge Frau, die tänzerisches Talent besitzt und alles für ihren Traum tun würde, eine große Tänzerin zu werden. Allerdings liebt sie auch ihre Familie sehr und lässt sich von ihnen recht stark vereinnahmen. Sie ist sich ihrer selbst nicht sicher und es fehlt ihr an Stärke und Mut, sich durchzusetzen. Lucia ist eine Träumerin, die nicht in der Lage ist, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. James Joyce ist das unverstandene Genie, das auf Kosten anderer seine Familie ernährt und dessen Welt sich nur um ihn und seine Bedürfnisse dreht. Lucia bezeichnet er als seine Muse und am liebsten wäre es ihm, wenn sie nur für ihn in den eigenen vier Wänden tanzen würde. Mutter Nora ist eine ständig nörgelnde und eifersüchtige Frau, die kein gutes Haar an ihrer eigenen Tochter lässt, dafür liebt sie Sohn Giorgio umso mehr. Dieser ist ein oberflächlicher, geldgieriger und hinterhältiger Kerl, dem es nur um sich selbst geht, dafür würde er sogar seine Schwester opfern. Samuel Beckett ist ein undurchsichtiger Charakter. Er spricht wenig von sich selbst, schürt bei Lucia allerdings Hoffnungen, dabei geht es ihm nur darum, in der Nähe des großen James Joyce zu sein, vermutlich, um sich ein wenig in seinem Ruhm sonnen zu können. Dr. Jung ist Psychiater und wirkt auf den Leser erst einmal unsympathisch, impertinent und fordernd. Allerdings sollte man hier nie den Kontext vergessen, dass er als Arzt versucht, eine Lösung für Lucias Probleme zu finden. Auch die übrigen Protagonisten sind so besetzt, dass sie der Handlung zusätzlich Farbe und Spannung verleihen.

„Die Tänzerin von Paris“ ist ein eindrucksvoller und bedrückender Roman über ein gescheitertes Leben, über unerfüllte Träume und über das Fehlen von Durchsetzungsvermögen. Die Dramatik dieser Geschichte lässt den Leser nachdenklich zurück und traurig zurück ob der verpassten Chancen und der Manipulation eines jungen Lebens. Absolute Leseempfehlung für ein intensives Leseerlebnis!

Veröffentlicht am 08.07.2017

Mord beim Henkerstreffen

Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf
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München 1672. Der 60-jährige Schongauer Henker Jakob Kuisl bekommt eine Einladung zum Klausurtreffen der zwölf besten Scharfrichter Bayerns und nimmt zu diesem Anlass seine gesamte Familie, bestehend aus ...

München 1672. Der 60-jährige Schongauer Henker Jakob Kuisl bekommt eine Einladung zum Klausurtreffen der zwölf besten Scharfrichter Bayerns und nimmt zu diesem Anlass seine gesamte Familie, bestehend aus beiden Töchtern, drei Enkeln und dem Schwiegersohn, mit auf Reisen. Kaum in der Landeshauptstadt angekommen, findet er die Leiche eines ermordeten jungen Mädchens. Sofort machen sich sämtliche Familienmitglieder zur Aufgabe, diesen Mord aufzuklären. Doch schon bald gibt es weitere Tote zu beklagen. Es sieht so aus, als wenn ein Serientäter schon seit Jahren sein Unwesen treibt. Obwohl ihnen durch Vertreter der oberen Gesellschaftsschicht jede Menge Steine in den Weg gelegt werden, macht sich Jakob nebst Familie an die Spurensuche und die Rekonstruktion des Tathergangs. Während Arzt Simon seine Forschungen vorantreibt, ist Barbara schwanger und soll in München einen Mann heiraten. Magdalena bringt sich ein ums andere Mal in Gefahr und auch die anderen Kuisls, allen voran die beiden Enkel Paul und Peter und Simon geraten in Schwierigkeiten. Wird es der Familie gelingen, den Mörder zur Strecke zu bringen?

Oliver Pötzsch hat mit seinem Buch „Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf“ den 7. Band um Magdalena vorgelegt, der den Vorgängern wieder einmal in nichts nachsteht. Der Schreibstil ist flüssig und nimmt den Leser von der ersten Seite an mit in die vergangene Zeit, wo er ein Teil der Familie Kuisl wird und sie auf ihren Abenteuern begleitet. Der Spannungsbogen wird schnell aufgebaut und zieht sich wie ein roter Faden bis zum finalen Schluss. Die ausgezeichnete Recherche des Autors zeigt die gesellschaftlichen Strukturen und die Außenseiterstellung der Henker zur damaligen Zeit auf, ebenso bekommt man einen Einblick in die Rolle der Frau, deren Wort damals noch kein Gewicht beigemessen wurde und für die ein selbstbestimmtes Leben Zukunftsmusik war.

Die Charaktere sind sehr schön angelegt und zeigen einen bunten Querschnitt. Alle haben ihre Sorgen und Nöte, Ecken und Kanten, was sie umso individueller, menschlicher und authentischer erscheinen lässt. Jakob ist nun schon ein alter Haudegen, dem es immer schwerer fällt, seine Arbeit zu verrichten. Ihm wird immer bewusster, dass seine Zeit auf der Erde begrenzt ist. Er ist ein Mann mit Durchsetzungskraft und scharfem Verstand, dem man nicht so schnell etwas vormachen kann und der sich auch gegen Widerstände zur Wehr zu setzen weiß. Er handelt nach seinen Überzeugungen und versucht, seine Familie zusammen zu halten. Magdalena ist eine sympathische Frau, die in diesem Roman eher eine Nebenrolle spielt, ist sich durchaus bewusst, dass hinter ihrem Rücken über sie redet. Sie ist wagemutig und abenteuerlustig, aber auch sehr clever und eine gute Mutter. Die Enkel Paul und Peter sind zwei Lausbuben, die sich immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Paul ist der Wagemutige, während Peter eher der Zurückhaltende und Denker ist. Auch die anderen Protagonisten tragen zu einem schönen Zusammenspiel und Steigerung der spannenden Handlung bei.

„Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf“ ist ein neues spannendes historisches Krimiabenteuer, das beste Unterhaltung bietet und auch als alleinstehender Roman gelesen werden kann. Absolute Leseempfehlung für gelungenen Nervenkitzel und schöne Lesetunden!

Veröffentlicht am 01.07.2017

Für den Strand reicht es

Meeresblau & Mandelblüte
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Die Karrierefrau Leonie Maler ist selbständige Unternehmensberaterin und hat gerade wieder erfolgreich eine Firma saniert. Während sie noch überlegt, welches Jobangebot sie als nächstes auswählen soll, ...

Die Karrierefrau Leonie Maler ist selbständige Unternehmensberaterin und hat gerade wieder erfolgreich eine Firma saniert. Während sie noch überlegt, welches Jobangebot sie als nächstes auswählen soll, erhält sie einen Anruf von Rike, einer Freundin ihrer Tante, die ein kleines Fincahotel auf Mallorca betreibt, die ihr mitteilt, dass Tante Lisbeth an einem Herzinfarkt gestorben ist. Seit ihrer Kindheit hat Leonie keinen Kontakt mehr zu ihrer Tante gehabt, denn ihre Eltern haben die Verbindung gekappt. So fliegt Leonie nach Mallorca, um wenigstens bei der Beerdigung und bei der Testamentseröffnung dabei zu sein und trifft dort neben Rike auf Hans, Friedrich und Greta, die anscheinend mit ihrer Tante in einer Art Senioren-WG neben einigen Tieren auf deren Finca gelebt haben. Lisbeths Testament eröffnet Leonie eine Überraschung, denn sie soll einige Zeit auf der Finca verbringen und sich um die Tiere und das Anwesen kümmern. Sie darf es nur verkaufen, wenn sie Lisbeths Freunden ein Vorkaufsrecht einräumt. Doch die Finca muss erst einmal hergerichtet werden und die Bewohner sind so gar nicht erpicht auf Leonies Anwesenheit, denn sie halten sie für eine gefühlskalte und arrogante Person. Einzig Niklas, Rikes Sohn, bricht für Leonie immer wieder eine Lanze. Werden sich alle Bewohner zusammenraufen und endlich gemeinsam an einem Strang ziehen? Wird Leonie in ihr altes Leben zurückkehren? Und welche Geheimnisse liegen auf Mallorca verborgen?

Elke Becker hat mit ihrem Buch „Meeresblau & Mandelblüte“ einen unterhaltsamen Roman vor der südländischen Kulisse Mallorcas vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und lebhaft, schnell taucht der Leser an der Seite von Leonie in die Handlung ein und folgt ihr als unsichtbarer Schatten auf Schritt und Tritt. Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr bildgewaltig und farbenfroh, der Leser hat den Blick aufs Meer, die Strände, aber auch die zerklüfteten Felsen genau vor Augen. Auch die Tierbewohner werden liebevoll beschrieben, so dass sie vor dem geistigen Auge regelrecht lebendig werden. Die Handlung ist eher simpel gestrickt und lässt nicht viel Raum für Spekulationen, sondern ist recht vorhersehbar. Das Ende kommt eher Knall auf Fall, was den Lesespaß doch etwas eintrübt.

Die meisten Charaktere wirken eher blass und farblos, der Leser kann keine richtige Beziehung zu ihnen aufbauen. Lena ist eine arrogante und hochnäsige Person, die völlig verzogen und emotionslos wirkt. So wundert es nicht weiter, dass sie keine wirklichen Freunde hat und auch sonst niemand näher mit ihr zu tun haben will. Sie tappt mit ihren nicht gerade feinfühligen Bemerkungen von einem Fettnäpfchen ins nächste und wundert sich dann noch, dass sie keiner versteht. Rike, Hans, Greta und Friedrich sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die sich gut ergänzen und auch jede Menge guten Willen gegenüber Leonie zeigen. Niklas ist ein geduldiger und netter Mann ebenso wie Samuel. Doch auch diese zwei bleiben eher unspektakulär und ihr Verhalten ist vorhersagbar. Einzig der Pfau ist der Star der Geschichte, denn seine Aktionen verursachen kurzfristig einen gewissen Lachanfall.

„Meeresblau & Mandelblüte“ ist ein Roman, der für einen Tag am Strand oder in der Hängematte einen kurzweiligen Zeitvertreib bietet, aber leider auch nicht mehr.