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Veröffentlicht am 17.03.2026

Unfall oder Mord?

Einsames Watt
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Obwohl es sich bereits um den zwölften Band spannender Kriminalfälle um John Benthien handelt, war es mein erster Roman, den ich aus dieser Reihe gelesen habe. Der Einstieg ist mir relativ leicht gelungen, ...

Obwohl es sich bereits um den zwölften Band spannender Kriminalfälle um John Benthien handelt, war es mein erster Roman, den ich aus dieser Reihe gelesen habe. Der Einstieg ist mir relativ leicht gelungen, wobei ich zunächst etwas überrascht war und ich auch erst einige Seiten später die familiären Verflechtungen der Hauptcharaktere John Benthien und Lilly Velasco verstanden habe bzw. einordnen konnte. Dies ein mit ein Grund, mich einmal intensiver mit den vorhergehenden Büchern zu beschäftigen. Darüber hinaus wartet der Romand auf den ersten Seiten mit sehr vielen weiteren Charakteren auf, für deren Zuordnung bzw. Bedeutung ich dann doch etwas Zeit benötigte.

Handlungsort ist die Urlaubsinsel Amrum, wobei es dem Autor gelungen ist, das Insel- bzw. Nordseefeeling darzustellen und in die Romanhandlung sehr gut einzubinden.

Wird John Benthien mit der Klärung des Todes von Laura Lemmer beauftragt, so ergibt sich für Lilly Valesco ebenfalls ein ganz besonderer Auftrag, der zudem in direkter Beziehung zu dem viele Jahre zurückliegenden Mord an der jungen Maren Frahm steht. Beide Ermittler verfolgen zwar ihre eigenen Fälle, doch mehr und mehr fügen sich die Erkenntnisse aus den beiden unterschiedlichen Fällen zu einem Gesamtbild, das nicht nur zur Klärung der ursprünglichen beiden Fälle führen, sondern endlich auch das Rätsel um den damals im Mordfall Maren Frahm spurlos verschwundenen Ermittler Cornelis Litmanen, einst Partner von John Benthien, löst.

Unterteilt in kurze und doch teilweise auch sehr inhaltsreiche Kapitel, abwechselnd aus der Perspektive von Lilly oder John erzählt, ergibt sich eine sehr abwechslungsreiche und zunehmend spannende Romanhandlung. Da es sich im weitesten Sinne um archäologische Funde tief im Wattenmeer handelt, finden sich interessante Informationen zu diesem Fachgebiet, die sehr verständlich beschrieben sind und die einen ganz besonderen und auch wissenswerten Aspekt beleuchten.

Die Darstellung der sehr aufmerksamen und konzentrierten Ermittlungstätigkeit sowohl von John als auch von Lilly hat mir sehr gut gefallen. Da erhalten auf den ersten Blick Nebensächlichkeiten aus einem anderen Blickwinkel heraus oder auch in Kombination mit anderen Erkenntnissen auf einmal eine ganz andere Bedeutung. Es war wirklich sehr spannend, mitzuverfolgen, wie auch kleinste Puzzlestücke sich nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügen, sodass am Ende alle Fragen und Unklarheiten gelöst sind.

Aufgelockert wird die kriminalistische Ermittlungstätigkeit durch Einblicke in die familiäre oder auch freundschaftliche Beziehung zwischen Lilly und John, aber auch zu den anderen Mitgliedern der Ermittlungsteams. Dabei wird auch der Vorgesetztentätigkeit von Lilly gegenüber dem ihrem Ermittlungsteam zugehörigen Ehemann Juri Rabanus Rechnung getragen. Eine etwas ungewöhnliche Situation, mit der die beiden umgehen müssen.

Mein Fazit zu diesem Roman: ich habe ihn sehr gerne gelesen, gerade die Darstellung der Ermittlungstätigkeit hat mich in ihren Bann gezogen. Wie Kleinigkeiten, richtig zusammengeführt, zur Lösung beitragen und die Täter überführen.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 16.02.2026

Berührend, erschütternd, fesselnd - eine hervorragende Fortsetzung

Uns trägt die Hoffnung
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12 Jahre sind seit den Ereignissen um die Familie von Otto Kaiser und seine Schokoladenformenfabrik inzwischen vergangen. Endete der erste Band mit der (finanziellen) Rettung des Traditionsunternehmens ...

12 Jahre sind seit den Ereignissen um die Familie von Otto Kaiser und seine Schokoladenformenfabrik inzwischen vergangen. Endete der erste Band mit der (finanziellen) Rettung des Traditionsunternehmens und den Hochzeitsplanungen von Emma und Max, so findet man sich gleich zu Beginn des nun vorliegenden zweiten Bandes der Dresden Saga mitten im Inferno der Bombardierung von Dresden. Ich war tatsächlich überrascht, wie intensiv die Autorin diese Atmosphäre beschreibt. Die Gefühle von Frieda und Lotte während dieser Ereignisse sind von einer Intensität, der ich mich erschüttert haben.

Auch wenn der überwiegende Anteil des Romans eine Zeitspanne von rund 12 Monaten, beginnend ab Februar 1945, beschreibt, so werden die Auswirkungen der Naziherrschaft der vorhergehenden Jahre auf die Familie des ältesten Sohnes Karl mit seiner jüdischen Ehefrau Elisabeth und Tochter Eva, in einem weiteren Erzählstrang sehr eindringlich, vor allem aber auch in berührenden, bedrückenden Kleinigkeiten dargestellt. Und auch die unterschiedlichen familiären Einstellungen zu den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen finden Berücksichtigung, die innerhalb der Familie Kaiser zu nachlassender Unterstützung, zu Spannungen, Ausgrenzungen und auch Trennungen führen.

Für mich allerdings der wichtigste Bestandteil dieses Romans ist die Bekanntschaft, Freundschaft und letztendlich auch Liebe zwischen dem russischen Offizier Alexei und Lotte. Eine ganz leichte, zarte Liebes- und Glaubensgeschichte. Geboren aus den drängenden persönlichen Fragen zum eigenen Verhalten und auch Versagen in den zurückliegenden Jahren und dem Wunsch, aufrichtig vergeben zu können. Dabei hat mich gerade Alexej ganz besonders berührt. Im Besitz eines kleinen Buches, das seinem gefallenen Freund sehr wichtig war, beschäftigt er sich ohne jegliche Vorkenntnisse neugierig und gespannt mit der Bibel. Er wird mit Aussagen und Ereignissen konfrontiert, die ihn bewegen, zum Nachdenken bringen, ihn verändern und ihn letztendlich auch vergeben lassen.
Ob und wie sich die zum größten Teil zerstörte Fabrik von Otto Kaiser weiter entwickelt, bleibt abzuwarten. Dank Lotte, ihrem technischen Interesse und ihrer Kreativität konnten bereits neue Produkte entwickelt werden, sodass Hoffnung auf einen Weiterbestand durchaus vorhanden ist.

Die Autorin vermittelt empathisch, leise und sanft und doch sehr eindringlich die lebenswichtige und lebensverändernde biblische Botschaft vom Kreuz, der man sich nicht entziehen kann. Dazu tragen vor allem auch wichtige kurze Bibelzitate bei, die entscheidende Gedankenimpulse auslösen.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Am Ende des Weges ein Neuanfang

Halt in der Brandung
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Die junge Emilie von Eichenstedt fiebert ihrem 21. Geburtstag entgegen, will ihr doch an diesem Tag Leopold von Eckstein die Frage aller Fragen stellen. Wenige Tage vor diesem für Emilie so wichtigen Tag ...

Die junge Emilie von Eichenstedt fiebert ihrem 21. Geburtstag entgegen, will ihr doch an diesem Tag Leopold von Eckstein die Frage aller Fragen stellen. Wenige Tage vor diesem für Emilie so wichtigen Tag versterben ihre Mutter und ihr Bruder bei einem Unfall. Dies ist nicht der einzige Verlust für Emilie, stellt sich doch heraus, dass Familiengut hoch verschuldet ist und als Erbe an einen Cousin fallen wird. Getrieben von dem Wunsch, das Gut, vor allem aber auch die erforderliche Mitgift zu retten, begibt sich Emilie im Sommer 1853 alleine auf die abenteuerliche Reise nach Kapstadt, um ihren dort lebenden Bruder zur Rückkehr und Annahme des Erbes zu bewegen.

In einem mitreißenden und gleichermaßen einfühlsamen Schreibstil lässt die Autorin nicht nur an der teilweise sehr gefährlichen Schiffsreise teilhaben, sondern auch an der persönlichen Entwicklung von Emilie. Die sich ihres gesellschaftlichen Standes sehr wohl bewusst ist und dies ihren Mitmenschen gegenüber teilweise auch sehr deutlich macht. Und gerade im Verlauf der Schiffsreise erkennt, erlebt und letztendlich auch praktiziert, was es bedeutet, auf sich alleine gestellt zu sein, Verantwortung für sich selbst und sein Leben zu übernehmen, und sich letztendlich alltägliche praktische Tätigkeiten anzueignen. Hinzu kommt leider auch ihre zunehmende Enttäuschung von Gott, da sie sich dem Gefühl hingibt, ihm nicht wichtig zu sein, von ihm verlassen zu sein, weil sie bisher so viele Schicksalsschläge erleben musste.

Ganz leicht und berührend lässt die Autorin sie Menschen begegnen die ihr in einfachen, leicht verständlichen Worten die Größe und Allmacht, das Wesen und die grenzenlose Liebe Gottes erklären. Mit diesem Wissen ändert sich Emilies innere Einstellung. Sie ist bereit, zu ihren Fehlern zu stehen und sich zu entschuldigen. Sie trauert ihrem vergangenen Lebensstil nicht nach, und da sie sich von Gott geliebt, geführt und beschützt weiß, schlägt sie am Ende der Reise einen ganz anderen Weg ein, als den zunächst geplanten.

Ein mitreißender Roman, der mich mitfühlen, miterleben lässt, wie eine junge, privilegierte Frau alles verliert, war ihr Sicherheit gab und die Existenz und Fürsorge Gottes in ihrem Leben erkennt, annimmt und ihren weiteren Lebensweg mit und nach ihm ausrichtet.

Für mich ein Roman, der meine ganz persönliche Auszeichnung „Balsam für die Seele“ erhält und ein großartiges Lesehighlight darstellt.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Versöhnung benötigt Zeit

Eine Versöhnung am Meer
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Mit diesem dritten Roman über die Summers-Schwestern von Sea View wurde mir endlich ein Herzenswunsch erfüllt: ich durfte nach den verhaltenen Andeutungen in den beiden vorhergehenden Romanen nun endlich ...

Mit diesem dritten Roman über die Summers-Schwestern von Sea View wurde mir endlich ein Herzenswunsch erfüllt: ich durfte nach den verhaltenen Andeutungen in den beiden vorhergehenden Romanen nun endlich auch die älteste der fünf Schwestern, Claire, kennenlernen. Sie hat nach einer folgenreichen Fehlentscheidung ihre Familie verlassen und glücklicherweise Unterkunft bei einer Tante, weit entfernt von ihrem Heimatort, gefunden. Doch der Kontakt zu Eltern und Schwestern wurde von dem inzwischen verstorbenen Vater strikt untersagt. Nach dem Tod der Tante eröffnet sich für Claire die Möglichkeit, sich mit ihren sehr begrenzten finanziellen Mitteln Teilhaberin in einer anderen Pension in Sea View zu werden. Ihre Ankunft und ihre Tätigkeit bleibt Schwestern und Mutter nicht verborgen, doch der Weg zu einer Versöhnung, ist nicht leicht und wird vor allem von der Mutter strikt abgelehnt.

Ein Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Dabei habe ich mit großer Hoffnung die Bemühungen von Sarah, Emily, Viola und Georgiana beobachtet, eine Versöhnung herbeizuführen. Wobei mich Sarah noch einmal auf ganz besondere Weise angesprochen hat, da sie und Claire ein besonders enges schwesterliches Verhältnis verband und sie sich von Claire verraten und betrogen fühlt.

Für mich wirklich schwer zu ertragen war die fast gnadenlose Vermeidung jeglichen Kontakts zwischen Mutter und Tochter. Die sich zu meinem großen Unverständnis sogar bis in gemeinsame Gottesdienstbesuche erstreckte. Ich war wirklich sprach- und fassungslos, wie strikt die Mutter das Kontaktverbot ihres inzwischen verstorbenen Ehemannes befolgte. Aber auch die Begründung, dass ihr Verhalten lediglich dem gesellschaftlichen Schutz der Schwestern diente – heutzutage kaum zu glauben, aber für mich in der damaligen Zeit durchaus vorstellbar. Das gleiche trifft aber auch auf Claire zu, die ohne Widerspruch oder Gegenwehr, die ihr zugedachte gesellschaftliche Position annimmt bzw. akzeptiert.

Die von mir so sehnlichst erhoffte Versöhnung wurde Realität – und dies auf eine Weise, die mich wirklich zu Tränen gerührt hat. Beide, Claire und auch ihre Mutter, konnten sich von Ängsten und Zwängen befreien, Verzeihung aussprechen und auch annehmen. Dieser Abschnitt ist für mich der bewegendste des ganzen Romans.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Leichter und unterhaltsamer Küstenkrimi

Stralsund ermittelt - Tote Dichter schreiben nicht
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Erneut führt das Team Weingold in und um Stralsund eigene Ermittlungen, dieses Mal zum Mord an Wolfram Stein und Leonhard Sommer, durch. Psychotherapeutin Nele, Gärtner Hektor, der Neles Grundstück in ...

Erneut führt das Team Weingold in und um Stralsund eigene Ermittlungen, dieses Mal zum Mord an Wolfram Stein und Leonhard Sommer, durch. Psychotherapeutin Nele, Gärtner Hektor, der Neles Grundstück in Ordnung hält, sowie IT-Spezialistin Fanny, die kurzfristig ihren geplanten mehrwöchigen Urlaub in Thailand absagt, stellen sich mit großem Einsatz der neuen Aufgabe. Gesunder Menschenverstand, Pragmatismus, eine gute Beobachtungs- und Kombinationsgabe sowie Spontanität und Kreativität zeichnen dieses ungewöhnliche Team aus. Immer eine Spur dem zuständigen und ebenfalls ermittelnde Kommissar Enno voraus, tragen sie nicht nur zur Überführung des Mörders bei sondern auch zur Klärung einer Verbrechensserie, die mehr als 20 Jahre zurückliegt, bei.

Mich hat dieses durchaus kompetente Ermittlungstrio schnell in seinen Bann gezogen. Sind es doch überaus sympathische und humorvolle Charaktere, die trotz kleiner Eigenarten und amüsanten Beziehungsproblemen ein freundschaftliches, offenes und vertrauensvolles Miteinander pflegen. Beginnt der Roman zunächst eher entspannt und ruhig, entwickelt sich zunehmend eine spannende Geschichte mit einem aufregenden Höhepunkt.

Ein unterhaltsamer und abwechslungsreicher Küstenkrimi, mit sympathischen Protagonisten und einer wunderschönen Kulisse, die Urlaubsträume weckt.

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