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Veröffentlicht am 04.06.2025

seichter Krimi

Vergessen
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"Vergessen" war für mich das erste Buch der Autorin Elke Pistor.

Ein kleines Mädchen verschwindet, es geschehen kurz hintereinander in Zweifel zu stellende Selbstmorde und Verenas Kollegin verunfallt ...

"Vergessen" war für mich das erste Buch der Autorin Elke Pistor.

Ein kleines Mädchen verschwindet, es geschehen kurz hintereinander in Zweifel zu stellende Selbstmorde und Verenas Kollegin verunfallt auf dem Weg zum Einsatzort. Deshalb muss sie nun mit Christoph Todt zusammen arbeiten, ein nicht leichter Charakter und wirkt auf Verena sehr machohaft und dominant.

Der Titel ist Programm. In unterschiedlichen Varianten wird das Thema Vergessen in diesem Kriminalroman beleuchtet. Da ist Ruth, die Großmutter von Verena Irlenbusch, die durch Demenz ins Vergessen verschwindet. Da ist der Fall mit den vermeintlichen Selbstmorden, der Mensch, der vielleicht etwas zur Auflösung des Falls beitragen könnte, hat vergessen, andere wiederum wollten vergessen.

Der Einstieg in die Geschichte war spannend, diese ließ leider im Verlauf der Geschichte doch stark nach. Die Figuren waren interessant gezeichnet, verloren sich jedoch teilweise in Banalitäten. Relativ früh war klar, wer der Täter ist und es kamen dann auch keine überraschenden Wendungen mehr ins Spiel, was mir als leidenschaftliche Krimileserin sehr fehlte. Ruths Erkrankung, deren Konsequenzen und Auswirkungen, die diese auf Verena haben werden gekonnt vermittelt.

Insgesamt ein Krimi, den man schnell weglesen, den ich allerdings unter seichte Unterhaltung verorten würde.

Veröffentlicht am 03.06.2025

sehr lesenswert

Sputnik
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Mit "Sputnik" hat Christian Berkel nach "Der Apfelbaum" und "Ada" seinen dritten autofiktionalem Roman veröffentlicht. Nachdem es in den ersten beiden Bänden in erster Linie um seine Familie und deren ...

Mit "Sputnik" hat Christian Berkel nach "Der Apfelbaum" und "Ada" seinen dritten autofiktionalem Roman veröffentlicht. Nachdem es in den ersten beiden Bänden in erster Linie um seine Familie und deren Traumata gegangen war, befasst er sich in Sputnik mit seinem eigenen Leben.

Ich hatte das Glück, sowohl das Hör-als auch das Printexemplar zur Verfügung zu haben. Super interessant und gelungen fand ich die Umsetzung der vorgeburtlichen Zeit im Mutterleib. Christian Berkel hat das Hörbuch selber eingelesen, da merkt man in jeder Zeile den Schauspieler im Hintergrund. So etwas von lebendig und facettenreich hört man selten.

Die Sprache ist differenziert und auf den Punkt gebracht. Da gibt es keine überflüssigen Schnörkel oder Umschreibungen. Als Hörer/ Leser bekomme ich einen tiefen Einblick in das Aufwachsen und die Entwicklung von Sputnik. In der Teenie-Phase geht er so weit, mich, als Leserin in die unendlich scheinenden feuchtfröhlichen Träumen und diesen abzuhelfen mitzunehmen. Ob man dies in solch einem Ausmaß wirklich nötig ist, lasse ich mal dahingestellt. Gehört aber wohl zum Entdecken der eigenen Lust.

Sein Aufenthalt in Frankreich prägt den jungen Sputnik für sein gesamtes Leben und lässt ihn als ein anderer nach Deutschland zurückkommen.

Für mich war die Fortsetzung sehr interessant, empfinde aber" Der Apfelbaum" immer noch als Highlight des Autors und Schauspielers. Da das Buch im jungen Erwachsenenalter endet, kann wohl noch ein weiterer Band erwartet werde. Welchen ich dann auch unbedingt lesen/hören würde.

Gerne gebe ich eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 03.06.2025

Spannung pur

Aschesommer
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Mit "Aschesommer" ist nach Krähentage der zweite Fall für Gruppe 4 eine Sonder-Ermittlungseinheit erscheinen. Es handelt sich also auch um Wiedersehen mit Mila Weiß und Jakob Krogh, die diese Einheit gemeinsam ...

Mit "Aschesommer" ist nach Krähentage der zweite Fall für Gruppe 4 eine Sonder-Ermittlungseinheit erscheinen. Es handelt sich also auch um Wiedersehen mit Mila Weiß und Jakob Krogh, die diese Einheit gemeinsam leiten (müssen).

Der neue Fall beginnt kurios, eine Traueranzeige mit Koordinaten lässt Mila und Jakob quasi in den neuen Fall stolpern. Was sie finden ist an Perfidität kaum zu überbieten, mitten im Hochsommer bei unerträglichen Temperaturen finden sie zwei erfrorene Leichen. Die Botschaft, die bei den Leichen gefunden wird, ist unmissverständlich: Das Sterben hat begonnen.
Es hat den Anschein, dass sie nun einen Serienkiller suchen und finden müssen. Bei den Ermittlungen kommt allerdings nur einer als Täter infrage: Jan-Christian Bode, doch der sitzt seit 8 Jahren in der geschlossenen Psychiatrie.

Genauso wie der erste Band um Mila und Jakob hat mich der Autor wieder von der ersten Seite an gefesselt, und hielt einiges an Überraschungen bereit. Dabei waren die Kapitel so aufgebaut, dass am Ende immer ein Cliffhanger das Weglegen des Buches fast unmöglich machte. Genauso muss ein Thriller sein. Durch die Perspektivenwechsel wurden Einblicke sowohl in die Gedankenwelt des Täters, als auch die der Opfer gegeben, was den Fall nur noch spannender machte.

Jakob und Mila tragen einiges an Ballast mit sich herum, welcher allerdings nicht zu viel Raum bei den Ermittlungen einnimmt und beide menschlich macht. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und ich gehe davon aus, dass es auch noch einen dritten Band mit Gruppe 4 geben wird.

Sehr lesenswerter Thriller, der diesem Genre alle Ehre macht.

Veröffentlicht am 29.05.2025

berührend

Beeren pflücken
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"Beerenpflücken" ist das Debüt der kanadischen Autorin Amanda Peters. Selber ist sie indigener Abstammung und beschreibt in ihrem eindringlichen Roman, wie eine falsche Entscheidung das Leben von Menschen ...

"Beerenpflücken" ist das Debüt der kanadischen Autorin Amanda Peters. Selber ist sie indigener Abstammung und beschreibt in ihrem eindringlichen Roman, wie eine falsche Entscheidung das Leben von Menschen für immer verändern und belasten kann.

Ruthies Familie, die zum Stamm der Mi'kmaq gehört, kommt jedes Jahr zum Beerenpflücken nach Maine. So auch im schicksalshaftem 1962, in dem die kleine Ruthie als die Familie Beeren pflückt, spurlos verschwindet. Da sie zu den Indigenen gehört, befasst sich die Polizei nicht wirklich mit dem Verschwinden von Ruthie. Einzig Joe, ihr Bruder, gibt die Hoffnung nicht auf, Ruthie eines Tages wiederzufinden.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, da ist einmal Joe, der nie verwunden hat, dass er seine Schwester nicht retten konnte und auf der anderen Seite die Geschichte von Norma. Einer Frau, die immer wieder von Träumen heimgesucht wird, die auf ein anderes Leben schließen lassen.

Mich hat das Buch sehr bewegt, der Schreibstil ist flüssig, dabei aber auch sehr emotional. Die Gefühle, insbesondere von Joe sind sehr detailliert, ebenso wie die Umgebung, beschrieben. Diese Geschichte zeigt sehr gut, die Zerrissenheit, die in einem Familiengefüge entsteht, wenn etwas Tiefgreifendes die Strukturen nachhaltig verändert.

Gerne gebe ich für "Beeren pflücken" eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 28.05.2025

toller Twist

Locked in
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"Locked in" des Autors Henri Faber ist der vierte Thriller, den ich von ihm gelesen habe und der mich ebenso wie die anderen fesseln konnte.

Kommissar Paul Maertens ist mit seiner neuen Kollegin Stefanie ...

"Locked in" des Autors Henri Faber ist der vierte Thriller, den ich von ihm gelesen habe und der mich ebenso wie die anderen fesseln konnte.

Kommissar Paul Maertens ist mit seiner neuen Kollegin Stefanie einem Entführer auf der Spur, der schon drei Menschen in seiner Gewalt hat. Zwie von ihnen sind tot aufgefunden worden, nun heißt es, das dritte Opfer lebend zu finden. Als Maertens den Täter stellen will, verletzt er diesen und dieser fällt ins Wachkoma. Ein Täter der geistig voll da ist, nur nicht mir in der Lage, mit seiner Umwelt zu kommunizieren.
An diesem Punkt kommt der Neurologe Paul Linde ins Spiel, der die revolutionäre Methode entwickelt hat, mit Locked In Patienten über die Gedanken zu kommunizieren.
Kann er das letzte Opfer damit retten?

Die Story ist spannend aufgebaut und wieder hat mich der Schreibstil von Henri Faber von der ersten Seite an begeistert. Die Charaktere werden dadurch äußerst lebendig und authentisch dargestellt. Durch tolle Wendungen im geschilderten Fall schickte mich der Autor des Öfteren auf die falsche Fährte. Genau so muss ein guter Thriller geschrieben sein.

Leider ist es anscheinend der letzte Faber, ich drücke dem Autor und auch seinen Lesern die Daumen, dass sich doch noch ein Verlag findet, der diesen Ausnahmeautor verlegt.