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Veröffentlicht am 29.10.2020

Generation Nachkriegskinder

Ada
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Ada von Christian Berkel ist die konsequente Weiterführung seines Debut der Apfelbaum.

Ada ist Ende 40, sitzt zur Vorstellung ihres Bruders im Theater, als die Mauer fällt. Sie ist eine der ...

Ada von Christian Berkel ist die konsequente Weiterführung seines Debut der Apfelbaum.

Ada ist Ende 40, sitzt zur Vorstellung ihres Bruders im Theater, als die Mauer fällt. Sie ist eine der vielen Nachkriegskinder die in völligem Schweigen von Seiten der Eltern und Großeltern aufgewachsen ist und nun eine Psychotherapie beginnt.
Schnell wurde mir beim Lesen klar, durch die Geschichte ihrer Großeltern und Eltern hat sie eine Transgenerationale Traumatisierung erlitten, welche sozial zu 4 Generationen weiter gegeben wird. Ada wächst die ersten Lebensjahre bei ihrer Mutter auf, zum großen Teil in Argentinien, immer in dem Glauben ihre sei katholisch, bis sie als Teenager erfährt, ihre Mutter sei Jüdin. Dies auch nicht von ihren Eltern, sondern einer Freundin und alles unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenhet, des Geheimnisses.
Eine Jugend geprägt von unbeantworteten Fragen, der Suche nach den eigenen Wurzeln, die Ada unstet haben werden lassen. So spielt dieses Buch in Argentinien, Berlin und Amerika.

Christian Berkel wählt die Ich-Perspektive für Ada und es ist ihm sehr gut gelungen, die Gefühle und Gedanken von Ada zu transportieren. Er schafft es Adas Entwicklung dem Zeitgeschehen perfekt anzupassen-waren da doch der Mauerbau, die wilden 60, der Krieg Amerikas mit Vietnam und nicht zu vergessen das Wirtschftswunder. Begleitet immer von der Generation, die nicht über "die Schlimmen" Sachen sprechen konnten und wollten.

Für mich war Ada ebenso ein eindringlicher wie ein ruhiger Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.


Veröffentlicht am 27.10.2020

einzigartiger Schreibstil

Der letzte Satz
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"Der letzte Satz" von Robert Seethaler nimmt den Leser mit auf die letzte Reise eines Genies.

Gustav Mahler einer, oder der bekannteste österreichische Komponist und Dirigent des 19. Jahrhunderts, befindet ...

"Der letzte Satz" von Robert Seethaler nimmt den Leser mit auf die letzte Reise eines Genies.

Gustav Mahler einer, oder der bekannteste österreichische Komponist und Dirigent des 19. Jahrhunderts, befindet sich an Deck der Amerika, auf dem Weg nach Hause von New York nach Europa. Er sitzt alleine dort, eingewickelt in eine Decke, nur der Schiffsjunge schaut hin und wieder nach ihm und versorgt ihn mit Tee. Seine Frau und seine Tochter befinden sich derweil unter Deck. Er lässt mit Blick auf das Meer die Gedanken fließen, die Höhen und Tiefen seines Lebens laufen an ihm vorbei. Ein Leben, welches immer schon von Schmerzen und Depressionen begleitet wurde. Aber auch ein Leben, eines Besessenen-Besessen von der Musik, von Beethoven im Besonderen. Mit seinen nur 51 Jahren kam er mir beim Lesen vor wie ein uralter, gebrochener Mensch. Zerbrochen am Leben, am eigenen Genie und nicht zuletzt am Tod seiner Tochter, an dem er sich schuldig fühlte.

Wieder einmal hat es Robert Seethaler geschafft, mich mit dieser kurzen Geschichte über Gustav Mahler aussergewöhnlich zu berühren Es sind die kurzen poetischen Sätze, die in einer eher kühlen Erzählweise, ihre Stärke offenbaren und Robert Seethalers einzigartigen Stil ausmachen.


Veröffentlicht am 23.10.2020

Kurzweilig

Die große Pause
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Die große Pause war mein erstes Buch von Bastian Bielendörfer und ich wurde angenehm überrascht, hatte ich doch keine große Erwartungen an das Buch.

Corona brachte die Welt im März zum Stillstand ...

Die große Pause war mein erstes Buch von Bastian Bielendörfer und ich wurde angenehm überrascht, hatte ich doch keine große Erwartungen an das Buch.

Corona brachte die Welt im März zum Stillstand und Bastian Bielendörfer wurde von dem "Lockdown" aus seinem Leben, in dem er mehr unterwegs als zu Hause ist in den Stillstand katapultiert. Er nutzte diese Stillstand Zeit um ein Corona-Tagebuch zu führen, in dem er über die unterschiedliche Stadien dieses Lockdowns geschrieben hat.

Über die Fassungslosigkeit mit der die Mehrheit der Deutschen zu Begin der Pandemie Abend für Abend die "extras" zum Thema und die darauf folgenden Talkshows inhalierte. Virologen in den Fokus rückten und um sie ein Hype wie früher um Rockstars ist. Dann die unsäglichen Hamsterkaufe von Toilettenpapier, Nudeln und Konserven. Humorvoll beschreibt er die Veränderung seines Lebens, eine WG mit der Schwiegermutter, Homeshooling, Autokinoauftritte und was sonst noch alles jedem in der jetzigen Zeit bekannt vorkommen wird. Es ist ein Leichtes sich in den beschriebenen Situation ein wenig wieder zu finden. Dies alles beschreibt Bastia Bielendörfer mit viel Humor- was gab es da für skurille Situationen-für jeden von uns.
Doch nicht alle Situationen in der ZEit waren lustig, auch diese haben einen Platz im Buch und geben ihm dadurch einiges an Tiefe.

Bastian Bielendörfer hat auf seine Art ein kleines Zeitzeugnis geschaffen, in dem es zum Glück auch noch etwas zu lachen gibt-ohne Humor an der passende Stelle wären diese Zeiten doch gar nicht auszuhalten...oder?

Veröffentlicht am 21.10.2020

Prima Jugendbuch

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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Das Debut Vortex von Anna Benning reiht sich in die Dystopie/Fantasy Jugendbücher ein.

Die Vortexe zerstörten unsere Welt. Wir lernten in ihnen zu laufen. Doch niemand ahnte, was sie in uns entfachen ...

Das Debut Vortex von Anna Benning reiht sich in die Dystopie/Fantasy Jugendbücher ein.

Die Vortexe zerstörten unsere Welt. Wir lernten in ihnen zu laufen. Doch niemand ahnte, was sie in uns entfachen würden...
Elaine, deren Mutter von den Zündlern ermordet wurde hat nur ein Ziel in ihrem Leben, sie will Läuferin werden um die Vermengten in Zonen umzusiedeln. Ihr wichtigster Tag ist der Tag des Vortexrennens, an denen die Gewinner offiziell zu Läufern gekürt werden. Als sie in den Vortex springt um durch den Energiestrom an einen anderen Ort zu gelangen geschehen seltsame Dinge und in ihr wird eine Macht in ihr entfesselt, die die Welt schon wieder komplett verändern könnte. Danach ist für Elaine nichts mehr so wie es war-ihr bisheriges Weltbild gerät völlig aus den Fugen und ihr stellt sich die Frage: Wem kann sie eigentlich noch trauen?

Dieses Debut hat mich von der ersten Seite begeistert. Der Schreibstil ist für Jugendliche sehr gut gewählt, die erschaffene Welt spannend und futuristisch. Auch an eine kleine Lieneseinlage ist gedacht worden, die allerdings nicht zu viel Raum einnimmt und darum nicht ins kitschige abdriftet. Elaine als Protagonistin macht in der Geschichte eine gewaltige Entwicklung durch, wurde sie am Anfang der Geschichte noch unnahbar und abgeklärt dargestellt, so wächst sie im Laufe des Buches mit ihren Aufgaben.
Das gesamte Buch lebt von tollen Charakteren und einer stimmig entworfenen Welt.
Bei Vortex handelt es sich um ein spannendes und lohnenswertes Jugedbuch.

Veröffentlicht am 20.10.2020

Was ein gelungener Auftakt

Amissa. Die Verlorenen
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Mit Amissa ist der erste Teil einer Trilogie erschienen die es in sich hat und aktueller und der Wirklichkeit so nah, dass es einen gruseln lassen kann.

Jan, ein ehemaliger Polizist und seine ...

Mit Amissa ist der erste Teil einer Trilogie erschienen die es in sich hat und aktueller und der Wirklichkeit so nah, dass es einen gruseln lassen kann.

Jan, ein ehemaliger Polizist und seine Freundin Rica erleben auf dem Weg nach Hause auf der Autobahn ein grausames Szenario mit: Ein junges Mädchen läuft plötzlich auf die Autobahn und verursacht einen Massenunfall. Jan, der zu dem verletzten Mädchen eilt kann nicht mehr für sie tun, als die letzten Atemzüge bei ihr zu bleiben. Ein Wort bringt sie noch heraus und in ihrer Hand findet Jan einen Zettel. Fast gleichzeitig brennt auf der Raststätte ein Wohnwagen. Für die Polizei handelt es sich schnell um Selbstmord, doch Jan und Rica können dies so nicht akzeptieren und stoßen bei ihren Nachforschungen bald auf aussergewöhnliche Tatsachen.

Dieses Buch war für mich ein Pageturner der es in sich hatte und das aktuelle Thema "soziale Medien" und die Gefahren die dort lauern sehr gut in die Story eingebaut hat. Der Schreibstil war gewohnt spannend und klar. Die Protagonisten waren klar und kantig charakterisiert und ich als Leserin habe einen kleinen Einblick in ihre heftige Vergangenheit erhalten. Beide sind mir sehr sympathisch.

Andreas Winkelmann hat hier unter seinem Pseudonym Frank Kodiak wieder einmal unter Beweis gestellt, wie ein guter Thriller sein sollte. Ich freue mich schon auf den zweiten Band um zu sehen wie es mit Jan und Rica weitergeht.