Feministischer als erwartet
Fünf Tage im LichtAls Sophie den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Helena auf einer griechischen Insel antritt, ahnt sie nicht, dass das ihr ganzes Leben verändert wird. Nicht nur, dass sie ihre künstlerische Passion ...
Als Sophie den Junggesellinnenabschied ihrer Freundin Helena auf einer griechischen Insel antritt, ahnt sie nicht, dass das ihr ganzes Leben verändert wird. Nicht nur, dass sie ihre künstlerische Passion mit einem Aktporträt von Alessia nachgehen kann, sie beginnt auch eine Affäre mit dem Griechen Ky, die alles in Frage stellt, vor allem ihre langjährige Beziehung zu Greg.
„Fünf Tage im Licht“ von Rhiannaon Lucy Cosslett, hat mich überrascht, begeistert und später enttäuscht. Ich mochte den Aufbau anfangs sehr. Die Kapitel werden mit essayhaften Bildbeschreibungen eingeleitet, die durch den Blick aus der Zukunft zart Foreshadowing betreiben. Als das große, unausweichliche Finale immer näher rückt, nimmt das allerdings die Spannung.
Die feministischen Einschübe, die nirgendwo angeteasert wurden, fand ich großartig, vor allem weil ich nicht mit diesen gerechnet habe. Sie waren fabelhaft in die Geschichte eingewoben und schimmerten immer wieder durch. Auch beim Kinderthema fühlte ich mich zunächst abgeholt, denn ich empfinde genauso wie Sophie, die von Greg dahingehend unter Druck gesetzt wird und sich aus vielfältigen Gründen nicht als Mutter sieht. Bis sie das offensichtlich nicht mehr tut. Das kam überraschend und hat mich enttäuscht. Das Plädoyer für Kinderfreiheit wandelte sich (wie so oft) ins Gegenteil.
Auch kam eine Wendung, ausgelöst durch eine Erkenntnis, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte und für mich wie aus dem nichts kam. Da hatte Sophie mich dann vollends verloren. Zu Beginn war sie mir unheimlich sympathisch, ich hab mit ihre gefühlt, aber das geriet erst ins Kippen und rutschte dann komplett ab; ich war froh, dass ich am Ende des Buches angelangt war.
Trotzdem kann ich nicht sagen, dass es ein schlechter Roman ist, er hat mich in meiner jetzigen Lebensphase einfach nicht abholen können, bzw. erst ja, später dann nicht mehr. Davon abgesehen ist es ein flirrender, atmosphärischer Roman, der wichtige Fragen aufwirft.