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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.07.2026

Eine unvergessliche Liebe

Herz König
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Die erste große Liebe ist besonders. Die Erzählerin, die Daisy, Jordan und noch andere Namen bekommt, erlebt diese im College. Doch wie es mit der Liebe, vor allem in der Literatur ist, unkompliziert ist ...

Die erste große Liebe ist besonders. Die Erzählerin, die Daisy, Jordan und noch andere Namen bekommt, erlebt diese im College. Doch wie es mit der Liebe, vor allem in der Literatur ist, unkompliziert ist es selten. Jahrzehnte später, sie ist inzwischen verheiratet und hat zwei Kinder, trifft sie ihn wieder und erkennt: Der Schmerz ist nicht vergessen, so wie auch die einzigartige Verbindung nicht.
„Herz König“ von Lily King ist in aller Munde und ich kann durchaus verstehen warum, aber solche Begeisterungsstürme wie viele andere habe ich nicht durchlaufen. Es ist eine gute Geschichte, gut konstruiert, sie holt ab, aber sie hat auch Längen, was bei einem so kurzen Roman verwunderlich ist. Der Anfang verwirrte mich und das Ende war absehbar, trotzdem hab ich „Herz König“ gerne gelesen, was vor allem an den Figuren liegt. Diese haben ihre ganz besonderen Eigenarten und werden so zu Persönlichkeiten, die nachhallen und in Erinnerung bleiben. Ebenso die Dialoge, die mich immer wieder auflachen ließen, selbst im traurigsten Setting. Ein zusätzliches Plus sind die Kleinigkeiten, die das Buch spannend machen, wie die literarischen Verweise und die Spitznamen, die den Wunsch wecken, in der Hinsicht ebenso originell zu werden.
Auch sprachlich mag ich Lilly King sehr. Schon mit ihrem Buch „Writers & Lovers“ hat sie mich begeistert. Sie schildert knapp, präzise und gradlinig. Sie fängt das Wichtigste ein, um Atmosphäre zu erschaffen, hält die Lupe drauf und lässt es für sich sprechen. Daher irritiert mich das anfängliche Hin-und-Her sehr, außer es ist Absicht und der ersten großen Liebe entsprechend, die man manchmal erst auf den zweiten Blick erkennt.
Ungeachtet dessen habe ich den Roman gerne gelesen und werde weiterhin zu dieser fantastischen Autorin greifen.

Veröffentlicht am 05.07.2026

Geschwisterliebe

Eigentlich wollte ich das nicht schreiben
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Nola verarbeitet den Tod ihrer Schwester Darina mit einem Memoire. Ihre Familie war und ist wenig begeistert, dass sie die persönlichsten Familienerinnerungen nach außen trägt, gaben aber ihr Einverständnis. ...

Nola verarbeitet den Tod ihrer Schwester Darina mit einem Memoire. Ihre Familie war und ist wenig begeistert, dass sie die persönlichsten Familienerinnerungen nach außen trägt, gaben aber ihr Einverständnis. Nun, fünf Jahre nach Darinas Tod, steht der Verkauf der Filmrechte an, was durch eine anonyme Beschwerde an den Verlag torpediert wird. Als die Eltern zu einem Gedenkwochenende einladen, will Nola erst nicht teilnehmen, so groß ist die Distanz in ihrer Familie geworden, aber wo kann sie besser herausfinden, wer da gegen sie interveniert.
„Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ von Freya Bromley in wenigen Worten zusammenzufassen, ist unmöglich, denn der Roman handelt von so vielen Themen gleichzeitig, wobei keines der Wichtigen ins Hintertreffen gerät. Da ist die Trauer um den Verlust einer Schwester; schwierige Familiendynamiken, die durch Geheimnisse und starke Persönlichkeiten befeuert werden; Geschwisterliebe und romantische Liebe und wodurch diese beeinflusst wird und zu guter Letzte schenkt uns Freya Bromley einen ungeschönten Einblick ins Schaffen einer Schriftstellerin. Mich hat der Roman absolut abgeholt und begeistert. Ich prophezeie, dass ich ihn ein weiteres Mal lesen werde und bin mir sicher, dass ich noch weitere Nuancen und Feinheiten entdecken werde.
Nicht nur die Charaktere sind toll gezeichnet, haben alle ihre Eigenheiten, die nie in Klischees rutschen und Fleisch auf den Knochen, was sie wunderbar realistisch werden lässt, auch die Dynamik in der Familie ist nachvollziehbar und spannend gestaltet. Zusätzlich hat die Sprache mich beeindruckt. Freya Bromley setzt eindrückliche und passende Metaphern, gezielt und nicht geizig. Da hat sich für mich genau das richtige Maß gefunden. Ich konnte in die Geschichte eintauchen wie schon lange nicht mehr und das bei Thematiken, die nicht leicht zu verdauen sind.
„Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ ist ein besonderer Roman, der nachhallt und sich einen großen Platz in meinem Herzen verdient hat. Ich freue mich, ihn irgendwann ein weiteres Mal zu lesen.

Veröffentlicht am 26.06.2026

Feministisch angehauchter Schauerroman

Gotico salentino
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Mit keinem guten Gefühl kehrt Filomena Quarta zurück zum Familienanwesen, das ihr Ururgroßvater erbaute und welches in der kleinen Stadt liegt, die er gründete. Aber nach einer gescheiterten Ehe und dem ...

Mit keinem guten Gefühl kehrt Filomena Quarta zurück zum Familienanwesen, das ihr Ururgroßvater erbaute und welches in der kleinen Stadt liegt, die er gründete. Aber nach einer gescheiterten Ehe und dem Tod ihres Vaters möchte sie nun aus dem Haus ein Bed&Breakfast machen und endlich ihren Roman schreiben. Doch sie hat unterschätzt, wie sehr die Vergangenheit sie einholt.
„Gotico Salentino“ von Marina Pierri ist ein feministisch angehauchter Briefroman, der auf besondere Weise das Erbe von Mary Shelley und Shirley Jackson würdigt und das nicht nur, weil die beiden Autorinnen persönlich eine große Rolle spielen. Wunderbar atmosphärisch schenkt Marina Pierri ihren Leserinnen Häppchen für Häppchen neue Informationen, zum Haus und dessen Geschichte, zur Schauerliteratur und ihren Wegbestreiterinnen, die sowohl aus prominenten und unbekannten Geistern bestehen, sowie aus Lebenden. Nicht die ganze Zeit gruselt es einen, allerdings ist es kein Roman für Zartbesaitete.
Sprachlich ist es sehr poetisch, manchmal etwas hochgestochen, hin und wieder holpert die Übersetzung, aber das löst sich im Ganzen auf.
Zum Ende hin ist es ein wenig chaotisch, als würde Marina Pierri noch schnell alle Fäden auflösen und es sind zahlreiche. Für mein Empfinden auch ein, zwei zu viel, als habe sie alles, was in ihrem Kopf ist, in diesen einen Roman stecken wollen, was zur Folge hat, dass manche Themen nur kurz angeschnitten werden und dann runterfallen. Auch hatte er einige Längen. Beides kann man aber durchaus verzeihen.
„Gotico Salentino“ ist ein feministischer Schauerroman, der an die Klassiker dieser Gattung erinnert.

Veröffentlicht am 20.06.2026

Narzisstin durch und durch

Ein unheimlich guter Mensch
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Als Lillian von Henry abserviert wird, kann sie es nicht fassen. Sie waren doch auf dem Weg zu einer richtigen Beziehung. Lillian war doch die perfekte Freundin, sah er das denn nicht? Betrunken frönt ...

Als Lillian von Henry abserviert wird, kann sie es nicht fassen. Sie waren doch auf dem Weg zu einer richtigen Beziehung. Lillian war doch die perfekte Freundin, sah er das denn nicht? Betrunken frönt sie ihren Rachegelüsten und vollführt einen Zauber. Nur leider endet Henry nicht an ihrer Seite, sondern als Leiche. Und zu allem Überfluss stellt sich heraus, dass sie nicht die einzige Frau in Henrys Leben war.
„Ein unheimlich guter Mensch“ von Kirsten King ist so amüsant wie verstörend. Lillians Selbstgefälligkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der sie alles einfordert, was sie sich vorstellen kann, treibt sie zu haarsträubenden Aktionen, die mich oft auflachen ließen (amüsant) und ein kleiner dunkler Teil in mir feierte das sehr(verstörend). Kirsten King zeichnet mit ihrer Protagonisten das Paradebeispiel einer Narzisstin, schlüpft in ihre Gedankenwelt und die Leserschaft kommt in den Genuss der verworrensten Ideen. Und nebenbei lässt sie feministische und popkulturelle Bezüge einfließen, was mich ebenfalls abgeholt hat.
Nur sprachlich holperte es hier und da ein wenig, was auch an der Übersetzung liegen kann. Metaphern und Bilder findet man fast auf jeder Seite, was mir schon ein bisschen zu viel war, manchmal ist weniger da mehr, allerdings passt das auch zu Lillian, die überbrodelnd in ihrer Selbstbezogenheit ist.
Die Auflösung war zwar wenig überraschend, aber den Schluss finde ich dennoch absolut gelungen, denn Kirsten King schafft es, ein offenes Ende zu kreieren und trotzdem alle Fragen zu beantworten.
Jedoch sollte gewarnt sein: Wer die Protagonistin mögen muss und nicht mit Lügen klar kommt, sollte die Finger davon lassen, denn Lillian ist weder sympathisch, noch kann man ihr über den Weg trauen. Doch mag man beides, ist es ein wunderbar unterhaltsame Rageroman mit feministischen Zügen.

Veröffentlicht am 13.06.2026

Eine Liebe, die dem Leben trotzt

Wir in zehn Jahren
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Coralie ist gerade frisch von Australien nach London gezogen, als sie Adam und seine kleine Tochter Zora kennenlernt. Schnell merken sie, dass da eine ganz besondere Verbindung zwischen ihnen ist, aber ...

Coralie ist gerade frisch von Australien nach London gezogen, als sie Adam und seine kleine Tochter Zora kennenlernt. Schnell merken sie, dass da eine ganz besondere Verbindung zwischen ihnen ist, aber kann sie den Alltag mit all seinen Widrigkeiten überstehen?
„Wir in zehn Jahren“ von Jessica Stanley handelt von einer Liebe, die dem Leben trotzt. Coralie und Adam müssen Zora und ihre Mutter Marina unter einen Hut bringen, dann auch ihren neuen Mann und den Sohn. Coralie und Adam bekommen selbst Kinder, bauen um und die Zeiten sind politisch gesehen eh verworren, was sich auf Adams Job auswirkt, denn er ist Politikjounalist und ein Buch jagt das nächste. Coralies Familiensituation ist auch nicht einfach und in all dem verliert sie sich, ohne es wirklich zu bemerken, bis es vielleicht zu spät ist.
„Wir in zehn Jahren“ ist ein ruhiger Roman, obwohl er von einem turbulenten Leben erzählt, von einer Frau, die mir schnell ans Herz gewachsen ist, weil sie selbst so ein großes hat, was zwangsläufig dazu führt, dass sie irgendwann mehr als erschöpft ist. Es fühlt sich oft an, als würde man durch die Fenster einer Nachbarin schauen, deren Gedanken man lesen kann, was ich sehr möchte. Auch die Figuren sind toll gezeichnet, es macht Spaß sie zu beobachten.
Einzig die politische Dimension, die Diskussionen um Boris Johnson, fand ich teilweise langatmig, obwohl Brexit und Co. sehr gut in die Story eingeflochten sind und es ist nun mal Teil von Adams Job. Auch das Ende kam für mich etwas ruckartig und ich kann manche Interaktion Coralies gerade mit ihrem Vater nicht nachvollziehen.
Alles in allem ist es ein unaufgeregter Roman, der all die Höhen und Tiefen des Lebens beinhaltet und sich wie eine gute Serie nach einem anstrengenden Tag anfühlt.