Zerplatzte Träume
Sunset FlipAuggie Schnuck will viel, vor allem als Schauspieler genug verdienen, um seine Familie versorgen und endlich seiner Heimatstadt, der Armut und damit seiner Vergangenheit entfliegen zu können. Den Weg dorthin ...
Auggie Schnuck will viel, vor allem als Schauspieler genug verdienen, um seine Familie versorgen und endlich seiner Heimatstadt, der Armut und damit seiner Vergangenheit entfliegen zu können. Den Weg dorthin sieht er im Wrestling und hat Erfolg. Bis er nicht mehr unterscheiden kann, ob er Auggie ist oder sein Alter Ego The Aug und alles aus den Fugen gerät.
"Sunset Flip " von Joey Goebel musste ich natürlich lesen, so wie ich alles von ihm gelesen habe, was allerdings schon ein paar Jahre her ist. Und ich will nicht sagen, dass sein neues Buch mich enttäuscht hat, denn das wäre zu krass formuliert, aber seine anderen Romane haben mich ein bisschen mehr abgeholt. Dabei war der Einblick ins Wrestling durchaus interessant und Auggies Werdegang herzzerreißend. Zudem ist die Erzählweise originell. Joey Goebel schreitet einerseits vorwärts in Auggies Leben und andererseits blickt er zurück, so erschließt sich die Leserschaft Stück für Stück die Figur. Auch seine Dialoge sind einnehmend, es geht Schlag auf Schlag, trotzdem oder gerade deswegen schimmern immer wieder feine zwischenmenschliche Töne hindurch. Das Psychologische, was hinter Auggie als Protagonist steht, ist ebenfalls beeindruckend. Er wirkt mit seinen zerplatzen Träumen, an die er sich krampfhaft klammert, wie ein Nachbar, dem man sein Schicksal in stillen Momenten ansieht und sich fragt, was ist nur in seinem Leben geschehen.
Das Ende hat mich zwar traurig gestimmt, auch wenn es mir einen kleinen Schmunzler entlockte, aber überrascht hat es mich nicht. Allerdings sind für mich einige Fragen offen geblieben, die ich gerne beantwortet bekommen hätte. Da versteh ich nicht so ganz, wieso diese Lücken überhaupt aufgemacht wurden, um dann nicht geschlossen zu werden.
So oder so, bleibe ich Joey Goebel treu und bin gespannt, welches popkulturelle Phänomen er sich als Nächstes vorknöpft.