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Veröffentlicht am 05.07.2020

Noch bevor das Jahr zu Ende ist

Noch bevor das Jahr zu Ende ist
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Kurz vor Weihnachten im Jahr 1968 reist Thomas Harding nach Paris. Mit dabei hat er ein Bündel Briefe, die er noch einmal lesen möchte. Ebenso den letzten Brief, welchen Thomas noch nicht geöffnet hat. ...

Kurz vor Weihnachten im Jahr 1968 reist Thomas Harding nach Paris. Mit dabei hat er ein Bündel Briefe, die er noch einmal lesen möchte. Ebenso den letzten Brief, welchen Thomas noch nicht geöffnet hat. Im August 1914 zogen Will Elliott und sein bester Freund Thomas Harding freiwillig in den Krieg. Zurück bleibt Wills Schwester Evie. Es folgt ein reger Briefwechsel.

In „Noch bevor das Jahr zu Ende ist“, liest der Leser gemeinsam mit Thomas die Briefe aus der Zeit des Krieges. Damals waren Briefe eine der wenigen Möglichkeiten, miteinander in Verbindung zu bleiben. Diese Briefe sollten zugleich eine emotionale Bindung zwischen den Protagonisten und dem Leser schaffen. Durch sie bekommt der Leser die Geschehnisse quasi aus „erster Hand“ erzählt. Leider konnte ich zu keiner Figur eine Bindung aufbauen.

Die Charaktere haben sich von Jahr zu Jahr weiterentwickelt und spiegeln auch sehr gut das Denken der damaligen Bevölkerung wider. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt auf dem Privatleben und den Gefühlen der Figuren. Die Geschehnisse des Krieges und wie dieser in der Heimat dargestellt wird sowie die Zensur von Post und Presse werden erwähnt, bleiben jedoch eher Randgeschehnisse. Daher ist dieses Buch für mich in erster Linie ein Roman über die Liebe in Zeiten des Krieges.

Die Geschichte ist gut geschrieben, und die Schreibstile der einzelnen Briefe sind so unterschiedlich wie ihre Verfasser. Man muss sich beim Lesen allerdings auch an die oft wechselnden Schreiber gewöhnen, was den Lesefluss an der einen oder anderen Stelle etwas stocken lässt.

„Noch bevor das Jahr zu Ende ist“ ist ein guter Roman, der das Zeitgeschehen und die Gefühle widerspiegelt. Ein interessanter Blick auf diese Zeit, auch wenn viele Themen nur am Rande angesprochen werden konnten.

Veröffentlicht am 28.06.2020

Rauschliebe

Rauschliebe
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Seit ihrer Jugend schwärmen Stella und Pavlos füreinander. Es dauert jedoch 20 Jahre, bis sie endlich zusammen kommen und ein Paar werden. Doch es gibt von Beginn an ein Problem. Pavlos ist alkoholkrank. ...

Seit ihrer Jugend schwärmen Stella und Pavlos füreinander. Es dauert jedoch 20 Jahre, bis sie endlich zusammen kommen und ein Paar werden. Doch es gibt von Beginn an ein Problem. Pavlos ist alkoholkrank. Stella glaubt jedoch an die große Liebe und gerät dadurch in die Co-Abhängigkeit.

Zu Beginn lernt der Leser Stella und Pavlos sowie ihre Beziehung zueinander kennen. Stella erzählt in der „Ich-Form“ von allen Höhen und Tiefen ihrer Beziehung zu Pavlos. Was zu Beginn bei mir nur ein Kopfschütteln auslöste, steigerte sich im Laufe des Romans zu inneren Wutausbrüchen.

Schon früh merkt Stella, dass der Alkohol die Macht über Pavlos und sein Verhalten hat. Trotzdem schafft sie es nicht aus dieser Beziehung heraus. Sie fällt immer wieder in ihr altes Verhaltensmuster. Dabei weiß sie genau, dass es so nicht weitergehen kann. Oft schrie ich in diesen Momenten in Gedanken „Stella, tu es nicht“, „Warum?“ oder „Verdammt noch mal“.

Karmen Rurela zeigt in „Rauschliebe“ deutlich, welche Auswüchse die Alkoholkrankheit hat. Wie schwer es trotz allen Niederschlägen – im wahrsten Sinne des Wortes – ist, den Teufelskreis zu durchbrechen. Die Reaktionen aus dem Umfeld von Stella und Pavlos sind vielfältig, oft wird die Krankheit entweder verleugnet oder als „so schlimm wird es schon nicht sein“ abgetan. Stella hat zum Glück ein Umfeld, welches ihr trotz aller Rückschläge immer wieder Hilfe anbietet und sich nicht von ihr abwendet. Es entwickelt sich eine sehr komplexe Dreierbeziehung zwischen Stella, Pavlos und dem Alkohol, die es so leider tagtäglich auf der Welt gibt.

Diese Geschichte führt klar vor Augen, dass es zwischen Alkoholgenuss und Alkoholsucht, die eigentlich eine Krankheit und keine Sucht ist, nur ein schmaler Grad existiert. Ein Alkoholiker wie Pavlos versteht es, seine Umwelt jahrelang zu täuschen. Zumal er nach außen nicht dem typischen Bild eines Alkoholikers entspricht, wie man ihn sich vorstellt.

„Rauschliebe“ ist ein emotionales Buch, welches dem Leser deutlich vor Augen führt, dass ein Alkoholkranker nicht nur sich selbst, sondern auch sein Umfeld zerstört. Auch, wie schwer das Entkommen aus der Co-Abhängigkeit ist, wird deutlich.

Ich danke der Autorin Karmen Jurela für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars.

Der Roman hat 260 Seiten (ISBN: 978-3750460720) und ist über die bekannten Online-Plattformen und den örtlichen Buchhandel zu beziehen.

Veröffentlicht am 28.06.2020

Die Flut

Die Flut
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Michael hat seinem Kollegen Andreas versprochen, bei dessen Ausbau des Dachgeschosses des Ferienhauses auf Amrum zu helfen. Seine Freundin Julia begleitet ihn. Nach ein paar Tagen auf der Insel geschieht ...

Michael hat seinem Kollegen Andreas versprochen, bei dessen Ausbau des Dachgeschosses des Ferienhauses auf Amrum zu helfen. Seine Freundin Julia begleitet ihn. Nach ein paar Tagen auf der Insel geschieht ein grausamer Mord. Eine Frau wurde im Sand eingegraben, ihr Mann in der Nähe festgebunden. Er muss hilflos mit ansehen, wie seine Frau in der aufkommenden Flut qualvoll ertrinkt.

Der Leser erhält Einblicke in die Gedankenwelt des Täters. Diese bietet im Laufe der Geschichte förmlich die nächste Spannungsstufe, zumal der Täter Spuren legt, denen die Polizei wie vorher geplant folgt. Der Täter hält sich für unbesiegbar und allen anderen, besonders den Ermittlern gegenüber, überlegen.

Die Spuren führen die Ermittler immer wieder zu Michael, der seine Unschuld nur schwer beweisen kann. Während des Lesens begegnen dem Leser noch viele weitere mögliche Täter, so dass es bis zum Schluss offen bleibt, wer dieser ist.

Viele gute Wendungen machen das Lesen zum Vergnügen. Gut ausgearbeitete Charaktere, die man förmlich vor Augen sieht, und eine Örtlichkeit, zu der diese bestialischen Morde einfach nicht passen wollen. Grausame Morde auf einer so schönen, friedlichen Insel?

Der Psychothriller verdient diese Bezeichnung zu Recht. Die Seiten fliegen nur so dahin, und bereits nach wenigen Stunden ist das Buch beendet. Aber nur das Buch, denn das Geschehene hallt noch lange in den Gedanken des Lesers nach, und die verursachte Gänsehaut geht nur langsam vorbei.

Veröffentlicht am 28.06.2020

Kein Sterbenswort

Kein Sterbenswort
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Vor acht Jahren hat der Kinderarzt Dr. David Beck die Liebe seines Lebens verloren. Wenige Monate nach ihrer Hochzeit wurde Elisabeth von einem Serienkiller entführt und ermordet. David hat diesen Angriff ...

Vor acht Jahren hat der Kinderarzt Dr. David Beck die Liebe seines Lebens verloren. Wenige Monate nach ihrer Hochzeit wurde Elisabeth von einem Serienkiller entführt und ermordet. David hat diesen Angriff damals knapp überlebt, und die Ereignisse verfolgen ihn bis heute. Eines Tages erhält er eine seltsame E-Mail, deren Inhalt und dessen Bedeutung nur David und Elisabeth etwas sagt.

David Beck erzählt die Geschichte aus der „Ich-Perspektive“ und spricht den Leser ab und zu direkt an. Hierdurch soll zwischen Figur und Leser eine enge, emotionale Bindung entstehen. Bei mir funktionierte dies jedoch nicht. Ich kam zwar in die Geschehnisse gut hinein, aber es gab auch langatmige Abschnitte, und überraschende Wendungen blieben aus.

Insgesamt sind die Figuren gut ausgearbeitet. Der Leser wird sanft auf das große Finale vorbereitet, echte Spannung wollte aber nicht aufkommen. Der Schreibstil ist gut, und trotz der Längen ist das Buch relativ schnell gelesen.

„Kein Sterbenswort“ ist ein durchschnittlicher Roman, den man lesen kann, wenn man zwar Lust auf ein wenig Spannung, aber keine Nerven, Zeit oder Geduld für einen (PsychThriller hat. Insgesamt ist es ein gutes Buch.

Veröffentlicht am 28.06.2020

M.O.N.A.

Mona
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Eine israelische Splitterbombe tötet Samir Mustafs kleine Tochter Mona. Er ist verzweifelt und voller Rachegefühle. Samir ist IT-Spezialist und erhält die Möglichkeit, den aggressiven Computervirus M.O.N.A. ...

Eine israelische Splitterbombe tötet Samir Mustafs kleine Tochter Mona. Er ist verzweifelt und voller Rachegefühle. Samir ist IT-Spezialist und erhält die Möglichkeit, den aggressiven Computervirus M.O.N.A. Zu entwickeln. Dieser soll das israelische Finanzsystem zerstören. Zeitgleich präsentiert der Programmierer Eric Söderqvist seiner Frau Hanna „Mind-Surf“. Mit Hilfe dieses Programms kann der Nutzer alleine durch Gedanken das Internet erkunden. Nach dem Test fällt Hanna ins Koma. Eric ist überzeugt, dass M.O.N.A. dahinter steckt, und begibt sich auf die gefährliche Suche nach Samir Mustaf.

Wie Eric ist der Leser plötzlich mittendrin im Nah-Ost-Konflikt und gerät in einen Strudel, der ihn immer mehr in die Tiefe zieht. Zwischen den Fronten versucht er, Samir Mustaf zu finden. Hanna befindet sich in einer Art „Zwischenwelt“, aus der sie sich nicht befreien kann. Es hätte mir gut gefallen, mehr über diese Welt zu erfahren und mit Hanna diesen seltsamen Ort zu erkunden. Der Schwerpunkt der Geschichte ist eindeutig bei Eric und seinen kompliziert miteinander Verbundenen Geschehnisse.

Das Buch ist gut geschrieben, mir fehlte jedoch etwas der „Thrill“. Dies könnte daran liegen, dass ich keine Bindung zu den Figuren herstellen konnte. Mir blieben die Charaktere zu oberflächlich. An wenigen Stellen zieht sich die Geschichte etwas dahin, was etwas von der Spannung herausnimmt.

Insgesamt ist M.O.N.A. ein guter Roman, den man durchaus zwischendurch lesen kann.