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Nilchen

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Eine tiefe Freundschaft

Der Mauersegler
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Nachdem Jasmin Schreiber mit ihrem Debüt ‚Mariannengraben‘ brillierte und alle Welt begeistert war – ich kenne es noch nicht – wollte ich unbedingt ihr neustes Werk lesen: Der Mauersegler.
Von Hause ist ...

Nachdem Jasmin Schreiber mit ihrem Debüt ‚Mariannengraben‘ brillierte und alle Welt begeistert war – ich kenne es noch nicht – wollte ich unbedingt ihr neustes Werk lesen: Der Mauersegler.
Von Hause ist die Autorin Biologin und somit schon vertraut mit dem Sezieren von Vorgängen, schleichende und dramatische und setzt diese wieder grandios ins Verhältnis zur Welt.
Prometheus ist Arzt und war felsenfest davon überzeugt seinen Freund Jakob retten zu können. Höhenflüge nahezu hatte er und dann kam der Tod und Prometheus war am Boden zerstört. Wir Leser:innen begleiten ihn als er rock bottom -unten aufschlägt und sich in Dänemark wiederfindet. Dort trifft er auf Menschen, die ihn einfach aufnehmen, selbst Geheimnisse hüten und ihm eine Zuflucht bieten. Es geht hier zwar um den Protagonisten Prometheus und seine Trauerbewältigung, aber im Vordergrund steht für mich ganz klar als großer thematischer Bogen die Freundschaft.
Jasmin Schreiber hat einen sehr ergreifenden Schreibstil ohne Kitsch und ohne zu schwer zu werden. Sie geht das Thema Tod an und das in Kombination mit Freundschaft. Explosiv und sie spinnt eine Geschichte, die uns emotional berührt, erdet und wieder Wesentliches in den Mittelpunkt rückt.
Selten schenke ich einem Buch selbst, also dem Gedruckten ein Kommentar, aber hier ist es mir dieses wert. Vom Mehrwert des haptischen Buches mal abgesehen ist hier erst der Schutzumschlag raffiniert über den Buchschnitt gefaltet und darunter (ja, ich mache den Schutzumschlag immer ab beim Lesen) kommt ein noch schöneres Buch zum Vorschein, dass sogar eine Vogelprägung hat. Sehr gelungen.
Lesenswert ohne aber. Einfach zugreifen und trotz Tod und Leid eintauchen und gestärkt wieder auftauchen in die Lüfte mit dem Mauersegler und den eigenen Freunden.

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Veröffentlicht am 04.09.2021

Familiäre Dynamik in Szene gesetzt

Der Brand
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„..und Rahel denkt, dass besonders in einer Ehe die Summe des Nichtgesagten die Summe des Gesagten bei weitem übertrifft.“ (S. 71)
‚Der Brand‘ von Daniela Krien ist ein schmales Buch mit viel Tiefgang. ...

„..und Rahel denkt, dass besonders in einer Ehe die Summe des Nichtgesagten die Summe des Gesagten bei weitem übertrifft.“ (S. 71)
‚Der Brand‘ von Daniela Krien ist ein schmales Buch mit viel Tiefgang. Ich glaube, dass dieses Buch viele viele Liebhaber finden wird und bei anderen auf absolutes Unverständnis treffen wird. Ein Roman auf dem ich gefühlt auf jeder Seite einen tollen zitierbaren Satz fand.
„Was sprachlich nicht geformt werden kann, wird ganz sicher nicht gelöst.“ (S. 57)
Es geht um ein Ehepaar um die 50 aus Dresden, Rahel und Peter, die eigentlich ein Ferienhaus in den bayrischen Bergen bebucht hatten in einem Coronasommer. Doch dann brennt es ab und die Pläne ändern sich. Es geht auf einen Hof sehr guter älterer Freunde, denn Viktor hatte einen Schlaganfall und seine Frau begleitet ihn zur Reha an die Ostseeküste. Der Hof mit ein paar Tieren, Gnadenbrot-Pferd, Storch mit gebrochenem Flügen und mehr muss versorgt werden. Rahel und Peter springen ein.
„Doch zwischen Wissen und Tun steht eine Hürde, und nicht immer hat sie die Kraft, sie zu überwinden.“ (S. 142)
Und nun die idyllische Landschaft mit dem herrlichen Hof verbindet sich mit der bröckelnden Ehe im ewigen Schweigen – eine Zerrissenheit die im krassen Gegensatz zur Außenwelt steht. Das Nichtgesagte dominiert und die Stimmung droht zu kippen.
„Je mehr die Toleranz beschworen wurde, umso stärker nahm sie ab.“ (S. 183)

Aber keine Sorge, dieser Roman ist mehr als eine Ehekrise! Es geht auch um die gesamtfamiliäre Dynamik mit den Kindern. Ehrlich und treffen auf den Punkt ohne Schwafel.

„Als wäre das Leben eine schwere Bürde. Denn wer alles bekommt und nichts daraus macht, darf nicht mit Verständnis rechnen.“ (S. 152)
Daniel Krien schreibt großartig und ich fand schon ihre vorherigen Bücher absolut genial. Wer sie noch nicht für sich entdeckt hat, sollte sich dieses Buch auf den Nachttisch legen: Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 04.09.2021

DDR Nachwehen – eine Aufarbeitung

Die Verlassenen -
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Dieser schmale Band bring mich ins Schwärmen, denn Matthias Jügler hat einen richtig guten Roman geschrieben. „Die Verlassenen“ ist zwar kein sonderlich einladender Titel und das Sujet der DDR-Aufarbeitung ...

Dieser schmale Band bring mich ins Schwärmen, denn Matthias Jügler hat einen richtig guten Roman geschrieben. „Die Verlassenen“ ist zwar kein sonderlich einladender Titel und das Sujet der DDR-Aufarbeitung auch nicht innovativ, aber es ist sehr gut umgesetzt und das auf knapp 170 Seiten.
Ein Mosaik, dass sich so nach und nach zusammensetzt zu einem großen Bild. Der Protagonist des Romans ist Johannes, der zu DDR Zeiten groß wird in Halle an der Saale, ungefähr 1994 mit 13 Jahren wird er bei seiner Oma vom Vater zurückgelassen, wo er doch wohl schon mit 5 Jahren seine Mutter verlor. Als Erwachsener fängt er erst an sich Gedanken zu machen und stößt auf Unerhörtes! Natürlich hatte die Stasi ihre Finger im Spiel.
Dies ist eine literarisierte wahre Geschichte, aber nicht die des Autors, sondern einer anderen Familie, die zu DDR-Zeiten von der Stasi überwacht wurden. Matthias Jügler dürfte sie für seinen Roman verwenden und hat es toll umgesetzt. Dieser wahre Hintergrund macht diesen Roman noch erschütternder. Wobei auch noch mal gesagt werden muss, dass die Stasi-Dokumente im Buch auch reine Fiktion sind.
Großartig ist wie der Ich-Erzähler Johannes modellierte. Zunächst ein zurückhaltendes Kind, was wenig hinterfragt und still ist. Dann die Entwicklungskurve mit der Neugier über die eigene Vergangenheit. Sprachlich wird auch viel vom Autor zwischen den Zeilen transportiert. Vieles bleibt ungesagt und dieses großes Schweigen der Beteiligten wird deutlich. Matthias Jügler hat diese erdrückende Stimmung, die wie eine Glocke über dem Text hängt aus meiner Sicht sehr gut beschrieben.
Eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Endlich mal ein Buch für kleine Berlin-Entdecker!

Unser Berlin
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„Unser Berlin“ aus dem kleinen, aber sehr feinen Windy Verlag ist ein Bilderbuch über alles was es in Berlin zu entdecken gibt. Super als Reiseführer für die Kleinsten geeignet, aber genauso auch für Mini-Berlin ...

„Unser Berlin“ aus dem kleinen, aber sehr feinen Windy Verlag ist ein Bilderbuch über alles was es in Berlin zu entdecken gibt. Super als Reiseführer für die Kleinsten geeignet, aber genauso auch für Mini-Berlin im Kindergarten- und Grundschulalter (bis 4. Klasse). Eine runde Sache, denn es werden allerlei Bereiche abgedeckt und aus meiner Sicht, als Berliner Urgestein, ist es eine tolle ausgewogene Mischung. Zum einen wird auf die geografische Lage Berlins eingegangen, genauso wie auf die historische Situation der Teilung und dann natürlich auf alle wichtigen Sehenswürdigkeiten. Witzig fand ich die Seite über die lokalen Sportvereine (Hertha, Eisbären usw.).
Kompakte Texte zu den einzelnen Themen von Dagmar Fischer machen es kurzweilig und locker. Selbst ich habe was dazu gelernt, denn ich hatte keine Ahnung was ein „Café Achteck“ ist! Die besonders schönen Illustrationen von Katrin Merle muss man einfach lieben, denn sie sind detailreich und zugleich übersichtlich gemacht.
Dieses Buch sollte zur Grundausstattung jedes Berliner Kindergartens und Grundschulbibliothek gehören und in jedem Reisegepäck für kleine Besucher von 4 bis 8 Jahren.
Ach ja, noch was zur Altersangabe. Ja, es ist ein Bilderbuch, aber das sollte nicht abschrecken, denn es ist auch noch für Grundschüler spannend. Denn die Texte können selbst gelesen werden und ist ein guter Einstieg selbst mehr zu entdecken und eine gute Grundlage mehr Fragen zu stellen.
Fazit: Für kleine Berlin-Reisende, Mini-Berliner, Entdecker und alle die einfach gerne Berlin in klein betrachten. Wir waren sehr begeistert!

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Veröffentlicht am 02.09.2021

Aus Mathilde wird Mariam

Das Land der Anderen
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Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani kann man nur feiern. Wieder ein Buch, dass es zu lesen lohnt! Sie packt viele Themen in ihren neuen Roman ‚ Das Land der Anderen‘ und erzählt eine Geschichte ...

Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani kann man nur feiern. Wieder ein Buch, dass es zu lesen lohnt! Sie packt viele Themen in ihren neuen Roman ‚ Das Land der Anderen‘ und erzählt eine Geschichte aus dem letzten Jahrhundert, aber trifft uns in der Gegenwart. Es ist der erste Teil einer Familiensaga, die sich der Geschichte Marokkos widmet.
Mathilde ist die Protagonistin dieses Romans. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges verliebt sie sich als junge Frau in einen marokkanischen Offizier, der für die Franzosen kämpfte - Amine. Sie wagt es mit ihm nach Marokko zu gehen um ein eigenes Leben zu führen fernab der eigenen Familie. Dort leben sie dörflich bei Meknes auf dem geerbten Hof von Amine. Hier möchte er in trockener Eben als Bauer leben und den Traum seines Vaters verwirklichen hier ernten zu können. Angekommen ist Mathilde, aber findet zum einen patriarchalische Strukturen vor mit sehr traditionellen Lebensweisen in der sie als Frau eine bestimmte Rolle einzunehmen hat. Sie kümmert sich vorrangig um die beiden Kinder, hat aber als „Andere“ Privilegien, darf sich dafür aber auch nicht einmischen.
On top kommt die Sicht auf Marokko als Land, dass die Franzosen kolonialisiert haben und spürt den lokalen Rassismus, die immer die „Anderen“ trifft – egal auf welcher Seite. Eine französische Perspektive, aber von unten auf diesen Kolonialmacht und Wehr gegen die Besatzungsmacht. Ein spannender Ansatz. Dieser erste Band endet mit dem Jahr 1955. Turbulente Zeiten in Marokko -aber ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen, lest selbst.
Ich war bisher recht unbewandert in marokkanischer Geschichte und wie Frankreich als Kolonialmacht dort herrschte und wie die Unabhängigkeitsbewegung ihren Lauf nahm. Ich fand diesen Aspekt des Romans äußerst bereichernd.
Außerdem war der Themenkomplex der „Mischehe“ besonders spannend geschrieben, die beiden im Verhältnis zueinander, das Verhältnis zu den Lokalen inklusive der Familie und wie die Franzosen es aufnahmen.
Diese ganze Geschichte wird nüchtern erzählt von Leïla Slimani, aber so durchdringlich, dass es einen fasziniert. Wie immer reibt sie sich an den Themen und es knirscht auch mal und rüttelt den Leser auf ihre ganz eigene Weise auf. Lesenswert!

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