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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2019

St. Pauli in den 60er Jahren

Große Freiheit
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St. Pauli in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wir tauchen mit Wolli ein in den Kiez und begleiten ihn auf seiner Eroberungstour. Wir bekommen viele echte Ereignisse mit, wie die Eroberung der ...

St. Pauli in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wir tauchen mit Wolli ein in den Kiez und begleiten ihn auf seiner Eroberungstour. Wir bekommen viele echte Ereignisse mit, wie die Eroberung der Beatles, das Jahrhunderthochwasser, die neuen Clubs in der Großen Freiheit, JFK als neuer Präsident. Wolli nutzt jede sich bietende Gelegenheit auf dem Kiez zu arbeiten, macht sich viele Freunde und findet letztendlich eine Wohnung in der Großen Freiheit Nr. 11.
Schade an dem gesamten Text ist leider die Oberflächlichkeit, ohne Frage wird man hier gut unterhalten, ist es doch als ob man durch ein Schlüsselloch den Kiez der 60er Jahre beobachten kann. Aber mehr eben leider auch nicht. Was denkt sich Wolli, wenn er sich mit einer brutalen Kiezgröße auseinander setzten muss. Was denkt er wirklich über die Frau an seiner Seite – sie hat null Intellekt – warum bleibt er bei ihr? Wir begleiten Wolli und merken auch ansatzweise wie es ihm geht, aber so richtig verstehen kann man ihn nicht. Daher lässt mich dieser Roman ratlos zurück. Gelesen habe ich ihn gerne – sicher weil er sehr sensationsheischend ist. Wenn man wie ich nie Teil dieser doch sehr eigenen Welt war, macht das besonders neugierig auf das Völkchen in den entsprechenden Etablissements. Besonders wie in aller Welt kommen die da hin und warum bleiben sie? Diese Fragen bleiben alle offen.
Ein Zitat von Jean Ganet zu Beginn des Romans lies bei mir die Hoffnung keimen, dass dieser Roman eine künstlerische Aufarbeitung dieser Zeit ist, aber da wurde ich enttäuscht.
Fazit: Gerne gelesen, aber zu wenig Tiefe, mich hätte das Innenleben der einzelnen kuriosen Persönlichkeiten noch mehr gereizt. Wer gerne nur durchs Schlüsselloch schielt um Sensationen zu lesen, darf gerne zugreifen!

Veröffentlicht am 06.04.2019

26 Kantone und Felix ist mit Sophie mittendrin

Mit Felix durch die Schweiz
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Als Fans vom Hasen Felix waren wir natürlich sehr gespannt auf die neue Reise durch die Schweiz! Wie immer ist das gelungene Bilderbuch sehr toll bebildert von Constanza Droop. Mit detailreichen Abbildungen ...

Als Fans vom Hasen Felix waren wir natürlich sehr gespannt auf die neue Reise durch die Schweiz! Wie immer ist das gelungene Bilderbuch sehr toll bebildert von Constanza Droop. Mit detailreichen Abbildungen – es gibt immer wieder neues, anderes zu entdecken beim Vorlesen oder Selbstblättern.
Was aber macht die Felix-Bilderbücher so beliebt? Natürlich die Briefe!!! Auch wenn das Medium Brief in unserer heutigen Gegenwart leider ein seltenes privates Kommunikationsmittel geworden ist, erfreut es die Kinder sehr, wenn wieder mal ein Brief an der Reihe ist.
Neben den Briefen lernt man fast nebenbei sehr viel über die Ziele, die Felix und seine Besitzerin Sophie haben. „Mit Felix durch die Schweiz“ bringt uns natürlich die Schweiz näher, meine beiden Kinder (6 Jahre alt) fanden besonders beeindruckend, dass es 4 Sprachen in diesem einen Land gibt! Mein Sohn studiert mit Vorliebe die Wappen auf den Einschlagseiten.
Und wieder eines der unschlagbaren Argumente für die tolle Felix-Reihe, es ist eine Reihe für sehr viele Altersstufen. Ab 3 Jahren vorlesbar und bis in die erste Klasse spannend. Natürlich mit anderem Fokus. Der 3jährige lauscht eher dem Verlauf und schaut die Bilder an, die 6jährigen nehmen eher das Wissen auf. Der Text ist recht lang, aber Annette Langen findet wieder einmal genau die richtigen Worte und Satzlänge um die Kleinen nicht zu überfordern, aber auch die Spannung zu halten und Wissen zu vermitteln.
Einzige Anmerkung gilt den Themenübergängen, die sind an mancher Stelle nicht so rund wie in den Vorgängerbänden geworden. Aber tut dem Lesespaß keinen Abbruch.
Fazit: Wer eine Reise in die Schweiz plant mit den Lütten kann hier die ersten Grundlagen schaffen. Wer nicht in die Schweiz reist, wird es nach dieser Lektüre eventuell mit den Kindern machen wollen!

Veröffentlicht am 05.04.2019

Sehr guter Nachkriegskrimi

Der Hunger der Lebenden (Friederike Matthée ermittelt 2)
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Es geschieht ein grausamer Mord an einer Frau im Bergischen Land außerhalb von Köln im Sommer 1947. Da es eine Tatverdächtige gibt, schickt man Friederike Matthée von der Weiblichen Kriminalpolizei zur ...

Es geschieht ein grausamer Mord an einer Frau im Bergischen Land außerhalb von Köln im Sommer 1947. Da es eine Tatverdächtige gibt, schickt man Friederike Matthée von der Weiblichen Kriminalpolizei zur Vernehmung dorthin. Die junge Friederike hat ein besonderes Gespür und traut ihrem Gefühl einigen Spuren nachzugehen und stößt auf Unglaubliches.
Dieser Nachkriegs-Krimi ist spannend und liest sich locker weg. Ich fand mich schnell in die Geschichte ein und auch in die äußeren Umstände der Zeit. Beate Sauer hat einen sehr angenehmen Schreibstil. Das historische Setting wird passend beschrieben und hier im Sommer 1947 herrscht noch immer große Not und vor allem Hunger. Daher der Titel der das immer wiederkehrende Motiv des Hungers im Namen trägt: „Der Hunger der Lebenden“. Mir gefiel vor allem das ausgewogene Verhältnis von historischen Elementen und dem Kriminalfall. So erkundet man Köln im britischen Sektor der Nachkriegszeit auf eine spannende Weise.
Wer Fan ist von Frank Goldammer mit seiner Reihe um den Kommissar Max Heller im Nachkriegs-Dresden ist (Der Angstmann bis Roter Rabe), wird auch die Reihe um Friederike Mattée in Köln mögen! Eine weitere Nachkriegs-Krimireihe, die aber einen anderen Blickwinkel auf diese Zeit hat durch die weibliche Perspektive und den britischen Sektor.
Ich kannte den ersten Fall „Echo der Toten“ nicht und ich konnte der Handlung trotzdem folgen was beispielweise die Beziehung zu einem britischen Royal Military Police Officer Richard Davies angeht. Aber natürlich werde ich Band 1 auch noch lesen, da mich „Der Hunger der Lebenden“ überzeugt hat.
Beate Sauer hat es auf meine Liste der Autor*innen geschafft, die ich gerne im Auge behalte und gerne weiteres von ihr lesen werde. Lucky me, dass „Der Hunger der Lebenden“ nicht ihr erstes Buch war!
Fazit: Spannender Nachkriegs-Krimi aus Köln im Sommer 1947 im britischen Sektor. Nicht nur ein unterhaltsamer Krimi sondern auch erhellend über die Nachkriegszeit zu lesen.

Veröffentlicht am 03.04.2019

Eine Frage des Blickwinkels

Worauf wir hoffen
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„Worauf wir hoffen“ ist ein Roman aus der Feder einer Frau die zwischen den Welten aufgewachsen ist. Fatima Farheen Mirza ist in den USA groß geworden und hat das Glück mehr als eine Kultur im Haus zu ...

„Worauf wir hoffen“ ist ein Roman aus der Feder einer Frau die zwischen den Welten aufgewachsen ist. Fatima Farheen Mirza ist in den USA groß geworden und hat das Glück mehr als eine Kultur im Haus zu haben in ihrer Kindheit. Der Vater ist in Hyderabad aufgewachsen und ihre Mutter stammt aus einer britisch-indischen Familie. Und genau in dieses Kulturen-Konglomerat taucht man mit ihr ab. Es ist ein emotionsgeladener Roman, der uns eine muslimische Familie in den USA näher bringt. Sicher ist der große Erfolg in den USA auch diesem Umstand zu danken, denn diese Sichtweise ist sicher noch unterrepräsentiert in der Gegenwartsliteratur. Die Autorin merkte in einem Interview mit dem Guardian an, dass das nicht mal die Intension war sondern ihren Erfahrungen entsprach. Und genau das macht es so lesenswert und gut aus meiner Sicht. Eine echte Innenansicht, von jemanden der weiß worüber er/sie schreibt! Wobei es auch ein Schrei nach Veränderung für eine bessere Gesellschaft ist was die rückständigen Ansichten von traditionell verhafteten Familienmitgliedern angeht. Die wichtige Stellung der Familie über dem individuellen Glück. Die patriarchalischen Strukturen, die Frauen bei der Entfaltung behindern, damit ist das „worauf wir hoffen“ gemeint.
Sprachlich ist auch hervorzuheben, dass Fatima Farheen Mirza Begriffe im Original nutzt und nicht übersetzt wird. Damit verschafft sie mir als Leser einen intimeren Einblick, aber zeigt mir zumindest auch was ich alles nicht kenne. Es ist immer eine Frage des Blickwinkels was das „Andere“ ist. Eine der Stärken dieses Buches.
Die Geschichte nimmt ihren Lauf auf einer Hochzeit. Wir lernen zunächst alle relevanten Familienmitglieder kennen und mehr als das spürt man beim Lesen förmlich die unausgesprochenen Anschuldigungen, die Vorwürfe, die Sorgen und zugleich auch die Freude.
Wunderbar übersetzt ist das Ganze von Sabine Hübner. Auch hier ist es interessant zu wissen, dass der Titel des Originals „A place for us“ heißt, so ganz anders als der deutsche Titel, beides passt.

Fazit: Lesen und bereichern lassen!

Veröffentlicht am 03.04.2019

Toller Einblick in die Bonner Republik des Jahres 1972!

Rheinblick
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Bereits Brigitte Glasers erster Roman ‚Bühlerhöhe‘ hat mich sehr begeistert und nun auch der „Rheinblick“! Diesmal entführt Brigitte Glaser uns in die Bonner Republik. Ein interessanter Kosmos, denn die ...

Bereits Brigitte Glasers erster Roman ‚Bühlerhöhe‘ hat mich sehr begeistert und nun auch der „Rheinblick“! Diesmal entführt Brigitte Glaser uns in die Bonner Republik. Ein interessanter Kosmos, denn die dörflichste Hauptstadt der Welt hatte für ausländische Diplomaten ihren ganz eigenen Reiz und auch die innerdeutschen Verhältnisse waren turbulent in den 70er Jahren. Der Roman umfasst „nur“ einen Zeitraum von knapp 3 Monaten, Ende 1972 und doch passiert so viel Willy Brandt wird Kanzler und die politischen Ämter werden neu verteilt.
Geschickt erzählt Brigitte Glaser aus zweiter Reihe was die Bonner Republik bewegte und die politischen Verhältnisse ausmacht in den 70er Jahren. Wir lernen verschiedene Charaktere kennen, die sich im Verlauf des Buches „annähern“. Ich finde die Idee den politischen Zirkus aus nächster Nähe, aber mit Abstand zu erzählen gelungen.
Gut geschrieben und mit viel Liebe zum örtlichen Detail erzählt sie diese Geschichte. Vor allem für Bonner und Kenner von Bonn ist das sicherlich eine sehr freudige Lektüre. Da ich mit Bonn nicht vertraut bin, tat ich mich etwas schwer. Sicher gibt es bei einem Besuch in Bonn dann das ein und andere Aha-Erlebnis der Örtlichkeiten. Spannend war es in die damaligen Verhältnisse und Gegebenheiten einzutauchen und die Welt von damals besser zu verstehen!

Fazit: Guter Roman für Bonn-Kenner und Politikinteressierte!