Guter Fantasyauftakt
When Shadows Darken the SunDas Cover des Buches ist einfach wunderschön – sehr edel gestaltet und perfekt auf den Titel abgestimmt. Besonders die Thematik rund um den Nacht- und Sonnenhof wird durch die Farbwahl in Schwarz und Gold ...
Das Cover des Buches ist einfach wunderschön – sehr edel gestaltet und perfekt auf den Titel abgestimmt. Besonders die Thematik rund um den Nacht- und Sonnenhof wird durch die Farbwahl in Schwarz und Gold hervorragend aufgegriffen.
Auch das Setting ist spannend umgesetzt: Während am Sonnenhof stets Tag und Sonne herrschen, ist es am Nachthof immer dunkel. Besonders gut gefallen hat mir, dass im Buch immer wieder die Schönheit der Nacht hervorgehoben wird, was der Geschichte insgesamt mehr Tiefe verleiht.
Der Schreibstil ist angenehm locker und flüssig, sodass man nur so durch die Seiten fliegt. Gleichzeitig schafft es Nina Schilling, Emotionen zu transportieren und eine lebendige Welt entstehen zu lassen, in die man sich gut hineinversetzen kann. Allerdings bietet die Welt an sich nicht allzu viele neue oder außergewöhnliche Elemente. Auch über die magischen Kräfte erfährt man vergleichsweise wenig: Nox verfügt über Schattenkräfte, Cass über Lichtkräfte, doch wie vielfältig diese einsetzbar sind, wird nicht näher ausgeführt. Das fand ich etwas schade – möglicherweise wird das in Band zwei noch vertieft.
Die Protagonistin Cass ist von Anfang an eine echte Badass-Figur. Sie wirkt oft cool und gleichzeitig sehr sympathisch. Besonders positiv fand ich, dass sie trotz der bestehenden Feindschaft zwischen den Höfen ihren Stolz auch einmal zurückstellen kann.
Nox hingegen ist von Beginn an unglaublich liebenswert. Zwar wird er zunächst als „böser Prinz“ dargestellt, doch schnell wird klar, dass er diesem Bild nicht wirklich entspricht.
Obwohl zwischen den Höfen eigentlich Feindschaft herrschen sollte, zeigt sich schnell, dass innerhalb der jeweiligen Gruppen eine enge Bindung besteht. Darüber hinaus entsteht auch zwischen den Höfen eine gewisse Anziehung – nicht nur romantisch, sondern auch auf freundschaftlicher Ebene.
Die Liebesgeschichte zwischen Cass und Nox beginnt als authentischer Slow Burn. Die Wortgefechte und Blicke zwischen den beiden sind sehr gelungen und machen Spaß zu lesen. Später nimmt die Handlung jedoch stark an Tempo zu und entwickelt sich nahezu schlagartig weiter. Das wirkt teilweise etwas abrupt, ist aber vermutlich notwendig, um den Plottwist einzuleiten: Cass ist nicht einfach nur eine Zofe, sondern die Erbin, die gegen Nox antreten muss.
Dieser Twist war für mich zwar vorhersehbar, aber dennoch gut umgesetzt.
Der innere Konflikt der beiden Charaktere ist überzeugend dargestellt. Beide fühlen sich verraten, können sich damit jedoch kaum auseinandersetzen, da die Spiele bereits begonnen haben. Durch die wechselnden POVs wird ihre Zerrissenheit besonders deutlich.
Der Anfang des Buches zieht sich stellenweise etwas. Im ersten Drittel passiert zunächst viel – insbesondere Cass’ Ankunft und der Verlust sowie die Rettung von Soley. Danach folgt jedoch eine längere Phase, in der vergleichsweise wenig geschieht. Erst später nimmt die Handlung wieder deutlich Fahrt auf, als sie versuchen, Soley endgültig zu retten und den Heiler abzuholen. Mit Beginn der Spiele wird die Geschichte dann wieder deutlich dynamischer.
Soleys Tod war ein sehr emotionaler Moment, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Ich war wirklich überzeugt, dass sie ihn retten würden – entsprechend heftig war diese Wendung.
Die Spiele selbst konnten mich allerdings nicht vollständig überzeugen.
• Die erste Aufgabe (das Suchen des Amuletts) war eher unspektakulär.
• Die zweite Prüfung mit den Schatten war deutlich spannender, vor allem, weil man hier mehr über Nox erfährt und seine Hintergründe besser versteht.
• Die dritte Aufgabe – ein Kampf gegeneinander – wirkte ebenfalls eher unspektakulär.
Erst das Ende dieser Prüfung konnte noch einmal überzeugen, als die dritte Göttin erscheint und die beiden dazu zwingt, zusammenzuarbeiten, um das dritte Reich zu rächen.
Insgesamt handelt es sich um ein gutes Fantasybuch mit kleineren Schwächen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen. Es gibt noch Luft nach oben, aber das Buch hat mich gut unterhalten und ich werde Band zwei definitiv weiterlesen.
Mein persönliches Highlight waren die Lichtwölfe und die Schattenpanther – die fand ich einfach richtig cool!