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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2025

Ein surreales Kurzmärchen

Die Gouvernanten
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Wenig scheren sich die drei Gouvernanten um die Erziehung der ihnen anvertrauten Jungen des Ehepaars Austeur. Wilder als Éléonore, Laura und Inès sind die Buben sowieso nicht. Sie machen, wonach ihnen ...

Wenig scheren sich die drei Gouvernanten um die Erziehung der ihnen anvertrauten Jungen des Ehepaars Austeur. Wilder als Éléonore, Laura und Inès sind die Buben sowieso nicht. Sie machen, wonach ihnen der Sinn steht. Sie sonnen und lustwandeln (halb-)nackt im obszön großen Park des Hauses. Verirrt sich ein Mann in diesen Park, der den Dreien gefällt, so wird er nicht verschont. Hemmungslos stillen sie ihren fleischlichen Hunger und nehmen sich von den ihnen auserkorenen Objekten der Lust, was sie wollen. Das Ehepaar, für die Sommerferien verreist, soll mit einem Sommerfest bei seiner Rückkehr begrüßt werden, das die Gouvernanten organisieren. Weit über den Park hinaus in der Landschaft steht ein Haus, an dessen Fenstern ein greiser Mann steht und durch sein Fernglas das Treiben der drei Gouvernanten beobachtet. Fast wirkt es, als entstünde erst durch Voyeurismus des alten Nachbarn die sinnliche Koketterie, erschafft erst sein Auge die erotisch knisternde Szenerie, das er beobachtet.

Eine kurze, befremdliche Geschichte, ein surreales Märchen. Eine gewisse Offenheit muss man mitbringen für dieses Büchlein. Das macht den Reiz der 96 Seiten aus, nicht zur Gänze, nicht mal annähernd zu verstehen, wessen Zeuge das lesende Auge ist.

Veröffentlicht am 12.10.2025

Drei mögliche "Enden"

Alles, was du wolltest
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Viktoria und Alex sind ein Paar, und von Anfang an sind die Ausgangssituationen unterschiedlich. Alex ist die mit den Wünschen und Viktoria die mit dem Geld. Schon bevor Alex in Viktorias schickes beigefarbene ...

Viktoria und Alex sind ein Paar, und von Anfang an sind die Ausgangssituationen unterschiedlich. Alex ist die mit den Wünschen und Viktoria die mit dem Geld. Schon bevor Alex in Viktorias schickes beigefarbene Haus zieht, fühlt es sich eher wie eine Duldung und nicht wie eine Gleichberechtigung an. Viktoria gibt gerne Geld aus - sie hat es ja. Alex fühlt mit jeder übernommenen Rechnung, mit jedem Geschenk die Veränderung der Hierarchie, die sie auszugleichen versucht, indem sie sich in die Rolle der Haushälterin manipulieren lässt; sie putzt, sie kauft ein, sie nimmt sich zurück. Viktoria richtet Alex sogar ein Massagestudio im Gartenhaus ein. Wieder alles cremefarben. Wieder trägt alles Viktorias Handschrift. Sogar die ersten Kundinnen organisiert sie Alex.
Dann findet Alex einen Verlobungsring und spürt das drohende Gewicht, wenn aus diesem Kompromiss eine Konstante werden soll. Was für Möglichkeiten zwischen Ja oder Trennung gibt es?

Viktoria und Alex stammen von zwei unterschiedlichen Enden des Wohlstands. Während Viktoria Mangel und Provisorien nicht kennt, entstammt Alex einer prekären Familie, in der schon immer finanzielle Kompromisse eingegangen werden mussten. Als ein solcher Kompromiss kann auch die Partnerschaft der beiden gesehen werden. Eine Heirat würde die Hierarchieunterschiede dauerhaft in Beton gießen.
Die Möglichkeiten von Gehen und Bleiben probiert Christina König in der mit Abhängigkeiten und Macht durchsetzten Beziehung aus von "Alles, was du wolltest". Die Erkundung dieser Alternativen fand ich besonders spannend. Die Geschichte endet nicht mit einem starren Ausgang. Die Autorin bietet Lesenden drei Optionen wie die Beziehung endet und darüber hinaus weiter geht. Alle außer diesen drei möglichen Enden bieten Stoff zum Nachdenken und Diskutieren.
Klare Leseempfehlung von mir!

Veröffentlicht am 12.10.2025

Chobits Luxury Ed. 1 & 2

Chobits - Luxury Edition 02
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Hideki ist ein nicht sehr wohlhabender Student. Er hat ein kleines 1-Zimmer-Apartment in Tokyo gemietet. Die Stadt ist voll von Menschen und ihren Persocoms, menschlich aussehende und selbstständig handelnde ...

Hideki ist ein nicht sehr wohlhabender Student. Er hat ein kleines 1-Zimmer-Apartment in Tokyo gemietet. Die Stadt ist voll von Menschen und ihren Persocoms, menschlich aussehende und selbstständig handelnde Computer, welche die Menschen im Alltag begleiten. Hideki kann sich so einen Computer allerdings nicht leisten, obwohl er selbst gerne einen hätte. Da wirkt es fast schicksalhaft, dass Hideki eines Abends auf dem Müll einen weiblichen Persocom findet. Er nimmt diesen mit nach Hause und findet nach mühsamer Suche heraus, wie man den Computer einschaltet. Anfangs kann dieser nur ein einziges Wort sagen: Chi. So kommt der Persocom zu seinem Namen, und von nun an gehört Chi zu Hideki. Doch Chi scheint ohne wirkliche Software ausgestattet zu sein, denn sie wirkt anfangs, als würde sie die Welt neu kennenlernen. Doch allmählich wird klar, dass auch Chi eine Vergangenheit hatte, bevor Hideki sie auf dem Müll gefunden hat.
Da Hideki sich nicht mit Persocoms nicht besonders gut auskennt, greift er auf die Hilfe seines Studienkollegen zurück, der in Sachen Computer einfach unschlagbar ist. Durch ihn erfährt Hideki, dass Chi ein ganz besonderer Persocom zu sein scheint. Chi wiederum scheint Hideki mehr und mehr in ihr Herz zu schließen, was seltsam ist, denn Computer haben doch gar kein Herz. Dass aber auch Hideki sich um Chi sorgt, um ihr Wohlergehen besorgt ist und er ihre Nähe genießt, lässt ihn daran zweifeln, Computer und Menschen können keine echte Zuneigung füreinander empfinden.

Wie lange ist es her, dass ich eine gesubbte Version des Anime gesehen habe? Bestimmt 20 Jahre! Als ich dann irgendwann die zweibändige Luxusausgabe von Chobits entdeckt habe, war natürlich klar, dass diese mein Bücherregal und mein Leben bereichern wird und schneller gekauft war, als jemand das Wechselgeld aus der Kasse sammeln kann. Ich liebe einfach die Illustrationen, ausnahmslos alle Charaktere und die Situationskomik vieler Kapitel!

Veröffentlicht am 12.10.2025

Chobits Luxury Ed. 1 & 2

Chobits - Luxury Edition 01
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Hideki ist ein nicht sehr wohlhabender Student. Er hat ein kleines 1-Zimmer-Apartment in Tokyo gemietet. Die Stadt ist voll von Menschen und ihren Persocoms, menschlich aussehende und selbstständig handelnde ...

Hideki ist ein nicht sehr wohlhabender Student. Er hat ein kleines 1-Zimmer-Apartment in Tokyo gemietet. Die Stadt ist voll von Menschen und ihren Persocoms, menschlich aussehende und selbstständig handelnde Computer, welche die Menschen im Alltag begleiten. Hideki kann sich so einen Computer allerdings nicht leisten, obwohl er selbst gerne einen hätte. Da wirkt es fast schicksalhaft, dass Hideki eines Abends auf dem Müll einen weiblichen Persocom findet. Er nimmt diesen mit nach Hause und findet nach mühsamer Suche heraus, wie man den Computer einschaltet. Anfangs kann dieser nur ein einziges Wort sagen: Chi. So kommt der Persocom zu seinem Namen, und von nun an gehört Chi zu Hideki. Doch Chi scheint ohne wirkliche Software ausgestattet zu sein, denn sie wirkt anfangs, als würde sie die Welt neu kennenlernen. Doch allmählich wird klar, dass auch Chi eine Vergangenheit hatte, bevor Hideki sie auf dem Müll gefunden hat.
Da Hideki sich nicht mit Persocoms nicht besonders gut auskennt, greift er auf die Hilfe seines Studienkollegen zurück, der in Sachen Computer einfach unschlagbar ist. Durch ihn erfährt Hideki, dass Chi ein ganz besonderer Persocom zu sein scheint. Chi wiederum scheint Hideki mehr und mehr in ihr Herz zu schließen, was seltsam ist, denn Computer haben doch gar kein Herz. Dass aber auch Hideki sich um Chi sorgt, um ihr Wohlergehen besorgt ist und er ihre Nähe genießt, lässt ihn daran zweifeln, Computer und Menschen können keine echte Zuneigung füreinander empfinden.

Wie lange ist es her, dass ich eine gesubbte Version des Anime gesehen habe? Bestimmt 20 Jahre! Als ich dann irgendwann die zweibändige Luxusausgabe von Chobits entdeckt habe, war natürlich klar, dass diese mein Bücherregal und mein Leben bereichern wird und schneller gekauft war, als jemand das Wechselgeld aus der Kasse sammeln kann. Ich liebe einfach die Illustrationen, ausnahmslos alle Charaktere und die Situationskomik vieler Kapitel!

Veröffentlicht am 12.10.2025

Triggerwarnung: Tod, Trauer

Für immer seh ich dich wieder
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Yannic und Charlotte freuen sich auf die Schwangerschaft. Dass das Kind Gustav heißen soll, darauf verständigen sich die werdenden Eltern schon früh. Für Gusti werden Kinderwagen, Bettchen, Wickeltisch ...

Yannic und Charlotte freuen sich auf die Schwangerschaft. Dass das Kind Gustav heißen soll, darauf verständigen sich die werdenden Eltern schon früh. Für Gusti werden Kinderwagen, Bettchen, Wickeltisch ausgesucht, die Freude wächst. Doch dann verstirbt Gustav im Mutterleib. Per Kaiserschnitt wird er geholt, ein paar Mal dürfen Charlotte und Yannic ihren totel Sohn halten, die nächsten Verwandten kommen dazu, um Abschied zu nehmen. Fotos werden gemacht. Als Erinnerung.
Wie verschmerzt man einen solchen Verlust? Charlotte liegt noch im Wochenbett, Yannic muss sich zunächst allein um vieles kümmern, das werdenden Eltern so fern sein sollte wie nichts anderes. Yannic hilft das Schreiben, das Erzählen, es hilft ihm seinen Schmerz in Worte zu übermitteln, seiner Trauer einen Resonanzraum zu geben.

„Für immer seh ich dich wieder“ lässt einen nicht kalt. Es ist, als ob die Trauer der hinterbliebenen Eltern sich von den Seiten des Buches über die Hände in einen hinein sickert. Yannic lädt mit dieser Art seiner Bewältigung Leser:innen in seinen Schmerz hinein ein, und damit in ein Thema, vor dem wir, da bin ich überzeugt, uns alle gerne abwenden – denn der Tod eines ungeborenen Kindes ist etwas selten in der Öffentlichkeit Diskutiertes.
Das Buch hat mich sehr berührt, und wer sich ebenfalls nicht davor scheut, sehr traurigen Themen Einlass zu gewähren, dem lege ich das Buch nahe – es wird was in euch bewegen.