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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.10.2022

Interessant und atmosphärisch

Das Leuchten der Rentiere
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Inhalt: Die kleine Elsa ist Sámi und erst neun Jahre alt, als sie am Rentiergehege ihrer Familie zufällig einem Mann begegnet, der nur kurz zuvor ihr kleines Rentierkalb getötet hat. Ohne ein Wort zu sagen, ...

Inhalt: Die kleine Elsa ist Sámi und erst neun Jahre alt, als sie am Rentiergehege ihrer Familie zufällig einem Mann begegnet, der nur kurz zuvor ihr kleines Rentierkalb getötet hat. Ohne ein Wort zu sagen, macht der Mann ein unmissverständliches Zeichen, mit dem er Elsa schreckliche Konsequenzen androht, sollte sie ihn verraten. Von nun an lastet dieses große Geheimnis schwer auf ihrer Seele, vor allem, weil das Töten der Rentiere nicht aufhört Die Anzeigen der Rentierzüchter bei der Polizei werden nicht wichtig genommen und verlaufen ins Leere. Erst viele Jahre später ergibt sich für Elsa die Gelegenheit für Gerechtigkeit zu sorgen.

Meine Meinung: Die Autorin Ann- Helén Laestadius ist gebürtige Samin und gibt einen sehr interessanten Einblick in das Leben und die Kultur der Sámen. Sie hat diese Geschichte in drei Teile unterteilt. In Teil 1 ist Elsa erst neun Jahre alt, dann gibt es im nächsten Teil einen Zeitsprung von zehn Jahren und Teil 3 spielt dann noch einmal zwei Jahre später. Der Schreibstil ist eher ruhig, oft eindringlich, an einigen Stellen aber leider auch etwas zäh und ich kam nur relativ langsam mit dem Lesen voran.
Die Protagonistin Elsa wird im Lauf der Geschichte erwachsen und ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Ich fand ihre Entwicklung vom Kind zur mutigen Frau sehr beeindruckend. Aber auch die anderen Charaktere werden anschaulich und authentisch beschrieben.
Die Schauplätze konnte ich mir durch die detailierten Beschreibungen sehr gut vorstellen und auch die bedrückende und düstere Atmosphäre der langen dunklen, kalten und schneereichen Wintermonate wird sehr deutlich geschildert. Dazu kommen die Ungerechtigkeiten der Polizei und der anderen Dorfbewohnern den Samen gegenüber, sowie die anhaltende Tierquälerei und Wilderei. Nicht jeder der Rentierhalter hält diesen psychischem Druck auf Dauer stand. Im letzten Viertel des Buches nimmt die Spannung dann deutlich zu und das Ende hat mir gut gefallen.

Fazit: „Das Leuchten der Rentiere“ ist ein ganz besonderes Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte. Es beschreibt ungeschönt das Leben der sámischen Rentierhalter im nördlichen Schweden und deren häufige Konfrontation mit Wilderei und Rassismus, aber ebenso die Schönheit der Natur. Ich habe das Buch trotz einiger Längen gerne gelesen und die Geschichte werde ich sicher noch eine ganze Zeit im Gedächtnis behalten

Veröffentlicht am 19.10.2022

Spannend und undurchschaubar

Beste Freunde
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Von Anfang an konnte mich „Beste Freunde“ fesseln. Obwohl die Handlung lange Zeit eher ruhig verläuft, herrsche eine subtile Spannung und ich wollte unbedingt wissen, wie sich alles entwickelt. Der Spannungsbogen ...

Von Anfang an konnte mich „Beste Freunde“ fesseln. Obwohl die Handlung lange Zeit eher ruhig verläuft, herrsche eine subtile Spannung und ich wollte unbedingt wissen, wie sich alles entwickelt. Der Spannungsbogen steigt zunächst nur langsam an, doch etwa im letzten Viertel konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Die Geschichte ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil spielt zur Zeit des Unfalls und bis zur Urteilsverkündung. Der zweite Teil beginnt dann zwanzig Jahre später mit Megans Entlassung aus dem Gefängnis. Die anderen fünf Freunde sind nicht gerade begeistert und würden am liebsten jeden Kontakt meiden. Natürlich ist ihnen klar, dass Megan nun von jedem den versprochenen Gefallen einfordern wird. Sie alle stammen aus privilegierten Familien und haben inzwischen vielversprechende Karrieren gemacht und sich etwas aufgebaut. Megan ist die einzige der Clique, die aus einfachen Verhältnissen kommt und damals nur durch ein Stipendium dieselbe Schule besuchen durfte.
Ich habe schon viele Bücher von Sarah Bolton gelesen und mag ihren flüssigen und einnehmenden Schreibstil sehr gern. Besonders gut gefallen hat mir diesmal, dass sie aus der Sicht der fünf Freunde erzählt und nie aus der von Megan. So bleiben ihre Gedanken und Handlungen verborgen, was den weiteren Verlauf undurchschaubar macht.
Obwohl mir zu Beginn keiner der Freunde besonders sympathisch war - ja, sogar eher unsympathisch - habe ich gegen Ende doch mit ihnen mitgefiebert. Es gibt einige völlig überraschende Wendungen und oft dachte ich, ich wüsste jetzt Bescheid, doch immer lag ich falsch.

Fazit: Für mich war „Beste Freunde“ ein toller Pageturner, der von Seite zu Seite undurchschaubarer und spannender wurde.

Veröffentlicht am 07.10.2022

Gelungene Fortsetzung mit sympathischen Protagonistinnen

Wer mit den Toten spricht
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Inhalt: Die 25-jährige Cassie Raven ist Sektionsassistentin der Gerichtsmedizin. Seit ihrem 4. Lebensjahr glaubt sie, dass ihre Eltern gemeinsam bei einem Verkehrsunfall gestorben sind. Nach einem Schlaganfall ...

Inhalt: Die 25-jährige Cassie Raven ist Sektionsassistentin der Gerichtsmedizin. Seit ihrem 4. Lebensjahr glaubt sie, dass ihre Eltern gemeinsam bei einem Verkehrsunfall gestorben sind. Nach einem Schlaganfall möchte ihre Großmutter nun ihr Gewissen erleichtern und gesteht, dass sie jahrelang gelogen hat, denn Cassies Vater Callum lebt noch. Er wurde zu siebzehn Jahren Gefängnis für den brutalen Mord an ihrer Mutter verurteilt. Cassie ist fassungslos. Doch dann meldet sich er sich kurze Zeit später bei ihr und beteuert seine Unschuld. Mithilfe von Phyllida Flyte beginnt Cassie zu recherchieren und hofft, die Unschuld ihres Vaters beweisen zu können.

Meine Meinung: „Wer mit den Toten spricht“ ist bereits der 2.Fall für Cassie und Flyte und problemlos ohne Vorwissen zu lesen.
Cassie ist nicht gerade die typische Sektionsassistentin und aufgrund ihres Aussehens wird sie schnell unterschätzt und in eine Schublade gesteckt, in die sie nicht gehört, denn sie ist noch sehr jung, trägt Gothic Look mit Gesichtspiercings und Tatoos. Mit sehr viel Respekt behandelt sie die ihr anvertrauten Toten und spricht sogar mit ihnen, was ihr oft beim Erkennen der Todesursache hilft. Auch den lebenden Menschen gegenüber zeigt sie viel Empathie und auch die Liebe zu ihrer Großmutter wird sehr deutlich. Ich finde Cassie äußerst zielstrebig, liebenswert und sympathisch. Flyte dagegen ist immer korrekt gekleidet und frisiert und wirkt sehr kühl. Doch vieles ist nur Fassade, denn die Todgeburt ihrer kleinen Tochter macht ihr noch schwer zu schaffen. Auch Flyte mag ich sehr gern. Obwohl sie so unterschiedlich sind, schätzen sich die beiden Frauen und fühlen sich voneinander angezogen.
Der Schreibstil ist lebendig und lässt sich flüssig lesen. Die Handlung würde ich eher als ruhig und auch nicht als übermäßig spannend bezeichnen. Gut gefallen haben mir die Beschreibungen von Cassies Arbeit in der Gerichtsmedizin und die Erkenntnisse, die sie daraus gezogen hat. In einer Nebenhandlung lässt Cassie der angebliche Selbstmord eines Jugendlichen keine Ruhe und sie stellt auf eigene Faust Nachforschungen an.
Gerne habe ich Cassies und Flytes Spurensuche verfolgt, bei der ich miträtseln konnte und einige falsche Vermutungen hatte. Die Auflösung war dann überraschend für mich.


Fazit: Eine gelungene Fortsetzung in der die liebenswerte Cassie in eigener Sache ermittelt. Ich freue mich auf den nächsten Fall.

Veröffentlicht am 06.10.2022

Keine leichte Lektüre

Turmschatten
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Inhalt: Zur Zeit des Holocaust war Ephraim Zamir ein kleines Kind, doch die grausamen Taten der Nazis und der Verlust seiner gesamten Familie haben sein weiteres Leben stark geprägt und ihn zu einem unerbittlichen ...

Inhalt: Zur Zeit des Holocaust war Ephraim Zamir ein kleines Kind, doch die grausamen Taten der Nazis und der Verlust seiner gesamten Familie haben sein weiteres Leben stark geprägt und ihn zu einem unerbittlichen Mann werden lassen, der seinen Schmerz und den Gedanken an Rache nie überwinden konnte. Nun ist er nach langer Zeit wieder nach Deutschland zurückgekehrt und lebt zusammen mit der jungen Esther Goldstein, die für ihn wie ein Familienmitglied ist, in einem alten massiven Turm, der bereits im 2. Weltkrieg als sicherer Bunker diente.
Als drei Neonazis ihn in seinem Turm überfallen wollen, gelingt es ihm, sie zu überwältigen und als Geiseln zu nehmen. Er verhört einen Mann nach dem anderen und macht so ihre bisherigen Gewalttaten, die von Antisemitismus und Rassismus zeugen, deutlich. Das Ganze überträgt er live im Internet und fordert die Zuschauer auf abzustimmen, ob die Männer leben dürfen oder von ihm hingerichtet werden sollen.
Schnell beginnt ein großes Medienspektakel und viele Schaulustige sammeln sich vor dem Turm, während für die Polizei ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Meine Meinung: Peter Grandl erzählt diese spannende fiktive Geschichte mit dem brisanten und aktuellen Hintergrund aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven. Zudem tragen viele Rückblicke zum besseren Verständnis und Kennenlernen der einzelnen Charaktere und vor allem der Protagonisten bei, wobei einige Passagen in der Gegenwart, sowie auch in der Vergangenheit, für meinen Geschmack zu ausführlich und damit etwas langatmig sind. Durch den flüssigen und packenden Schreibstil des Autors lässt sich das Buch jedoch trotz einiger Längen gut lesen. Natürlich trägt auch der ständig steigende Spannungsbogen dazu bei, dass die knapp 600 Seiten nur so verfliegen.
Ungläubig habe ich verfolgt, wie brutal sich der 72-jährige Ephraim Zamir den Männern gegenüber verhält - so dass Gut und Böse irgendwann verschwimmen - , wie relativ hilflos die Polizei agiert und wie die Live-Übertragung zu einem riesengroßen Medienspektakel wird. Da geht es nur um die Quote und es werden Vergleiche zum Geiseldrama von Gladbeck (1988) gezogen, das ich noch immer in schrecklicher Erinnerung habe. Ich fand es erschreckend zu lesen, wie Menschen sich verhalten, wie sensationsgierig und manipulierbar sie (ja eigentlich wir alle) sind! Zudem lässt die Anonymität des Internets bekanntlich alle Hemmschwellen schwinden.
Das Ende hat mich sehr überrascht und mir gut gefallen.

Fazit: „Turmschatten“ ist keine leichte Lektüre, sondern ein sehr spannender und komplexer Gesellschaftsthriller mit interessanten Protagonisten, der wegen seiner aktuellen Thematik betroffen macht und zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 04.10.2022

Die ersten weiblichen Beamtinnen im Polizeidienst

Das Kind der Lügen
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Inhalt: Hamburg 1929: Aufgeregt und verzweifelt meldet die wohlhabende und exzentrische Signe von Arnsberg ihre kleine Tochter Dorothee bei der Polizei als vermisst. Nach einem Ausflug mit der zuverlässigen ...

Inhalt: Hamburg 1929: Aufgeregt und verzweifelt meldet die wohlhabende und exzentrische Signe von Arnsberg ihre kleine Tochter Dorothee bei der Polizei als vermisst. Nach einem Ausflug mit der zuverlässigen Kinderfrau Alma sind beide nicht ins Hotel zurückgekehrt. Doch nur Kommissarin Paula Haydorn glaubt der Frau, während ihre Kollegen Signe nicht ernst nehmen, denn sie ist schon einmal hysterisch bei der Polizei aufgetaucht. Doch dann werden blutige Spuren gefunden…

Meine Meinung: „Das Kind der Lügen“ ist schon der zweite Fall für Paula Haydorn - eine der ersten weiblichen Beamtinnen im Polizeidienst - und ihre Kolleginnen. Leider habe ich Teil 1 nicht gelesen und hatte den Eindruck, einiges an Vorwissen verpasst zu haben. Vor allem Paulas Entwicklung bei der Polizei, ihr Zerwürfnis mit ihren Eltern oder ihr Verhältnis zu Martin Broder, ihrem Chef. Trotzdem ist der 2. Fall in sich abgeschlossen und auch als Einzelband zu lesen.
Obwohl es 1929 kaum Frauen bei der Polizei gab, wird Paula von ihren männlichen Kollegen akzeptiert und geachtet. Sie hat einen guten Spürsinn und zeigt Empathie, wagt aber keine halsbrecherischen Alleingänge, was mir gut gefällt. Mir war Paula schnell sympathisch. Schade fand ich, dass die anderen beiden Polizistinnen des Reviers, Caro und Gertrud, nur relativ kurze Rollen in diesem Buch haben. Ich hätte gerne mehr von den weiblichen Polizistinnen gelesen.
Der Erzählstil ist relativ ruhig, obwohl es auch immer wieder spannende Passagen gibt. Vor allem gegen Ende steigt der Spannungsbogen noch einmal an. Hauptsächlich geht es um die Ermittlungsarbeit der Polizei, die versucht, die verworrenen Familienverhältnisse von Signe zu durchblicken. Signe selber ist dabei keine Hilfe. Aber auch von anderer Seite droht den Hamburger Polizist
innen Gefahr. Erst gegen Ende des Buches gibt es die Auflösung, ob es da einen Zusammenhang mit dem verschwundenen Kind gibt oder nicht.
So richtig packen konnte mich die Handlung leider nicht. Interessant fand ich aber die Beschreibungen des alten Hamburg in den 1920er Jahren und die etwas düstere Atmosphäre.

Fazit: „Das Kind der Lügen“ ist ein historischer Kriminalroman, der mich leider nicht völlig überzeugen konnte.