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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2018

Kampf gegen die Zeit

Todeskäfig (Ein Sayer-Altair-Thriller 1)
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Sayer Altair ist eine außergewöhnliche Frau: sie ist nicht nur Neurowissenschaftlerin, sondern auch FBI-Agentin. Den Tod ihres Verlobten im Einsatz verdrängt sie durch Arbeiten bis zum Umfallen. Ihr neuester ...

Sayer Altair ist eine außergewöhnliche Frau: sie ist nicht nur Neurowissenschaftlerin, sondern auch FBI-Agentin. Den Tod ihres Verlobten im Einsatz verdrängt sie durch Arbeiten bis zum Umfallen. Ihr neuester Fall lässt ihr allerdings auch keine Zeit für Verschnaufpausen. In einem leerstehenden Haus wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, das in einem Käfig gefangengehalten wurde und jämmerlich verdurstete. Da es sich um die verschwundene Tochter eines Politikers handelt, stehen Sayer und ihr Team unter besonderem Druck, den Fall schnellstmöglich aufzuklären. Dann wird bekannt, dass der Mörder ein weiteres Mädchen in seiner Gewalt hat. Die Uhr tickt. Kann das Mädchen noch rechtzeitig gefunden und gerettet werden?
Bald finden die Ermittler heraus, dass der Killer besessen von Zwillingen ist und seine Opfer unter bewusstseinserweiternde Drogen setzt. Außerdem scheint er viel von Medizin zu verstehen. Als DNA-Spuren gefunden werden, scheint der Fall klar...
„Der Todeskäfig“ ist ein ausgesprochen spannendes (Hör-)Buch, das im Übrigen hervorragend von Peter Lontzek gesprochen wird.
Ellison Cooper schafft es, die Spannung bis zuletzt auf einem hohen Niveau zu halten und sorgt immer wieder für überraschende Wendungen. Nur gegen Ende wurde es mir dann ein wenig zu viel: Sayer Altair isst und schläft nicht, wird angeschossen und schafft es trotzdem, praktisch einhändig den Täter zur Strecke zu bringen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Bezug zur Realität gewünscht. Trotzdem gute Unterhaltung für Krimifans.

Veröffentlicht am 21.08.2018

Spannender Roman von überbordender Fantasie

Der Blumensammler
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David Whitehouse ist mit „Der Blumensammler“ wirklich ein ganz besonderer Roman gelungen.
Als erstes lernen wir Professor Cole kennen, einen Meeresforscher, der um ein Haar in seinem U-Boot den Tod gefunden ...

David Whitehouse ist mit „Der Blumensammler“ wirklich ein ganz besonderer Roman gelungen.
Als erstes lernen wir Professor Cole kennen, einen Meeresforscher, der um ein Haar in seinem U-Boot den Tod gefunden hätte, wäre ihm nicht das Schicksal in Form eines Wals zu Hilfe geeilt.
Danach treffen wir Dove, einen jungen Mann, der im London der Gegenwart lebt. Dove wird als Einzelgänger beschrieben, der in einem Notruf-Callcenter arbeitet. Als Kind wurde er von dem älteren Ehepaar Len und Maud adoptiert, wer seine leiblichen Eltern sind, weiß er nicht. Seine oft schwer kontrollierbaren Wutanfälle führt er auf seine Gene zurück. Dove leidet an starken Kopfschmerzen und erinnert sich an Dinge, die er gar nicht selbst erlebt hat.
Im nächsten Handlungsstrang geht es um Peter Manyweathers, der in Brooklyn im Jahre 1983 eine Reinigungsfirma betreibt. Bei der Reinigung der Wohnung einer Verstorbenen entdeckt Peter eine seltene Blume, was sein Interesse an Botanik weckt. Fortan verbringt er jede freie Minute in der Bücherei, um sein Wissen über seltene Pflanzen zu erweitern. In einem Buch findet er einen Liebesbrief, in dem von sechs extrem seltenen Pflanzen die Rede ist. Peter beschließt, auf die Suche nach diesen Pflanzen zu gehen. Er lernt einen anderen Botanikinteressierten, den Dänen Hens Berg, kennen, und gemeinsam brechen sie zu abenteuerlichen Reisen auf, auf denen es mehr als einmal zu gefährlichen Situationen kommt. Peter stellt außerdem fest, dass Hens nicht der gute Freund ist, für den er ihn gehalten hat...
Erst ganz am Schluss werden die Handlungsstränge miteinander verknüpft und die Zusammenhänge werden klar.
„Der Blumensammler“ ist ein spannender, kurzweiliger und interessanter Roman von überbordender Fantasie, der im Übrigen hervorragend ins Deutsche übersetzt ist. Ich habe ihn an einem Wochenende verschlungen. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 17.08.2018

Zickenkrieg in der australischen Wildnis

Ins Dunkel
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Als Teambuilding-Maßnahme werden 5 Frauen und 5 Männer einer australischen Firma übers Wochenende nur mit Kompass und Taschenlampe bewaffnet in die Wildnis geschickt. Die Männer- und Frauengruppen sind ...

Als Teambuilding-Maßnahme werden 5 Frauen und 5 Männer einer australischen Firma übers Wochenende nur mit Kompass und Taschenlampe bewaffnet in die Wildnis geschickt. Die Männer- und Frauengruppen sind getrennt unterwegs. Die Männer kommen nach ein paar Tagen pünktlich zum Treffpunkt zurück, von den Frauen fehlt zunächst jede Spur. Als sie endlich eintreffen, fehlt eine von ihnen, Alice Russell.
Wie sich herausstellt, ist Alice Informantin der Polizei, die der Firma wegen Geldwäschegeschäften auf der Schliche ist. Alice soll den Ermittlern Kopien von Verträgen liefern, mit denen sie die Firma überführen könnten.
Akribisch wird die Wanderung der Frauen durch den Dschungel erzählt. Bald kommen die fünf vom Weg ab und der Leser erfährt, dass es gewaltige Spannungen untereinander gibt, die zum Teil schon Jahrzehnte alt sind. Es bleibt nicht bei verbalen Auseinandersetzungen, die Aggressionen entladen sich sogar in Handgreiflichkeiten.
Alice, die aus privaten Gründen so schnell wie möglich zurück nach Melbourne will, hält es in der Gruppe nicht mehr aus und bricht allein auf.
Trotz umfangreicher Suchmaßnahmen wird sie tagelang nicht gefunden. Die Presse stürzt sich auf den Fall, denn Alice verschwand in einem Gebiet, in dem vor Jahren mehrere junge Frauen ermordet wurden. Zwar ist der damalige Täter nicht mehr am Leben, doch sein Sohn gilt als verschollen. Hat er womöglich Alice auf dem Gewissen?
Eigentlich ist das Thema durchaus spannend, doch dass jeder noch so kleine Schritt der Frauen im Detail beschrieben wird, zieht den Roman unnötig in die Länge, so dass streckenweise die Spannung verloren geht. Auch die vielen Nebenschauplätze haben mich gestört. Insgesamt kein schlechter Krimi, aber ich hatte mir mehr davon versprochen.

Veröffentlicht am 15.08.2018

Freuds abtrünnige Patientin

Ida
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Bereits als junges Mädchen leidet Ida an allerlei Krankheiten: Husten bis hin zur Sprachlosigkeit, Magenbeschwerden, ein taubes Bein. Krankheiten scheinen in der Familie Bauer einen großen Stellenwert ...

Bereits als junges Mädchen leidet Ida an allerlei Krankheiten: Husten bis hin zur Sprachlosigkeit, Magenbeschwerden, ein taubes Bein. Krankheiten scheinen in der Familie Bauer einen großen Stellenwert einzunehmen, auch Mutter und Vater sind ständig krank. Als Ida dann von einem Bekannten der Familie belästigt wird und sie sich der Mutter anvertraut, glauben die Eltern Ida nicht und schicken sie zur Behandlung ihrer physischen und psychischen Leiden zu Dr. Freud.
Die Sitzungen bei Freud haben meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Egal, was Ida ihm erzählt, alles interpretiert er in Richtung Sexualität. Wenn sie einige der absurden Auslegungen Freuds vehement ablehnt, so erklärt er dies damit, dass sie sich des Sachverhalts lediglich nicht bewusst ist. Gottseidank bricht Ida die „Kur“ ab.
Zu Beginn des (Hör-)Buchs kommt Ida im Alter von 58 Jahren nach ihrer Flucht aus dem von Nazis besetzten Europa in den USA an, wo ihr Sohn schon seit längerem lebt. Ida hat kein gutes Wort für ihn und seine Frau, sie mäkelt an allem herum und ist mir äußerst unsympathisch.
Im Laufe des Buchs wird anhand von Rückblenden Idas Leben erzählt und ich habe mehr Verständnis dafür entwickelt, warum sie so geworden ist.
Die Geschichte springt von einer Zeit zur nächsten und da ich das Buch als Hörbuch gehört habe, war dies nicht immer einfach zu verfolgen. Auch war mir zunächst die Stimme der Sprecherin nicht angenehm, doch bereits bei der 2. CD hatte ich mich an die österreichische Färbung gewöhnt.
Alles in allem fand ich Idas Geschichte sehr interessant, vor allem hat es mir gut gefallen, dass die Autorin den politischen Ereignisse der damaligen Zeit einen hohen Stellenwert eingeräumt hat. Das Buch ist keine leichte Kost und Freuds Therapie hat mich zur Weißglut getrieben, trotzdem würde ich die Lektüre empfehlen.

Veröffentlicht am 12.08.2018

Ein schicksalhafter Wintertag

Ein unvergänglicher Sommer
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Wintereinbruch in Brooklyn. Die Menschen sind gehalten, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, doch Richards Katze muss dringend zum Tierarzt. Auf dem Rückweg gerät sein Wagen ins Rutschen und beschädigt das ...

Wintereinbruch in Brooklyn. Die Menschen sind gehalten, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, doch Richards Katze muss dringend zum Tierarzt. Auf dem Rückweg gerät sein Wagen ins Rutschen und beschädigt das vor ihm fahrende Fahrzeug. Der Fahrerin, einer jungen Latina, kann er gerade noch seine Visitenkarte überreichen, bevor sie davonfährt. Später am Abend steht sie vor seiner Tür. Ursprünglich hatte sie nur Angst vor ihren Arbeitgebern, weil sie das Auto ohne Erlaubnis ausgeliehen hatte, doch jetzt hat sie festgestellt, dass eine Leiche im Kofferraum liegt.
Richard ist mit der Situation überfordert und wendet sich an seine chilenische Untermieterin Lucia. Gemeinsam beschließen sie, die Leiche und den Wagen loszuwerden. Der Plan ist, beide in einem See zu versenken.
Trotz Schneegestöbers brechen sie zu dritt Richtung Norden auf. Unterwegs beginnen sie damit, sich gegenseitig ihre Lebensgeschichte zu erzählen und sich dabei näherzukommen...
Die vordergründige Geschichte von der Leiche im Kofferraum ist der schwächste Teil der Geschichte. Viel interessanter sind die Schilderungen der bitteren Armut in Guatemala, wo Evelyn, die junge Latina, aufgewachsen ist, die Macht der Narcos und Gangs, die Machenschaften der Menschenhändler. Lucia berichtet von der Gräueln der Militärdikatatur mit den vielen Verschwundenen und auch Richard hat in seinem Leben schon manches erlebt.
Allendes Sprache ist bildhaft und eindrücklich, allerdings finde ich, dass sie in dieses Buch ein bisschen zu viel an Informationen gepackt hat. Die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Lucia und Richard hat mir gefallen, die Odyssee mit der Leiche im Kofferraum und die Lösung dieses Problems weniger.
Ein unvergänglicher Sommer ist ein durchaus lesenswertes Buch, aber restlos begeistern konnte es mich nicht.